LdN 217 Rundfunkbeitrag

Sehr intensiv habt ihr euch mit der aktuellen Diskussion über den Rundfunkbeitrag auseinandergesetzt und die Steigerung damit begründet, dass es ja so ein journalistisch ausgewogenes Programm bei den öffentlich rechtlichen Sendeanstalten gibt. Besonders den Deutschlandfunk habt ihr dabei hervorgehoben. Das eigentliche Kerngeschäft, das Fernsehen habt ihr nur am Rande mit der Tagesschau und den regionalen Magazinen erwähnt und es scheint mir, dass es euch egal ist, da ihr das Programm sowieso nicht schaut, das im öffentlich rechtlichen Programm über die letzten Jahrzehnte eine immer weitergehende Kriminalisierung des Programms stattfand, die man definitiv kritisieren muss, was ihr aber leider in keinster Weise getan habt. Als Beispiele sind da zu nennen im ZDF die Vorabendserien SOKO, die JEDEN Abend läuft und sicher keine Vielfalt des Programms darstellt, besonders wenn man, wie ich, in den 80er schon Fernseh geschaut hat und sich noch daran erinnert, dass da fünf verschiedene Serien liefen(Western von Gestern, Colt Seavers und weitere). Auch das weitere Programm im ZDF ist doch sehr einseitig auf Krimis ausgerichtet: Freitag abend laufen nur Krimis, Montag abend auch und bei den Sendungen direkt nach den Heute Nachrichten sind auch vier von fünf Sendungen dem Krimigenre zuzuorden. Ähnlich, aber nicht ganz so extrem ist es bei der ARD, wo das Vorabendprogramm auch in erster Linie mit irgendwelchen Formaten de Krimigenres zugemüllt ist. Von den ganzen Tatort-Wiederholungen auf den dritten Programmen(man kann jeden Tag im linearen Fernsehen einen Tatort schauen) will ich hier gar nicht erst reden, ist aber auch ein großer Kritikpunkt. Wenn ihr das Bildungsauftrag und Programmvielfalt nennt, na dann herzlichen Glückwunsch und da müsste dringend angesetzt werden, denn diese einseitige Ausrichtung auf Quote, denn um nichts anderes geht es auch den öffentlich rechtlichen ohne großen Anspruch auf Vielseitigkeit ist doch sehr auffällig. Die wenigen, von euch so gelobten journalistischen Formate, lassen sich an einer Hand abzählen wie Report, Monitor, Auslandsjournal oder Frontal21.Das es dann zusätzlich eine unheimliche Geldverschwendung beim Tatort gibt, die darin mündet, dass der Radio Tatort an Originalschauplätzen aufgenommen wird, wird in euerer Lobhudelei auch in keinster Weise erwähnt.
Ohne Frage ist der öffentlich rechtliche Auftrag wichtig und ich bin froh das es so ein Programm in Deutschland gibt, aber das er reformbedürftig in seiner Programmgestaltung ist sollte auch mal in solchen „unabhängigen“ Formaten wie der LdN erwähnt werden, was ihr nur so am Rande getan habt, mit den digitalen Formaten. Und das ihr dann noch als einzigen Kritikpunkt die Sportrechte erwähnt, die sicher teuer sind, aber sicherlich mehr Menschen interessiert als das Krimigedöns und in keinster Weise erwähnt, dass die Nationalmannschaft mittlerweile auf RTL läuft, weil die Rechte zu teuer waren, wird auch nicht erwähnt.

Zum Abschluss noch ein Lob für die rechtliche Seite, die ihr mittels eurer fachlichen Fähigkeiten wieder mal sehr schön herausgearbeitet habt.

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Hey, ich teile deine Beobachtung hinsichtlich des Fernsehprogramms am Vorabend. Das ist sicherlich einer von vielen Punkten die Reformbedürftig sind. Es gibt eben aber allerdings auch viele tolle Programme und Formate.
In der LdN hatte ich nicht den Eindruck, dass es eine Lobhudelei auf den ÖRR gab, sondern dass betont wurde dass Nutzen und Wert des ÖRR sehr groß ist, ohne dabei auszulassen, dass es viel berechtigte Kritik an der inhaltlichen Ausgestaltung gibt. Da der Hauptfokus der LdN auf der Einordnung des Konflikts lag, war die berechtigte Kritik am ÖRR nur am Rande und hatte sicher keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Beitragserhöhung ist meinem Verständnis nach eher damit begründet, dass sich das dafür zuständige weitgehend unabhängige Gremium dafür entschieden hat und so der demokratische Prozess eben läuft. Wenn sich die Zuständigen nicht für einen anderen inhaltlichen Auftrag entscheiden, müssen sie das auch bezahlen (lassen).
Die Reform der inhaltlichen Ausgestaltung darf sich nicht an den Kosten orientieren.

Wir können aber gern an dieser Stelle mal die Diskussion eröffnen zu sinnvollen Reformen des ÖRR, dann wird das sicher auch an passender Stelle in der Lage aufgegriffen.

Du hast ja bereits zwei gute Punkte gebracht, die ich hier kurz zusammenfasse:

  • Mangelnde Vielfalt und Geldverschwendung durch viele inhaltlich sehr ähnliche Unterhaltungsformate, vor allem Krimis
  • Falscher Fokus auf die Einschaltquote
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Ich benutze diesen Thread mal mit.

Was mir bei dem Argument „die KEF ermittelt den Bedarf und dann wird das so gemacht“ ein bisschen fehlt ist der Blick in die jüngere Vergangenheit. Damals wurde nämlich von der KEF eine Senkung des Beitrags empfohlen, die dann aber nur teilweise umgesetzt wurde. (Durch die Umstellung auf die Haushaltsabgabe sind die Einnahmen stark gestiegen.) Auch dieses Verhalten war damals übrigens stark umstritten; aus den gleichen Gründen.

Bericht von 2014: Rundfunkbeitrag: Angekündigte Senkung wird vertagt
Bericht von 2016: Rundfunkbeitrag: Geplante Senkung steht doch wieder auf der Kippe - EURONICS Trendblog

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Was das Thema TV und die Inhalte dort angeht, da hätte ich einen Buchtipp: „Neil Postman - Wir amüsieren uns zu Tode“. Kam irgendwann im letzten Jahrtausend raus, ist sehr treffend und am Ende kommt die Schlussfolgerung raus, dass eines der großen Probleme beim TV ist, dass jedes Thema am Ende als „Unterhaltung“ präsentiert wird.

Was die Inhalte angeht, das ist wohl dem geschuldet, von dem Marktforscher meinen, dass es das Publikum interessieren würde. Hier gibt es eine schöne Kommödie namens „Free Rainer“ in der ein paar Leute die Boxen zur Ermittlung der Zuschauerzahlen hacken und plötzlich kommt viel mehr Kultur im TV weil die Verantwortlichen glauben, das wäre jetzt angesagt. Sehr amüsant.

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Frontal 21 hat in der Aufzählung nichts verloren. Die produzieren tendenziöse und manipulative Beiträge wie diesen:

Ich schaue gerne 3Sat und arte, die produzieren qualitativ oft hochwertige Sendungen. ARD und ZDF besitzen noch sehr viel Verbesserungspotential.

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Was produziert denn 3Sat so? Ich sehe da immer nur Wiederholungen aus den Hauptsendern und im Bundle eingekaufte Discovery-Dokus usw. (Womit ich nicht sagen möchte, dass diese schlecht wären.)

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Ja die Reportage war ungenau, undifferenziert und teils inhaltlich verwirrend und hat mit typischen Klischees gearbeitet.
Es waren aber auch richtige Punkte, wie z.B. Steam die Community weitestgehend nicht moderiert wird und somit Spinner (und Schlimmer) aller Couleur tun und lassen können was sie wollen.
Und wenn man den Statement im Nachgang Glauben schenken darf, ist der Wille sich zu verbessern, aus Fehlern zu lernen, definitiv gegeben.
Und wegen einer Sendung alle andere abqualifizieren?

Quelle: Youtube ZDFheute Nachrichten

Auf unseren Film gab es heftige Reaktionen. Manche fanden das Thema gut, viele hatten Kritik an dem Ton und andere fanden alles schlecht. Teilweise verstehen wir euren Ärger. Und grundsätzlich: Wir wollen mit euch über das Thema sprechen.

Unser Ziel war, ein differenziertes Bild zu zeichnen – diese differenzierte Haltung vermittelt sich nicht immer. Stilistisch daneben gegriffen haben wir offenbar bei der GTA-Nachbildung. Das tut uns leid.
Nächstes Mal machen wir es besser.
Wir wollen aber auch auf inhaltliche und journalistische Kritik eingehen:

An vielen Stellen im Video sagen wir: Es geht nicht um alle Gamer*innen. Natürlich tut es das nicht. Christian Huberts sagt ganz explizit: Die Gamingkultur hat kein Naziproblem, aber einzelne Subkulturen der Gamingkultur haben sicher ein Problem damit. Und wahr ist auch: Diese Probleme gibt es auch beim Fußball, in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft. Auch darüber wird andernorts berichtet.

Unsere Interviewpartnerin Sissor hat bei KuchenTV kritisiert, bei O-Tönen seien Aussagen weggeschnitten worden. Stimmt, unser Beitrag ist geschnitten. Dabei haben wir journalistisch sorgfältig gearbeitet und Sinn und Kontext der Aussagen wiedergegeben. Tatsächlich war geplant, Sissors Community Management im Film aufzugreifen. Im Lauf des redaktionellen Prozesses haben wir uns aber dagegen entschieden. Dieser Aspekt hätte dem Film nicht geholfen und dem Fokus des Beitrags nicht entsprochen. Trotzdem sehen wir rückblickend, dass Sissors Aussagen nicht ausreichen und wir eine stärkere Gegenstimme gebraucht hätten. Es gibt in der Gamingkultur viele Gegenstimmen. Diese zu zeigen, hätte dem Beitrag sicher gut getan.

Wir haben schon vor Monaten verschiedene Gamerinnen und Streamerinnen angefragt – auch Montana Black. Er hat leider nicht reagiert. Wir haben ihn zu der Zeit angefragt, als er bei Twitch gesperrt war (wegen frauenverachtender Kommentare). Auch seinen Ton haben wir geschnitten, da die längere Version nicht weniger frauenfeindlich ist als der Einstieg seiner Ausführungen. Auch der O-Ton, den KuchenTV anbringt, ist sexistisch und taugt nicht als Gegenbeweis.

Übrigens lassen Namen wie „kebabremover“ und „jewkiller“ keinen Raum für Spekulationen: Das ist menschenverachtend und genauso benennen wir das auch. Ebenso haltlos sind die Vergleiche, dass Mörder, die ihre Taten gamifiziert haben, ja „auch Brot essen”. Die Attentäter haben nicht nur zufällig auch Videospiele gespielt, sondern gamifizierte Elemente in ihre Anschläge eingebaut. Das ist eine super kleine Zahl von Menschen, die sehr großes Leid verursacht haben. Wir finden es wichtig, das zu thematisieren.

Über die Thematisierung des identitären Spiels haben wir lange diskutiert. Man kann durchaus der Überzeugung sein, dass dem Spiel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wir haben uns redaktionell anders entschieden und versucht, das strategische Kalkül dahinter offenzulegen. Da wir sowohl das Spiel, als auch die metapolitischen Strategien dahinter, einordnen, haben wir in unseren Augen einen vernünftigen Zugang gefunden.

Wir wollen noch loswerden: Euer Ärger kommt bei uns an und wir setzen uns damit auseinander. Wir sehen, dass die Kritik in manchen Punkten berechtigt ist und wir Fehler gemacht haben.

Wir möchten gerne mit euch über diese Themen sprechen, auch über das Gefühl, dass Medien (auch wir) nicht richtig zu berichten scheinen. Deswegen beginnt das Video ja auch wie es beginnt: Wir wollen wirklich dazu lernen. Und deswegen möchten wir weiter mit euch im Gespräch bleiben – gerne sachlich.

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Die eine Community gibt es doch gar nicht auf Steam, sondern ganz viele verschiedene Communities. Es macht doch auch niemand Twitter für die sogenannten Querdenker:innen verantwortlich, die dort ihre Lügen verbreiten. Und es käme auch niemand auf die Idee jemanden nur deswegen in die rechte Ecke zu stellen, weil er/sie einen Twitter-Account besitzt.

Das in der ZDF-Reportage gezeigte Heimat Defender wurde auch aufgrund des Drucks aus den Gaming-Communities aus Steam entfernt. Rezensiert wurde der Titel von keiner einzigen Gaming-Website. Das einzige User-Review vergibt 0 von 10 Punkten.

Durch Umfragen wissen wir, dass 10% aller Deutschen bei den nächsten Bundestagswahlen die AfD wählen wollen. Da ist es doch nur logisch, dass man wenn man nur lange genug sucht auch Gamer findet, die mit dieser Partei sympathisieren. Wobei natürlich nicht jede Gruppe mit „Germany“ im Titel automatisch eine rechte Community ist.

Die Reportage vermittelt den falschen Eindruck, dass es in Gaming-Communities so zugehen würde wie in irgendwelchen rechten WhatsApp-Gruppen. Dabei fliegen Nazis aus großen Gaming-Foren wie dem deutschsprachigen Gamestar-Forum und ResetEra (international) sofort hochkant raus. Und sie können sich auch anders als bei Twitter keinen neuen Account mehr anlegen, weil die IP-Adresse gebannt wird.

Sicher muss man darüber berichten, wenn sich Nazis an junge Menschen ranwanzen, aber dann sollte man dabei nicht das ganze Medium in ein zwielichtiges Licht stellen. Das wäre so als hätte man in den 90er-Jahren die gesamte Musikindustrie an den Pranger gestellt, weil Nazis vor Schulen kostenlose Rechtsrock-CDs verteilen.

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Also beim Thema Lernfähigkeit bei Frontal21 wäre ich eher skeptisch. Da wurde zum Beispiel mal das Thema Videospiele in einen Zusammenhang zu Droneneinsätzen im nahen Osten gerückt, wobei es im zugrundeliegenden Zitat, aus welchem sie diese Verbindung herleiteten, eigentlich um das Spielen von Fifa, eine Fußballspiel ging.

Würde ich beides auch so sehen. Ich persönlich würde auch mit dem Beispiel Fußball übereinstimmen…

Vielleicht ist aber doch die Frage legitim, ob der öffentliche Rundfunk nicht AUCH einen Unterhaltungsbedarf abdecken sollte, der anderweitig nicht erfüllt wird. Ich finde zum Beispiel die ständigen Schlagersendungen auf den Öffs unsäglich, könnte aber nicht sagen, ob die Privaten das - legitime? - Bedürfnis der vor allem älteren Generationen nach Heile-Welt-Musik abdecken würden, wenn es das öffentlich-rechtliche Programm nicht gäbe. Dasselbe könnte man wohl von braven comfort-food-Krimiformaten wie „Mord mit Aussicht“ sagen.

Und: Würde das Öffentlich-Rechtliche Programm sich vollständig von den Einschaltquoten abkoppeln, würde es dann nicht umso mehr Gefahr laufen, abgeschafft zu werden? Nach dem Motto „Das guckt doch eh keiner!“?

