Nein, denn diese Debatte ist sinnlos. Wären 80% der Strecken bereits tempobeschränkt könnte man das sowohl in ein Argument für als auch in eins gegen Tempolimits drehen. Dafür: wenn schon 80% tempobeschränkt sind, dann bedeuten die zusätzlichen 20% Tempolimit keine signifikante Mehrbelastung. Dagegen: wenn schon 80% tempobeschränkt sind, dann ist der Nutzen eines Tempolimits überschaubar. Wer sich auf so eine Diskussion einlässt hat schon verloren.
Sinnvoll ist eine Debatte um die Frage: bringt uns ein Tempolimit (egal auf wie vielen Strecken) gesellschaftlich mehr Schaden oder mehr Nutzen. Und da wird es sehr schwer in Richtung mehr Schaden zu argumentieren.
Keine der beiden Fragen beantwortet sich durch den Anteil der tempobeschränkten Strecken.
Jetzt wird es wild
. Der prompte Manipulationsvorwurf ist besonders lustig vor dem Hintergrund, dass ich ja (hier im Forum immer schon) grundsätzlich PRO Tempolimit argumentiere. Ich halte jetzt keinen Vortrag zur Inflation der Diskreditierungsversuche, die hier im Forum inzwischen traurigerweise herrscht, aber lass uns einfach unsere Energie darauf verwenden, die gegenseitigen Argumente zu verstehen und ggf. zu widerlegen, anstatt sie zu diskreditieren.
Im vorliegenden Fall ist es ganz zentral zu verstehen, dass unsere Datenqualität schlecht ist. Die tempobeschränkten Streckenabschnitte sind verhältnismäßig einfach herauszufinden. Da finde ich den open streetmaps Ansatz von @blubbi321 sehr pragmatisch. Wir können jetzt versuchen die Qualität dieses Datensatzes noch mehr zu verbessern. Das nützt uns aber gar nichts, weil unsere Daten über die Geschwindigkeitsverteilung eine Größenordnung schlechter sind und eine (Argumentations-)kette ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Nehmen wir die viel zitierte Studie des UBAs zum Tempolimit [1], die auf einen Datensatz zur Geschwindigkeitsverteilung aus den Jahren 2010-2014 zurückgegriffen hat [2]. Vermutlich aus derselben Erhebung, aus der auch die Streckenanteile stammen (?) Um das Fahrverhalten auf rund 13.000 km Autobahn zu approximieren hat man ganze 60 Geschwindigkeitsmessstellen ausgewertet.
Es ist schon sinnvoll, mit diesen Daten zu arbeiten und Schätzungen zur Wirkung des Tempolimits anzustellen, aber wir sollten uns auch ehrlich machen, dass das nicht weit von Glaskugel-Leserei entfernt ist. Wenn wir diese Glaskugel verbessern wollen, dann ist unsere Baustelle die Geschwindigkeitsverteilung und nicht der Anteil der geschwindigkeitsbegrenzten Strecken.
Das Problem ist nur, das eine ist weitgehend nutzlos ohne das andere. Das andere ist also nicht „besser“, sondern zwingend notwendig.
Na bitte. Warum fragen wir dann nur das eine an?
[1]
[2]