Mir geht es eher darum, dass es aktuell nur Bio-Siegel oder gar kein Siegel gibt. Selbst in der Direktvermarktung muss man aber ja um einen höheren Preis zu erzielen erstmal einen Mehrwert bieten und die Kunden auch von diesem Mehrwert überzeugen können. Ich denke der Fokus auf Regionalität hat hier zuletzt schon sehr geholfen, weil z.B. in der Gastronomie höhere Preise auch mit regionalen Erzeugnissen gerechtfertigt werden können und es nicht unbedingt Bio sein muss.

Wir können also gerne Bio unverändert lassen und ein System welches Nachhaltigkeit Bewertet z.B. unabhängig davon mit einer Ampel aufbauen. Dann ist eben Bio oder anderweitig nachhaltig produziertes gleichermaßen grün. Konventionell angebautes dagegen Orange bis Rot. Zudem könnten noch weitere Kriterien aufgenommen werden. So könnten auch Bioerzeugnisse eine andere Farbe bekommen, die z.B. irgendwo auf der Welt in einer Gegend mit Wasserknappheit angebaut werden, wenn dadurch überproportional Wasser gebunden wird, worunter dann z.B. Flussabwärts andere leiden.

Denn auch das ist ja ein Faktor der Nachhaltigkeit. Und jetzt bitte keine Belehrung, dass ja z.B. Avocados viel weniger Wasser brauchen als Fleisch, denn die Rechnung bei der alles Niederschlagwassser auf Feldern und Wiesen mitgerechnet wird, obwohl dieses nicht verbraucht wird, halte ich für eine ziemliche Irreführung. Es geht mir tatsächlich darum, wo wie viel Wasser einem Kreislauf entzogen wird und somit an anderer Stelle tatsächlich durch fehlen relevante Folgen hat.

Für eine Vergleichbarkeit müssten natürlich Produktgruppen jeweils anders normiert werden. Also eben die nachhaltigste Möglichkeit Avocados anzubauen als Grün bis zur am wenigsten Nachhaltigen als Rot. Selbes beim Fleisch. Dass Fleisch grundsätzlich weniger Nachhaltig ist als andere Produkte spielt ja beim Vergleich von Fleisch aus verschiedenen Quellen keine Rolle.
Vielleicht daher noch mit einer zweiten Ampel die nicht auf die Produktgruppe normiert ist kombiniert. Dann ist von mir aus das Fleisch zwar auf der Produktskala grün, weil nachhaltig im Rahmen von Fleisch, aber auf der zweiten Skala rot, weil Fleisch grundsätzlich nicht nachhaltig ist.

Das Siegel ist im Begriff sich sein Vertrauen selbst zu zerstören, wenn es weiter damit wirbt, dass mit Gentechnik erzeugte Produkte deutlich geringere gesundheitliche Risiken aufweisen als solche aus konventioneller Züchtung. Die große EU Studie zur Gentechnik kam vor ziemlich genau 3 Jahren raus. Genug Zeit also, seine Position nochmal grundlegend zu überdenken. Solange ich allerdings einen wissenschaftlichen Konsens (der in diesem Fall auch keine Anführungszeichen braucht) leugne, muss ich mir auch den Vorwurf der Verbrauchertäuschung gefallen lassen - und zwar ganz unabhängig davon, was der Verbraucher am Ende haben will.

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Da muss niemand auf den Staat/die EU warten. Die ersten Bio-Siegel sind auch von Erzeugerverbänden umgesetzt und populär gemacht worden.

Als Mehrwert reicht hier oft, dass man seine Produktionsbedingungen transparent macht, gute Qualität liefert und auf die Bedürfnisse der Kunden hört. Wir haben hier in der Nähe einen Schweinehof mit eigener Metzgerei, der ist nicht Bio-zertifiziert oder gehört irgendeinem Verband an und kann sich trotzdem vor Kunden nicht retten. Die halten ihre Tiere im Offenstall, reden da offen drüber und bieten Einblicke in den Betrieb, sind freundlich und es schmeckt gut
.

