LdN 206 Betrug bei Briefwahlen

Beim Thema Briefwahlen in den USA wundere ich mich immer ein bisschen über die Aussage, es gäbe „keinerlei“ Belege für einen Betrug bei Briefwahlen.
Hat das Bundesverfassungsgericht nicht im zusammenhang zum PC Wahl-Urteil angemahnt, dass zu viele Stimmen per Briefwahl sehr wohl ein Problem für betrugsfreie Wahlen sind?
Ich konnte allerdins auch keine Artikel finden die sich mit diesem Aspekt (war evetl. nur eine Randnotiz in dem Urteil?) beschäftigen.
Kann Ulf dazu etwas sagen?

So weit ich mich erinnere, geht es bei den verfassungsrechtlichen Bedenken zur Briefwahl weniger um möglichen Betrug als vielmehr um die Gefährdung der Freiheit und der Geheimhaltung, wenn Stimmzettel bspw. in Familien „am Küchentisch“ ausgefüllt werden.

Prinzipiell ist es bei uns so, dass sowohl Brief- als auch Urnenwahl sicherlich nicht vollkommen immun dagegen sind, dass irgendwer irgendwo einzelne Stimmen verschiebt, aber es wird eben realistischerweise davon ausgegangen, dass das zahlenmäßig zumindest oberhalb der Gemeindeebene nie ins Gewicht fällt. Es gibt da auch durchaus statistische Herangehensweisen um bspw. Unregelmäßigkeiten bei Briefwahlen zu entdecken und das ist in der Vergangenheit auch schon vorgekommen. Es ging dann aber meist bloß darum, dass Kandidaten sich auf personalisierten Listen Vorteile gegenüber den eigenen Parteifreunden verschafft hatten, nicht um Vorgänge in einem Ausmaß, dass Mehrheitsverhältnisse gekippt würden.

Wenn sich irgendwer in den USA Sorgen um Wahlfälschung machen sollte, dann wegen der weitverbreiteten Wahlcomputer, die in Deutschland aus gutem Grund vom BVerfG verboten worden sind. Da kann man mit einer manipulierten Firmware problemlos große Mengen an Stimmen verschieben, und daher ist es vermutlich sogar sicherer Briefwahl zu machen, als irgendwo auf einen Touchscreen zu tippen ohne nachvollziehen zu können, was danach in dem Gerät passiert. Man könnte vermuten, dass genau das Trump ein Dorn im Auge ist.

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