Wie würde ein ideales Öffentlich-rechtliches Programm aussehen? Nach meiner Sicht der Dinge etwa:

  • Informationsfernsehen (Nachrichten etc.) insbesondere auch lokal/regional
  • solide, ausgewogene journalistische Formate
  • Dokuformate aller Art zu Bildungszwecken
  • Kultur- und Wissenschaftsjournalismus
  • Unterhaltung ja, aber mit Anspruch → Formate, die sich mehr trauen, als die Privaten

Bis auf den letzten Punkt im Prinzip das, was Arte macht. Und was den letzten Punkt angeht:
Da könnte sich unser öffentlich-rechtliche einiges von der BBC abgucken, die immer wieder richtig gute Eigenproduktionen macht. Warum können die das und wir nicht?

Babylon Berlin wäre wahrscheinlich ein gutes Gegenbeispiel (ja, immer noch relativ konventionell und immer noch ein Krimi, aber für deutsche Verhältnisse richtig gut gemacht und immerhin von historischer Relevanz). Aber das ist ja auch mit Sky coproduziert…

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Moin @Jan,
da hab ich mich etwas unglücklich ausgedrückt. Natürlich gibt es bei Steam unterschiedliche Interessen, ich bezog es wie du es beschreibst auf die Gesamtheit der Plattform, für die „Community“ liegt die Verantwortung bei Steam, wie eben auch ihn deinen Beispielen bei Twitter und Co

Auch bei dem Rest den du beschreibst bin ich weitestgehend bei dir, das Problem sind auch nicht Foren jeglicher Art die vom Sitz der EU zuzurechnen sind, vor allem der amerikanisch Raum bietet den Nazis und Faschisten im Netz fast jeglichen Freiraum - nur zugängliche ist er halt von so gut wie jedem Ort aus der Welt, auch aus Deutschland

Hierbei sollte man differenzieren, ob ein Gamer evtl. ein Nazi ist, dass ist so gut wie nicht zu verhindern vor allem wenn er sich nicht zu erkennen gibt, oder ob eben rechtsextremen Inhalten platziert werden, Ich vergleich das jetzt mal mit der „Völkischen Welle“ auf Instagram, darin liegt ja die eigentlich Gefahr.

Ob das auf der einen Seite wirklich Games mit solchen Spielinhalten sind, oder sich auf den Plattformen „rechte Communities“ bilden, beides gilt es zu unterbinden.

Deine Schilderung zu Heimat Defender wecken zumindest Hoffnung, dass dies bzgl. die dt. Gamer-Szene in Richtung rechts wehrhafter ist, als ich dachte.

@Nacho
Skepis ist grundsätzlich nicht verkehrt. Mir ging es auch nicht darum Frontal von jeglichen Zweifel freizusprechen, allein der Titel Frontal21 suggeriert zumindest mir eine gewisse schärfe, da ist es nicht auszuschließen, dass Fehler passieren.
Entscheidender ist für mich ist der Umgang mit den Fehler und im Bezug auf das Gamer-Reportage war er aus meiner Sicht gut.
Und neben den Fehler die Frontal21 gemacht hat, haben sie auch in den letzten fast 20 Jahren viele Missstände und aufgedeckt und thematisiert.

Und: Würde das Öffentlich-Rechtliche Programm sich vollständig von den Einschaltquoten abkoppeln, würde es dann nicht umso mehr Gefahr laufen, abgeschafft zu werden? Nach dem Motto „Das guckt doch eh keiner!“?

Mit Qualitätsfernsehen würde der ÖfR auch wieder Publikum anziehen, welches ansonsten bei den Streamingdiensten landen, aber mit dem derzeitigen Programm wäre das nie zu schaffen, denn aufgrund der Verteilung der Mittel im Bereich Unterhaltung komplett auf die Krimisektion, werden fast alle anderen Bereiche komplett ausgeklammert und es werden nur Krimiserien und Filme gefördert, da diese Quote bringen. Das Problem was aber dadurch entsteht, ist der Qualitätsverlust gegenüber den Streaminganbietern und Sky, wo bisher fast alle „guten“ deutschen Serien liefen. Und wenn ich mir dann das von dir erwähnte BBC anschaue und wieviel diese auch exportieren, dann muss sich der ÖfR fragen, warum schaffen wir das nur mit Hochglanzproduktionen wie Babylon Berlin(welches dann noch in Kooperation mit Sky produziert wurde). Aber wer lieber Krimis in Dauerschleife mit anderen Städten, aber gleichen Inhalten sendet(SOKO Universum sechs mal die Woche im ZDF), der muss sich darüber auch nicht wundern, da stimmt zwar die Quote und ist für mich eines der Formate welches den deutschen Serienmarkt nachhaltig schadet, da es sowas in keinem anderen Land gibt, ausser es ist extrem erfolgreich und das auch in der Vermarktung.

Wie würde ein ideales Öffentlich-rechtliches Programm aussehen? Nach meiner Sicht der Dinge etwa:

Informationsfernsehen (Nachrichten etc.) insbesondere auch lokal/regional
solide, ausgewogene journalistische Formate
Dokuformate aller Art zu Bildungszwecken
Kultur- und Wissenschaftsjournalismus
Unterhaltung ja, aber mit Anspruch --> Formate, die sich mehr trauen, als die Privaten

Das sollte doch genau der Anspruch sein, da darf man dann aber nicht auf die Quote schauen und das wird im ÖfR im TV doch sehr stark getan, wie man an der Absetzung der Kultserie „Die Sopranos“, welche im Spätprogramm des ZDF zuerst lief, gesehen hat. Seitdem werden auch sehr wenig Experimente getätigt, wie an den Vorabendserien auf ARD und ZDF, die entweder schon seit Jahrzehnten laufen oder in hänlicher Form seit Jahren. Bloss keine Experimente mit dem Publikum und selbst in den Experimentesendern ONE und ZDFNEO gibt es ausser Krimis und ein paar Filmen nicht wirklich viel. Besonders bei ONE fällt auf, dass da lieblos ein Programm zusammengeschustert wird.

Bis auf den letzten Punkt im Prinzip das, was Arte macht. Und was den letzten Punkt angeht:
Da könnte sich unser öffentlich-rechtliche einiges von der BBC abgucken, die immer wieder richtig gute Eigenproduktionen macht. Warum können die das und wir nicht?

Arte ist ein gutes Beispiel wie es besser geht, aber da stecken ja auch die Franzosen mit drin und die haben fernsehtechnisch auch einen anderen Anspruch und das der ÖfR in Deutschland das nicht kann, liegt an der Eingefahrenheit im System und dem stupiden festhalten an gewohntem, denn nirgendwo sonst ausser in Deutschland können Serien länger als 20 Jahre laufen.

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Das frag ich mich auch. Die Fantasie der Drehbuchautoren erschöpft sich in Krimis. Die Lebenswirklichkeit wird nicht abgebildet, wir scheinen alle ein Volk von Akademiker:innen aus dem Mittelstand zu sein, Milieustudien, Arbeiter- und Migrations-Geschichten sind nicht vorhanden. Wenn doch mal, dann als peinliche Karikatur mit Wohlfühlfaktor.

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Das ist das Paradoxe an der Diskussion um die Inhalte die der ÖRR bieten soll und dabei schließen nicht wenige von sich auf andere.
Es werden in den Kommentarspalten der verschiedenen Medien überwiegend mehr anspruchsvolle Inhalte und weniger schlichte Unterhaltung gefordert, dabei wird aber vergessen, dass das noch lange nicht der Wunsch aller sein muss.

In Deutschland waren im Jahr 2018 nach EU-Definition rund 15,3 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht und damit 18,7 % der Bevölkerung.
Quelle: Statistisches Bundesamt.)

