LdN 232: Die britische Krone abschaffen

Zum Thema die Royals abschaffen würde ich das Video The True Cost of the Royal Family Explained empfehlen. Offenbar ist die Königin für das VK ein wirtschaftliches Plus, auch wenn dafür Steuern bezahlt werden.

Darüber hinaus gehört der Familie halt aktuell auch noch genug, als dass es denen auch nach einer Abschaffung vermutlich auch mit ihren geschätzt 400 Millionen Pfund Vermögen nicht schlecht ginge.

But I hear you say: Wenn man die Abschafft kann man die ja auch gleich enteignen. Ist natürlich richtig. Hätte man nach dem Reichsdeputationshauptschluss auch mit den Kirchen tun können, oder mit der Einführung der Weimarer Reichsverfassung - 115 Jahre später - , oder mit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes - nochmal 30 Jahre später -, oder sogar aktuell - wieder 70 Jahre später - wird aber nicht passieren.

Sind in NRW dieses Jahr rd. 44 Mio Euro die man vielleicht besser in was anderes stecken könnte.

Ja, das Video kenne ich auch. Ist aber schon ein bisschen älter, die Zahlen und Rechtsgrundlagen haben sicht natürlich geändert. Grundsätzlich muss man wohl schon sagen, dass mit der RoyalFamily auch so schon mehr Geld gemacht wird, als an sie ausgegeben wird.

Als Einwohnerinnen einer Republik (konstitutionellen) Monarchien gegenüber eine kritische Grundhaltung zu haben, sollte schon fast zum Minimalkonsens dieses Landes gehören. Dennoch hätte ich bei der Auseinandersetzung mit dem Interview mehr Fairness erwartet. Da sitzt die ehemalige Schauspielerin Meghan Markle mit Oprah Winfrey zusammen, deren beider Geschäftsmodell im Erzielen öffentlicher Aufmerksamkeit besteht, erzählt von unbestritten unakzeptabel rassistischen Äußerungen, ist dann aber nicht bereit, Namen zu nennen, sondern verschanzt sich hinter verschwörerischen Andeutungen. Wäre ich Journalistin, wäre ich da stutzig geworden. Nebulöse Andeutungen, aber in dem Moment, wo es konkret werden soll, keine Verantwortung zu übernehmen, wäre mir persönlich eine zu dünne Faktenlage. Auch das Argument, das gesamte Königshaus, zumindest das britische Empire sei auf rassistischer Grundlage gegründet, greift mir zu kurz. Es geht um konkrete Äußerungen die einer konkreten Person gegenüber von konkretisierbaren Personen ausgegangen sind. Wenn jemand (Achtung, hinkendes Beispiel) von rechtsradikalen Bestrebungen in der CDU redet, reicht es auch nicht, zu sagen, die sei aus der Zentrumspartei hervorgegangen, und die habe für das Ermächtigungsgesetz gestimmt. Wenn es um Missbrauchsvorwürfe in der katholischen Kirche geht, reicht es auch nicht, auf die zahlreichen belegten Skandale der letzten Jahrzehnte zu verweisen und anzunehmen, dass damit jeder dieser Vorwürfe automatisch wahr ist, weil es ja praktisch in der Natur der Pfarrers liegt, sich an kleinen Jungs zu vergreifen. Es geht in meinen Augen um die Frage, ob sich ein Vorwurf belegen lässt. Bei den Rassismusvorwürfen gegenüber dem britischen Königshaus, geht es darum, wer wann was konkret gesagt hat, ob eine Kammerzofe eine abfällige Bemerkung („na, so schwarz, wie dieses Kind wird, kann es wohl den Adelstitel vergessen“) geäußert oder ob die Queen in einem längeren Gespäch den farblichen Hautton genannt hat, ab dem die Verleihung eines Adelstitels für sie nicht mehr in Frage käme (was meines Wissens bereits verneint wurde). Seit einem halben Jahrzehnt diskutieren wir über Fake News, warnen immer wieder davor, eine Geschichte zu glauben, nur weil sie so schön ins Bild passt, aber beim britischen Königshaus gelten diese Regeln auf einmal nicht mehr. So sehr es mir in den Fingern juckt, journalistische Arbeit bedeutet auch Fairness gegenüber den Leuten und Institutionen, die ich zutiefst ablehne. Die CDU ist keine Nazibande, Kindervergewaltigung gehört nicht zu den Sakramenten der katholischen Kirche, und nur weil das britische Königshaus auf zutiefst imperialistischen Grundlagen fußt, heißt das noch lange nicht, dass dort an entscheidender Stelle ernsthaft Farbskalen für Prinzenkinder diskutiert werden. In meinen Augen gibt es im Moment nicht viel mehr als eine auf die Schlagzeile kalkulierte Äußerung, die bewusst schwammig gehalten wird, um rechtlich nicht belangt werden zu können. Ich wäre vorsichtig, so etwas ungeprüft zu übernehmen.

