Aber Pressemitteilungen mit Entwarnungen vor potenziell drohenden Katastrophen rauszuschicken, obwohl Prognosen für Pegelstände, die massive Überschwemmungen nach sich ziehen würden, vorliegen, ist dann irgendwie doch wieder Aufgabe des Umweltministeriums?

Leider doch, denn kritisiert wurde von mir die Aussage von @Dave dass angeblich fachlich nichts am Handeln des Umweltministeriums im Zusammenhang mit der Flut auszusetzen sei. In dieser Hinsicht spielt es schon eine erhebliche Rolle, dass das Einzige, was Frau Spiegel an einer hochgradig fragwürdigen Pressemitteilung Stunden vor der Flut zu kritisieren hatte, nicht die fachlich falsche Aussage „es gibt keine Anzeichen für Extremhochwasser“ gewesen ist, sondern eine Stelle, an der das korrekte Gendern vergessen wurde.

Unter anderem diese aus den veröffentlichten SMS-Logs gewonnenen Erkenntnisse haben signifikant dazu beigetragen, das Bild von Frau Spiegels Mangel an fachlicher Kompetenz einerseits sowie übertriebenem Interesse an ihrem öffentlichen Bild andererseits zu festigen, und diese wahrgenommene Diskrepanz ist ein wichtiges Element gewesen für den Aufbau des öffentlichen Drucks, der letztlich zum Rücktritt führte.

Es spricht allerdings Bände, dass das Einzige, was du an meinem Beitrag kommentationswürdig findest, die zugegebenermaßen etwas bissige Formulierung ist, und nicht etwa die sachliche Aussage, dass das Ministerium sehr wohl mindestens einen ganz erheblichen Fehler begangen hat.

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Was hat das mit dem Urlaub zu tun?

Es weist auf einen Widerspruch hin: wenn ein Ministerium angeblich so gar nichts mit „Krisen und Katastrophen-Management“ zu tun hat, warum fühlt es sich dann berufen, zu versichern, es drohe keine Katastrophe? Das weist IMHO doch schon deutlich auf gewisse Berührungspunkte mit Katastrophen-Management hin.

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Du bist tatsächlich der erste User hier der sich meinen Block verdient hat. Ich kann dieses zynische hin und her einfach nicht abbilden. Mir gehts ums Thema. Danke. Ich versuche mal ein paar Tage Pause einzulegen.

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Mich hat an der ganzen Angelegenheit v.a. überrascht, dass selbst auf höherer Regierungsebene (Ministeramt in einem Bundesland) anscheinend wenig Hilfe zur Entlastung in privaten Notlagen seitens des Arbeitgebers bereitgestellt wird.

Ich hatte etwas ähnliches in einem Interview mit Habeck gelesen, der es nichtmal zum einkaufen geschafft hat in den ersten Wochen als Minister.

Das könnte man doch mit einer gestellten Haushaltshilfe alles abmildern, so dass sich unser Spitzenpersonal primär auf den Job fokussieren kann und es nicht zu Überlastung kommt (oder alles auf den Partner abgewälzt werden muss).

Generell gibt es schon Angelegenheiten, die einfach Chefsache sind. Wenn es Samstags zu einer Krise kommt, erwarte ich schon, dass Minister und Ministerpräsidenten arbeiten, auch wenn das manchmal nur „da sein“ und repräsentieren bedeutet. Manche Dinge kann man einfach nicht delegieren.

Andererseits will ich auch nicht, dass nur noch Kinderlose, Alte, etc. für solche Ämter in Frage kommen. Wir als Gesellschaft (und Arbeitgeber) profitieren IMO von der Erfahrung, die Eltern, Pflegende etc mitbringen.

Das kann er ja auch selber finanzieren, doer sehe ich das falsch? Die Leute unterschätzen die Arbeitsbelastung anscheinend alle.

Klar, könnte man auch privat finanzieren, aber die Hürde ist oft weniger das Geld als der Organisationsaufwand.

Solche Sachen sind häufig leichter vom Arbeitgeber zentral zu organisieren und gar nicht unüblich. Deswegen fliegen viele CEOs in der Business Class oder im Privatjet auf Kosten der Firma, spart einfach in Summe Zeit und Geld für alle.

Für Politiker gibt es teils ja auch schon solche Perks, die Zeit sparen, wie z.B. den Fahrdienst. Warum nicht in kreativere Richtungen denken?

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War es bei der Flut 1962 auch nicht Zuständigkeit des Senators der Polizeibehörde, aber er hat es halt gemacht.
Gute Politik ist nicht nur Dienst nach Vorschrift.
Und wer von beiden das besser gemacht hat, ist für mich offensichtlich.

Das und die Betonung der Suche nach einem guten „Wording“ kurz nach der Flut (oder nach einem guten Abbinden später) ist für mich auch exemplarisch dafür, wie sich Menschen für politische Ämter de facto „qualifizieren“ - bei den Grünen ist da wohl Gendern ein notwendiger Faktor, und gute Selbstdarstellung vermutlich bei den meisten Parteien.
Nach solchen Kriterien Poltiker für Entscheidungspositionen auszuwählen, halte ich für fragwürdig, weil sie wenig darüber aussagen, wie gut sie in den Positionen dann zum Wohle der Bevölkerung agieren.

Ob sie es besser oder schlechter gemacht hat, ist aber nicht die Frage, sondern, ob sie es so schlecht gemacht hat, dass sie deswegen zurücktreten musste.

