LdN 288: 30.000 Startgeld für junge Erwachsene

Die Idee, finde ich grundsätzlich nicht schlecht (gibts glaube ich auch schon irgendwo).

Ich würde allerdings nicht jedem der volljährig wird 30.000 Euro in die Hand drücken, sondern es als Elterngeld auszahlen.

Das Elterngeld wird nicht monatlich nach komplizierten Verfahren einkommensabhängig ausgezahlt, sondern eine Familie kriegt pauschal bei der Geburt eines Kindes 30.000 ausgezahlt - vielleicht sogar zusätzlich zum Elterngeld.

Hab den Marathon zur Beantragung von Elternzeit/geld just gerade hinter mir: Das ist nicht nur ein riesengroßer Clusterf*ck und man braucht ein halbes BWL-Studium um das zu kapieren, sondern die Verteilung ist auch mitunter einfach ungerecht - insbesondere für Frauen, so dass es eigentlich in den meisten Familien darauf rausläuft, dass der Mann nur die üblichen zwei Monate Elternzeit und die Frau den Rest nimmt…

Hat viele Vorteile:

  • Man unterstützt Familien, die es tendenziell dringender brauchen
  • Es wäre vermutich nachhaltiger angelegt (tue sicherlich vielen Jugendlichen unrecht, aber ich weiß nicht, was ICH mit 21 gemacht hätte, wenn man mir 30.000 Tacken in die Hand gedrückt hätte)
  • Familen können selber entscheiden, ob sie das Geld für die Kids anlegen, längere Elternzeit nehmen, es für Nachhilfe ausgeben, oder sich davon eine Immobilie leisten
  • Die Kinder profitieren indirekt auch davon (weil sie ggF die Immobilie erben, oder die Eltern das Geld für Nachhilfe ausgeben können)
  • Würde vielleicht sogar einige Familien motivieren, mehr Kinder zu bekommen (was ja für den Staat auch langfristig vorteilhaft ist)
  • Frauen werden weniger benachteiligt, weil die Familie selber entscheiden kann, wer wie wo wann in der Elternzeit arbeitet
  • Wenn es das derzeitige Elterngeld ersetzen würde, würde es auch noch weniger Kosten als das Geburtstagsgeschenk mit 21)
  • Es würde auch die Bürokratie vermindern (hier in Hessen ist das mit dem Elterngeld immer noch eine Katastophe, weil die Anträge händisch bearbeitet werdne. Man kann denen zwar immerhin eine Email schreiben, kriegt die Antwort dann aber auf toten Bäumen per Post geschickt)

Mich würde da mal Eure Meinung zu interessieren…

Wenn du eine Chancengleichheit erreichen willst, musst du das Geld den Kindern bzw. jungen Erwachsenen geben auf die Gefahr hin, dass sie es verschleudern.
Denn ansonsten gibt es keine Garantie, dass das Geld auch wirklich bei ihnen ankommt.
Und lieber verschleudern sie es und bedauern es den Rest ihres Lebens als dass es die Eltern tun und die Kinder sich zwischen Selbstmitleid und Vorwürfen entscheiden müssen.
Um die Bürokratie des Kindergelds zu entzerren gibt es die Diskussion um Entlohnung von Care-Arbeit. Die ist allerdings nicht sehr gediegen. Im Kapitalismus ist es natürlich wünschenswerter dass die Eltern bald wieder ins Berufsleben zurückkehren.

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Exakt. Das Geld als Elterngeld bei der Geburt auszuzahlen wäre ein komplett anderer Zweck. Du kannst davon ausgehen, dass insbesondere in armen Familien davon nach 18 Jahren in den allerwenigsten Fällen noch irgendetwas von übrig sein wird, weil es immer Notlagen geben wird, wo man es gut gebrauchen kann. (Wenn solche „Ersparnisse“ nicht sowieso von den Hartz-Ämtern eingezogen/angerechnet werden würden.)

