Erste Adressen für erfolgreiche Prävention sind wahrscheinlich Schulen, die sich hieran beteiligen:

Wohl auch deshalb werden solche Schulen vom parteipolitischen Rechtsextremismus angegriffen:

Manchmal sind übrigens nicht Schüler:innen und Eltern das Problem, sondern auch Lehrer:innen:

Wie problematisch die politische Stimmungslage in vielen Lehrerzimmern, aber auch bei vielen Schulleitern ist, zeigt der Abschlussbericht zur Evaluation des Projektes in schonungsloser Offenheit. Die beteiligten Lehrer berichten von Anfeindungen, Diffamierungen durch Kollegen, einige redeten aus Angst vor Ablehnung lange Zeit gar nicht über ihr Engagement. „Die Beschäftigung mit Rechtsextremismus wird in vielen Kollegien als kontraproduktiv und unnütz wahrgenommen, weil sie der Meinung sind, die wahren Probleme liegen vor allem in der Frage der Migration begründet“, sagt Sebastian Fischer. Der Politikwissenschaftler von der Uni Hannover hat Fragebögen ausgewertet, Interviews und Gruppendiskussionen geführt und schließlich den Abschlussbericht verfasst. Was ihm zu Beginn des Projektes auffiel: Viele Lehrer aus dem Projekt versuchten eine Auseinandersetzung mit rechtsextremen Schülern zu vermeiden. Ihr Ziel war eher ein „akzeptierender Umgang“ mit ausgrenzenden und menschenverachtenden Positionierungen, wobei viele der Meinung waren, erst bei manifestem „Extremismus“ intervenieren zu müssen. Dazu passt auch, dass etliche Lehrer die extremen Standpunkte ihrer Schüler oft als „Ausdruck einer Suche nach Orientierung“ erklärten, „als den Versuch der Bewältigung schwieriger Lebenslagen“. Eine solche Wahrnehmung führe dazu, die politische Dimension extrem rechter Positionierungen zu unterschätzen, sagt Fischer. Fast schon verstörend wirkt das fehlende Problembewusstsein, das aus den Aussagen mancher Schulleiter spricht. Einer sagte und so steht es nun auch im Bericht: „Auch ein kleiner Nazi kann ein guter Facharbeiter sein.“

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Als ehemaliger Schüler (vor einigen Jahren) auf zwei „Schulen ohne Rassismus“ kann ich dir sagen, dass dieses Programm in keiner Form irgendeinen Einfluss auf den Schulalltag hatte. Einziger Effekt war ein großes Schild am Schultor.

Auf der Internetseite ist auch ziemlich klar erkennbar, was das Labels aussagt: Zu einem Zeitpunkt, der auch schon mal 25 Jahre in der Vergangenheit liegen kann, haben sich mindestens 70% der SchülerInnen, LehrerInnen usw gegen Rassismus ausgesprochen. Nicht mehr, nicht weniger. Es gibt wohl auch eine Verpflichtung, einmal im Jahr irgendeine Form von Aktivität gegen Rassismus zu machen, aber wirklich konkrete Vorgaben gibt es da nicht.

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Zu glauben, dass an solchen Schulen kein Rassismus oder Rechtsextremismus aufträten, ist natürlich unrealistisch.

Gleichwohl würde ich behaupten, dass an Schulen, die Teil des Netzwerks sind, im Schnitt ein höheres Bewusstsein und auch eher der Wille vorherrschen, etwas gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu unternehmen, als an Schulen, die kein Teil des Netzwerks sind.

Auf der Website wird auch ausdrücklich darauf verwiesen, dass es sich nicht um ein Zertifikat, sondern um eine Selbstverpflichtung eines großen Teils der Schulgemeinschaft handelt.

Mir sind zumindest Beispiele von Schulen bekannt, an denen auch eine aktive Wertevermittlung diesbezüglich stattfindet.

