Ich denke mal mit diesem Hinweis sprichst du auf diese Studie an:
An dieser Diskussion war ich übrigens auch beteiligt. 
Was wurde also in der Studie, die du dort verlinkt hattest untersucht?
- In einem Neubauprojekt mit 48 Wohneinheiten wurde den Bewohnern 45 E-Autos (E-Golf, BMW I3) für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt.
- Es wurde beobachte wie viele Leute wann ihr E-Auto Laden und zu welcher Belastung das führt.
Solche Feldversuche sind natürlich absolut sinnvoll und berechtigt. Man muss sich aber auch kritisch mit den Ergebnissen auseinander setzen. Wie man nämlich auf den Bildern im Artikel erkennen kann, versuchen abends im Schnitt nur 5 Leute gleichzeitig ihr Auto zu laden und zwar für etwa 2,5 Stunden.
Macht bei 45 E-Autos also einmal Laden alle 9 Tage, und dann auch nur etwa 20 - 30 kWh. 30 kWh sind bei den hier verwendeten Autos etwa 200 km Reichweite (Quelle, Quelle).
Der deutsche Durchschnittspendler hat einen Arbeitsweg von 17 km, also etwa 35 km hin und zurück. Das macht bei 5 Arbeitstagen schon mal 175 km der 200 km Aufladung.
Der deutsche Durchschnittspendler hat einen Arbeitsweg von 10 km, also etwa 20 km (stat. Bundesamt, Link unten) hin und zurück. Das macht bei 5 Arbeitstagen schon mal 100 km der 200 km Aufladung.
Dann kommen am Wochenende noch Einkaufen und Ausflüge dazu. Und dann sind von den 9 Tagen Ladeintervall immer noch 2 Tage übrig.
Dass das Nutzungsverhalten, dass in diesem Feldversuch beobachtet wurde, also auf die gesamte Bevölkerung bei heutigem Nutzungsverhalten des eigenen Autos hoch skaliert werden kann, darf also bezweifelt werden.
Der Grund dafür dürfte schlicht sein, dass vermutlich niemand, der in so eine Studie für 1,5 Jahre ein E-Auto bekommt, komplett aufhören wird, seinen normalen Verbrenner zu nutzen, insbesondere bei längeren Strecken. Und zu diesen Punkt schweigt die Studie auch.
Hinzu kommt, dass du ja sagst, dass das heutige Stromnetz und auch die vorhandene Gebäudetechnik bereits ausreichend für eine Voll-Elektrifizierung des Verkehrs gerüstet sei. In dem Feldversuch, den du hier zitierst wird allerdings folgende Ausstattung der Versuchsgebäude beschrieben:
- Zusätzlicher, separater Netzanschluss für die E-Autos mit 142 kW
- 2 Batteriespeicher mit je 18 kW Leistung und 19 kWh Kapazität
- ein intelligentes Lademanagement
Das sind jedoch alles Dinge, die in einem heutigen Mehrfamilienhaus nicht vorhanden sind. Und die genannte Studie kommt zu dem Ergebnis, das trotz dieser Vorkehrungen in Spitzenzeiten bis zu 98 kW über den Zusatzanschluss geflossen sind.
Damit komme ich zu dem Schluss das diese Studie nicht zeigt, das man ohne zusätzliche Gebäudetechnik auskommt und das die Aussagekraft für einen voll elektrischen Verkehr eher gering ist.
Aber ganz generell:
Ich kann verstehen wenn jemand, der sich zu Recht für die Mobilitäts-Wende einsetzt, irgendwann genervt ist, wenn Leute mit irgendwelchen vorgeschobenen Argumenten unbedingt am Verbrenner festhalten wollen.
Dennoch muss man sich mit den neuen Technologie kritisch auseinander setzen und notwendige Anpassungen, z.B. beim Stromnetz in Angriff nehmen und sollte sich nicht dazu hinreißen lassen diese zu klein zu reden oder gar zu unterschlagen.
Solche Vereinfachungen fliegen einem sonst irgendwann um die Ohren, wenn auf einmal doch Netzausbau z.B. mit neuen Stromtrassen notwendig ist und die Leute sich nicht ganz zu recht beschweren, dass man ihnen vorher etwas anderes versprochen hat.
edit: Die Statistik zum Pendelweg hatte ich falsch verstanden, nach aktuellen Zahlen des stat. Bundesamtes (Link) habe ich das oben korrigiert.
edit 2:
Die Stuttgarter Zeitung hatte zu dem Feldversuch einen Artikel:
Könnten alle auf Elektroautos umsteigen? - stuttgarter-zeitung.de
dort heißt es:
Wir haben deshalb dazu ermutigt, die E-Fahrzeuge für wirklich alle Fahrten zu nutzen: zur Arbeit, aber auch in den Urlaub. Das haben die Leute auch gemacht und sind an die Ostsee, in die Beneluxländer und in die Schweiz damit gefahren.
Ich will das mal glauben und ziehe die Kritik, der schlechten Skalierbarkeit des Nutzungsverhaltens zurück.