Die Idee, besonders den qua Geburt benachteiligten Sprösslingen solcher Familien einen angemessenen Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen, würde damit genau nicht erfüllt.

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Jetzt kann ich endlich mal mit meiner „ollen Kamelle“ daherkommen. Ziemlich genau 1980 habe ich meine Banklehre beendet. Da gab es ein Programm, dass ich bis heute so toll finde: Heirat 5000 DM Kredit zu Sonderkonditionen, mit dem 1. Kind nochmal 5000 DM (bedeutet D Mark). Und dann gab es das „Abkindern“, mit dem 3. Kind war der Kredit erledigt. Ist ein Gedächtnisprotokoll, stimmt aber, meine ich. Bitte überprüft das mal, aber in den ausgehenden 70zigern und Anfang 80zigern gucken.

Wäre mein Vorschlag gewesen, das zurück zu zahlende BAföG um eventuelle Kinder zu reduzieren.

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Erst mal Glückwunsch zum Kind. Der folgende Beitrag wird vermutlich sehr kontrovers von vielen aufgenommen werden, daher ein paar Disclaimer im vorraus: Zunächst einmal Respekt an alle Eltern, auch wenn der Text vielleicht nur im Ansatz despektierlich klingt, so ist er nicht gemeint. Jeder der die Entscheidung trifft Eltern werden zu wollen, sollte auch die Chance bekommen und keine Steine in den Weg gelegt bekommen. Und ich bin voll bei dir @Dave, dass es sehr wichtig ist, dass Frauen nicht beim Eltern werden gegenüber Männern benachteiligt werden sollten. Und es gibt um Gottes willen überhaupt gar nichts verwerfliches daran Eltern zu werden. Und die folgenden Aussagen beziehen sich NUR auf Deutschland und sollen bitte nicht aus dem Kontext gerissen werden und auf irgendwelche anderen Länder bezogen werden.

Je mehr Menschen es gibt, desto schwerer wird der Kampf gegen den Klimawandel. Das heißt aber mMn weder, dass man Kinder kriegen verbieten sollte, noch das man irgendwelche Anreize schaffen sollte keine Kinder zu kriegen.

Man sollte aber zumindest mal etwas kritisch darüber diskutieren dürfen, ob man zu stark zum Kinder kriegen „motivieren“ sollte. Und ich denke bei 30.000 bar auf die Kralle reden wir nicht mehr nur darüber Menschen das Kinder kriegen zu ermöglichen, sondern tatsächlich von einer Motivation zum Kinder kriegen. Wenn du anderer Meinung bist, müsstest du den Vorteil wieder aus deiner Liste streichen.
Und ich weiß auch, dass ganz viele Menschen ihre Kinder auch komplett unabhängig von diesem Geld bekommen werden. Aber ich würde stark vermuten, dass zumindest ein kleiner Teil der Bevölkerung mehr Kinder kriegen würde, als es für die Familie gut ist.

Ich will Deutschland definitiv nicht abschaffen und an die Menschen, die Umweltbewusst sind, bitte kriegt weiter Kinder, ansonsten tun es nur die Leute, denen die Umwelt egal ist und dann ist dieser Planet verloren. Es gibt aber denke ich trotzdem einen Unterschied zwischen ermöglichen und motivieren.

Ich habe mir noch keine wirkliche Meinung gebildet, ob ein Startgeld Sinn macht oder nicht, aber, wenn das das Problem ist, könnte man das auch lösen, indem man das Startgeld über mehrere Monate verteilt.

Sorry, falls ich wen mit diesem Beitrag verägert habe, das war nicht meine Intention.

