Kritik an der Corona Warn App

Vor einigen Folgen habt Ihr recht entschieden Kritik an der Corona WarnApp geäußert, in erster Linie mit Bezug auf eigene Erfahrungen. Viele Punkte kann ich nachvollziehen. Dazu möchte ich mich als Allgemeinmedizinerin aber dennoch noch einmal kritisch äußern. Wir erleben in der Praxis derzeit täglich wie die Gesundheitsämter an ihre Grenzen kommen, die Nachverfolgung hinterherhinkt und schon die Quarantäne nach pos Test oft nur mit Verspätung erfolgt - vom Verfolgen von potentiellen Superspreading Events ganz zu schweigen. Allerdings haben wir doch die letzten Wochen täglich Patienten mit roten Hochrisikowarnungen der CoronaApp (meist mit Kontakt vor 4-6 Tagen), häufig erzählen sie von Bahnfahrten, Theaterbesuchen oder auch einem Abend im Restaurant - in der Regel ist keine Benachrichtigung durch das Gesundheitsamt erfolgt. Jede einzelne dieser Personen kann durch sofortige Kontaktreduktion (in einem Falle war der Besuch eines 80. Geburtstages für den Folgetag geplant) das Risiko für eine potentielle weitere Verbreitung minimieren - und zwar in dem kritischen Prä- oder frühsymptomatischen Zeitfenster. Als äusserst besorgniserregend empfinde ich es hingehend, dass eine Vielzahl an Patienten die App nicht nutzen möchte, durchaus mit dem Argument „die bringt doch sowieso nichts“. Eingepackt mit FFP2, Visir, Kittel und Schutzhandschuhen in solchen Fällen Überzeugungsarbeit zu leisten, ist völlig illusorisch… Beiträge wie der Eure hießen - bei aller berechtigten Kritik - leider Wasser auf die Mühlen derer, die die App aus welchen Gründen auch immer nicht nutzen wollen und verunsichern diejenigen, die sie nutze .
Und noch ein Punkt, der nach meiner Wahrnehmung derzeit zu kurz kommt- bitte bleibt mit Erkältung zuhause, besorgt euch ein Attest, lasst euch meinetwegen auch testen. Viel zu viele Menschen gehen derzeit mit „dem bisschen Schnupfen“ oder „nur etwas erhöhter Temperatur“ trotzdem zur Arbeit! Das Bewusstsein, dass man damit diesen Winter wirklich niemandem einen Gefallen tut, ist noch erstaunlich gering ausgeprägt.
Lieber Philip, lieber Ulf, Euer Podcast wird von mir und vielen im
Umfeld gerne und regelmäßig gehört -wenn Ihr diese Punkte nochmals aufgreifen könntet, macht es mit Sicherheit einen vielleicht kleinen, aber nicht unbedeutenden Unterschied.
Bleibt gesund!

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Danke für deine Perspektive!

Ehrlich gesagt haben wir die Kritik an der App natürlich nicht geübt, damit sie nicht genutzt wird, sondern damit sie endlich verbessert wird. Und ich meine auch, dass wir bei aller Kritik immer ausdrücklich dazu aufrufen, die App zu nutzen.

Wir haben aber in der aktuellen Folge nochmals deutlich gemacht, dass die App derzeit sicher nicht perfekt ist, aber doch das beste Mittel, das wir haben, weil die Gesundheitsämter längst an ihre Grenzen gekommen sind. Insofern finde ich es auch spannend, dass du in deiner Praxis regelmäßig mit roten Warnungen zu tun hast. Die scheinen jetzt sehr zuzunehmen, erst heute hat mir ein Freund eine Verabredung abgesagt, weil er sich nach einer Warnung der App freiwillig in häusliche Isolierung begeben hat …

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Bzgl. mit Schnupfen zur Arbeit: Seit Jahren (Jahrzehnten?) wird via Medien, vor allem durch Werbung für Grippostadt, WIK Medineit, etc. darauf hingewirkt sich gerade nicht „hängen“ zu lassen.
Die Stimmen die darauf hingewiesen haben das dies weder Gesundheitlich noch Wirtschaftlich Sinn macht, haben nicht den Weg in die Betriebe gefunden.
Die Leistungsgesellschaft im weltweiten Wettbewerb ist doch bewusst auf Verschleiß eingestellt.
Auch in diesem Bereich macht sich der unsinnige Druck durch Hartz4 wieder einmal bemerkbar.
Willst Du ernsthaft als junger Mensch deinen befristeten Job riskieren wegen Schnupfen?

