Kenny
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Mir fallen auf Anhieb einige Dinge ein: Impfpflicht, klare Kommunikation der Zielsetzung, Messgrößen dafür ob diese Zielsetzung erfüllt wird oder nachgesteuert werden muss, Aussetzen der Präsenzpflicht für Schüler*innen, Durchgreifen bei den Spaziergängern um zu zeigen dass man die Situation noch ernst nimmt, Priorisierung von Lerhkräften und Schüler*innen bei PCR-Kapazitäten…
Und um zu zeigen dass man es ernst meint würde ich sowohl die Präsenzpflicht im Bundestag beibehalten als auch die Sitzungspause für den Februar sein lassen. Viele der Probleme die man zurzeit sieht sind einfach psychische Auswirkungen des Gefühls allein gelassen und vergessen zu sein. Und das ist ein Problem bei dem man relativ kostengünstig und schnell etwas tun könnte. Manchmal helfen schon kleine Dinge mit Symbolcharakter. Das wäre eine gute Zeit dafür.
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laotuzi
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Also der gegenwärtige Kurs führt vermutlich direkt in eine weitere Überlastung der Krankenhäuser, vielleicht nicht mehr der Intensivmedizin. Das Niveau an Maßnahmen mag etwas höher sein, gegeben eine geimpfte Bevölkerung, aber wir haben mit Omikron eine Variante, bei der selbst nach drei Impfungen geimpfte Personen kaum ein wirksames Übertragungshindernis darstellen. Wir fangen praktisch wieder von vorne an, nur mit einem relativ weniger gefährlichen Virus, und damit bräuchten wir zur Eindämmung der Infektionen ein Niveau an Maßnahmen wie vor der Impfung. Insofern lassen wir Omikron bei leichter Bremsung in der Tat durchlaufen.
Und damit gilt weiterhin, dass man vulnerable Gruppen kaum separat schützen kann. Omikron hat in den ersten drei Wochen von 2022 den Mehrheitsanteil in Kalenderwoche 1 in 12/16 Bundesländern und in Kalenderwoche 2 und 3 in 15/16 Bundesländern ausgemacht (gegenüber 8/16 in der letzten Woche des Vorjahres und 1/16 in der vorletzten). Die Inzidenz baut sich also seit dem Jahresübergang auf. Zuerst in der jüngeren Bevölkerungshälfte, danach im mittleren Altersbereich und am langsamsten bei den Hochaltrigen. Das Niveau an Maßnahmen scheint die Geschwindigkeit des Anstiegs bei den Neuinfektionen im Vergleich zu anderen Ländern mit einem Omikron-Ausbruch etwas zu bremsen. Das genügt aber weder für einen flatten-the-curve-Effekt, noch denke ich, dass es am Höhepunkt des Ausbruchsgeschehens etwas ändern wird. Die Frage ist also wieviel vulnerable Personen in Reichweite von Omikron haben wir aktuell, davon wird bei gehaltenem Kurs die Krankheitslast abhängen.
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[quote=„vieuxrenard, post:3, topic:12336“]
Ein Lockdown wäre jetzt auch aus meiner Sicht politisch nicht durchsetzbar. Die Leute haben einfach keinen Bock mehr darauf. Omikron ist außerdem so ansteckend, dass das eh ein massiver Lockdown sein müsste, wie es ihn hier noch nicht gab.
Der Höhepunkt der Fallzahlen wird im Februar erwartet und wenn die Zahlen danach runtergehen, dann nicht weil Maßnahmen eingeführt werden, sondern weil wir „Durchseucht“ sind. Das wichtigste laut BPK ist, dass die vulnerablen Gruppen, die alten Menschen geschützt werden.
Soweit so gut, aber was ist mit den Kleinkindern? Ein Blick nach Dänemark:
Auch in England steigt die Zahl von Kindern im Krankenhaus
Durchseuchung ist aus meiner Sicht grundsätzlich OK. Aber könnte man da bitte einmal in dieser Pandemie auch an Kinder denken? Schulkinder haben oft noch nicht alle Impfungen und U5 immer noch Off-Label. Long Covid ohne Impfung ist irgendwo zwischen 1-13%, das finde ich ordentlich hoch.
Meine aktuelle Situation ist: Nach langer Suche am Freitag endlich eine Off-Label Impfung gekriegt, nächste in 3 Wochen, dann 2 Wochen und der Impfschutz ist da. Das ist aber zu spät. Bis dahin ist die Welle durch und Omikron da gewesen. Die einzige Möglichkeit mein Kind jetzt vor Omikron zu schützen ist ihn aus der Kita zu nehmen für 4 Wochen. Das heißt 4 Wochen Urlaub nehmen und Kind in Isolation. Der Preis ist zu hoch. Wenn die Kita geschlossen wäre, könnte man wenigstens Kindkranktage nehmen. Während die Alten geschützt werden, gibt es keine Möglichkeit Kinder zu schützen. Das finde ich zynisch.