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Damit würde ein ähnliches Ungleichgewicht entstehen wie beim Bafög.
Kinder reicher Eltern haben keinen Anspruch auf Bafög, bekommen aber auch keine Gerichtskostenhilfe bei der Einklagung einer äquivalenten Entschädigung. Auch ein Skandal bei der Bafög Regel. Die Kinder haben Recht, können es aber nicht durchsetzen.
Also lieber direkt an die Kinder auszahlen. Im Zweifel auch über Jahre gestreckt - hauptsache es ist progressionell gemanaged und somit mindestens inflationsneutral. Es sollte also nicht dem deutschen Staat überlassen werden - besser wäre es dem finnischen oder norwegischen Staat das Geld zu geben.

Grundsätzlich bin ich bei dir.
50.000€ für jedes in Deutschland geborene Kind sofort international diversifiziert angelegt und am 18. Geburtstag wird das Depot der Verfügung des Kinds überstellt. Kann man auch gern an Bedienungen knüpfen wie „hat X Jahre seinen ersten Wohnsitz in Deutschland gehabt“ - „hat X Jahre eine europäische Schule besucht“… u.ä.

Bildung - und die kommende Generation - darf gerne Schuldenbasiert sein.
Renten und sonstige umverteilende Sozialfonds nicht.

Ich finde das ebenfalls eine sehr spannende Idee. Es dürfte auch dazu führen, dass sich sehr junge Menschen plötzlich damit auseinandersetzen, wie sie Geld klug beisammenhalten, investieren (z.B. in ein Studium) und ein Vermögen aufbauen können. Wenn Jugendliche schon früh wissen, dass eine solche Summe irgendwann auf sie persönlich zukommt, können sie mit diesem Wissen auch besser ihre Zukunft planen. Die Finanzierung eines Studiums beispielsweise rückt so vielleicht raus aus einer gefühlt unerreichbaren Ferne.

Das ist ein interessanter Gedanke… Wobei es auch stark darauf ankommt, wie man „Chancengleichheit“ definiert.
Wenn ich jedem jungen Erwachsenen 30k in die Hand drücke, haben alle die gleiche Chance, aus dem Geld was zu machen - aber vermutlich nur theoretisch auf dem Papier.

Denn ich glaube dass es durchaus eine Tendenz gäbe, dass Nachkommen von sozial schwachen Familien das Geld eher sinnlos verballern würden, als Kinder aus dem Mittelstand. Investiert man es aber 20 Jahre früher in die Familien, haben die Kids zwar kein Startkapital für den eigenen Business. Aber vielleicht statt der Mittleren Reife ein Abi in der Tasche…

Das stimmt… Aber das muss ja nicht das Ziel sein. Es würde aber wie gesagt die Chancen dieser Kinder erhöhen - vor allem langfristig.

DAS Bafög hat ja zum Ziel, dass die Studierenden direkt unterstützt werden. Dass muss aber hier nicht der Fall sein.

Wir haben in Deutschland ein Problem, dass vielen nicht bewusst ist: Das dritte Kind ist eine Schwelle, die vieles komplizierter macht. Alles ist auf maximal zwei Kinder ausgelegt… Unsere Autos, unsere Wohnungen… Kenne viele Familien, die über ein drittes Kind nachdenken, sich aber einfach dagegen entscheiden, weil sie sich keine größere Wohnung und kein größeres Auto leisten können.

Daran muss es aber nicht scheitern. Wenn die Eltern sich quer stellen, springt das Jugendamt ein und holt sich das Geld von den Eltern wieder. Das geht dann ab 16 Jahren bis zur Finanzierung einer eigenen Wohnung, um das Kind aus der Sphäre der Eltern rauszuholen. Alles schon miterlebt. Und rächt sich, denn die Kinder verzeihen das nur schwer.
@Dave Chancengleichheit soll ja schon der freie Zugang zu Bildung gewährleisten, auch wenn das natürlich Grenzen hat, geht schon bei der Schulbücherkostenübernahme los und endet noch lange nicht an der Frage, ob die Eltern selbst gebildet genug sind den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen.

Ich habe in der Fachoberschule interessante Charaktere kennengelernt, die sich von der Hauptschule hochgekämpft haben mit Alkoholikern zu Hause oder schlimmeres. Sie wissen, was es bedeutet, chancenlos zu sein. Andersrum könnte man auch sagen, dass es vor allem die verwöhnten reichen Bengel auf den Kopf hauen werden, die es eh nicht zu schätzen wissen oder obwohl im Luxus aufgewachsen von den Eltern künstlich klein gehalten wurden.

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Ersten bezweifele ich das. Wenn Dir von früher Jugend an klar ist, dass Du mit 21 (?) Jahren einen größeren Betrag bekommst, dann wirst Du Dir schon länger Gedanken darüber mache, was Du damit anfängst. Und wenn Staat und Gesellschaft „Werbung dafür machen“, mit dem Geld etwas sinn- oder wertstiftendes anzufangen (Berufsausbildung, Gründung, am Kapitalmarkt anlegen, …), dann umso mehr.

Zweitens: Wäre das denn so schlimm? Jeder ist seines Glückes Schmied. Wer das Geld mit einem neueren Porsche vor die Wand (nur ein Beispiel!) fährt darf sich halt später nicht beschweren. In jedem Fall sind dann die 30.000 EUR „unter die Leute gebracht“ worden - eine Unterstützung für „die Wirtschaft“.

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Damit dann die Schulden vom Elternteil bezahlt werden oder dein Elternteil, der dem Kind gegenüber vielleicht in der Kindheit Gewalttätig war, darüber verfügt? oder es bei Hartz 4 eingezogen wird?

Wenn das Geld das Ziel hat, Chancengleichheit zu erhöhen und es Leuten zu ermöglichen Vermögen aufzubauen: Ja!
Dann sollte der Staat auch dafür sorgen, dass zumindest die Chance erhöht wird, dass es sinnvoll eingesetzt wird.

Wobei man das ja auch nicht unbedingt auf das Alter 21 festgelegt wäre. Das Alter auf 25 hochzusetzen könnte da einen großen Unterschied machen… Wobei das wäre wieder zu spät, um damit ein Studium zu finanzieren… Hmmmm…

Ich hab mit meinem Beitrag ja auch nur laut gedacht…

Das ist ja imo genau DER Denkfehler den die Leute immer haben. Die vermeintliche Chancengleichheit, die aber nicht existiert.

Ich denke halt, dass man da einfach früher ansetzen muss und dass das Geld in den Familien besser investiert wäre.

Sowas wirst Du immer haben. Dagegen ist kein Kraut gewachsen.
Ich denke aber dass die Tendenz bei Eltern größer sein wird, das verantwortungsvoll einzusetzen.

Ich finde die Idee mit dem Startgeld nicht gut und begründe dies, der vielen Beiträge wegen, nur mit zwei kurzen Punkten

  • 9 von 10 Startups gehen Pleite …
  • Um die Chancengleichheit steht es schlecht in D, da stimme ich Herrn Fratzscher zu. Der Grund ist, Aufstiegschancen werden stärker durch das elterliche Zuhause/Milieu bestimmt, als durch alles andere. Das Milieu, in dem das Startgeld dem Jugendlichen zufließt, bleibt gleich. Man befreit einen Menschen aus seinem Milieu/Habitus nicht dadurch, indem man Geld drauf wirft…

Haben wir nicht schon so ein Geldzuschuss zum Start ins Leben? Das Kindergeld über 26 Jahre sind ja auch 68tsd Euro. Schule und Studium sind kostenlos, Krankenversicherung auch (GK). Das ganze System ist so gebaut, das wahnsinnig viel in ein Kind vom Staat indirekt investiert wird - trotzdem bleibt immer hängen, es ist nicht genug. Statt die 'Wünsch-dir-was"-Liste beliebig zu verlängern, müssen die Transfers auch mal auf wirksamkeit geprüft werden.

Hat denn einer der Menschen, die hier das Startgeld kritisieren, denn schon mal ‚Geld vom Amt‘ holen müssen (ich meine keine Bafög)?