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Kleiner Hinweis zur Lesbarkeit: Absätze kosten hier nix extra… :stuck_out_tongue_winking_eye:

scnr

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Hallo zusammen,

mir kam heute eine Info hier aus Wuppertal unter. Da wurde in einem Zeitungsbeitrag erwähnt, dass ein Testergebnis eines Mitarbeiters eines Altenheims nicht an die App übermittelt wurde. Eine kurze Recherche ergab, dass es sich dabei um eine „Befund-App“ handelt, die nicht die Corona-Warn-App ist. Es handelt sich um eine App eines Laboratorienverbandes (https://www.synlab.de/human/fuer-aerzte/fachinformationen/coronavirus-sars-cov-2/corona-befund-app?fbclid=IwAR0VtDMI7sOIyVuJt9irW-nUvo5fbqEFlDwn8pXh6pO0f92_D3lapp1oOZA). Von dort müsste die Ergebnisse, so sie denn überhaupt (angeblich in Echtzeit!) übermittelt würden, m.E. erst händisch in die Corona-Warn-App übertragen werden. Diesen Aufwand werden viele wohl nicht übernehmen, auch weil viele möglicherweise den Unterschied zwischen der Befund-App und der Corona-Warn-App nicht wahrnehmen? Ich halte das für ein massives kommunikatives Problem, wenn diese beiden Apps so nebeneinander existieren und viele Laboratorien zwar die eigene Befund-App, nicht aber die Corona-App bedienen.

Hier in Wuppertal werden jetzt WalkIn-Testzentren aufgebaut, bei denen Laboratorien eingesetzt werden, die mit der Befund-App arbeiten. Das unterläuft die Chance, mit der Corona-Warn-App sinnvoll zu arbeiten. Vielleicht könnt Ihr das Thema einmal recherchieren (und ich hoffe, dass sich meine Recherche als falsch erweist …).

Mit bestem Gruß und einem fetten Lob für die Lage,
Dr. Werner Kleine

Danke für den Hinweis! Es wäre natürlich eine kommunikative Katastrophe, wenn tatsächlich einzelne Labore auf eigene Apps setzen statt auf die offizielle Corona Warn App … gehört habe ich das allerdings auch, insofern könnte das schon zutreffen.

Moin Philip, moin Ulf!
Danke an dieser Stelle für die immer wieder super gemachten Podcast. Ich freue mich immer sehr auf die neuen Folgen.
Aber ein paar Gedanken zur Akzeptanz der Corona-App. Vieles ist ja bereits ausführlich durchgekaut worden, das will ich nicht alles wieder aufwärmen. Aber ein Punkt hat mir doch noch Gedanken gemacht.

Guten Freunde von mir haben die App nicht installiert, obwohl sie sehr wohl den Ernst der Situation begriffen haben. Warum? Weil sie ganz grundsätzlich der Sicherheit dieser App misstrauen! Und das ist für mich symptomatisch für viele, die das ähnlich sehen. Da kann selbst der CCC erklären, dass die App aus aktueller Sicht sicher ist - sie glauben es nicht. Der Grund für dieses grundsätzliche und tiefe Misstrauen liegt mMn daran, dass immer wieder die Datensicherheit untergraben wurde, und das von „höchster Stelle“. Gerade jetzt, mit dem Beschluss, Messenger-Dienste durch Behörden mitlesbar zu machen, ist ein Schlag ins Gesicht. Ständig wir Datenschutz untergraben, ausgehebelt, missbraucht. Für mich sind also unsere politischen Instanzen selber daran Schuld, dass Menschen allen „Überwachungs-Apps“ grundsätzlich misstrauen und sie nicht einsetzen wollen.

Danke, herzliche Grüße, und bleibt gesund!
Martin

Hier meine Erfahrung mit der Corona Warn App:

  1. ich hatte bereits drei Testungen, welche von drei verschiedenen Laboratorien ausgewertet wurden - bei keinem wurde das Ergebnis direkt in die App gespielt.

  2. letzte Woche hatte ich einen Risiko-Kontakt. Von diesem erfuhr ich über einen betrieblichen Corona-Koordinator. der positiv-getestete Kollege löste die Warnung per App am Donnerstagnachmittag aus. Nachdem sich meine Warn App am Samstag gegen Mittag aktualisiert hatte, habe ich die Warnung bekommen. Insgesamt vier Tage nach dem tatsächlichen Kontakt.

  3. die Risikowarnung habe ich nicht per Push-Nachricht bekommen, sonder lediglich als kleines Symbol auf der App-Schaltfläche. Wenn sich die App - wie bei mir nicht auf dem Home-Bildschirm befindet muss man schon regelmäßig und aktiv nach evtl. Warnmeldungen suchen.