Wieso wurde der Impfstoff nicht freigegeben? Wieso gibt man den Eltern jetzt nicht die Möglichkeit, die Kinder zu Hause zu betreuen? Sprich Kita zu, wer will kann in Notbetrieb. Noch schlimmer ist es bei Bekannten, da ist ein Elternteil gerade faktisch ohne Immunsystem.
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Guenter
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Für die Altersgruppe unter 5 laufen die Studien zur Wirksamkeit noch. Ohne Studie kein Antrag auf Zulassung und ohne Antrag keine Zulassung.
→ Pfizer expects updated COVID-19 vaccine data for kids under 5 by April | Reuters
Dass wir für die Kindergartenkinder keine (zugelassene) Impfung haben, ist letztlich dem Umstand geschuldet, dass dies komplett an die privaten Impfstoffproduzenten ausgelagert ist. Und die werden bei den Kleinkindern aus verständlichen Gründen am wenigsten Marktpotential sehen. Also läuft da das Verfahren mit geringer Priorität.
Wir sind auch am Überlegen, ob wir unsere Zweijährige nun ohne Zulassung impfen lassen. Aber eigentlich ist es dafür schon zu spät.
C_C
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Eigentlich ist das so nicht richtig. Drosten hat vor einigen Wochen erklärt, dass Omikron in einer Bevölkerung mit hoher Immunität wie Deutschland sich ungefähr genauso schnell verbreitet wie die Variante vor 2 Jahren im März. Die hat sich mit dem Lockdown Light auf dem November 2020 nur langsam verbreitet. Heute haben wir zudem Schnelltests und mehr FFP2 Masken zur Verfügung, die 2020 noch nicht in den Maßen verfügbar waren.
Die Restaurants und Bars müssten nochmal geschlossen werden, eventuell müsste es noch weitere Einschränkungen in den Schulen und Kitas geben, dann könnte der R Wert auch bei ca. 1 liegen. Aber ohne Wertung, das ist politisch und gesellschaftlich nicht gewollt.
Für die Gruppe 5-12 Jahre gibt es bisher nicht einmal eine Impfempfehlung, weil die Daten noch nicht ausreichen. Momentan schaut es so aus, dass die Kinder 2 Jahre große Einschränkungen hingenommen haben um den älteren Teil der Bevölkerung zu schützen. Jetzt, wo die geimpft sind und es hoffentlich keine Überlastung der Intensivstationen mehr droht, gibt man den Kindern nicht mehr die Möglichkeit sich impfen zu lassen. Und so ganz sicher können wir uns nicht sein, wie gefährlich am Ende Covid für die Kinder ist. Bei den 0-14 jährigen gibt es in Europa in den letzten Monaten etwas mehr Todesfälle als „erwartet“, siehe Euro Momo. Das kann an Covid oder an anderen Infektionskrankheiten liegen, die im letzten Winter weniger zirkuliert sind.
Also momentan müssen die Kinder in Isolation, wenn sie selber infiziert sind, teilweise in Quarantäne, wenn ein anderes Kind in der Gruppe infiziert ist. Dazu kommen in vielen Kitas zeitliche Einschränkungen, weil die Kitas die Betreuung unter Corona Bedingungen einschränken mussten. Und anekdotisch höre ich, dass viele Kitas ohnehin strenger geworden sind und die Kinder mit leichten Erkältungssymptomen wieder nach Hause schicken. Also was ich so mitbekomme ist ein großer Teil der Kinder momentan ohnehin nicht in der Kita.
Kenny
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@vieuxrenard mal eine Frage zur Zumutbarkeit einer Impfpflicht:
Schulpflichtige Kinder und Jugendliche haben derzeit kaum eine Möglichkeit sich vor einer Infektion zu schützen. Dies wird mit einem niedrigen Risiko für ihre Gesundheit begründet. Trotzdem ist die Infektion noch immer gefährlicher für sie als eine Impfung - selbst in jungem Alter. Das scheint aber ein gesellschaftlich akzeptables Risiko zu sein.
Ließe sich damit eine Impfpflicht begründen mit dieser Schwelle als einer Art benchmark für die Zumutbarkeit? Oder lässt sich so etwas juristisch nicht vergleichen?
Matze12
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Unser Gesundheitsminister hat letzte Woche in der PK klar und deutlich ein Ziel formuliert. Er will die vulnerablen Ü60 und dort insbesondere die ungeimpften schützen. Das hat er min. zweimal gesagt.
Auf Nachfragen zu Schulen hieß es, dass wäre Ländersache und Punkt.
Insofern stehen alle U60 nun schon im 3. Jahr für alle Ü60 gerade, was ich persönlich nicht verstehe.
Warum nicht dann ein Lockdown Ü60 / ungeimpdt und gut? Das würde doch auch diesem Ziel zu Gute kommen.
Aber das haben wir doch seit Wochen, nicht nur für Ü60, sondern alle. Überall gilt 2G, teilweise mit +.
Matze12
19
Was ich nicht als Lockdown bezeichnen würde. Ich meine, man sollte die vulnerablen nun vielleicht wirklich isolieren.