Das bestätigt genau das was du schreibst @Jan
Es gibt auch in Deutschland viele, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden und für sie bietet sowas wie das Traumschiff oder eine Telenovela vielleicht eine kurze Flucht aus dem schwierigen Alltag, ich weiß es nicht.
Das Beispiel ist aber nicht so gemeint, dass man automatisch bestimmte Inhalte bestimmten Bevölkerungsgruppen zuordnen kann.
Ich bin mir ziemlich, bei der Anzahl an Zuschauern wie beim Traumschiff sind aus allen Alters- und Einkommensgruppen welche dabei und freuen sich drüber.
Mal zum Beispiel Einschaltquote Traumschiff Quelle: quotenmeter.de

Am 26. Dezember schalteten 7,49 Millionen Interessierte ein und bescherten dem ZDF eine herausragende Quote von 22,9 Prozent. Vor allem bei den 1,68 Millionen jüngeren Zuschauern kam man auf einen traumhaften Marktanteil von 17,0 Prozent. Am ersten Abend des Jahres 2020 schalteten sogar 7,80 Millionen beziehungsweise 1,70 Jüngere ein. Auch mit den ausgezeichneten Sehbeteiligungen von 20,7 sowie 14,1 Prozent konnte der Sender mehr als zufrieden sein

Worauf ich hinaus will, der ÖRR soll ein möglichst breites Programm und möglichst viele Interessen abzudecken, er kann es deswegen dennoch nicht jeden Einzelnen recht machen - darauf reduziert es sich aber meist bei den den Kritikern die anspruchsvoller Inhalt (für sich) fordern.

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Dabei berücksichtigst du allerdings einen Aspekt nicht, nämlich dass es auch noch ein privates Fernsehangebot gibt. Eskapismus-Sendungen wie das Traumschiff, die - wie du anhand der Quote belegst - sehr populär sind, würden und werden von den privaten Sendern in großer Menge angeboten.

Wäre es nicht sinnvoll, wenn der ÖRR sich auf Angebote konzentrieren würde, die nicht sowieso von den privaten Sendern abgebildet werden?

Ich denke außerdem, dass du zwei Kriterien vermischst, die nicht automatisch zusammengehören: persönlichen Geschmack und Anspruch. Das gehört manchmal zusammen, muss es aber nicht: Ich kann zum Beispiel anerkennen, wenn eine Sendung ein anspruchsvolles Programm zum Thema Oper macht, mich aber selbst nicht die Bohne für Opern interessiere.

„Anspruch“ bedeutet doch in erster Linie, dass man herausgefordert wird, d.h. dass man sich nicht ausschließlich zurücklehnen und entspannen kann, sondern mitdenken muss, weil z.B. die Seh-Erwartungen enttäuscht werden oder bestehende Stereotypen dekonstruiert werden. Es ist eine Binsenweisheit, dass solche „anspruchsvolle“ Kunst häufig weniger populäre Beachtung findet, als solche, die Eskapismus fördert, Bekanntes reproduziert und dadurch z.B. Entspannung nach einem harten Arbeitstag ermöglicht. Dass sie also weniger kommerziell ist, aber dennoch gesellschaftlich als förderlich und notwendig gesehen wird, führt also dazu, dass anspruchsvolle Kunst staatlich gefördert wird und populäre Unterhaltung i.d.R. nicht, da sie bessere Chancen hat, kommerziell erfolgreich zu sein.

Diesem Gedanken folgend wäre es durchaus logisch, wenn der ÖRR sich auf ein anspruchsvolleres Programm konzentrierte, vorausgesetzt die legitimen Bedürfnisse nach Entspannung und anspruchsloser Unterhaltung werden tatsächlich von den privaten Sendern abgedeckt (ich erwähnte oben das Beispiel des traditionellen Schlagers - keine Ahnung, ob sich ein privater Sender des traditionelleren Volksmusikprogramms annehmen würde, zumal die Zielgruppe ja eher im Seniorenbereich und daher als für Werbung nicht so relevant gesehen würde).

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Sorry, aber das „sich jemand darüber freuen würde“ ist kein Argument dafür, warum ich vom Staat gezwungen werden sollte es ihm auch zu bezahlen. Wer sich über das Traumschiff freut, soll halt dafür zahlen. Keiner hier will den Omas was wegnehmen, wir wollen nur nicht dafür zahlen. Dann soll der ÖRR doch ein zahlungspflichtiges Entertainment-Paket anbieten, welches die wichtigeren Formate ergänzt. Dann würde da vermutlich auch ein wenig effizienter gewirtschaftet werden.