Fazit: angesichts der steigenden Fallzahlen und zunehmenden Überforderungen der Gesundheitsämtern muss die Performance der App deutlich besser werden.

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Hallo Miteinander,

Ich möchte mich auf die technische Kritik aus LdN211 min. 21:40 von Ulf gegenüber der Corona-Warn-App beziehen und etwas Kontext geben. Ich bin selbst Software-Entwickler und promoviere im Informatikbereich, habe aber selbst mit der Entwicklung der App nichts zu tun. Ich möchte lediglich Hintergrundinformationen liefern, da sie öffentlich zugänglich sind, aber unter Umständen nicht direkt gefunden werden.

In der Folge wird Kritik an der nierigen Aktualisierungsfrequenz der IDs geübt. In dem [cwa-documentation-Repository] (neue Nutzer können nur 2 Links hinzufügen, daher kein link hier) können viele technische Details nachgeschlagen werden. Unter anderem unter Data Transfer and Data Processing:

In order to prevent load peaks in the back end, the downloads need to be spread evenly across the set time interval (currently an hour).

Es scheint also schon so geplant zu sein, dass die App stündlich Aktualisierungen herunterlädt. Warum sie das in einigen Fällen nicht tut ist wirklich fraglich.

Letzte Aktualiserung des Dokuments: 16.07.2020

Des Weiteren kann bei dem CWA-Server Distirbution Service nachgelesen werden, dass die „diagnosis keys“ (keys der positiv getesten) stündlich aggregiert und ausgeliefert werden:

The distribution service is triggered by a CRON scheduler, currently set to 1 hour. However, this will change, since the Exposure Notification APIs have a rate-limiting in place (Apple: 15 files/day, Google 20 API calls/day).

Letzte Aktualiserung des Dokuments: 21.10.2020.

Insofern scheint die Architektur und Aktualisierungsfrequenz schon so wie gefordert implementiert worden zu sein. Warum das bei einigen/manchen/vielen nicht funktioniert kann hingegen wirklich kritisiert werden.

Liebe Grüße,
Dennis

PS für Nerds: Ich die Überschlagsrechnung bzgl. Bandbreite in dem cwa-documentation-Repository unter „Bandwidth Estimations“ (link habe ich wieder entfernt, da neue Nutzer nur 2 Links hinzufügen können) interessant. Ich gebe mal das volle Zitat:

While each set of 14 diagnosis keys only has the small size of 392 bytes, all newly submitted diagnosis keys of a time period need to be downloaded by all mobile phones having the application installed. When considering 2000 new cases for a day, a transmission overhead (through headers, handshakes, failed downloads, etc.) of 100% and 30 million clients, this adds up to approximately 1.5MB per client, i.e. 42.8TB of overall traffic. If a day is split into 24 chunks (one per hour), this results in a total number of 720 million requests per day. If the requests are evenly spread throughout the corresponding hour, approximately 8,500 session requests per second need to be handled. Detailed descriptions of the connections can be found in the chapter „Data transfer and data processing“. Those number exclude possible interoperability with other countries.

Ich setze mal aktuellere Zahlen ein, da das Dokument seit Juli nicht mehr aktualisiert wurde. Ich halte mich hier an die Zahlen, die ihr im Podcast genannt habt:

Active clients: 16 Mio.
New cases (28.10.): ~15 Tsd. (20% haben die App und 60% davon geben Warnungen weiter) -> 1,8 Tsd.
Key Size: 392 bytes
Transmission Overhead: 100%

-> 392 bytes * 2 (overhead) *1800 new cases / Tag ~ 1,41 MB / Client / Tag
-> 392 bytes * 2 (overhead) *1800 new cases / Tag * 16 Mio devices ~ 22,6 TB / Tag (ich komme mit einer analogen Rechnung mit deren Zahlen allerdings nicht auf 42.8TB / Tag, sondern auf ~ 47 TB / Tag).

Bei stündlichen Anfragen von 16 Mio devices kommt man auf 384 Mio. Requests/Tag bzw. 4.444 Requests/Sekunde.

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Hallo liebe Lage Communitiy,
bezüglich des Entwicklungsaufwands der App durch Telekom und SAP bin ich soeben über folgendes gestolpert, was für euch evtl. interessant sein dürfte :


Dass die irische App von einem Startup entwickelt wurde und mit deutlich geringeren Budget, finde ich durchaus bemerkenswert.
Muss allerdings dazu sage, dass ich die Quellen nicht geprüft habe.
Beste Grüße

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Zumindest bei den in der Lage erwähnten ausbleibenden Warnungen von Zusammenlebenden, könnte ich mir vorstellen, dass die Beschwerden darüber oft einfach auf einem Missverständnis der Funktionsweise der App beruhen (wie bspw. hier).

