Das ist auch ein falsches Framing, das hier verbreitet wird. Vorab: Ich will die Tat keinesfalls gutheißen, aber es ist eben nicht nur „eine falsche Marke“ oder eine „bei rechtsextremen beliebte Marke“ gewesen, sondern es handelte sich um eine Marke, die ihren Ursprung in der rechtsextremen Szene hat und quasi ausschließlich in der rechtsextremen Szene verbreitet ist.
Die Mütze, um die es sich hier handelt, war von der Marke „Greifvogel Wear“ (Infos zur Marke und Quelle). Das ist eine Marke „aus der Szene für die Szene“ - und nicht wie z.B. Lonsdale, Fred Perry und co. eine Marke, die einfach nur - aus verschiedenen Gründen - „in der rechten Szene beliebt“ ist, aber selbst keine Bezüge zur rechtsextremen Szene hat. Es handelte sich daher um klare Szenekleidung, die den Kanalarbeiter auch als klares Mitglied, mindestens aber Sympathisanten, der Szene erkennbar macht.
Das rechtfertigt natürlich absolut keine lebensgefährlichen Angriffe, aber wie gesagt: Das Framing, er habe nur „die falsche Mütze zur falschen Zeit“ getragen und sei ein „völlig unbeteiligter“ ist nicht haltbar.
Da bin ich auch skeptisch, allerdings hatte ich da letztens auf einem Geburtstag eines Freundes in Bremen ein Gespräch mit einigen sehr linken Menschen, bei dem es genau um dieses Thema ging. Die hielten die Aktionen von Lina E. für notwendig, um die Nazis ihrerseits von Angriffen abzuschrecken. Ich habe absolut dagegen argumentiert (es war eine hitzige Diskussion) und versucht, den Leuten klar zu machen, dass Nazis sich von Gewalttaten nicht dadurch abhalten lassen, indem man sie selbst verprügelt (sondern die Nazis dann eher noch mehr Gewalt „aus Rache“ ausüben werden), bin damit aber nicht wirklich zu den Leuten durchgedrungen.
Dennoch glaube ich den Leuten (weil ich die auch schon länger kenne), dass sie tatsächlich primär aus Verzweiflung handeln, nach dem Motto „Irgendwer muss doch was gegen diese Nazi-Schlägertruppen tun, und wenn der Staat es nicht kann, müssen wir es halt machen“. Wie gesagt, ich halte diese Ansicht auch für sehr, sehr kritisch, aber ich glaube dennoch, dass die Motivation hinter den Taten hier nicht primär „Hass auf Rechtsextreme“ ist, sondern die Verzweiflung mit dem Status Quo, nach dem der Staat zu wenig gegen rechtsextreme Gewalt tut. Das kann ich ein Stück weit nachvollziehen.