LdN 220 EEG Ausschreibungen

Hallo Philip und Ulf,

Danke für die intensive und gute Beleuchtung des Themas EEG und die Darstellung von „Licht und Schatten“.

Ich teile die Meinung, dass der unbedingte Wille zum ambitionierter Ausbau der EE nicht sichtbar ist.

1.) Zum Thema Ausschreibungen jedoch habe ich einen Einwand.

„Umso mehr Ökostrom, umso besser“ (Min. 52) - JA, und gerne so schnell wie möglich, aber bitte auch volkswirtschaftlich nachhaltig. Dafür sind Ausschreibungen ein gutes Instrument.

Den durch Ausschreibungen entstandenen „bürokratischen Overhead“ würde ich für professionelle Projektierer, welche Anlagen ab 750 kW planen, als gering einschätzen. Insbesondere im Vergleich zu den von euch angesprochenen Hürden im Genehmigungsverfahren, Sicherung geeigneter Flächen und juristischen Auseinandersetzungen.

Dass die Ausgestaltung des Ausschreibungsverfahren allerdings seine Makel hat, steht außer Frage! Die ausgeschriebenen Mengen und Anzahl der Gebotstermine sind da sicherlich kritisch zu beleuchten.

Sonderfall Aufdachsolaranlagen:

Die nun eingeführte Pflicht zur Teilnahme an Ausschreibungen für große Dachanlagen halte ich für vertretbar. Wer eine Anlage mit mehreren hundert kW plant, sollte unterstellt werden können über die kaufmännischen Fähigkeiten zu verfügen, auch an einer Ausschreibung teilzunehmen. Für Dachanlagen ab 750 kW wird überhaupt erst ein Markt geschaffen mit dem nun eingeführten eigenen Ausschreibungssegment. Zuvor mussten Aufdachanlagen dieser Größe in den Ausschreibungen mit Freiflächenanlagen konkurrieren und hatten so keine Chance auf Erfolg.

  1. Vergütungssystematik

Die derzeitig geltenden gleitenden Marktprämie (als Weiterentwicklung der festen Vergütung) sichert, wie von euch beschrieben, der Betreiberin einer EE-Anlage ihren bezuschlagten Preis zu, indem der Unterschied zwischen Börsenstrompreis und Gebotspreis aus der EEG-umlage gezahlt wird. Liegt der Strompreis allerdings über dem Gebotspreis, streicht die Betreiberin dies ein. Die Gemeinschaft sichert also das Risiko ab, profitiert jedoch nicht von möglichen Chancen der Betreiber bei hohen Strompreisen. Das Stichwort hier: die symmetrische Marktprämie (= Differenzverträge engl. Contract for difference) DIW

Beim Differenzvertrag erhält die Betreiberin immer den gebotenen Preis, d.h. Bei niederigem Stormpreis erhält sie die Marktprämie, bei hohen Strompreisen zahlt sie jedoch in den Topf zurück.

Dieses System ist bereits erfolgreich im Wind-offshore-Markt in UK und Frankreich eingeführt und auch von der deutschen Offshore-branche gefordert. BDEW

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Dem kann ich mich anschließen. Die Umstellung von einer festen Einspeisevergütung zu einem Ausschreibungsmodell hatte unterschiedliche Gründe, die - anders als in der LDN dargestellt - nicht nur negativ sind:

  • Listenelement Die Höhe der derzeitigen EEG-Umlage kommt vor allem dadurch zustande, dass es eine Zeit lang eine erhebliche Überförderung der Erneuerbaren gab. Diese erhebliche Überförderung hat zwar auf der einen Seite zu einem boomenden Ausbau der Solar- und Windenergie geführt aber auf der anderen Seite auch zu einem erheblichen Anstieg der EEG-Umlage. Ein ganz wesentlicher Teil der jetzigen Umlagenhöhe liegt in den festen Einspeisesätzen (die für 20J gewährt werden) begründet.

  • Listenelement Der erhebliche Anstieg der EEG-Umlage hat sich auf die Akzeptanz niedergeschlagen. Die Höhe der EEG-Umlage hatte im Jahr 2014 das rot-geführte BMWi dazu veranlasst, die Kostensenkung voranzutreiben, um die Akzeptanz für die Förderung erneuerbarer Energien zu verbessern. Ausschreibungen, die übrigens auch europarechtlich vorgesehen sind, sind hier aus meiner Sicht ein probates Mittel. Bei der Umsetzung hätte man sicherlich besser hinschauen und schneller nachbessern müssen.

  • Listenelement Durch die Ausschreibungen werden die Anlagen an den Wettbewerb herangeführt. In einer vollsubventionierten Welt würde der Anreiz zu einer kosteneffizienten grünen Energiegestehung wohl nur sehr langsam dazu führen, dass die Anlagenmodelle effizienter werden. Die jetzigen Ausschreibegebote liegen deutlich unter den Einspeisevergütungen und belegen, dass die wettbewerbliche Ausschreibung die Kosteneffizienz der Anlagen erhöhte und die Fördernotwendigkeit gesenkt hat.

Es ist allerdings auch zu konstatieren, dass sich der Ausbau durch die Ausschreibungen deutlich abgeschwächt hat. Das hat aus meiner Sicht aber vor allem damit zu tun, dass nicht hinreichend sichergestellt wird, dass die bezuschlagten Gebote auch innerhalb kürzester Zeit bzw. überhaupt realisiert werden. Der Wettbewerb, der durch die Ausschreibungen entstanden ist, hat hier auch zu Spekulationen geführt. Bei mutwillig zu niedrig abgegebenen Geboten wird häufig nicht realisiert; die vorgesehenen Strafzahlungen greifen hier anscheinend nicht.