LdN 260: Interview mit Jamila Schäfer

Ich war ehrlich gesagt etwas irritiert darüber, dass Jamila Schäfer in dem Interview geduzt wurde. Natürlich gehe ich davon aus, dass das vorher so abgesprochen war, aber gerade weil das in Lage-Interviews meiner Erinnerung nach nicht üblich ist – im Gegensatz z.B. zu Thilo Jung, wo das nochmal was anderes wäre – konnte so der Eindruck entstehen, dass eine junge weibliche Abgeordnete vielleicht etwas weniger ernst genommen wird.

Wie gesagt, ich gehe nicht davon aus, dass das so ist. Wahrscheinlich wurde sie vorher gefragt, und hat gesagt duzen ist ihr lieber, aber erklärt wurde das nicht. Und damit war der Eindruck spontan ein bisschen komisch.

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Was muss eigentlich schiefgehen, damit man ein Problem damit hat, wenn drei erwachsene Menschen so miteinander reden, wie sich das richtig anfühlt? Ein bisschen weniger verkrampftes Suchen nach möglichen Todsünden würde uns glaube ich allen gut tun.

Ich weiß nicht, ob Jamila uns zuerst geduzt hat oder wir sie, aber auf jeden Fall war das genau so für uns alle richtig - so eindeutig, dass wir darüber nicht mal sprechen mussten. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass sie seit Jahren die Lage hört?

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Ernsthaft, ich bin bestimmt einer der letzten, der „verkrampft irgendwelche Todsünden sucht“. Wie schon geschrieben, gehe ich auch nicht davon aus, dass das tatsächlich nicht abgesprochen war.

Aber wie auch immer. Ich fand’s komisch, aber vielleicht hätte ich das einfach für mich behalten sollen.

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Ich finde Otzenpunk hat recht, mir war das auch aufgefallen. Dadurch entsteht eine unprofessionelle Nähe, jetzt wo sie Abgeordnete ist, man muss das zumindest kommentieren: es kann natürlich sein, dass Ihr sie schon seit Jahren kennt, dann würde ich das auch so benennen. Ansonsten hat es ein „Geschmäckle“. Philipp Amthor würdet Ihr ja wahrscheinlich nicht duzen. Ich würde mir da entweder eine deutliche Erklärung oder journalistische Distanz wünschen.

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Lieber Ulf

Wenn ihr hier in diesem Forum Momentare hören wollt, wie eure Gestaltung der Lage bei den Hörer:innen ankommt, dann ist es nicht hilfreich wenn das berichten von persönlichen störgefühlen („etwas irritiert“, „ein bisschen komisch“) als suchen nach Todsünden abgetan wird.

Bei dem duzen von Luisa Neubauer wurde das seinerzeit ja auch schon angemerkt (da in der dritten Person) , nicht weil man es böse mit euch meint sondern weil das ein Stilbruch ist zu eurer sonst eher distanzierten Auseinandersetzung mit Menschen.

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Nachtrag: in „unserer“ Blase ist das „Du“ natürlich völlig o.k., und ich kann das auch einordnen, aber ich habe „Die Lage“ zum Beispiel auch Leuten empfohlen, die schon im letzten Lebensdrittel sind und klassische F.D.P-Wähler (oder schlimmer). Wenn die hören, dass ihr mit einer Grünen-MdB per Du seid, denken die gleich, sie sind auf dem Parteifunk gelandet und nicht bei einem unabhängigen journalistischen Format!

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Ein einleitender Satz („Wir haben uns gemeinsam vorher auf das Du in der Ansprache verständigt“) würde vermutlich ausreichen.

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Also ich fand das Interview super. Und es hat sich auch für mich total „richtig angefühlt“. Die Reaktionen hingegen irritieren mich. Es geht hier ja eben nicht um die Tagesschau.

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Ich mag die Lage wie sie ist. Ich mag siem WEIL sie so ist und WEIL sie vieles anders macht, als andere Medien.
Wenn man am Ende alles den Normalo-Medien anpasst nur um irgendwie „professionell“ zu wirken, kann ich darauf verzichten…

lg, Dave

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Das stört mich inzwischen überhaupt nicht mehr ^^
Ich duze sogar meinen Konzernchef.

Hier in Schweden duzen sich alle (ich würde also sogar unseren Ministerpräsidenten duzen so wir uns Mal begegnen) einzige Ausnahme sind unsere gekrönten Häupter. Die werden gesiezt.