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Nach meiner Erfahrung ist „Schule ohne Rassismus“ einfach eine schicke, nichtsaussagende Plakette, mit der Schulleitungen ihr Gewissen beruhigen - man hat ja was getan und das Thema ist erledigt. Es gibt immer welche, die sich mehr engagieren und immer welche, die dies wenig tun.

Und wenn ich ehrlich bin, kann ich diese Haltung sehr gut nachvollziehen.
Ein Beispiel: Kurz vor der ersten Stunde, die Berufsschülerinnen und -schüler strömen in den kalten Klassenraum, am Vortag war es noch warm, deswegen hat noch niemand die Heizkörper hochgedreht. Eine Schülerin beschwert sich und beginnt dann, die Heizkörper aufzudrehen. Ein anderer Schüler ruft einfach quer durch den Raum: „Wir müssen im Kalten sitzen, aber die Asylantenheime werden beheizt!“
(True story, btw)
Wie groß soll das Fass sein, dass die Lehrkraft jetzt aufmacht?
Sie kann kurz darauf verweisen, dass hier kein logischer Zusammenhang besteht.
Sie kann den Schüler zu einem Gespräch nach dem Unterricht verdonnern (für das die Lehrkraft in Wahrheit keine Zeit hat, weil sie Pausenaufsicht hat und den Klassenraum wechseln muss) und mit ihm dezidiert auseinandernehmen, wie er darauf kommt, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Sie kann auch mit der gesamten Klasse eine Diskussion über Rassismus und seine Folgen führen, verliert dann aber eine oder mehr Unterrichtsstunden und schafft die Unterrichtsinhalte für die nächste Klassenarbeit nicht. Immer mit der Wahrscheinlichkeit, dass ihr die Diskussion mit drei Neonazis in der Klasse komplett entgleist und sie keine Zeit hatte, sich darauf vorzubereiten.
Sie kann die Diskussion auch auf einen anderen Tag legen, verliert aber dann das Moment um pädagogisch effektiv einzugreifen und muss den Satz so stehen lassen.

Für diese komplexen Entscheidungen hat die Lehrkraft ungefähr eine Sekunde Zeit, weil der nächste Schüler mit einer Frage zu ihr kommt und einem dritten plötzlich einfällt, dass er verbotenerweise eine Sekunde vor Unterrichtsbeginn im Klassenraum schnell noch zweimal von seinem Brötchen abbeißen möchte.

Ich würde sagen, Lehrkräfte handeln pragmatisch, die Vernachlässigung der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Tendenzen ist ein Kollateralschaden, wenn man eine Lehrkraft mit 30 Schülerinnen und Schülern allein lässt.

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Dem Schüler einen Aufsatz a 2 DinA4 Seiten aufdrücken wo er erklären soll warum seine Aussage in sich falsch ist dauert keine 30 Sekunden. Will er diskutieren direkt zurecht weisen das es nichts zu diskutieren gibt und wenn er nicht Ruhe gibt sein Ausbilder informiert wird. Berufsschule ist da super, weil der Chef sehr viel mehr Angst macht als die Eltern. Und übrigens der mit dem Brötchen, wenn interessiert es.

Man muss keine Stunde opfern um Schülern gegenüber Haltung zu zeigen. Die Diskussionen hierzu gehören in den Ethik, Sozialkunde, Geschichte oder Erdkundeunterricht. Vielleicht auch in den Deutschunterricht je nach Literaturauswahl.

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Das Dilemma des Lehreralltags (nicht nur beim Rechtsextremismus) gut dargestellt.