Absolut. Wir haben hier eine Gemüse-Solawi mit gegründet, die nicht Bio-zertifiziert ist und deren Mitglieder meiner Ansicht nach primär wegen der Regionalität dabei sind (auch wenn wir in vielen Bereichen über die Kriterien des EU-Bio-Siegels hinausgehen).

Ich finde es ziemlich hart, jemandem „Verbrauchertäuschung“ vorzuwerfen, weil er ein auf Vermarktung ausgerichtetes Siegel nicht ändern möchte, auf dessen Kriterien sich zehntausende Bauern und Millionen Kunden eingerichtet haben. Du verkennst hier, dass es sich eben nicht um eine rein wissenschaftliche Debatte handelt.

Oder um es mal anders zu formulieren: Demeter ist wissenschaftlich gesehen in vielen Aspekten ziemlicher Blödsinn, für viele Erzeuger und Verbraucher macht das Siegel trotzdem Sinn. Das kann man auch einfach mal anerkennen, ohne dabei ein Fan von Anthroposophie zu werden und sich fragen, warum das so ist und wie man die offensichtlich wertvollen Aspekte in ein besseres System überführen kann.

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Ein Siegel „ohne Gentechnik“ finde ich persönlich sinnlos, das kann es aber gerne weiter geben. Problematisch wird es dann, wenn damit geworben wird, dass die Pflanzen weniger Risiken bergen als solche mit Gentechnik, wenn das erwiesenermaßen Unsinn ist. Nicht, dass sowas ein Einzelfall wäre, aber weder weckt es Vertrauen noch stärkt es den Eindruck der Offenheit gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Man kann das mit der Gentechnik-Freiheit ja gerne als eine Art lifestyle verkaufen. Dann sollte man das aber auch so kommunizieren und nicht weiter Unsinn über gesundheitliche Risiken verbreiten.

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Gesundheitliche Risiken durch Verzehr von genveränderten Pflanzen ist sicher Unsinn, aber würdest du auch Risiken für das Öko-System ausschliessen? Ich habe da schon ein ungutes Gefühl, wenn viele genveränderte Pflanzen in kurzer Zeit in die Natur kommen und eben unvorhergesehene Wechselwirkungen auslösen könnten. Und wie ich schon weiter oben sagte: die Inverkehrbringer (grosse Konzerne wohl) bringen die Bauern in noch mehr Abhängigkeit, das kennen wir doch schon von konventionellem Saatgut, wäre in den weniger entwickelten Ländern ein noch grösseres Problem als bei uns.

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Ich habe mir gerade mal die Standpunkte von Bioland und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (in der konventionelle und ökologische Betriebe organisiert sind) angeschaut: Von „gesundheitlichen Risiken“ ist da nirgendwo die Rede.

Die AbL beklagt nur, dass bei der geplanten Deregulierung weder eine Haftung der Hersteller, noch ein Monitoring möglicher Folgen für die menschliche Gesundheit vorgesehen ist – Den Kritikpunkt finde ich nachvollziehbar, besonders wenn die „neue Gentechnik“ so sicher ist, wie ihre Fürsprecher behaupten.

Ansonsten geht es bei beiden Verbänden vor allem um den Einfluss von Saatgutkonzernen, Patentrecht und Wahlfreiheit – alles nachvollziehbare Standpunkte, die erstmal nichts mit „Wissenschaftsfeindlichkeit“ zu tun haben.

Insbesondere die Auseinandersetzung der AbL mit dem Thema ist lesenswert, denke ich. Wer das als Geschrei fortschrittsfeindlicher Bauern abtut, der versteht nicht wirklich, worum es den Betroffenen geht.

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Ich würde weder für das Ökosystem noch für den Verbraucher Risiken ausschließen. Neue Pflanzenarten bergen immer Risiken. Nur sie sind eben nicht höher als bei konventioneller Züchtung.

Hier würde ich ebenfalls keinen Unterschied zum konventionellen Saatgut sehen, außer dass durch Gleichstellung bei der Zulassung auch kleinere Unternehmen Chancen auf dem Markt hätten.