Deutschland ist eines der wenigen Länder das versucht an dem zwanghaften siezen festzuhalten.

Ich finde, die leichte Irritation entsteht (bei mir, aber vielleicht auch anderen) nicht dadurch, dass geduzt wird, sondern, dass DIESE Politikerin geduzt wird.

Die Frage ist für mich eher: Habt ihr das Du auch anderen Interviewgästen angeboten und wenn nein, wie trefft ihr die Auswahl. Oder hat euch Jamila Schäfer das Du angeboten?

Es ist natürlich Erbsenzählerei, euch reinreden zu wollen, wie ihr mit Menschen sprecht, wenn es offenbar eine Einigung gab. Nichtsdestotrotz würde ein kurzes
„wir haben uns auf ‚Du‘ geeinigt/Wir haben uns auf ‚Sie‘ geeinigt“ am Anfang auch niemandem wehtun und den Verdacht im Keim ersticken, dass ihr mit den Grünen kuschelt, während ihr die CDU auf „Sie-Abstand“ haltet.

Und falls ihr das „Du“ eigentlich angenehmer findet, ist das Explizit-Machen ja auch eine Art und Weise, in die Welt zu tragen, dass es Verhandlungssache ist, wie man sich anspricht und nicht gottgegeben, dass alle Welt sich siezt.

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Hallo,

mir ist noch etwas anderes zum Interview aufgefallen. Ich habe den Eindruck, dass Jamila Schäfer ohne kritische Nachfragen mitunter klassische Wahlkampffloskeln als Antworten geben konnte. Beispiele hierfür sind:
Philip fragt ab Minute 50:15, was für sie persönlich zentral sei und sie antwortet, was für „uns Grüne“ als Partei wichtig sei. Darüber hinaus spricht sie vom 1,5-Grad-Ziel, was ja laut Analysen auch mit dem Wahlprogramm der Grünen nicht erreicht werden kann. Da wäre ihre Einschätzung spannend gewesen, gerade im Hinblick auf die Sondierungsgespräche.
Weiter kommen dann ab Minute 50: 50 klassische Floskeln wie „gesellschaftliche Vielfalt“, „Partzipationsmöglichkeiten“ und die „Schere zwischen arm und reich schließen“.
Interessant wäre gewesen, wie Jamila Schäfer diese Themen konkret in die Fraktion oder den Ausschüssen einbringen möchte.

Liebe Grüße

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Ich denke, die „Lage“ kommt hier im Moment auch redaktionell an ihre Grenzen, sowas muss man ja alles vorbereiten, da muss man selber voll drin sein in der Materie, man ist dann halt schnell auf „Mainstream-Niveau“. Trotzdem fand ich das Interview ganz gut, es ging ja auch mehr darum, wie sie die ersten Tage erlebt hat.

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Das kann ich verstehen, gerade im Hinblick auf die vielen Ereignisse aktuell. Trotzdem sollten kritische Nachfragen bei eher leichten Aussagen einer MdB erfolgen, gerade wenn es nicht um administrative, sondern um inhaltliche Fragen geht.
Dennoch fand ich das Interview zum administrativen Teil sehr interessant.
Eine Nachfrage an dich: Was bedeutet für dich „Mainstream-Niveau“?

Naja, so das klassische „Tagesthemen-5-Min.-Interview“, (das wird es mit Jamila Schäfer wahrscheinlich nie geben), um richtig in die Tiefe zu gehen, braucht man einfach andere Formate, wie z.B. P. Banses „Interview“. Richtig gut!

Ich lebe in der Schweiz!
Dort duzt auch jeder jeden.
Das schafft Distanzlosigkeit. Jeder meint sich bei jedem einmischen zu können/müssen. Selbst der Putzmann im Krankenhaus meint noch dem leitenden Arzt Vorschriften machen zu können/müssen.
Das ist nicht hilfreich und wäre in Deutschland so eher nicht möglich. Insofern ist natürlich die Frage aus dem Forum berechtigt ob hier ausreichend Distanz zwischen Journalist und Politiker herrscht. Wie sagten Rudolf Augstein und Stefan Aust: „Der Journalist kann des Politikers Freund nicht sein.“
ABER, ich hatte subjektiv in dem Interview zu keinem Zeitpunkt das Gefühl einer Distanzlosigkeit oder zu großen Nähe!

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