Bei vielen Anforderungen und Erwartungen an die Schulen denke ich mir immer, dass die Wahrheit in den Stundentafeln steckt. Wenn uns Extremismuprävention und politische Bildung wirklich so wichtig wären, wie es häufig gesagt wird und sicher auch sinnvoll wäre, wären Politik und Geschichte keine Nebenfächer, nicht mit Erdkunde ins Fach Gesellschaftslehre gepresst (an Gesamtschulen) und es müssten Lehrpläne aller Fächer so entschlackt werden, dass (in Sek 1 und 2) mehr Platz für den Besuch außerschulischer Lernorte und Projekte bliebe und auch verbindlich genutzt werden könnte. Das Bittere wie Praktische: Weil zumindest Politik, Geschichte, Erdkunde, GL Nebenfächer sind, kann man in denen als Lehrkraft meist ziemlich ungestört machen, was man für richtig hält. Die Lehrpläne sind eh so überfrachtet, dass die mit homogen leistungsstarken Lerngruppen (das Einhorn unter den Lerngruppen) schon nicht zu schaffen wären, von daher wird auch seltenst kritisiert, wenn man da irgendein Thema von dem alle wieder vergessen haben, dass sie das mal in der Schule hatten, ausfällt und man dafür Zeit für aktuelle Themen investiert.

Ich musste allerdings feststellen, dass nicht mal in den einschlägigen Fächern ausgebildete Kollegen den Beutelsbacher Konsens sicher anwenden können, sodass eine hohe Unsicherheit herrscht, wie klar man sich zu bestimmten Fragen positionieren darf oder sogar muss. (Beispielfrage „Wenn ich meinen SuS auf Nachfrage nicht sage, welche Partei ich gewählt habe, darf ich dann trotzdem auf eine weitere Nachfrage sagen, dass ich nicht die AfD gewählt habe oder wählen würde, weil die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird?“).

Wie das bei Fachfremden aussieht - vom Stand der politischen Bildung um solche Fragen überhaupt inhaltlich mit den SuS besprechen zu können, mal ganz zu schweigen - wage ich nicht, mir vorzustellen. Auch hier liegt ein Teil der Wahrheit mutmaßlich in der Lehrerausbildung, in der die einzelnen Fachrichtungen sehr im Fach ausbilden, die breite Bildung zur demokratischen Teilhabe in Schule und Universität eher so ein erhoffter Kollateralnutzen ist (wenn die in allen Fächern gut unterrichtet werden entsteht das schon irgendwie automatisch).
So sehe ich auch das Programm Schulen gegen Rassimus ambivalent. Nicht verkehrt, aber nur ein (kleiner) Baustein für das große Ziel.

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Es ist als Lehrperson immer ein Balanceakt: Wenn ich zu früh zu massiv interveniere, werden bestimmte Positionen nicht mehr geäußert und damit nicht mehr bearbeitbar im Unterricht. Es darf aber am Ende der Stunde auch nicht stehen bleiben, was leider auch gesellschaftlich längst Standard ist: Menschenverachtung, Rassimus, Nationalismus sind irgendwie Dinge die man „politisch stellen muss“ gegen die man mit „besserer Politik“ etwas machen könnte und damit irgendwie schon akzeptable Positionen im demokratischen Diskurs An der Stelle weise ich in entsprechenden Gesprächen immer darauf hin, dass wir auf die Verfassung verpflichtet sind, nicht auf Mehrheiten oder die amtierende Regierung. Zwischen beidem einen guten Mittelweg zu finden, besonders, wenn es zu spontanen Äußerungen kommt, ist extrem schwierig, ist meine Erfahrung. Ich nehme im Kollegium einerseits stark den Wunsch war, mit solchen Situationen gut umzugehen und auf die SuS einzuwirken, andererseits eine erhebliche Unsicherheit, die oft auch begründet ist, weil vor allem fachliches Wissen zu vielen Fragen fehlt. Meine persönliche Vermutung ist, dass man aus Angst vor unterstellter oder tatsächlicher Indoktrination (und aus mangelnder Investitionsbereitschaft) die Kolleg:innen mit dem Thema lieber relativ allein lässt, als geschlossen zu entsprechenden Fortbildungen zu schicken.