Das mit den Testzentren und ihrem eigenen System kann ich aus dem Landkreis Aschaffenburg (Bayern) bestätigen. Ausführlich habe ich das in einem anderen Thread hier beschrieben, aber der Vorgang ist recht ähnlich, nur dass es keine App gibt und alles per SMS läuft - aber eben auch nicht mit direkter Integration in die CWA. Das ist in meinen Augen fatal, weil sich sicher nicht jede:r den Aufwand macht, einen Test in die CWA einzutragen. Gerade weil man bei einem positiven Ergebnis ja auch erstmal genug andere Sorgen hat, als noch eine Bestätigung für die CWA zu erfragen, mit der man dann die Tan-Hotline anruft usw. usf.

Eingehen möchte ich auch noch auf den Kommentar von @unspoken:

[…] letzte Woche hatte ich einen Risiko-Kontakt. Von diesem erfuhr ich über einen betrieblichen Corona-Koordinator. der positiv-getestete Kollege löste die Warnung per App am
Donnerstagnachmittag aus. Nachdem sich meine Warn App am Samstag gegen Mittag aktualisiert hatte, habe ich die Warnung bekommen. Insgesamt vier Tage nach dem tatsächlichen Kontakt.

Ich bin etwas auf Github in der CWA-Repo aktiv und habe dort bereits von einem ähnlichen Vorfall gelesen, ebenfalls ist mir ein Tweet untergekommen, mit ähnlichen Erfahrungen. Falls dich die ausführlichen technischen Hintergründe interessieren, gibt es dort auch einen sehr ausführlichen, langen Thread.

Wenn ich diesen Thread richtig verstehe ist das Grundproblem, dass nur alle 24h neue Keys geladen werden. Das Problem dahinter ist aber wohl mehrschichtiger: Wenn ein User sein Ergebnis mitteilt, werden alle seine Keys der letzten 14 Tage hochgeladen. Diese sollten im nächsten Download-Paket bereitgestellt werden, das irgendwann nachts (vermutlich 02:00) gepackt wird. In bereits erwähnten Issue #191wurde von einem Fall berichtet, wo ein User seine
Keys kurz davor bereit stellte und diese wohl nicht mehr im kommenden Download-Paket landeten, sondern erst im darauffolgenden. Damit kam schonmal eine Verspätung von 24h zustande. Nun kommt noch dazu, dass die Clients ja nur einmal am Tag neue Daten anfordern können (der Grund ist hier beschrieben) und wenn das zu einem ungünstigen Zeitpunkt passiert, kann das wieder für eine Verspätung von 24h sorgen. Im Worst-Case kommen also hierdurch alleine 48h zusammen.

Eventuell gab es bei dir eine ähnlich unglückliche Verkettung. Ich würde in jedem Fall empfehlen, deinen Fall auch einmal auf Github zu schildern (im Issue #191), bisher war die Community dort recht fix, da genauer nachzugucken, woran es liegen kann.

Die Risikowarnung habe ich nicht per Push-Nachricht bekommen, sonder lediglich als kleines Symbol auf der App-Schaltfläche. Wenn sich die App - wie bei mir nicht auf dem Home-Bildschirm befindet muss man schon regelmäßig und aktiv nach evtl. Warnmeldungen suchen.

Nutzt du Android oder iOS? Ich nutze iOS und weiß aus meiner Erfahrung, dass sowas ja auch einer fehlerhaften Freigabe liegen kann, sodass die CWA gar keine Notifications schicken darf, nur einen roten Punkt am App-Icon anzeigen. Falls alle Rechte jedoch richtig gesetzt sind und dennoch keine Push-Notification kam, würde ich ebenfalls empfehlen, auf Github ein Issue aufzumachen, damit das Problem bekannt wird und nachvollzogen werden kann.

Ich habe hier in der lokalen Zeitung auch noch etwas gefunden, dass nicht zur Akzeptanz der App und der Digitalen Infrastruktur in Deutschland beiträgt.

Hier wurde nach Rückkehr aus dem Urlaub schnell und problemlos das Ergebnis des Tests per App übermittelt. Jedoch hebt das Gesundheitsamt die Quarantäne nicht auf solange das Testergebnis nicht auf Papier vorgezeigt werden kann.

So wird das nichts mit der Digitalisierung in Deutschland.