Es ist ja kein Rücktrittsgrund, wenn man in einer außergewöhnlichen Situation nicht mehr als das getan hat, als verlangt ist.

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Nach welchen Kriterien werden denn Politiker sonst ausgewählt, dass so Leute wie Horst Seehofer in ihre Position kommen?

Hi Dave, ich gebe Dir im Prinzip recht, aber als Mutter von 4 Kindern muss ich auch sagen, dass Frau Spiegel uns Frauen/Müttern einen Bärendienst erwiesen hat. Dass sich so eine Aufgabe stemmen lassen sollte, das bestreite ich nicht. Aber in besonderen persönlichen Situationen muss auch mal ein Amt (und hier war es eine Häufung von Ämtern und Aufgaben) „ruhen“.

Es ist auch an die Opfer im Ahrtal zu denken, die ihre Angehörigen und ihre Existenzen verloren haben (einer meiner Söhne war als Helfer im Ahrtal und diese Fotos und Berichte ließen mich mehr als „schlucken“)!

Frau Spiegel ist jung, ihre politische Karriere hätte sie doch auch in ein paar Jahren fortsetzen können? Ich kenne sie nicht persönlich, frage mich aber schon, warum sie sich selber so unter Druck gesetzt hat.

Nicht gut für die GRÜNEN und, wie gesagt für uns Frauen und Mütter!

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Wo ist eigentlich der Thread zu NRW?
Ich finde es schon erstaunlich, wie wacker sich diese Diskussion hält.
Mein Stiefvater ist im Rettungsdienst, dank Corona brennt es da jetzt seit zwei Jahren, er war auch im Ahrtal für vier Tage (länger beschloss sein Arbeitgeber sei psychisch den Freiwilligen nicht zumutbar gewesen). Und ja, selbst er bekommt Urlaub, obwohl die Hütte brennt. Denn keiner hat was davon, wenn er irgendwann ausgebrannt zusammenbricht.
Vier Wochen Urlaub finde ich krass (finde ich auch jedes mal krass, wenn ich im Finanzamt anrufe, gibt es beim Staat aber anscheinend öfter). Aber ein Recht auf Urlaub, wenn die Vertretung geregelt ist, gibt es auch in solchen Fällen. Denn wie gesagt hat keiner was davon, wenn die Hälfte der Ministerien wegen Überlastung erst mal Überstunden abbauen müssen.

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Bei Politikern kommt noch dazu, wie ihr Verhalten auf die Öffentlichkeit wirkt. Wie es ausgegangen wäre, wenn von Anfang an kommuniziert worden wäre, was erst später herausgekommen ist (und worüber sie teilweise die Unwahrheit gesagt hatte), weiß ich nicht.

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Da könnte Dir vielleicht die CSU etwas zu sagen.

Ich fände es es besser, wenn wir Politiker eher danach auswählen würden, wieweit sie voraussichtlich erfolgreich für das Allgemeinwohl eintreten (als Ideal). Ich habe den Eindruck, in der Nachkriegszeit wurde zumindest mehr darauf geachtet, welche grundsätzlichen Positionen (z. B. Westbindung, Vergesellschaftung, …) ein Politiker vertrat. Davon bräuchten wir heute mehr. Aber dafür bräuchte man auch Politiker, die Grundüberzeugungen haben und nicht ihre Position komplett verändern, wenn es ihnen opportun erscheint.

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Ja, genau! Es ist schon extrem schade, dass über die mE deutlich schwerer wiegende Verfehlung von Heinen-Esser und Kabinettskollegen so gut wie nicht mehr geredet wird. Warum ist das so? Weil der Fall da eindeutiger ist? Aber heißt das nicht, dass man, wenn man schon einen Bock schießt, einen möglichst großen Bock schießen muss, damit schnell nicht mehr drüber geredet wird?

Ohne mich da jetzt groß auszukennen würde ich mal behaupten dass das so nicht funktioniert. Du hast in dem Bereich vermutlich eh schon immer ein halbes Duzend Leute die gerade an Deinem Stuhl sägen.
Wenn man so ein Amt angeboten bekommt, kannste nicht sagen „Sorry, geht gerade nicht, aber meld’ Dich in zwei Jahren nochmal“. Die Chance ist dann vertan.

Und wieso hat sie Müttern einen Bärendienst erwiesen?

Stimme dir grundsätzlich zu. Na die Union ist demnach ja nicht mehr wählbar, nach dem Impfpflicht Debakel oder?

Beim Thema Impfpflich haben sowohl die Union als auch die Koalition eine schlechte Leistung gebracht. Ein weiteres Beispiel, wie schlecht unsere Politiker oft unsere Interessen vertreten.
„Unwählbarkeit“ kann ich da emotional verstehen - eigentlich ist die Idee der repräsentativen Demokratie ja, dass die Repräsentaten die Interessen des Volkes besser vertreten können, aber Fälle wie dieser zeigen, dass es ihnen mehr um eigene (parteipolitische) Vorteile geht als um das Allgemeinwohl.
Aber rational glaube ich nicht, dass es besser wäre, eine der anderen Parteien zu wählen, oder gar nicht zu wählen.

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Ich finde, dass man diese Phrase in links-grün-versifften Kreisen viel zu schnell aus der Tasche zieht… Bis auf die AfD sind meiner Meinung nach ALLE Parteien im Bundestag „wählbar“.

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