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Abgesehen davon, dass mir die Auseinandersetzung mit dem Interview ein bisschen zu einfach war (ich stimme annelie hier groesstenteils zu, und auch ich bin absolut keine Unterstuetzerin der britischen Monarchie und wuerde sie auesserst gerne abgeschafft sehen) - hat mich in dem Beitrag gestoert, dass gesagt wurde, das Vereinigte Koenigreich haette keine Verfassung. Das ist falsch, es gibt natuerlich schon eine Verfassung, allerdings ist diese nicht kodifiziert (in dem Sinne, dass sie nicht in einem einzigen Dokument festgesetzt ist, sondern aus hunderten von verschiedenen Dokumenten besteht). Es gibt auch bestimmte Acts of Parliament, die konstitutionellen Status haben (z.B. die Magna Carta).
Abgesehen davon - super Sendung :slight_smile:

Das war ein Zitat aus der Irish Times.

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Ich bin wirklich begeistert Lage-Hörer und halte im Allgemeinen große Stücke auf die Sorgfalt und journalistische Qualität in diesem Podcast. Daher empfehle ich den Podcast regelmäßig weiter. Ich schätze auch die Bereitschaft von LdN, zu vielen Themen in die Tiefe zu gehen und vorherrschende Auffassungen zu hinterfragen. Meiner Meinung nach war der Abschnitt zum Interview von Meghan und Harry mit Oprah in LdN 232 aber ein absoluter journalistischer Tiefpunkt des Formats.

Es folgt eine Liste meiner Kritikpunkte:

  1. Die von den „Sussexes“ geäußerten Vorwürfe wurden ohne kritisches Hinterfragen wie bewiesene Fakten behandelt. Dabei haben wir es offensichtlich mit einer familiären Auseinandersetzung zu tun, bei der nach allgemeiner Erfahrung selten eine Seite allein für alle Probleme verantwortlich ist. Philip und Ulf aber haben die Vorwürfe - insbesondere den Rassismus-Vorwurf - ohne Wenn und Aber als wahr akzeptiert und das mit Kommentaren à la „war doch klar“ oder „wie kann man da überhaupt überrascht sein“ garniert. Das hat mit Journalismus oder fairer Berichterstattung leider nichts zu tun. Es kann doch nicht sein, dass die Sorgfaltspflichten einfach entfallen, bloß weil Ulf scheinbar vom „Goldenen Blatt“ traumatisiert wurde?

  2. Laut lachen musste ich bei der Einlassung, Meghan und Harry wollten „für ihr Geld arbeiten“, und das sei für die königliche Familie wohl ein schwer fassbarer Gedanke. Seine royale Prominenz zu Markte zu tragen und zu versilbern, das ist für mich nicht ganz das, was ich unter „Arbeit“ verstehe, und es ist kein Stück nobler oder „ehrlicher“ als die Einkommensquelle der königlichen Familie. Die Deals mit Netflix oder Spotify hätte weder Meghan ohne ihren „Prinz“ noch Harry ohne seinen Titel je schließen können, sie basieren nicht auf den mit „eigener Arbeit“ assoziierten Tugenden wie Fleiß, Mühe oder Talent. Da wäre mir im Zweifel die Arbeit, die Queen Elizabeth II. leistet, deutlich lieber.

  3. Bezüglich des Rassismus-Vorwurfs möchte ich anmerken, dass ich die Art, wie dieser Vorwurf in die Öffentlichkeit getragen wurde, ganz schlimm finde. Erst das groß angekündigte Oprah-Interview, also die Wahl einer riesigen, auch etwas unseriösen Bühne (Oprah ist entschieden nicht Bob Woodward). Dann das Ausbreiten des Vorwurfs, es habe ein rassistisches Gespräch darüber gegeben, wie „dunkel“ das Baby wohl werden würde (nur einmal angemerkt, man könnte diese Frage auch unter dem positiven Gesichtspunkt diskutieren wollen, wie man den damit eintretenden Zugewinn an Diversität positiv für die königliche Familie und Großbritannien insgesamt nutzen könnte und gleichzeitig überkommenen Vorurteilen entgegentreten könnte)… und schließlich die Weigerung, Ross und Reiter zu nennen, gepaart mit der Aussage, das könnte sonst „very damaging to them“ sein, was den Charakter einer Drohung besitzt. Wenn Meghan den Namen der „rassistischen Person“ genannt hätte, z.B. Prinz Charles, dann könnte der sich wenigstens verteidigen oder aus seiner Sicht klar stellen, was er gesagt hat (und was nicht) und warum. So aber wird jeder PR-Berater der königlichen Familie empfehlen, besser beschwichtigend zu reagieren und die Sache zunächst einmal auf sich beruhen zu lassen. Fazit: Die Rufschädigung durch den Vorwurf ist massiv, er ist verpackt in eine Drohung, und er erlaubt nicht einmal ein entschiedenes Dementi. Ein rhetorisches Meisterstück, von der bösen Sorte.

