Ich konnte mir jetzt über die letzten Tage sozusagen in Zeitlupe zusehen, wie mir der Kragen platzt.
Anfänglich habe ich noch gedacht, ich muss mich ja nicht damit befassen, wenn ein Egoist darüber jammert, wenn ihm etwas abverlangt wird, was der Gesellschaft nützt. Daher habe ich bisher keinen Beitrag zur Diskussion geleistet. Und ich bin auch eigentlich weiterhin nicht gewillt, mich hier einzubringen. Ich vermute, ich werde etwas grobere Worte verwenden als einer sachlichen Diskussion dienlich sind, aber das ist schon ok, denn ich glaube, eine sachliche Diskussion in dem Sinn, dass ich den Threadersteller von irgendwas zu überzeugen versuchen werde, wird das mangels Aussicht auf Erfolg sowieso nicht.
Zwischendurch gab es ja immer mal wieder vernünftige Beiträge auch von @lib. Kein Wunder, denn es wird ja mit quasi mathematisch bestimmbaren wirtschaftlichen Ergebnissen argumentiert. Ich stelle auch gar nicht in Abrede, dass es einem Unternehmen darum gehen muss, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Aber das hier
kann ich einfach nicht so stehen lassen!
Jeder Mensch ist der Allgemeinheit rechenschaftspflichtig, verdammt noch mal!
Und ein Manager erst recht, insbesondere hat er eine Fürsorgepflicht seinen Mitarbeitern gegenüber. Das Unternehmen sind doch die Mitarbeiter! Die Anteilseigner und Investoren sind diejenigen, die am allerwenigsten leisten. Die geben ihr Geld, aber nur leihweise, weil sie erwarten, dass sie es am Ende wieder, am besten erheblich vermehrt, zurückbekommen. Natürlich muss man denen nachweisen, dass sie ihr Geld nicht falsch angelegt haben, weil sie es sonst wieder zurücknehmen. Insofern ist es natürlich im Eigeninteresse des Unternehmens, den Investoren zu zeigen, dass ihr Kapital richtig liegt.
Aber diejenigen, um die es eigentlich geht, sind die Mitarbeiter. Für die und für die Kunden existiert das Unternehmen. Denen muss es also gut gehen. Und ich hoffe, dass das viele der Geldgeber auch so sehen.
Aber bevor ich zu weit in meine Unternehmensphilosophie abgleite, will ich darauf hinweisen, dass diese zynische und kurzsichtig egoistische Einstellung auch für einen wirtschaftlich denkenden Unternehmer schlecht ist. Was nützt es denn dem Unternehmen/den Investoren, wenn die 15 Minuten täglich eingespart worden ist, wenn dadurch einen Monat später die Firma dicht gemacht werden muss, weil alle in Quarantäne geschickt werden? Oder wenn der Wirtschaftszweig zusammenbricht, weil sich alle Branchen-Teilnehmer geweigert haben, Tests durchzuführen, und dadurch doch wieder eines dieser jämmerlichen Lockdownimitate verhängt worden ist?
Oder was nützt es dem Unternehmen, wenn seine wertvollsten Mitarbeiter abspringen, weil sie sehen, dass der Chef nur auf kurzfristige Gewinne schaut und nicht auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter?
Naja, wie gesagt: Ich musste meinen Ärger loswerden. Ich weiß, dass @lib nicht ganz so zynisch denkt, wie ich es hier impliziert habe. Das kommt ja aus ein paar seiner Antworten hier heraus. Aber diese Aussage zur Rechenschaftspflicht finde ich doch sehr abwegig.
Zum Schluss noch ein positives Zitat:
Jawohl! Aber umgekehrt wird ein Schuh draus: Wenn es den Menschen gut geht, geht es auch den Unternehme(r)n gut.
(Ok, ähnlich plakativ und auch angreifbar, aber deutlich besser zu vertreten als der Standpunkt, in dem Mitarbeiter nur als Ressourcen gesehen werden.)
Edit: Um nicht missverstanden zu werden, da ich von „meiner Unternehmensphilosophie“ spreche. Ich bin kein Unternehmer - man mag mich also einen unrealistischen Träumer nennen. Aber ich hatte durchaus auch Gelegenheit, meine Prinzipien in der Praxis zum Zug kommen zu lassen, insbesondere bei der Mitarbeiterführung, und ich glaube, das war jeweils nicht zum Nachteil des Unternehmens.