ExMod
Hat dieses Thema aufgeteilt,
20
So ganz ehrlich finde ich die Kommunikation nicht. Er rechnet damit, dass Mitte bis Ende Februar der Höhepunkt der Welle ist. Danach gehen die Zahlen wieder runter. Er sagt es nicht, aber das ist doch nichts anderes als Durchseuchung. Warum sollten die Zahlen runtergehen? Kommt da ein Lockdown oder ist dann Sommer? Die einzig schlüssige Erklärung für mich ist, dass dann weniger Infizierbare vorhanden sind. Das passt auch zu der Aussage, dass Maßnahmen eher schlecht wären, weil dann eine weitere Welle käme. Die kann nur dann nicht kommen, wenn ausreichend viele durchseucht sind.
Mit diesem Plan erscheint die Regelung, dass Geboosterte nicht mehr in Quarantäne müssen gleich in einem ganz anderen Licht.
Matder
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Sind PCR-Pool Tests überhaupt noch sinnvoll? Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das Pooling nur sinnvoll bei niedrigem Infektionsgeschehen. Sonst ist in jedem Test-Pool immer auch eine Positiv-Probe und man muss alle einzeln Testen. Insbesondere da ja fast nur noch symptomatische Personen getestet werden sollen.
Kenny
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Wenn man es standardisiert macht wie in Östereich dann ja.
Das teure an der PCR ist die Probenbehandlung. Man kann etwa 10 Proben poolen - das erhöht der ct wert um ca. 3-4 aber dafür sind die neueren Geräte sensitiv genug. Die Limitierende Größe ist die Aufreinigung und das Fahren der PCR-Reaktion. Mit einem getesteten Pool hat man direkt 10 PCR’s ersetzt.
Mal grob auf dem Bierdeckel: Bei einer Inzidenz von 2000 wäre z.B. jede 50. Probe positiv, also einer von 5 pools. Dann müsste man für diesen einen positiven pool nochmal 10 weitere Testreaktionen machen (= den Pool auflösen und gucken wer die positiven darin waren). Insgesamt hat man 50 Personen dann mit 5+10=15 Tests getestet. Und da positive meist clustern ist es meist noch besser. (Übrigens gilt eine pool PCR als 10 PCR’s daher steht Östereich im Vergleich so gut da)
Das braucht natürlich eine entsprechende Infrastruktur. Bei uns geht das derzeit nicht das haben wir organisatorisch verpennt.
Es macht allerdings keinen Sinn wenn man nur Kontaktpersonen mit starken Symptomen testet und wie bei uns zurzeit eine Positivrate von 30% hat. Dann muss man einzeln testen - da wäre tatsächlich jeder Pool positiv. Macht nur Sinn zum breiten screening in der Bevölkerung. 
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Ich habe heute mal wieder eine Stilblüte der Covid Bürokratie gehört. Ich wollte es nur mal kund tun und packe es mal hier als Antwort rein.
Unsere Tagesmutter ist 2x geimpft und lässt sich nicht boostern, weil wenn sie das macht und eines ihrer Kinder kriegt Covid (wie es mit einem letzte Woche passiert ist), dann kriegt sie keine Unterstützung, wenn Sie unsere Kinder nicht betreuen kann, weil sie selber müsste ja nicht in Quarantäne, weil sie geboostert ist.
Das ist natürlich kompletter Schwachsinn, weil sie die Betreuung zu Hause macht. Wo sollen denn ihre Kinder in der Quarantäne dann hin? Zum Nachbarn?
Da frage ich mich, ob da jemand etwas unschuldigerweise falsch verstanden hat oder ob das eine böswillige Auslegung an irgend einer Stelle in der Verwaltung ist.
Mir fehlen da manchmal einfach die Worte…
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Olaf.K
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Denke mal das Problem dürfte hier in den nicht mitgedachten Fällen der „Heimarbeiter“ liegen.
Und die Politik ist dann aber wiederum zu träge um solche Fälle schnell und pragmatisch einzuarbeiten.
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Da stellt sich dann weiterhin die Frage, ob die Anweisungen von oben zu detailliert sind und den Behörden unten keinen „Interpretationsspielraum“ geben, oder ob unten der Spielraum negativ/restriktiv ausgelegt wird. Auf jeden Fall mal wieder extrem dämlich vom Ergebnis her.
Olaf.K
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Auch hier liegt meine Vermutung gespeist aus Erfahrung anders.
Oben nicht mitbedacht/geregelt/benannt
Unten Dienst nach Vorschrift, alles was nicht geregelt/benannt ist gibt es nicht.
Er sagt auch nicht, warum wir im Jahr 3 immer noch alle die Älteren schützen müssen, die Kinder aber einfach dem Virus ausgesetzt werden. Das ist doch CDU Wählerschaft…
Soweit mir bekannt ist beruht das auf der Einschätzung, dass Ältere häufiger einen schweren Verlauf haben, auch mit Omicron. Klar kann man auch Wahlkalkühl unterstellen, aber da geht dann meiner Meinung nur Hand in Hand.