Das ist dagegen m.E. nicht völlig unbegründet.
Meine persönliche Lösung wäre, dass man Zulassungsverfahren verschärft und zwar für jede neue Pflanze. Damit senke ich das Risiko pro neuer Pflanze und kann daher mehr Pflanzen auf den Markt bringen, ohne das Gesamtrisiko zu senken und nutze trotzdem den Vorteil der Geschwindigkeit.

Beim Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft hört sich das anders an.

Ich glaube ich habe inzwischen sehr deutlich gemacht, was genau ich als wissenschaftsfeindlich ansehe.

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Ich finde auf der Seite keinerlei Referenz zur menschlichen Gesundheit außer der Verwendung des Spruchs „Risiken und Nebenwirkungen“ als rhetorische Figur. Das Kernargument ist eigentlich recht überzeugend und abgeklärt:

Mit dem schädlichen Geschäftsmodell der Konzerne, Gentechnik-Pflanzen oder -Tiere zu patentieren, werden die Lebensgrundlagen aller Menschen privatisiert, freie und unabhängige Forschung wird verhindert, Bäuerinnen und Bauern geraten in einen gefährlichen Abhängigkeitsstrudel. Im Gegensatz zu den Gentechnik-Konzernen profitieren sie nachweislich kaum: Weder bringen Gentechnik-Pflanzen dauerhaft höhere Erträge, noch müssen weniger Pestizide eingesetzt werden.

Ich sehe auch hier wirklich nichts, was im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen steht. Denn bisher sind „höhere Erträge und weniger Pestizide“ eine Vorhersage der Fürsprecher der „neuen“ Gentechnik, kein nachweisbarer Fakt. Und das selbe Versprechen wurde auch für die „alte“ Gentechnik gemacht und ist gebrochen worden. Insofern kann man eine gewisse Skepsis denke ich nachvollziehen.

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Kann ich ehrlich gesagt nicht. Eigentlich klingen die Argumente nicht besser als das was die Impfgegner so von sich gegeben haben.

Vor allem weil es ja gerade die großen Hürden sind die dafür sorgen, dass nur Konzerne solches Saatgut auf den Markt bringen könnten.
Es wirkt gerade so, als wolle man genau das um dann erklären zu können, dass man es ja gleich gewusst habe.

Und wenn Saatgut durch Crispr nicht viel besser wird, aber teurer, dann sollten diese Sorten ja ohnehin auf dem Markt keine Chance haben.

Theoretisch gibt es für die Einführung von konventionellem Saatgut sehr niedrige Hürden, trotzdem wird der Saatgut-Markt in ein paar Bereichen von ein paar großen Konzernen dominiert.

Ihr verkennt hier die wirtschaftlichen Realitäten der Marktstrukturen in der landwirtschaftlichen Produktion. Selbst wenn CRISPR/Cas wie von der EU-Kommission geplant praktisch ohne Auflagen zur Züchtung eingesetzt werden kann, wird das Entwickeln und Inverkehrbringen von Saatgut immer noch mit erheblichen Kosten und Hürden verbunden sein – so wie das schon jetzt der Fall ist.

Ihr geht in eurer Kritik der Bio- und Bauernverbände auch nie auf eines der Hauptargumente ein: Das Patentrecht. Aktuell ist es möglich und zunehmend gängige Praxis, dass Saatgut-Entwickler auch konventionell erzeugte Mutationen patentieren lassen. Ohne Patente gibt es für CRISPR/Cas kein Geschäftsmodell. Auch wenn die Pflanzen von „natürlichen“ Kreuzungen nicht zu unterscheiden sind, werden die bis unter die Hutschnur mit Patenten belegt werden.

Das ist ein echtes Problem: Bauern können nicht ihr eigenes Saatgut erzeugen und müssen fürchten, dass ihre patentfreien Sorten durch unkontrollierte Kreuzung vom Nachbarfeld verunreinigt werden und sie dann einem das-Konzern gegenüberstehen, der sie wegen Patentrechtsverletzung abmahnt.