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Bei einem Besuch in Sachsen hatte ich Gespräche mit mehrern Studienfreunden, die dort arbeiten und was die berichteten war für mich oft wirklich erschreckend. Nicht nur Höcke ist „so ein“ Geschichtslehrer und auch Menschen, die auf Grund ihres Beamtenstatus eigentlich gut für ihre Position einstehen könnten, neigen am Ende lieber zum Appeasement. Ich hab manchmal unbewusste Ständedünkel, was man als Lehrkraft und besonders für entsprechende Fächer für eine Grundhaltung haben muss und wie nachdrücklich man dazu stehen sollte, die bei solchen Szenen sehr bewusst werden, weil ich so tief enttäuscht, erschüttert und auch etwas beleidigt bin, wenn „eine:r von Uns“ derartige Charakterausfälle zeigt. Für mich passt das mit dem Eid, den wir ablegen überhaupt nicht zusammen.

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prima Idee, dann habe ich einen beleidigten Schüler in der Ecke sitzen, der alle anderen permanent stört, weil er sich von seiner Aufgabe ablenken will.

Ich weiß nicht, ob Sie sich die Nachwahlbefragungen der Wahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg mal angeschaut haben, aber meines Wissens nach wird die (in zwei von drei dieser Ländern gesichert rechtsextreme) AfD vor allem von Männern zwischen 30 und 50 auf dem Land gewählt. Haben Sie eine Idee, was die hauptsächlich beruflich machen? Genau, die sind im Handwerk und bilden direkt oder indirekt junge Menschen (meist Männer) aus.
Wenn also die Lehrkraft in diesem Fall den Ausbildungsbetrieb informiert, wird das Verhalten des Schülers kleingeredet, verdeckt, entschuldigt - und hinterher wird im Betrieb über die linksgrünversiffte Lehrkraft und den katastrophalen Zustand der Schulen gewitzelt.
Die Schüler sind rechtsextrem, weil sie aus einem rechtsextremen Umfeld kommen.

Um mal Klartext zu reden:

  • Mitschüler wurden von diesen Schülern eingeschüchtert und ihnen wurde ein „Maulkorb“ verpasst, weil sonst „die Freunde“ vorbeikommen und „nach dem Rechten schauen“
  • es gibt Schüler, die sich nach der Ausbildung bewusst in westliche Bundesländer wegbewerben, weil sie den Rechtsextremismus in ihren Handwerksbetrieben nicht aushalten
  • der Fall „Burg“ dürfte allen noch in Erinnerung sein: Lehrer, die rechte Vorfälle öffentlich machten, verlassen Schule in Burg | rbb24

Was eine einzelne Lehrkraft gegen ein strukturellen Problem tun soll, von dem sie nur die Symptome sieht, ist mir komplett schleierhaft.

Achja, total schöne Idee, diese Fächer gibt es an Berufsschulen nicht. Geschweige denn Literaturunterricht.

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Für störende Schüler gibt es Mittel. Von schlechten Epochalnoten bis zum Ausschluss aus dem Unterricht. Der Betrieb wird spätestens dann eingreifen wenn der Abschluss gefährdet ist.

Was das strukturelle Problem angeht. Es ist leicht aus einem gesicherten Beruf und Umfeld heraus Tips zu geben. Es ist eigentlich einfach, wer den Kampf aufnehmen will und kann soll es tun. Wer sich dazu nicht in der Lage sieht muss entweder sich wegducken oder halt wegziehen aus den rechten Enklaven. Da darf man auch niemandem Vorwürfe machen! Ich weiß selbst nicht was ich im Fall der Fälle machen würde. Gerade wenn Familie, Freunde mit involviert sind und bedroht werden.

Sich wegzuducken ist sicher keine Option, wegzuziehen hingegen durchaus verständlich.

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Wenn man aus Gründen nicht wegziehen kann ist auch wegducken eine, wenn auch bedrückende Option. Kranke Eltern die nicht wegziehen können/wollen. Oder Kinder die alle Ihre Freunde dort haben. Die Entscheidung wegzuziehen ist auch keine die man für sich alleine trifft meist.