Klassismus

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Ja, hab heute meinen Vater gefragt. Seiner Erinnerung nach war das auf Bayern beschränkt. Meine Eltern haben sich mit dem Geld ihre erste gemeinsame Wohnung eingerichtet.
Und da sehe ich doch das Hauptproblem. Natürlich werden die Eltern das Geld konsumieren.
Dann gibt es Möbel, meinetwegen auch fürs Kinderzimmer, beim Auto kann man dann auch etwas größer denken, was ja auch irgendwo wegen den Kindern ist…

Die Agentur für Arbeit verteilt auch fleißig Gründungszuschüsse. Nun könnte man sagen wozu, wenn Steuerberater und Banken die einzigen sind, die wirklich davon profitieren. Tatsächlich scheitert aber nur jeder Vierte.

Mit dem Einmalbetrag bekäme jeder seine Chance. Wenn 90% sie versauen, dann können sie es wenigstens nicht auf den Staat schieben. Ihre Chance haben sie bekommen. Und seien wir doch ehrlich. Selbst wenn 10% sie für eine Weltreise nutzen oder an der Börse verjubeln, ist das eine Erfahrung, die sie im späteren Berufsleben weiterbringt.

Ich denke, @TRq hat das anders gemeint. So, wie ich seinen Beitrag lese, denkt er nicht, dass es einwandfreie Chancengleichheit gibt und sozial Schwächere als ihre „eigenen Glücksschmiede“ selbst daran schuld seien, sondern eher so, dass mit dem Startgeld der Bürger*in eine gewisses Verantwortungsbewusstsein zugesprochen wird, das Geld sinnvoll in die eigene Zukunft zu investieren. Siehe dazu Punkt 1 seiner Ausführungen. Ich stimme da im Übrigen auch zu, das Geld nicht unter die Leute zu werfen, nach dem Motto: „Macht was draus“, sondern damit finanzielle Bildungsangebote zu verbinden. Im Interview mit Marcel Fratzscher klang das ja ebenfalls an.

Alles in allem stimme ich auch eher der Meinung zu, das Geld nicht an die Familien, sondern unmittelbar an die jungen Erwachsenen auszuzahlen. Ich verstehe deinen Ansatz @Dave zu sehen, dass 30.000€ in Familien ebenfalls zur Chancengleichheit beitragen können. Doch der Sinn des Startgeldes ist ein anderer: Es soll nicht über 21 Jahre hinweg die Chancengleichheit sichern, denn dafür sind verschiedene Mechanismen des Sozialstaats da (Kindergeld, kostenlose Kitaplätze, Ganztagsunterricht), die auf jeden Fall noch ausbaufähig sind. Die Zweckrichtung des Startgeldes ist vielmehr, den jungen Erwachsenen eine ganz klare, konkrete Zukunftsperspektive zu geben. Der Staat gibt einem die Botschaft mit auf den Weg: „Hier hast du 30.000€, wir haben dich in zukunftsorientierten Bildungsangeboten darauf vorbereitet, deinen eigenen Weg zu gehen und nun kannst du den Mut fassen, etwas zu wagen.“

Deswegen halte ich das ebenfalls für nicht zutreffend, denn erstens ist das Kindergeld kein „nettes Oben-drauf“, sondern für die meisten Familien ein dringend notwendiger Zuschuss, die Mehrkosten eines Kindes decken zu können. Ein Kind kostet bis zum Auszug dem elterlichen Haushalt je nach Studie 150.000€ bis 300.000€. Wie viel von diesem vermeintlichen „Geldzuschuss für den Start ins Leben“ ist bei Familien von Geringverdienenden und auch einem großen Teil des Mittelstandes am Ende wohl noch übrig?
Zweitens: Siehe oben. Kindergeld und Leistungen über den Zeitraum bis zum Auszug sind notwendig und zu stärken, verfolgen aber erstmal einen anderen Zweck. Unterm Strich geht es m.E. bei beiden um die Herstellung von Chancengleichheit, aber der Ansatz ist ein anderer.