Das ist keine Theorie, dass ist in vielen Teilen der Welt Alltag. CRISPR/Cas wird den Trend zu Patenten auf natürlich vorkommende Mutationen verstärken, nicht verringern. Ich verstehe nicht so ganz, wie ihr diese Kritik daran einfach vom Tisch wischen könnt. Man muss ja nicht die selbe Analyse teilen, aber der Standpunkt (von direkt Betroffenen formuliert, die sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzen) kommt mir legitim vor und hat auch nichts mit dem der Impfgegner zu tun.

Genau das selbe mit dem Vergleich zur alten Gentechnik, auch hier passt der Vergleich zu den Impfgegner wirklich gar nicht. Die alte Gentechnik hat die selben Versprechen gemacht und es ist wissenschaftlich (!) nachgewiesen, dass die so veränderten Feldfrüchte in vielen Situationen weder billiger sind, noch höhere Erträge oder geringeren Pestizidbedarf haben. Warum genau sollte man den Versprechungen der neuen Gentechnik gegenüber mehr Vertrauen entgegenbringen? Vertrauen entsteht in solchen Fällen durch Kontrolle und Regulierung (wie zum Beispiel bei Impfungen), aber genau das wird ja von der Wirtschaft abgelehnt.

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Und dieses Patent greift dann auch für die bereits existierende natürliche Kreuzung? Im Maschinenbau muss man um ein Patent zu bekommen darlegen, warum das grundlegend neu ist und wenn sich herausstellt, dass das jemand bereits vorher so gemacht hat, dann hat der natürlich Bestandschutz.

Ist das denn so Realität oder ist eine Abmahnung wegen Verunreinigung nur ein hypothetisches Problem?

Von mir aus kann das Patentrecht bei Saatgut gerne überarbeitet werden, wenn da Bedarf ist. Ich habe mich hier nirgends gegenteilig geäußert. Nur wenn ich es Richtig sehe, dann ist eine natürliche Kreuzung heute ja auch patentierbar und ich sehe nicht inwiefern sich dann durch CRISPR die Ausgangslage signifikant ändert, vor allem wenn CRISPR nur in der biologischen Landwirtschaft abgelehnt wird. Wenn man sich sicher ist, dass das alles eh nichts bringt und nur teuer ist, dann könnte man sich doch zurücklehnen und einfach die Sorten weiter anbauen die man heute schon anbaut.

Welche der beschworenen Gefahren hat denn die alte Gentechnik gebracht? Ich finde, so sehr ich vieles was du zum Thema schreibst als sehr fundiert einschätze, dass du beim Thema Gentechnik sehr viel zwischen Risiken und Patente hin und her wechselst und dabei sehr wage bleibst was denn jetzt in der Realität wirklich befürchtet wird.
Warum sind Patente mit Crispr problematischer als Patente auf konventionelle Züchtungen? Warum ist eine Sorte die mit CRISPR angepasst wurde gefährlicher als eine die dasselbe Gen durch Kreuzung dazubekommen hat?

Das ist bisher zumindest gerichtlich nicht geklärt und in der Praxis gewinnt so ein Verfahren oft die Partei mit dem dickeren Geldbeutel. Also Monsanto. Die Problematik ist auch aus der IT-Welt gut bekannt, da wird auch alles mögliche patentiert. Inzwischen ist es üblich, dass die großen Konzerne Milliarden für „Patentportfolios“ ausgeben, um sich gegen Abmahnungen zu schützen. Bauern oder Bauernverbände können sich das nicht leisten.

Viele landwirtschaftliche Pflanzen sind windbestäubt. Unkontrollierte Kreuzung kann da bei räumlicher Nähe nicht verhindert werden. Darum gibt es im aktuellen Gentechnik-Recht ja sehr große Mindestabstände, die vom Verwender der gentechnisch veränderten Pflanze eingehalten werden müssen.

Weil zum einen die Methode CRISPR/Cas selbst patentiert ist und damit die Züchtung nur unter hohen finanziellen Hürden möglich sein wird, wodurch Druck auf alle Bauern ausgeübt wird, gentechnisch verändertes und patentiertes Saatgut anzubauen (wenn sich das tatsächlich als besser herausstellt). Und weil bei Patenten nicht nur die Veränderung selbst, sondern auch „Zusatzaspekte“ geschützt werden, also zum Beispiel der exakte technische Ablauf. Gentechnische Veränderungen werden durch CRISPR/Cas einfacher, es wird also mehr patentiertes Saatgut geben und selbst wenn die spezifische Mutation als nicht schützenswerte (weil natürlich vorkommend) beurteilt wird, kann trotzdem ein Patentschutz „durch die Hintertür“ greifen. Die Forderung ist ja auch simpel: vor einer weiteren Deregulierung müssen diese Bedenken (durch eine Reform des Patentrechts) ausgeräumt werden.