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Warum sollte man sich wegducken oder wegziehen, wenn es nur um einzelne Schüler (leider meist männlich) geht? Vielleicht muss ich hier mal eine Lanze für den Osten Deutschlands brechen, aber dieser ist, auch auf dem Land, keineswegs kollektiv eine „rechte Enklave“.
Zumindest in meiner Schülerschaft ist es so, dass 90% meiner Schülerinnen und Schüler grundsätzlich unproblematisch sind und ihr Herz am richtigen Fleck haben.
Die Frage ist, wie man mit diesen einzelnen Schülern umgeht, die rechtsradikal sind, anderen drohen, verdrehte Ansichten äußern.
Was mich richtig nervt, ist, dass diese, wenn man ihnen Paroli bietet, so viel Zeit und Kraft kosten. Natürlich gibt es Mittel gegen störende Schülerinnen und Schüler, ein ganzes Register sogar, aber das zu ziehen, ist wahnsinnig aufwendig und steht geringen Erfolgsaussichten gegenüber. Was gewinne ich denn, wenn ich den Schüler sanktioniere? Er wird sicher nicht friedfertiger und weniger rechtsextrem.
Die Frage ist doch, wie wir diesen Schülern eine echte Rehabilitierung, Aufklärung und ein Umdenken anbieten können. Das ist extremst aufwendig, würde im besten Fall das ganze Umfeld mit einbeziehen und so weit ich weiß, gibt es noch kein Patentrezept. Es bringt doch nichts, die Frustrations- und Eskalationsspirale weiter anzuheizen.

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Unter Nazis will man seine Kinder ja auch nicht aufwachsen sehen.

Nehmen wir mal an, in Brandenburg, Sachsen und Thüringen wäre der potenzielle Wählenden-Anteil unter adoleszenten Wahlberechtigten etwa gleich hoch.

Brandenburg repräsentiert einen Anteil von 29,2 %, Sachsen von 46,4 % und Thüringen von 24,4 % aufs Gesamt dieser drei Bundesländer.

In der jüngsten Wählenden-Gruppe lag der Anteil der rechtsextremen AfD in Brandenburg bei 31 %, in Sachsen bei 31 % und in Thüringen bei 38 % (vgl. infratest dimap/ARD).

Rechnerisch wählten dann im Schnitt dieser drei Länder in der Gruppe der Unter-25-Jährigen 32,7 % die rechtsextreme AfD - also fast ein Drittel.

Der AfD-Wählenden-Anteil ist bei den Gering- bis Mittelgebildeten noch einmal deutlich höher als bei Höhergebildeten. Allerdings sind Höhergebildete seltener.

Wenn man also in den drei genannten Ländern von einem Drittel der Berufsschüler:innen ausgeht, das die rechtsextreme AfD gewählt hat bzw. wählen würde, ist das noch eine recht konservative Schätzung.

Und jetzt schreibst du, dass neun von zehn deiner Schüler:innen „grundsätzlich unproblematisch“ seien.

Bei der Europawahl entsprach der Anteil der Unter-25-Jährigen, der die rechtsextreme AfD gewählt hat, dem Durchschnitt der AfD-Wählenden in allen Altersgruppen.

Deine zehn Prozent Problemfälle würden somit noch unter dem westdeutschen Durchschnitt liegen.

Trotz regionaler Varianz beim AfD-Wählendenanteil mag ich das nicht so recht glauben, denn deine AfD-Wählendenquote läge damit selbst unter der von Potsdam, wo von den Wahlkreisen der erwähnten Länder bei der Europawahl besonders wenige die rechtsextreme AfD gewählt haben.

Du hast ja den Fall in Burg dankenswerterweise selbst angesprochen (s. o.).

Was war dort u. a. das Problem? Eine Schulleitung und ein wesentlicher Teil des Lehrer:innenkollegiums, die sich weggeduckt haben, anstatt das virulente Nazi-Problem an ihrer Schule ordentlich und mit vereinten Kräften anzugehen.

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Du hast recht, @Schnackerio, ich bin ein wenig zu weit zurückgerudert. Ich muss differenzieren:

Wenn es um AfD-Wählen geht, dann gehe ich bei der Schätzung komplett mit: männliche, gering- bis mittelgebildete Berufsschüler im Alter von 16 bis 30, ganz überwiegend vom Lande, haben bestimmt zu 50-60% AfD gewählt, konservativ gerechnet.