Ja, aber es ist der exakt falsche Grund, gegen das Startgeld zu sein, sondern drängt den Schluss auf, dafür zu sein! Was ist denn die Schlussfolgerung eines jungen Erwachsenen ohne Kapital, wenn er diese Zahlen hört. Er würde sich sagen, es gar nicht erst zu versuchen. Hat er aber 30.000€ Startkapital, hat er die nötige Sicherheit, es wenigstens zu versuchen, ohne dass seine blanke Existenz am Erfolg oder Nicht-Erfolg hängt. Denn im Zweifel steht er nie schlechter da, als er es tat, bevor er das Startgeld bekommen hat.
Mit der nun steigenden Zahl der versuchten Start-Up-Gründungen steigt kumulativ auch die Zahl der erfolgreichen Start-Ups, die positive Auswirkung auf die Volkswirtschaft liegt auf der Hand.
Und die Angst des Staates, wegen der neun gescheiterten Start-Ups den Schritt des Startgeldes nicht zu wagen (Startgeld für diesen Punkt hin oder her; Sagen wir die staatliche Förderung von Unternehmensgründung insgesamt) wäre noch viel dramatischer. Es gibt unter Ökonom*innen den Begriff der „schöpferischen Zerstörung“. Aus Angst vor dem „Zerstörerischen“, das mit der „Schöpfung“ einhergeht, haben Regierungen in der Geschichte eine Vielzahl von Fehlentscheidungen getroffen, die mittel- und langfristig den Wohlstand gebremst oder gar verhindert haben. Dazu mehr im hier im Forum schon öfter aufgetauchten Buch: „Wie Nationen scheitern“ von Daron Acemoglu und James Robinson.
Sorry @joergy , dass ich höchstwahrscheinlich übers Ziel hinaus geschossen bin, dass du mit deiner Aussage nicht so weit gehst, war mir klar. Ich wollte nur den Punkt deutlich machen, dass die Angst davor, dass es zum Scheitern kommen könnte, nicht heißen darf, dass der Staat den Versuch unterbinden muss. Denn die Folgen davon wären noch viel drastischer.

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Ich musste mit meiner Unternehmensgründung die Erfahrung machen, dass sehr viele Gründer unfassbar schlecht mit Geld umgehen können. Das ist sicher kein Beweis, aber eben mein Erfahrungshorizont.
Meist ist ein Startkapital von 30.000 viel zu wenig. Jetzt sagst Du bestimmt, besser als nichts. Nunja. Die erfolgreichen Gründer, lassen sich nicht durch 30.000 haben oder nicht haben in ihrem Drang zu gründen einschränken. Im Gegenteil, je schwieriger die Startbedingungen, desto willensstärker. Auch wieder meine Erfahrung.
Natürlich lernt man aus allem, auch aus dem Scheiten. Aber ich habe das Gefühl (wie sollte man so etwas beweisen?), dass das Startgeld genau das Gegenteil bewirken würde, zu viele würden es leichtfertig versuchen. Nicht umsonst gibt die IHK Kurse und Broschüren zur Unternehmensgründung heraus.
Ich weiß, was Fratzscher eigentlich will. Vereinfacht, allen eine Chance geben. Das funktioniert aber nicht indem man gieskannenmäßig Geld draufwirft.
Ich halte eine Modernisierung der Lerninhalte, gutbezahlte Lehrer in ausreichender Zahl, wirksame Kontrollmechanismen und das Hineinschnuppern in mehrere Berufe für jeweils mehrere Wochen für Wirkungsvoller. Das ist teuer genug.
Danke trotzdem für Deinen Post.
Die schöpferische Zerstörung gibt es als Idee schon im Hinduismus. Lustig, oder?!

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