Wird es nicht. Die AgL ist kein Öko-Verband sondern vertritt ganz allgemein Familien- und kleinere landwirtschaftliche Betriebe und die lehnen die Deregulierung auch ab (siehe Link oben).

Hohe Gewinne für Konzerne, die vollständig aus den Taschen der Bauern kommen. Abhängigkeit von einzelnen Saatgut- und Pestizidherstellern. Hohe gesundheitliche Risiken durch die eingesetzten Pestizide. Schädigung natürlicher Ökosysteme durch Pestizideinsatz und Monokulturen. Zunehmende Resistenzen von Unkräutern gegen Pestizide.

Gab es irgendwo einen Killer-Pflanze, die aus einer gentechnischen Veränderung entstanden ist? Nein. Aber diverse Dinge vor denen vor Zulassung der „alten“ Gentechnik gewarnt wurde sind nachweisbar eingetreten mit (je nach Studie) marginalen bis negativen Effekten auf Ertrag und Einkommen von Bauern.

Der Versuch vor allem kleinere Bauern (besonders auch in Entwicklungsländern) wirtschaftlich Auszubeuten ist praktisch garantiert, weil sich die großen Konzerne da einfach nicht helfen können. Irgendwo her müssen die hohen Gewinne und steigenden Börsenkurse ja kommen und historisch gesehen sind das die schwächsten Akteure in der Wertschöpfungskette. Ich sehe keinen Grund, warum CRISPR/Cas das ändern sollte, wenn da von Seiten der Politik keine Schranken gesetzt werden.

Das ökologische Risiko halte ich für real, aber nicht wegen CRISPR/Cas an sich, sondern weil in der konventionell-chemischen Landwirtschaft allgemein nicht systematisch über Folgen nachgedacht wird. CRISPR/Cas hat aber das Potenzial (wie ja die Befürworter sagen) hier noch mehr Dynamik und Geschwindigkeit reinzubringen. Da Landwirtschaft ganz allgemein eine absolute ökologische Shit Show ist, habe ich keinerlei Vertrauen, dass es durch eine „Dynamisierung“ nicht noch schlimmer wird. Die Empirie spricht einfach dagegen.

Gibt es Möglichkeiten CRISPR/Cas verantwortungsvoll und konstruktiv einzusetzen? Ziemlich sicher. Mein Sohn leidet an einer extrem seltenen genetischen Erkrankung und die einzige realistische Chance auf eine Therapie ist die CRISPR/Cas-Methode, insofern bin ich was die Technik allgemein angeht eher hoffnungsvoll als skeptisch. Aber ich weiß genug über die Strukturen der Landwirtschaft das ich nur trocken darüber lachen kann, wenn ein Konzern wie Monsanto/Bayer eine Deregulierung fordert und so tut als ob das irgendeinen positiven Effekt außer für die eigene Dividende haben wird.

Die Lösung ist aus meiner Sicht eigentlich ziemlich einfach: Die EU schafft Patente auf Lebewesen umfassend ab (auch die „technischen Patente“ für die verwendeten Methoden für die gentechnische Veränderung) und macht den Inverkehrbringer haftbar für nachweisbare Schäden, kombiniert mit einer umfassenden Dokumentatiosnpflicht zur Nachverfolgung.

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Zu.B.:
„Die komplexen, technischen Eingriffe in das Erbgut werden nur unzureichend auf Risiken oder Nebenwirkungen untersucht.“
Das wurde mit der EU Studie sogar so ausführlich getan, dass sämtliche großen Wissenschaftsorganisationen davon überzeugt sind, dass es eben keine erhöhten Risiken gegenüber konventioneller Züchtung gibt.

