Man darf davon ausgehen, dass sich der Fachkräftemangel in Zukunft weiter zuspitzen wird. In Zukunft werden Handwerker teurer und begehrter werden. Da reicht vielleicht schon halbtags, um seine Rente stabil zu halten.
Bei Pflegekräften wird der Effekt noch stärker sein. Die Kombination aus sinkender Geburtenrate und alternder Gesellschaft führt zu einem massiven Mangel an Pflegekräften. Aktuelle Zahlen: Vollzeitkräfte in Gesundheits- und Pflegeberufen verdienten im April 2024 im Schnitt 4.048 Euro brutto im Monat. Das sind 43,1 % mehr als noch 2014. Altenpflege besonders betroffen: Fachkräfte in der Altenpflege profitierten am stärksten: Ihr Gehalt stieg in zehn Jahren um 61,6 % (von ca. 2.616 € auf 4.228 € im Schnitt. Deutliches Lohnplus für Gesundheits- und Pflegeberufe | tagesschau.de
„Frührentner“ von amtswegen wird es auch geben
Seit Juli 2026 (Übergang zum neuen „Grundsicherungsgeld“) droht ein Zwang zur vorgezogenen Rente mit Abschlägen, wenn Sie im Rahmen der Grundsicherung als „erwerbsfähig“ gelten und keine „angemessene“ Arbeit finden. Das Sozialamt kann Sie verpflichten, die Altersrente zu beantragen, auch wenn Sie noch nicht das Regelrentenalter erreicht haben. Das entlastet den Steuertopf zu Lasten der Rentenversicherung.
Und woher soll das Geld dafür herkommen?
Die Privatwirtschaft richtet sich schon lange auf diesen Trend ein. Pflege wird immer interessanter und lukrativer für Investoren. Pflege wird teurer und der Staat wird es bezahlen müssen. Tatsächlich ist der Anteil des Staates (öffentliche Träger wie Kommunen oder Länder) an der Pflegeinfrastruktur sogar sehr gering und schwindet weiter.
Und dann stellt sich noch die Frage Längere Arbeitszeit - für alle nötig?
Angehörige gut bezahlter Berufe können sich den Gang in Rente auch mit Abschlägen leisten. Schätzungsweise 10%-15% der Rentner „müssen“ nicht bis 70 Arbeiten, um gut über die Runden zu kommen. Dadurch fallen die höchsten Rentenbeiträge früher weg und - zwar etwas kleinere - Renten müssen früher bezahlt werden und länger. Ob das einen positiven oder negativen Impact hat, könnte man ja mal ausrechnen.
Reicht die Rente nicht, ergänzt die Grundsicherung. Rentner deren Rente, die sie mit 70 erwarten dürfen, ohnehin unter dem Existenzminimum liegt, können ohne finanzielle Einbußen auch früher in Rente gehen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass mehrere hunderttausend Rentner (insbesondere alleinlebende Frauen mit Teilzeit, Erwerbsunterbrechungen oder Niedriglohnphasen) auch mit 70 Jahren eine Rente hätten, die unter dem Grundsicherungsniveau liegt.
738.840 Rentner bezogen Ende 2024 bereits Grundsicherung. Viele dieser Menschen gehen aktuell schon mit 63, 65 oder 67 in Rente. Wenn sie bis 70 arbeiten, wäre ihre Rente um 3–7 Jahre höher (je nach Beitragshöhe). Aber: Da der Durchschnitt der Frauenrenten bereits bei 955 € liegt, würde selbst eine Anhebung um 3 Jahre (ca. 127 € mehr) diese Frauen nicht zwingend über die 1.100 €-Grenze bringen.
Die Prognose für Teilzeit- Handwerker und Pflegekräfte scheint zumindest ganz gut. Teilzeit könnte auch in diesen belastenden Berufen u.U. für einige noch zu bewältigen sein.