Nein, Du hast behauptet man würde zu früh den Spitzensteuersatz zahlen. Und dem möchte ich widersprechen. Und Du hast behauptet, dass das linearere Steuerkonzept der Union daran etwas signifikant ändern würde. Ohne dieses hier zumindest in Teilen zu erläutern.
Und meine Frage darauf war: Was hat das mit der Lohnsteuergesetzgebung zu tun? Und wieso meinst Du dass höhere Erbschafts- und Vermögenssteuern daran etwas ändern würden?
Dein 2. Teil bezieht sich auf höhere/gerechtere Steuern auf Vermögen und Erbschaften. Inhaltlich bin ich da ganz bei Dir, aber was hat das für Auswirkungen auf den 1. Teil? Danach kannst Du Dir mit Deinem Einkommen von 60k immer noch kein Eigenheim leisten.
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Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich werde das mal in einer Fußnote ergänzen. Der Punkt, um den es mir jedoch im Wesentlichen geht, ist, dass wir in Deutschland die Definition von Reichtum abhängig machen vom Einkommen und das Vermögen kaum eine Beachtung findet - zumindest in politischen Diskussionen dieser Art, wie auch hier wieder. Und ob man reich auf Basis des eigenen Einkommen ist, hängt davon ab, ob ein paar Euros des eigenen Gehaltes mit dem Spitzensteuersatz versteuert werden. Ich stelle mir aber im Hinblick auf die heutige Kaufkraft und den geringen Möglichkeiten zum Vermögensaufbau mit so einem Einkommen die Frage, ob die politische Entscheidung richtig ist, dass jeder Euro über diesen knapp 60k ein so luxuriöser Euro ist, dass man diesen mit dem Spitzensteuersatz besteuern muss.
Dein Lösungsvorschlag an dieser Stelle überzeugt mich schonmal, allerdings glaube ich nicht, dass man realistischerweise hier einen Hebel hat. Die PKV ist dank der vielen Beamten im Bundestag und der extrem mächtigen Beamten-Lobby praktisch zementiert, die Rentenversicherung wegen der Übermacht der Wählergruppe Ü60 kaum zu reformieren.
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Der Meinung bin ich auch. Ich halte es für angemessen, wenn der Spitzensteuersatz bei bis zu 50% (statt 42%) liegt, aber linear bis 100.000 € ansteigt. Ich habe das mal in einem Koordinatensystem aufgemalt, wonach der 60.000ste Euro noch mit 34% versteuert werden würde, erst der 80.000ste Euro die jetzigen 42% erreicht. Das ist von arm bis gutverdienend eine steuerliche Entlastung, erst für die wirklich sehr sehr gut verdienenden eine Belastung, freilich mit einem Fehlbetrag beim Aufkommen, das du mit Abgaben aufs Vermögen ausgleichen kannst und/oder - ähnlich wie @Daniel_K vorschlägt - durch Einbeziehung von Einkünften jeder Art (auch der KapErtrSt) in diese Berechnung (und die für die Sozialversicherung). Wer 100k Kapitalerträge hat, zahlt dann auf die jeweiligen Euros eben bis zu 50% statt der jetzigen knapp 26% und ebenso die Sozialversicherungsbeiträge, die dann für alle ebenfalls sinken könnten.
Weil ich die Lohnsteuer wie oben beschrieben senken kann, wenn ich das Aufkommen über Abgaben auf Bestandsvermögen sicherstelle. Und wenn die Lohnsteuer niedriger ist, bleibt mehr Geld, um einen Kredit zu bezahlen.
Ich habe es nicht durchgerechnet, aber da du momentan bei 60k um die 10k Steuern zahlst, würden die mutmaßlichen „paar Tausender“ mehr oder weniger im Jahr schonmal eine Sondertilgung ausmachen. Ein Eigenheim mag dann zwar nicht plötzlich vor einem aus dem Nichts erscheinen, aber ich denke, dass es dann zumindest deutlich finanzierbarer wäre als jetzt. Trifft natürlich mit jedem weiteren Einkommenseuro stärker zu.
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Ich denke, man sollte nicht am Wohneigentum abstellen, ob eine Steuerlast zu hoch ist.
Das konnte dir schon vor fünfzig Jahren jeder sagen, dass es irgendwann beim Grund knapp werden wird und Wohneigentum deshalb immer teurer werden wird.
Bauunternehmer haben sich beim festsetzen der Preise schon immer am Markt orientiert.
Wenn es Förderung gab, gingen die Preise stets nach oben.
Auch dort wird es aber aufgrund des Fachkräftemangels zukünftig schwieriger werden, die Gewinnmargen zu halten.
