rbsn
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Ich weiß nicht, in wie weit mein Kommentar ein Mehrwert darstellt, dennoch erlebe ich gerade am eigenen Beispiel, wie ineffizient und gefährlich die Überforderung der Ämter sind.
Ich bin seit Samstag Kontaktperson 1. Grades von einer Corona-Positiv-Patientin, die dies unmittelbar meiner Dienstelle mitteilte, welche mich am gleichen Nachmittag noch darüber informierte und mich anwies in „dienstliche Quarantäne“, d.h. Home Office zu verbleiben. Dass ich mir direkt eine komplette Quarantäne auferlegte, ist selbstverständlich. Der Kontakt war am Donnerstag in einer dienstlichen Besprechung zustande gekommen. Auch die positiv getestete Kollegin informierte mich auf privaten Wege unmittelbar nach ihrem (Schnell-)Test. Das Ergebnis ihres offiziellen Tests lag dann „erst“ Montagabend vor. Sie wurde vom Amt angerufen und musste die entsprechenden Kontaktpersonen angeben. Diese sollen in nächsten Tag direkt informiert werden. Bei mir geschah dies am späten Dienstagnachmittag. Ich solle ab sofort Quarantäne. Da ich leichte Symptome aufweise, wurde ich darüber hinaus angewiesen über die 116117 auch einen Test machen zu lassen. Die Ärztin besuchte mich nun Dienstagabend…
Was mich nun schockiert ist Folgendes:
Der Kontakt war am Donnerstag. Das bedeutet, dass ich spätestens ab Samstagabend ansteckend sein könnte. Hätten wir nicht einen entsprechenden persönlichen Kontakt bei uns in der Dienststelle, hätte ich über all diese Vorgänge bis Dienstagabend nichts gewusst. Ich hätte mich Samstagabend mit meiner Freundin getroffen und wäre die Folgetage einkaufen gegangen oder hätte mich mit einem guten Freund zum Dartspielen getroffen. Kurz: Ich wäre ein potentieller Spreader gewesen.
Andere Kollegen, die genau den Selben Termin wahrgenommen haben, wurden bis jetzt noch nicht kontaktiert. Meine offizielle Quarantäneanweisung ist bis jetzt auch noch nicht eingetroffen.
Rein rechtlich hätte ich also ohne Probleme weiter rumlaufen können - gleiches gilt für alle meine Kollegen*innen.
Auffällig auch: Jedes Amt handelt offensichtlich unterschiedlich in deren Anweisungen.
Schockierend ist hier auch übrigens mal wieder die App. Natürlich hat meine Kollegin eingetragen, dass sie getestet wurde. Bis heute erscheint der Test aber nicht in ihrer App. Dass bei mir „kein Risiko“ ausgewiesen wird, ist daher wohl kaum schockierend.
Ich gehöre nicht nur ansatzweise einer Risikogruppe an und bin daher ohnehin entspannt hinsichtlich meiner eigenen Gesundheit - die Geschwindigkeit, wie aber hier Informationen fließen und somit Infektionsketten nicht unterbrochen werden, ist für mich einfach unerklärlich langsam. Die Vorstellung, dass ich bis Dienstagabend (Anruf des Amtes) hätte rumlaufen können und somit weitere Menschen in Gefahr hätte bringen können, ist für mich schlichtweg schockierend.
Ein paar Gedanken zum Thema:
Dass die Maßnahmen mit Zahl 50/100000 Infizierte festgelegt wurden ist nicht wirklich verständlich. Die Begründung „die Gesundheitsämter sind ab dieser Zahl überlastet“ ist noch nachvollziehbar, dass dann aber nichts getan wird um die Leistungsfähigkeit der Gesundheitsämter zu erhöhen ist schlichtweg Ignoranz.
Ich hatte beruflich schon öfter mit Ämtern und deren Beschaffungsprozesse zu tun. Diese sind in der Regel langwierig und umständlich. Bei uns ist der Kostenträger für das Gesundheitsamt der Kreis bzw. das Landratsamt. Alleine können die nichts entscheiden, das läuft wenn es dumm kommt sogar über den Kreistag, der wegen Corona nur selten getagt hat.
Das Thema einer Pandemie ist schon seit Jahren immer wieder mal aufgekommen. Dass da keine allgemeine Vorsorge getroffen wurde und kein Notfallplan existiert ist mir unverständlich. Obwohl es anscheinend Übungen gab Krisenmanagement - BBK
Ich weiß, dass das Gesundheitsamt in unserem Kreis immer wieder (letzten 20 Jahren) verkleinert und Sparten zusammengelegt wurden um zu sparen (schlanker Staat).
Die Politik (Entscheidungsträger) steckt vor Problemen immer den Kopf in den Sand, bis sie von den Ereignissen überrollt werden (siehe auch Flüchtlinge die plötzlich an unserer Grenze waren). Vorausschauend agieren und planen erkenne ich da nicht.
Aktueller Nachtrag zur IT in den Gesundheitsämtern: