LdN 213: US-Wahl

Vielen Dank fuer eure Einordnung der US-Wahl. Ein paar Ergaenzungen fuer diejenigen die sich dafuer noch mehr interessieren.

Vorab, weil ihr Murdoch angebracht habt: Wen das Thema interessiert, der kann sich ja mal mit der Medienlandschaft in Australien beschaeftigen. Hier gibt es nahezu keine unabhaengigen Medien, nur zwei grosse Konzerne (einer davon eben Murdoch-Imperium). Das ist so ein grosses Problem, dass gerade die groesste Petition in der australischen Geschichte mit ueber 500,000 Stimmen unterzeichnet wurde: e-petitions – Parliament of Australia

Nun zur US-Wahl: Was die Wahlmenschen angeht finde ich ein Detail hilfreich zur historischen Einordnung: Das war an sich eine sinnvolle Regelung weil es keine Telekommunikation gab, die Wahlmenschen mussten nach Washington, D.C. reisen (mit dem Pferd) und das dauert. Da kann sich auch schon mal etwas aendern und dann ist das einfach nicht sinnvoll daran gebunden zu sein. Das ist eines der vielen Details, die die USA eben so un-modern machen as Demokratie, viele historische Artefakte die man in einer modernen Demokratie nicht so machen wuerde (siehe Deutschland). Brauechte quasi mal ein Update :wink:

Und zu dem „National Popular Vote Interstate Compact“ gibt es eine schoene Videoserie von CGP Grey: The Sneaky Plan to Subvert the Electoral College for the Next Election - YouTube Informative und unterhaltsam.

Oh und danke fuer den Hinweis dass die Wahlmenschen ja gar nicht gebunden sind an irgendwas. Wenn das jetzt knapp ausgeht dann koennen wir uns alle noch bis Mitte Dezember Sorgen machen :sweat_smile:

Ich dachte auch immer, dass der einzige Sinn der Wahlmänner damals war, den Informationstransport zu bündeln. Aber wie so oft, gibt es noch einen dunkleren Teil in dieser Geschichte, den man nicht außer Acht lassen sollte: US-Wahlen: Geschichte des US-Wahlrechts - Gesellschaft - Planet Wissen

Kurz gesagt: die Wahlmänner sollten sicherstellen, dass im Sinne der „upper class“ entschieden und dem Rest der Wahlberechtigten nicht zu viel Einfluss auf die Regierungsbildung gegeben wird. Man traute damals nicht jedem zu, eine für das Land „gute“ Entscheidung treffen zu können aufgrund mangelndem Intellekt.

Letzteres ist heute zum Glück natürlich absolut nicht mehr gegeben. ^^

Ich finde diese diversen angeblichen historischen Begründungen für die Existenz des Electoral College äußerst zweifelhaft. Also alle außer der naheliegenden, dass man ohne Telekommunikationsmittel das Ergebnis physisch von überall nach Washington transportieren musste, und es daher nahe lag, das in Form von jeweils mehreren Personen zu tun (auf langen Reisen kamen früher nicht selten weniger Leute an, als losgezogen sind) und die Anzahl der Personen grob an die Anzahl Stimmberechtigter in den Bundesstaaten zu koppeln, damit man wenigstens so ungefähr die Mehrheiten abbilden kann, ohne alle Wahlberechtigten nach Washington zu beordern und ohne simple Möglichkeiten für die Staaten zur Manipulation zu schaffen („dochdoch, bei uns haben wirklich ALLE Wahlberechtigten auch gewählt, das könnt ihr uns glauben!“ bei einem Popular-Vote-System). Diese Erklärung scheint mir die einzige, die keines Nachweises bedarf, weil sie sich aus den historischen Gegebenheiten selbst nahezu zwingend erschließt.

Alle anderen stehen bei mir grundsätzlich unter Verdacht, Mythen zu sein, die sich gut erzählen lassen, um bestimmte politische oder gesellschaftliche Positionen zu untermauern. Sei es die von dem Misstrauen der Eliten gegenüber der Bevölkerung oder auch die andere häufig kolportierte, nach der man den Zwischenschritt eingefügt habe, damit man den wenig bevölkerten Flächenstaaten durch die aus ihrer Sicht gegenüber den viel bevölkerten überproportional große Anzahl der Wahlleute mehr politisches Gewicht geben wollte, um sie zum Mitmachen zu bewegen und gegen ein mögliches Überstimmen durch die Bevölkerungszentren gewissermaßen abzusichern. Speziell letztere wird gerne von Verteidigern des EC (meist aus dem republikanischen Lager) genutzt, um die Notwendigkeit dieser Einrichtung auch in der heutigen Zeit zu begründen.

So richtig „harte“ Beweise für die Richtigkeit einer dieser Theorien habe ich nämlich bis heute noch in keinem der vielen Artikel gelesen, in denen die jeweilige Theorie vertreten wurde.

[…] um [die wenig bevölkerten Flächenstaaten] zum Mitmachen zu bewegen und gegen ein mögliches Überstimmen durch die Bevölkerungszentren gewissermaßen abzusichern

Die Idee ist nicht völlig abwegig, siehe zum Beispiel das „Ständemehr“ in der Schweiz, womit etwas ähnliches erreicht wird.

Zum Thema Wahlleute: anscheinend ist eine Manipulation auf diesem Wege eher unwahrscheinlich und zwar aus verfassungsrechtlichen Gründen: No, State Legislatures Cannot Overrule the Popular Vote Viele Grüße!