Aber die allermeisten dieser Schüler fallen nicht mit rechtsradikalen Parolen auf, werden nicht gewalttätig, sind einsichtig in Diskussionen und zugänglich für logische Argumente, kleben keine Nazi-Sticker auf die Toilettenwände, ritzen keine Hakenkreuze in Tische, laufen nicht mit Thor-Steinar-T-Shirts durch die Gegend und rollen tatsächlich mit den Augen, wenn ein Spruch gegen Asylbewerber kommt.
Diese Schüler wählen nach meinem Kenntnisstand AfD, weil es gerade Mode ist, weil ihr Umfeld es auch tut, weil sie sehen, dass die bisherige Politik zu Infrastrukturproblemen in ländlichen Räumen, schlecht ausgestatteten Schulen und gesellschaftlichen Problemen (Klimawandel, Ukrainekrieg, Migration, Inflation, Arbeitslosigkeit nach der Wende bei älteren Familienmitgliedern) geführt hat, deren Ursachen sie schwer einordnen können.
Ich sehe diese Schüler als tatsächlich

an, weil man mit diesen Schülern arbeiten kann: es gibt zig Angebote zur Demokratiebildung.

Und ja, mit viel Engagement kann eine einzelne Lehrkraft hier viel tun, aber eigentlich ist es Schulleitungsaufgabe, das Ganze zu strukturieren und flächendeckend einzuführen.
Aber der Generationswechsel steht - wie überall - an und ich habe viel Hoffnung für die Zukunft.

Aber den Schüler, der frei von jedem Anlass rechtsextreme Parolen ruft, den erreicht man damit leider nicht. Und das ist ein Problem.

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Will ja deinen Optimismus nicht bremsen, aber die ganzen „Angebote zur Demokratiebildung“ haben ja offensichtlich in den Sekundar-/Mittel- und Berufsschulen versagt, wenn „männliche, gering- bis mittelgebildete Berufsschüler im Alter von 16 bis 30, ganz überwiegend vom Lande, […] bestimmt zu 50-60% AfD gewählt“ haben. Denn sonst hätten sie ja zumindest begriffen, dass man keine rechtsextreme Partei wählt.

Oder habe ich dich falsch verstanden und die „Angebote zur Demokratiebildung“ sind gerade nicht „flächendeckend“ eingeführt worden. Das Problem des Rechtsextremismus ist ja kein neues, sondern seit den #Baseballschlägerjahren in den 1990ern bekannt. Wenn du schreibst, „ich habe viel Hoffnung für die Zukunft“, kann ich selbige, offen gesagt, nicht so recht teilen.

Mir stellt es sich so dar, entweder wurde jahrzehntelang Rechtsextremismusprävention komplett versäumt, was dann die Wahlergebnisse erklärt (die mittelalten Alterskohorten haben schließlich sogar noch öfter rechtsextremistisch gewählt), oder sie wurde breit umgesetzt, was dann lediglich die Wirkungslosigkeit der bisherigen Konzepte zeigte. Beides gibt meines Erachtens nur wenig Anlass zur Hoffnung.

Alles andere als ermutigend ist zudem das Folgende:

@der_Matti (s. u.):

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Die Alternative wäre halt gar nicht zu wählen oder eine U5%-Partei, was beides aus verständlichen Gründen von Politik und Gesellschaft ziemlich ignoriert wird.
Insofern muss man schon sagen: AFD wählen wirkt. Politiker und Soziologen diskutieren, Journalisten interviewen Erstwähler und setzen es mit der Lage im Ort in Verbindung, Parteien überdenken ihre Strategien.

Man muss Politik und Gesellschaft durchaus vorwerfen, dass die AFD ja nicht im luftleeren Raum entstand und man es sich bequem gemacht hat, während die Probleme vor sich hin schwelten.

