Das Problem der Größe des Parlaments kommt durch den Mehrheitswahlrechtsteil unseres personalisierten Verhältniswahlrechts, daher: Sie kommt daher, dass die Direktmandate nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt werden.
Die „Personalisierung“ des Mehrheitswahlrechts würde ich gerne in die Parteien verschieben, indem der Prozess der Bildung der Landeslisten deutlich öffentlicher und transparenter sein sollte.
Die Frage, die bleibt, ist, ob jeder Wahlkreis zwangsläufig einen Bundestagsabgeordneten entsenden muss - denn dieses System ist einfach nur sehr schwer mit einem Verhältniswahlrecht zu verbinden, ohne dass hinterher ein aufgeblähter Bundestag oder ein unheimlich komplexes Verrechnungssystem dabei herauskommt.
Meiner Ansicht nach wäre es wichtiger, dass alle Parteien vor Ort Ansprechpartner für die Bürger haben, welche die Anlegen der Bürger an die Parlamentarier weiterleiten. Denn ganz im Ernst: Egal, wie sehr mein Anliegen brennen würde, würde ich als jemand, der deutlich gegen die CDU ist, nie zu „meinem“ CDU Bundestagsabgeordneten gehen, wenn mein Wahlkreisabgeordneter halt ein CDUler wäre… und wenn der „ortseigene Abgeordnete“ nur in der Opposition ist, hat er ohnehin keinen wirklichen Einfluss im Bundestag, was auch gegen dieses Prinzip spricht.
Daher würde ich bezweifeln, ob dieses „Jeder Wahlkreis braucht einen Abgeordneten“ wirklich noch zeitgemäß ist. Wenn wir wollen, dass der Kontakt zwischen Bürgern und Abgeordneten direkter wird, gibt es dafür heute wesentlich bessere Lösungen…
Die Antwort auf deine Frage ist daher:
Ich würde den Zwang, dass jeder Wahlkreis im Bundestag repräsentiert ist, zumindest drastisch reduzieren und die Erststimme generell abschaffen, dafür die Wahl der Landeslisten innerhalb der Parteien verpflichtend öffentlich transparent und demokratisch ausgestalten (daher: Alle Parteimitglieder haben das Recht, hier mit zu wählen und der Wahlkampf sollte ähnlich wie der Vorwahlkampf der USA öffentlich sein).
Durch den Wegfall der Erststimme würde die Wahl nebenbei auch einfacher werden (ich will gar nicht wissen, wie viel Prozent aller Wähler bis heute nicht versteht, dass die Zweitstimme die wichtigere Stimme ist…).
Wir können halt nicht alles haben:
- Einen kleinen Bundestag
- Eine lebendige Parteienlandschaft
- Direktwahl von Bundestagsabgeordneten in jedem Wahlkreis
- Ein maßgeblich den Grundsätzen des Verhältniswahlrechts folgendes Wahlsystem
Maximal sind drei dieser vier Dinge realisierbar, niemals jedoch alle. Und bei meiner Prioritätensetzung würde halt Punkt 3 rausfallen.