Ich kann mich nur wiederholen: das ist kein Problem, das nicht durch Gentechnik entsteht, sondern bei konventioneller Züchtung genauso besteht.

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Wäre dein Text nicht nahezu identisch wenn wir statt über crispr über die konventionellen Sorten der großen Konzerne reden würden?

Wie ist das denn mit der Haftung bei allen aktuellen Methoden? Was, wenn ein biologischer Kleinbauer etwas natürliches anbaut, was sich dann als invasive Art in der Natur breit macht?

Ich habe irgendwie das Gefühl, dass potentielle Gefahren auf der einen Seite als völlig ausgeschlossen gesehen werden, auf der anderen dramatisiert.
Das betrifft jetzt weniger dich im besonderen sondern mehr die Argumentation derer die Gentechnik ablehnen im allgemeinen.

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Der Vorteil von CRISPR/Cas ist ja gerade, dass sie so günstig ist. Trotz der Patentgebüren. Zum einen weil die Anwendung der Methode selbst sehr einfach ist und zum anderen und vor allem, weil der Prozess mehrere Jahre kürzer dauert als bei konventioneller Züchtung. Zumindest wenn die Zulassungsvoraussetzungen dieselben sind.

Dann wäre es doch ehrlicher dieses Patentrecht zu kritisieren und nicht die Gentechnik. Denn die ist nicht Ursache des Problems. Habe an anderer Stelle noch nie gehört: lass uns doch bitte effizientere Verfahren verbieten / regulieren damit es weniger Patente gibt.

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Klar, aber das ist ja kein Grund, Gentechnik zu deregulieren, sondern ein Grund, die Patentproblematik für alle Formen der Züchtungen stärker zu regulieren. Die Ablehnung der Gentechnik Reform macht doch Sinn, wenn man in der Patentpraxis ein Problem sieht.

Wie gesagt: Geschwindigkeit an sich ist ja durchaus ein Risikofaktor. Für ein extrem großes Tempo ohne Kontrollen und Nachverfolgbarkeit gibt es meiner Einschätzung nach auch keine Notwendigkeit. So schlecht sind insbesondere die vorhandenen einjährigen Kultivare der modernen Landwirtschaft ja nicht, dass man da innerhalb von ein paar Jahren alles umkrempeln müsste.

Nicht jede Pflanze darf überall angebaut werden. Da gibt es (vollkommen unabhängig von der Gentechnik-Frage) extrem detaillierte (und bürokratische) Regulierungen zu. Ich würde auch davon ausgehen, dass zum Beispiel eine gentechnisch veränderte Robinie weiter den Nutzungseinschränkungen des konventionell gezüchteten Kultivars unterliegt. Aber insbesondere die Erfahrung mit invasiven Pflanzenarten sollte eigentlich zu mehr Konservatismus bei der Verbreitung von neuen Züchtungen sorgen, insbesondere wenn (wie bei der neuen Gentechnik) innerhalb kürzester Zeit sehr umfassende Änderung an der Genetik vorgenommen werden können.

Die Haftungsfrage bei negativen Konsequenzen durch den „Ausbruch“ gezielt herbeigeführter Mutationen (egal of konventionell oder durch Gentechnik) ist meines Wissens nach ein ziemlich ungeklärtes Feld. Ich vermute, dass das theoretische Risiko (ähnlich wie bei der Atomkraft) so hoch ist, dass eine Haftung des Inverkehrbringers kaum sinnvoll ist (weil völlig unzureichend, um die Schäden im Worst Case abzudecken).

Wenn also die Ökobauern Angst vor einer Verunreinigung des eigenen Saatguts haben (weil unabhängig davon, ob das Ökosiegel durch neue Gentechnik veränderte Pflanzen akzeptiert oder nicht die Kunden sich vom Ökolandbau abwenden würden, wenn es hier zu Verunreinigungen kommt), dann bleibt eine strenge Regulierung der grünen Gentechnik die einzig wirksame Absicherung.

Was wäre eigentlich, wenn man vorgeben würde das gentechnisch veränderte Organismen grundsätzlich nur steril in den Verkehr gebracht werden dürfen? Ist das überhaupt möglich? Ich kenne mich da auf biologischer Ebene zu wenig aus.