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Wo genau die „wirklich sehr gut Verdienenden“ anfangen ist schwer zu bemessen, deswegen meist eine rein subjektive Wahrnehmung. Derzeit liegt der Wert eben bei 62.810€, und wie gesagt wird erst danach jeder € mit 42% versteuert. Ob Linearität da jetzt der große Wurf ist? Wie gesagt, nur 4 Millionen Lohnempfänger zahlen überhaupt nur diesen Steuersatz, und der Großteil vermutlich nur auf recht wenig des EInkommens. Sicherlich macht es Sinn, diesen Wert regelmässig an die Inflation anzupassen.
Klar kann man das Gegenfinanzieren, da bin ich auch total dafür. Aber genau die von Dir zitierte Union ist total gegen neue bzw höhere Erb- bzw Vermögensssteuer. Ich sehe nicht wie das zusammen passt.
Bei jetzt 10k Steuerlast direkt ein paar Tausender weniger? Auf die Rechnung bin ich dann doch gespannt.
Allgemein denke ich, dass die Vermischung der Themen Steuern und Immobilienerwerb unglücklich ist und Deinem Argument nicht förderlich ist.
Richtig, aber man kann es versuchen. Und ich finde, die Kosten für Wohneigentum kann man (unter anderem) schon heranziehen. Denn wer als „reich“ oder „Oberschicht“ gilt, wird im allgemeinen Sprachgebrauch mit einer gewissen Leistungsfähigkeit verbunden. Diese Leistungsfähigkeit bildet die Steuerprogression aber schlicht nicht (mehr) ab. Kern meiner These ist jedenfalls, dass eine Entlastung - wie sie von Union und auch SPD gefordert wird und wenn man sie denn will - aufkommensneutral möglich ist, aber eben meiner Meinung nach nur mit einer Belastung beim Vermögen.
Deshalb sage ich ja auch „Ja, aber…“. Die Union hat mit ihrem Vorschlag zu kurz gedacht. Deshalb sage ich ja schon im ersten Post explizit, dass eine Reform der Einkommensteuer nur im MaßnahmenPAKET geht.
Mir stößt es aber jedenfalls immer wieder bitter auf, wie sehr Erträge aus Lohnarbeit gegängelt und beschnitten werden (egal wodurch), während Erträge aus Vermögen faktisch ohne große Abgaben anfallen und große Vermögen wie ein schwarzes Lohn immer mehr Masse anziehen. Dennoch dreht sich jede Diskussion darum, wie reich man doch ist, wenn man in einem Bereich verdient, der am Ende dem Spitzensteuersatz unterliegt und wenn auch nur für ein paar Euro.
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ffiene
13
Nein, warum?
Es wird ja bei den GKV nicht mehr Geld ausgegeben wie eingenommen.
Warum sollten sie dafür mehr einnehmen?
Weil das ganze PKV System nur dadurch funktioniert, dass man sich der Solidargemeinschaft aller Krankenversicherten entzieht, indem man eine neue Solidargemeinschaft gründet, zu der die „Problemfälle“ keinen Zugang bekommen.
Nur dadurch können die Beiträge der PKV so günstig gehalten werder und deshalb sind die Beiträge der GKV so hoch - weil die eben diese ganzen Härtefälle finanzieren muss.
Wenn man die PKV schon nicht abschaffen will wäre eine Sozialabgabe an die GKV als Ausgleich das absolute Minimum.
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ffiene
15
Na ja, dafür zahlen die PKV auch den x-fachen Satz an Ärzte und Krankenhäuser.
Das würde dann ja auch wegfallen und müsste durch höhere Gebühren der GKV abgefangen werden.
Dem würde ich widersprechen. Das Problem ist, dass in der Diskussion sehr schnell auf das Einkommen und die Mittelschicht abgedriftet wird.
Nein, die Union hat genauso weit gedacht sie wollte.
Das ist relativ einfach zu erklären, weil wir das Thema Steuer in Deutschland so besetzt haben, dass der böse Staat uns etwas wegnimmt. Da ist es nahezu völlig egal ob wir von 42, 37 oder 52% reden.
Es ist doch falsch, die 42% als wahren Steuersatz anzusehen. Mit etwas über 65000 € zahle ich 17% Steuern. 30% sind es bei 150.000 € Einkommen. Das ist doch die ehrliche Aussage.
42% Steuer im Gesamten zahle ich doch erst ab einem Einkommen von über 600 000 € (laut Rechner beim Finanzministerium).
Edit:
Die Steuersätze gelten doch nur für das zu versteuernde Einkommen, oder? Das bedeutet doch dass ein Einkommen von 65000 € abzüglich der Freibeträge und Abzüge gar nicht beim Spitzensteuersatz für jeden zusätzlichen Euro landet, oder? Das habe ich noch nicht so ganz nachvollziehen können.
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Tris
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Oder Steuergeld. Es ist definitiv nicht vermittelbar, dass wir eine 2 Klassenmedizin haben und ein Teil der Bevölkerung dich aus der Solidargemeinschaft verabschiedet. Und natürlich muss eigentlich eine Bürgerversicherung her oder die PKV muss eben die GKV entschädigen.
Das Wort „Spitzensteuersatz“ an sich ist doch schon Propaganda. Der eigentliche Spitzensteuersatz wird doch erst ab 250.000 EUR gezahlt.
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Falls es jemanden interessiert und man sich das Rabbithole hinabbegeben will. Genau dieses Problem mit der Flucht aus der Solidargemeinschaft ist auch ein Problem, das wir mit der Unterfinanzierung unseres Gesundheitssystems generell haben. Dazu habe ich damals meine Oberseminararbeit geschrieben und mein erster Beitrag in diesem Forum vor Urzeiten war zu diesem Thema.
Bei Krankenhäusern ist das nicht richtig. Die Fallpauschalen sind unabhängig vom Versichertenstatus. Nur wenn die PKV im Krankenhaus eine verbesserte Unterbringung bezahlt, verdient das Haus am Patienten wegen der PKV mehr. Das liegt dann aber nicht an der Vergütung seiner Behandlung, sondern an der Hotelleistung.
Unterm Strich haben wir in unserer Volkswirtschaft aber genug Gelder, um die Kosten des Gesundheitssystems zu stemmen. Dadurch, dass junge, leistungsstarke Menschen das Solidarsystem der GKV verlassen, wird diese vor allem durch kranke und weniger Verdienende getragen. Freilich kann die PKV die ersparten Mehrkosten durch billige und gesunde Patienten dann an die Ärzte auskehren. Das könnte die GKV aber auch, wenn dieselben Leute in der GKV die entsprechend angemessenen Beiträge zahlen würden und so Geld in das System der GKV gespült würde.
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Die Rechnung geht wohl auf. Wenn man durch eine stärkere Besteuerung auf Vermögen ein Aufkommen realisiert, kann man das aber dann an die Leute auskehren. Dann ist die Steuer oder meinetwegen die Sozialversicherung durch den Zuschuss aus o.g. extra Aufkommen geringer und die Leute werden entlastet, unten jeweils am Stärksten. Vielleicht ist es auch tatsächlich sinnvoller, ein etwaiges Zusatzaufkommen in die Entlastung der Sozialversicherungsbeiträge zu investieren, da diese bis zum Erreichen des Spitzensteuersatzes den Löwenanteil ausmachen und so tatsächlich Ärmere am Stärksten entlastet würden.
ffiene
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Dann gäbe es diese zwei Solidargemeinschaften nicht.
Ich sage nochmal, wir haben als Kompromiss die soziale Marktwirtschaft erschaffen, um weder das Extrem aus den USA zu kopieren noch das aus dem Sozialismus oder sogar Kommunismus.
Das heißt, das es weder keine Solidargemeinschaft gibt noch eine für alles.
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Kranke aller Länder vereinigt euch?
Ich habe doch arge Zweifel daran, dass wir aufgrund einer allgemeinen Krankenversicherung als kommunistisches Land durchgehen würden.
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ffiene
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Das ist aber auch sehr überspitzt.
88% der Angestellten sind gesetzlich versichert. Sind die alle krank?
Selbständige sind freiwillig versichert.
TPG
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Anstatt sich an den Superreichen (Top-1-Promille) erfolglos mit Erbschafts- und Vermögenssteuer abzuarbeiten, sollten wir lieber die wirklich reichen 10% der Bevölkerung in den Blick nehmen. Da gibt es einfache Wege wie oben schon angedeutet z.B.:
- Einkünfte aus Kapitalvermögen mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern (und nicht nur mit 25% Abgeltungssteuer)
- Einkünfte aus Kapitalvermögen sollten auch sozialversicherungspflichtig sein
- die Beitragsbemessungsgrenze in der Sozialversicherung deutlich anheben (wir vermeiden die „elende“ Grundsatzdiskussion zu GKV vs. PKV, die sich seit Jahrzehnten im Kreise dreht)
Gerade die letzten beiden Punkte würden den Bundeshaushalt deutlich von fremden Leistungen entlasten und sind sehr solidarisch. Diese Maßnahmen würden nicht den Facharbeiter oder die private Altersvorsorge unangemessen belasten. Wären aber bei gutem politischen Willen umsetzbar (außer FDP).
ffiene
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Du würdest dich wundern, wer zu den 10% gehört!
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