  4. Ich finde es völlig unhistorisch, der königlichen Familie den Kolonialismus in der Form anzulasten, wie es hier gemacht wurde. Natürlich war der Kolonialismus falsch, natürlich war die Unterdrückung der Frau falsch, das Gleiche gilt für die meisten Kriege, die Hexenverbrennungen waren Mist und auch das Zur-Ader-Lassen war keine gute medizinische Behandlung. Auf diesen Irrwegen waren meist aber nicht nur Einzelne unterwegs, sondern ganze Gesellschaften, und die Entwicklung zum aus unserer Sicht Besseren ließ sich nicht einfach „vorspulen“. Insbesondere ist aber der Kolonialismus nicht die Erfindung einiger weniger, sondern spiegelte die Auffassung der Bevölkerungsmehrheit, die darin kein Unrecht erkennen konnte und die unterdrückten Völker als minderwertig ansah. Das war nicht nur der (britische) Adel, da waren die Groß-Groß-…-Großeltern von uns „Bürgerlichen“ genauso beteiligt. Zudem konnte der König in Großbritannien schon seit der Glorious Revolution nicht mehr alles allein entscheiden, sondern hatte sich (in unterschiedlichem Maße) mit Volksvertretern zu einigen, und spätesten seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist Großbritannien eine parlamentarische Demokratie.

  5. Dann die ganze Polemik, die Monarchie in Großbritannien abzuschaffen. Ich selbst bin froh, dass wir in Deutschland eine Republik und ein (wenn auch nicht direkt) gewähltes Staatsoberhaupt haben. Aber mit soviel Verve die Veränderung der Staatsform in einem anderen Land zu fordern, ist mir unverständlich. Es geht hier schließlich nicht um Unterdrückung, denn Großbritannien ist eine Demokratie, und wenn die Mehrheit der Briten der Meinung ist, dass sie das Königshaus als staatliche Institution abschaffen wollen, dann werden sie das ganz sicher auch tun. Ich habe selbst lange gerätselt, warum sich die bisherige Staatsform so erhalten hat. Mein Eindruck ist, dass die Briten durchaus auch vernünftige Gründe dafür haben, ihr Königshaus zu behalten, denn es stellt für Großbritannien, besonders in dieser globalisierten Zeit, einen gewissen „Markenkern“ dar, der durchaus zu Tourismus, Vertrauen und Investitionen beitragen mag. Aber, wie gesagt, sollten die Briten eines Tages bei der Abwägung zu einem anderen Ergebnis kommen, werden sie die Staatskonstruktion eben ändern. Dafür brauchen sie vermutlich keine guten Ratschläge von Philip und Ulf.

  6. Das bringt mich zum letzten Punkt: Insbesondere der letzte Teil, das Plädoyer zur Abschaffung der britischen Krone, kam schmissig, aufgedreht und polemisch daher, aber eben nicht journalistisch. Das wäre eher als Kabarettbeitrag durchgegangen, und wenn man das als solches angelegt hätte, hätte man vielleicht noch etwas mehr herausholen können. Da sollte man dann aber vielleicht lieber ein Format wie „Glosse“ oder „Satire“ in die LdN einführen und klar abgrenzen. In der Melange mit der restlichen Erörterung zum Interview von Meghan und Harry führte das leider nur dazu, das kümmerliche Journalismus-Süppchen, das hier gekocht wurde, weiter zu verdünnen.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass dieser Abschnitt einfach sehr unreflektiert entstanden ist und den sonst vorherrschenden Qualitätsanspruch der Lage nicht gerecht wurde. Ihr könnt das besser, Jungs!

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Das habe ich mich auch schon gefragt… Ein möglicher Grund für die Akzeptanz könnte sein, dass jeder von der Queen in den Adelsstand erhoben werden kann und dies ja auch regelmäßig der Fall ist.
Das entspricht so der Psychologie vom Lottogewinn :wink:
„The british way of life“…

Die britische Krone abschaffen…? Ist doch irgendwie auch gelebte Kultur… oder? Also eigentlich wohl lieber nicht, da sie vielen so ans Herz gewachsen sind…

Guten Abend,

auch ich möchte mich etwas kritisch zur Art der Berichterstattung im Beitrag „Die britische Krone“ abschaffen äußern. Es war wirklich leicht irritierend bis belustigend für mich zu hören wie beide Moderatoren emotional engagiert in den Beitrag eingestiegen sind um am Ende sowas wie Blutdruck zu haben scheinen :wink:
Man mag von den Royals halten was man will, man mag von Frau Markle halten was man will, ich bin da bestimmt auch etwas unkritisch, aber ich denke am Ende ist es für Außenstehende doch äußerst schwierig bis unmöglich wirklich zu beurteilen wie diese Maschinerie tickt und was da hinter den Kulissen an Hofprotokoll und anderen Dingen läuft. Natürlich kann man Frau Markle sagen, sie hätte das vorher wissen können, ich bin mir sicher völlig naiv ist sie da auch nicht eingestiegen, aber vielleicht ist die Realität dann doch heftiger als man erwartet hat oder dachte, man könne damit umgehen. Naja, am Ende versuchen Meghan und Harry wahrscheinlich auch nur ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Wenn einem dabei die halbe Welt dabei zuschaut, ich möchte nicht tauschen.