Ein großes Lob an alle Beteiligten für diese vielschichtige Diskussion, die sich sehr spannend liest. Sie knüpft auch sehr gut an die Lage an. Hier wurde ja der Stand der Dinge sehr gut analysiert, aber die Perspektive etwas offen gelassen.
Die Diskussion bewegt sich ja grob zwischen den Polen
und
Interessant finde ich dabei auch diesen Gedanken:
Ich denke für inaktive Kirchenmitglieder mit wenig Bindung zu der Organisation, die an ihre Mitgliedschaft im Wesentlichen über den Steuerbescheid erinnert werden, ist es ein nachvollziehbarer konsequenter Schritt jetzt die Zelte abzubrechen.
Für jemanden, der von der Arbeit seiner Gemeinde überzeugt ist, finde ich auch diese Idee sehr gut:
Die große Frage ist jetzt, wie Menschen reagieren können, die aktiv in der Kirche engagiert sind und für die nicht nur die Religionsausübung, sondern gerade die Gemeinschaft in ebendieser Organisation eine wichtige Stütze im Leben ist.
Jetzt sind die Ursachen der vielen Skandale der katholischen Kirche m.E. so tief in ihren Lehren verwurzelt, dass sie tatsächlich jedes Mitglied betreffen. Auf der anderen Seite wäre es falsch zu sagen, dass diese deswegen automatisch selbst mit dafür verantwortlich sind. Ich denke eine sehr sinnvolle Reaktion erleben wir gerade z.B. mit dem queer-outing. Ich selbst habe wenig Bezug – gerade zur katholischen Kirche, aber ich habe einige Bekannte, über die ich erfahre, dass z.B. viele Priester sich stark mit dieser Aktion solidarisieren. Ich denke dieser Augenblick der Schwäche in der Kirchenführung ist genau der richtige, in dem solche Priester z.B. einfach mal beschließen könnten, homosexuelle Paare zu trauen - egal was der Vatikan dazu sagt (und das sollte - wie in der Lage schon anklang - im eigenen Interesse nicht viel sein).
Ich denke die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, wie wenig die behäbigen Oberhäupter der katholischen Kirche sich durch Austrittswellen beeindrucken lassen. Wenn sich die lokalen Gemeinden erhalten wollen, dann müssen sie es wagen, sich stärker zu emanzipieren. Auch wenn Religion für mich selbst eine untergeordnete Rolle spielt, halte ich die christlichen Grundwerte, für die sich die Kirche eigentlich einsetzen sollte, für sehr erhaltenswert und wertvoll für die Gesellschaft. Deswegen wünsche ich der Kirche, dass ihr eine grundlegende Reform gelingt (die allerdings kaum schmerzfrei über die Bühne gehen wird).