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Menschen, die bereit sind, Rechtsextremisten zu wählen, wurden die meiste Zeit auf die rechten Ränder der demokratischen Parteien, Nichtwähler und wechselnde extremistische Splitterparteien verteilt und so politisch weitgehend neutralisiert. Das war das beste, was man mit solchen Leuten anfangen kann. Dass sie kein wirksames, politisches Angebot hatten, war genau richtig. Solche Leute muss man tolerieren, aber sie dürfen keinen Einfluss auf die Politik bekommen. Es gibt eben kein Problem, außer fehlender Härte und Konsequenz im Umgang mit Rechtsextremisten, das sich „die Gesellschaft“ bezgl. der Afd-Erfolge vorwerfen lassen müsste.
Aber ich würde anmerken, dass sich das Gespräch allmählich vom Ausgangspunkt (Erfahrungen mit Rechtsextremismus im schulischen Kontext, postive Erfahrungen) weg entwickelt.
Mal eine positive Erfahrung: Ich hab in der Nähe der Landtagswahlen im Unterricht einer Klasse 9 mal so angefangen, dass wir erstmal Gründe erarbeitet haben, warum man sich für oder gegen Parteien entscheiden könnte. Dann haben wir die Gründe (bspw. Soziale Einflüsse durch Eltern, Lehrer, Freunde oder Wahlplakete, Wahlprogramme, soziale Medien etc.) hinsichtlich ihrer Qualität in drei grobe Stufen sortiert. Erst danach hab ich mal gefragt, ob jemand an einem konkreten Beispiel erklären mag, warum er oder sie eine bestimmte Partei kennt und ggf. wahlen würde. Das hat dann zu fruchtbareren Diskussionen geführt, in denen es auch Überraschungen gab: Schüler 1 meinte, er wollte die AfD wählen, weil er auf Tiktok einen Clip zur Rente gesehen habe und das Modell der AfD hätte ihn überzeugt. Tiktok Videos hatten wir bei den Gründen allerdings weit unten einsortiert. Das wurde dann auch von Mitschülerinnen angemerkt. Noch viel „schöner“ war aber die Antwort eines Schülers, der sich sonst kaum beteiligt:„Dein Vater ist doch Iraner. Wenn die AfD hier an die Macht kommt, kannst du froh sein, wenn ihr nicht abgeschoben werdet. Rente kriegt ihr bestimmt keine“ Einen kurzen Exkurs zu den Remigrationsfantasien führender AfDler später hatte sich der Reiz der AfD-Rente deutlich reduziert, war mein Eindruck und dazu hatte ich als Lehrkraft praktisch nichts weiter sagen müssen. Meine Erkenntnis: Bevor man so ein kontroverses Thema aufmacht, lohnt es sich erstmal ein abstraktes, argumentatives Spielfeld zu erarbeiten, damit die Gespräche eine gewisse Struktur bekommen.

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Da triffst du genau die Sichtweise, die Du mehrheitlich in Bayern und in der CSDU grundsätzlich über das linke Spektrum finden wirst.
Gerade Heranwachsende probieren auch aus, reiben sich und sind mit Sicherheit in ihrer politischen Sichtweise nicht gefestigt. Und ich weiß wirklich nicht, wer in der Ampel oder der Opposition wäre, dem ich als 19-Jähriger meine Zukunft anvertrauen wollen würde. Wenn man die 40-Jährigen AFD-Wähler lieber bei den Nichtwählern sehen würde, stimme ich zu. Die unter 25-Jährigen sollte man aber nicht voreilig aufgeben.

Ein Projekt, das mir sehr gefällt:

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Das ist richtig, bisher wurde nach meinem Kenntnisstand wenig - und vor allem wenig Nachhaltiges - gemacht. Mal ein Workshop hier, eine Politikstunde da - das reicht natürlich nicht. Demokratiebildung müsste über alle Schul- und Altersstufen hinweg flächendeckend und dauernd angeboten und in die Curricula integriert werden. Passiert meines Wissens nach nicht.

Deswegen finde ich die Idee der Lage, gut funktionierende Konzepte zu sammeln, sehr schön.

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