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Genau das meine ich auch!

Auch das sehr wichtig!

Unterthema hier ist, wie wissenschaftsfeindlich oder nicht der Öko-Landbau sich darstellt. Die Wissenschaft hat schon kolossale Irrtümer hinter sich (DDT z.B.), zwar später eingeräumt (sonst würde sich die Wissenschaft ja schon begraben haben). Vielleicht sollte man ein wenig zurücktreten auch als Wissenschaftler und mal konstatieren: wir können mit der Genschere umgehen, wir sehen das Potenzial, aber wir wissen noch wenig über die Langzeit-Folgen des ungehemmten Einsatzes. Etwas mehr Demut anstatt Hybris wäre angebracht. Und ganz wichtig, die Bauern sind keine Wissenschaftler, die gehen im guten Fall mit praktischem Verstand und Gefühl an die Arbeit. Die zeigen dir den Vogel, wenn du aus der Stadt mit der „reinen wissenschaftlichen Lehre“ ankommst. Und die „unwissenschaftlichen“ Befindlichkeiten der Konsumierenden sind auch ein sehr träges Moment, das kann man sich nicht wegwünschen.

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Inzwischen bin ich echt etwas ratlos. Wir haben doch hier keine Wissenschaftler, die durch Talkshows Touren und für Gentechnik werben. Und auch keine, die Bauern ihre Lehren vortragen. Stattdessen treiben sie einen gigantischen Aufwand - werten 1700 Studien aus den letzten 20 Jahren zu NGTs aus und können zeigen, dass in keinem einzigen Fall durch die gentechnisch veränderte Pflanze ein höhere Gefahr ausgeht, als durch konventionelle Züchtung. Die Ergebnisse sind so überzeugend, dass sie weltweit in allen Forschungseinrichtungen anerkannt werden.
Was soll man denn realistischerweise noch tun, was noch überzeugender ist? Sind sämtliche Forschungseinrichtungen korrupt und auf dem Holzweg?
Natürlich gibt es nie 100%ige Sicherheit. Aber wenn man die hier geforderten Maßstäbe grundsätzlich einfordert, ist damit praktisch jeder technische Fortschritt unterbunden.
Könnte man alles halbwegs entspannt sehen, wenn es nicht so dringlich wäre:

Selbstverständlich gibt es Zulassungsverfahren für neue Sorten. Und der Grund warum wir sehr bald neue Sorten brauchen würde ja auch hier so wie in vielen anderen Threads aufgelistet. Allein die Kombination aus Klimawandel, Artensterben, Überdüngung und Bevölkerungswachstum macht es dringend notwendig, dass man jedes geeignete Mittel in Betracht zieht, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Selbst wenn Gentechnik hier nur mit 10% Wahrscheinlichkeit ein Problem lösen könnte wäre es absolut geboten das zu versuchen.
Aus diesem Grund ist hier finde ich auch keine Demut seitens der Wissenschaftler angesagt, sondern es ist ihre Pflicht zu kommunizieren welchen Beitrag Gentechnik leisten kann. Auch wenn das Leuten nicht gefällt. Die Risiken neuer Pflanzenarten kann man Dank jahrzehntelanger Erfahrung mit und ohne Gentechnik ja sehr gut einschätzen und sie ins Verhältnis zu den Chancen setzen, die Lösung sehr dringlicher Probleme zu unterstützen.

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Gentechnik wurde genau aus dem Grund reguliert, dass man die Gefahren nicht gut genug einschätzen konnte. Mit diesem Grund entfällt daher nun auch die sinnvolle Rechtfertigung für die Regulierung. Folgerichtig ist daher zunächst mal eine Gleichstellung von Züchtung mit und ohne gentechnischen Veränderungen - zumindest für NGTs mit artverwandten Pflanzen. Wenn man das getan hat kann man natürlich über Patentrecht / schärfere Zulassung/ Besteuerung ALLER Züchtungsarten nachdenken, wenn man mit der Situation auf dem Agrarmarkt unzufrieden ist.

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