Ich fand den Beitrag sehr gut und ausgewogen bezogen auf die Zeit in der alles untergebracht war. Ich sehe selten fern, höre aber umso mehr Radio bzw. die wichtigen Sendungen als Podcasts. Der DLF hat so hervorragende Formate, die allein sind mir den Beitrag wert. Nicht auszudenken, wenn das nicht mehr wäre!

Fernsehen wird m.E. aber immer flacher und stromlinienförmiger. Ich habe das Gefühl, die Macher haben Angst, die Erwartungen der Zuschauer zu enttäuschen, wobei sie möglicherweise die Erwartungen falsch einschätzen. Viele Leute sind genervt von den Klischees und überdeutlich vorhersehbaren Wendungen in den Serien und ewigen Krimis. (Trifft übrigens auf die meisten Kinofilme auch zu). Ich habe den starken Eindruck, dass diese vereinfachenden Geschichten eine fatale Wirkung auf Lebenshaltung vieler Konsumenten haben, die sich zunehmend materiell orientiert. Die meisten Serien spielen doch in sehr wohlhabenden Milieus. Naja, so richtig bringe ich hier meine Einwände nicht los. Wie jemand schon vorgeschlagen hat, wäre hier ein Ort für ein längerfristiges Thema „Reformvorschläge für den ÖRR“. Das könnte man einzene Punkte ausführlicher behandeln mit Für und Wider usw.

Da noch nicht genannt: Ich finde KiKa sehr wertvoll, da werbefrei (keine Weckung unnötiger Konsumbedürfnisse) und mir die Inhalte tendenziell kindertauglicher erscheinen als was die privaten Alternativen so ausstrahlen (Serien mit viel hohen Anteil Action, Hektik, abstrakte Gewalt…).

Das ZDF beschreibt den ZDF Auftrag so: Der Auftrag des ZDF lautet: Mit einem Vollprogramm aus Information, Bildung und Unterhaltung den Fernsehteilnehmern in Deutschland einen objektiven Überblick über das Weltgeschehen und insbesondere ein umfassendes Bild der deutschen Wirklichkeit zu vermitteln.

Unterhaltung scheint mir in zweiter Reihe zu stehen. Ich fände es sinnvoll, wenn es einen Deckel dafür gäbe, z.b. dass maximal 1/3 des Budgets der öffentlich-rechtlichen Anstalten für auschließlich unterhaltende Formate aufgewendet würden.

Das würde dann auch Transparenz erzwingen. Kann mir jemand sagen, wieviel Cents/Euros allein für Fußballübertragungsrechte im Beitrag enthalten sind?

Vorsicht: Die Diskussion um die „Qualität“ des Öffentlichen Rundfunks mit Verweis auf das Vorabendprogramm und die Krimis in ARD und ZDF wird immer wieder gerne missbraucht, um den „Staatsfunk“ anzugreifen.

Ja, als aufgeklärter, gebildeter Mensch fragt man sich oft: „… und dafür verwenden sie unsere Rundfunkbeiträge“?

Aber ich halte des für eine Stellvertreter-Debatte. Die Frage müsste doch wohl eher lauten: Warum schaffen wir es als Gesellschaft nicht, dass die breite Bevölkerung das extrem breite und vielfältige Informationsangebot des ÖRR auch tatsächlich nutzt (statt nur eine schmale Schicht)? Die Antwort ist einfach zu frustrierend, als dass die Frage gestellt wird …

Der Auftrag des ÖRR ist daher auch eher das Angebot von Information. Dass diese Information nur von wenigen wirklich genutzt wird, liegt m.E. nicht in der Verantwortung des ÖRR. Der reagiert darauf, dass er zusätzlich noch Angebote an den Rest der Bevölkerung macht. Andernfalls müssten sich ARD und ZDF auf eine Mischung von 3Sat, Arte und Phoenix reduzieren und dann würde ganz schnell seine Existenzberechtigung in Frage gestellt.

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