Was ich sagen will: Die meisten Unternehmer in Deutschland haben mit dem Bild des „reichen Kapitalisten“ nur sehr wenig zu tun. Aber selbst bei denen, die gut verdienen und aus den Erträgen ein stattliches Vermögen außerhalb des Unternehmens aufgebaut haben, gilt oft: Die sind in ihrem Leben ganz erhebliche materielle Risiken eingegangen, haben immer wieder längere Phasen, in denen sie nicht schlafen können, weil sie um ihren Betrieb fürchten.
Ja, unter den KMU-Unternehmen gibt es auch Erben, denen das betriebliche Vermögen in den Schoß gefallen ist. Ich hatte und habe immer wieder Mandanten, die Unternehmer in der 2., 3., 4., ja sogar in der 5. Generation sind. Die wenigsten sind leistungslose Pfeifen, die sich auf den Lorbeeren der Vorväter ausruhen, sondern sie verspüren eine gewaltige Verantwortung für den Betrieb, ja, auch Verantwortung gegenüber den früheren Generationen, die das alles aufgebaut und weiterentwickelt haben (dennoch: zum erfolgreichen Unternehmer wird man nicht qua Familienzugehörigkeit – das „Unternehmer-Gen“, d.h. die Risikobereitschaft und die Kompetenz, ein Unternehmen erfolgreich zu leiten, ist leider sehr ungerecht verteilt und kann man nicht wirklich vollständig erlernen).
Ich will diese Menschen nicht überhöhen. Über Politik will man sich mit den meisten von denen nicht unterhalten. Die meisten „kotzen“, wenn es um die Ampel-Regierung geht. Das war zu Zeiten der Großen Koalition nicht anders. Die meisten schätze ich so ein, dass sie der FDP, ansonsten der Union nahestehen. Weil sie überzeugt sind, dass diese ihnen in ihrer unternehmerischen Tätigkeit weniger Steine in den Weg legen, als Grün oder Rot. Was ja in der Natur der Sache liegt: Grün und Rot wollen z.B. Menschen oder Umwelt/Klima schützen und macht das unternehmerische Wirken nun mal komplizierter, bürokratischer. Von FDP und Union erhoffen sie sich, dass man sie in Ruhe lässt (die haben die Zeit der letzten Schwarz-Gelben-Koalition wohl vergessen).
Ich würde mir wünschen, dass diese Informationen und Eindrücke bei Fragen der Umverteilung berücksichtigt würden. Ja, ich bin auch dafür, dass das Vermögen, aber auch das verfügbare Einkommen sehr viel gerechter verteilt ist. Ich möchte nur vermeiden, dass die herrschenden Vorurteile über Unternehmen oder „Kapitalisten“ das Rückgrat von mehr als 50% der Arbeitsplätze empfindlich beschädigt.