LdN 294 Die Wiedereinführung des Zivildienstes und die Pflege

In der letzten Folge im Themenblock zum Zivildienst hätte ich mir gewünscht, dass auch die ökonomischen Hintergründe und Motive des sozialen Dienstes beleuchtet werden. Dies hätte insbesondere in dem Kontext, dass direkt davor die Pflegestreiks thematisiert wurden, nahegelegen. Eine Wiedereinführung des Zivildienstes etc. würde schließlich für viel sehr kostengünstiges neues Personals in den Krankenhäusern und anderen Institutionen im sozialen Bereich sorgen (bzgl. der Kosten ein Beispiel aus meiner persönlichen Erfahrung zum Vergleich:… als hauptberuflicher Rettungssanitäter, … als FSJler).
Ich denke, dass diese ökonomischen Überlegungen in der aktuellen politischen Diskussion eine große Rolle spielen und die personal experience, auf die ihr ja primär eingegangen seid, eigentlich nur PR ist. Das meines Erachtens wichtige und wenig thematisierte Problem in diesem Kontext ist vielmehr: Durch den enormen Zuwuchs an Sozialdienst/FSJ-Leistenden würde wohl der (vermeintliche, durch die schlechten Arbeitsbedingungen bedingte) Pfegekräftemangel behoben/ eingedämmt. Dadurch bedingt müssten sich dann die Arbeitgebenden und die Politik nicht mehr bzw. deutlich weniger mit den Belangen und berechtigten Forderungen der momentan stark unterbezahlten und häufig prekär beschäftigten Angestellten in sozialen Berufen auseinander setzen.

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Hoffentlich werden die dann nicht als Streikbrecher benutzt wie die PJler am Uniklinikum in Rostock.

Ich meine mich Erinnern zu können das ökonomische Überlegungen eines Pflichtdienstes laut internationalem Recht explizit illegal sind.

Der wirtschaftliche Aspekt liegt nahe und spricht für eine sehr zynische Vorstellung der Politik. Aber PR alleine ist das nicht sondern notwendige Begründung, um nicht gegen Gesetze zu verstoßen.
Ich bin mir auch nicht so sicher wie viel PR man hier eigentlich braucht in Dt finden solche Debatten doch recht viel Zuspruch. Wo das wohl her kommt ^^

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Jo. Das Framing geht in die eine Richtung und die Praxis (Unterbezahlung der entsprechenden Berufe - Nichtbesteuerung von Reichen und Erben mit dem damit einhergehenden verfall der Sozialen Systeme) in die Andere. Es ist eine Frechheit sowas zu fordern. Wäre ich heute Jung und dürfte mich mit 60 komplett mit der Klimakatastrophe auseinandersetzen: ich würde erst mal auf mich achten. Ist ja nicht so, dass sich die Politik hier groß solidarisch zeigt.

Drittes Reich und DDR haben hier sicherlich ihre Spuren in der ‚Volksseele‘ hinterlassen.

Wenn ich nun noch die Schere zwischen Arm-Reich und der kalten Progression seit den 80ern dazu nehme, dann würde ich auch mal gerne diesen finanziellen Aspekt dazu nehmen. Das Jahr was fehlt ist ja nicht das kommende Jahr wo ein junger Mensch weniger verdient - es muss gegen ein Jahr gerechnet werden wo ein heute junger Mensch viel verdient, was dann am Ende fehlt. Wenn ich mir mein Leben und mein Nichterbe so ansehe, dann habe ich kein Jahresgehalt übrig gehabt um es dem Staat zu schenken. Während alle etwas wohlhabenderen in meinem Umfeld alle per Anwalt und Arzt komplett verweigert haben.

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