Ich würde die Corona Warn App gerne runterladen und sie nutzen. Doch das Betriebssystem auf meinem Handy (iPhone6) kann die App nicht runterladen, weil es veraltet ist. Was mich vor allem stört, dass auch in diesem Podcast immer so getan wird, als wären es nur ein paar Leute, die die App gar nicht runterladen könnten. Doch ich gehe davon aus, dass viele Menschen dieses Problem betrifft.

Hallo zusammen,

vorweg als Disclaimer: Ich bin selbst Softwareentwickler bei SAP, habe aber zu keinem Zeitpunkt an der App gearbeitet.

Mein allgemeiner Eindruck ist, dass man von Anfang an unrealistische Erwartungen an die App gestellt hat. Die meisten Kritikpunkte sind natürlich berechtigt, aber eben wenig überraschend.

Es ist nunmal sehr komplex eine solche App zu entwickeln. Allein beim Design gibt es viele Aspekte zu beachten, die sich z.T. widersprechen, z.B. muss man Missbrauch vorbeugen, daher der Aufwand mit der Hotline (wenn das testende Labor nicht per QR-Code übermittelt). Das ist halt leider ein totaler Abturn was die Benutzerfreundlichkeit angeht aber eine App, die von Trollen mit falschen positiv-Tests geflutet wird, würde innerhalb von wenigen Wochen niemand mehr nutzen. Das ist nur ein Beispiel wo man Kompromisse eingehen muss. Es gibt noch viele weitere, einige wurden hier ja schon diskutiert.

Noch ein Gedanke zur Erwartungshaltung. Diese war in der Bevölkerung extrem hoch nach dem Motto, wenn die App da ist, dann wird alles gut. Die war zu keinem Zeitpunkt realistisch. Das haben auch alle Verantwortlichen (sowohl Politiker als auch Mediziner, Entwickler …) immer wieder betont. Die App war von Anfang an als einer von vielen Bausteinen in der Corona-Strategie konzipiert. Darüber hinaus leidet sie unter zu geringen Anwenderzahlen und z.T. falscher Bedienung (sicherlich häufig Folge mangelnder Benutzerfreundlichkeit).

Dass eine App, die in so kurzer Zeit aus dem Boden gestampft wurde, am Anfang noch nicht 100%ig rund läuft ist übrigens auch keine Überraschung, sondern genau so zu erwarten gewesen.

Natürlich gibt es an der App viel zu kritisieren. Das muss auch getan werden. Allerdings sollte die Schlussfolgerung nicht sein, dass die App nichts taugt, sondern man muss das Feedback nutzen um sie zu verbessern. Die Verbesserung geht übrigens umso effektiver, je mehr Menschen sie nutzen.

Beste Grüße,
Jakob

Hallo @Babsi,

das liegt meines Wissens nach nicht an der App, sondern an Apple. Apple hat die Schnittstelle nicht auf alten iOS Versionen (ich weiß leider nicht mehr genau, welche Versionen noch unterstützt werden) implementiert. Da alte iPhones nicht mehr die neuesten iOS Versionen bekommen, funktioniert die App dort leider nicht.

VG Jakob

Erfahrung vorgestern im Unterricht meiner Schule in Hamburg: Ich frage die Schüler in der Klasse, wer die Warnapp hat. Keine Meldung. Ich war baff und frage warum. Antwort: "Die ist doch für die kranken Leute. :thinking:

Gestern meine Frau, Physiotherapeutin, im Gespräch mit Patienten, die zwar die App haben: Dort denken etliche, dass die App anzeigt, ob sie Corona haben.

Offensichtlich haben wir in manchen Teilen der Gesellschaft noch ein enormes Problem, dass die Leute gar nicht wissen, wie und wozu die APP da ist und so die Wirkung verfehlt wird. Das ist nicht nur eine Willens- Entscheidungsfrage.

Andere Reaktion: Eine andere Bekannte ist genervt, wenn sie ständig orangene Warnungen bekommt, sich sorgenvoll testen lässt und es dann negativ ist. Da man ja auch nicht schauen kann, wann diese Kontakte waren, kann man das auch nicht einordnen, was die Infos bedeuten.

Also: Mehr breite Aufklärung und bitte eine Lokalisierung der Infektionen mit der Möglichkeit, das abzustellen bei denjenigen, die das nicht wollen. Dann klappt es auch mit dem Datenschutz.

Ich weiß nichts weiter darüber, aber dieser Artikel behauptet, dass recht wenig zu tun war, weil das Backend von google und apple bereitgestellt wurde:

Auch der Vergleich 10 Millionen für (reine) App-Entwicklung vs 0,85 Millionen wirft eher ein zweifelhaftes licht auf die Vergabe.

Mit allem anderen gebe ich dir aber Recht.

Ich habe das Gefühl, dass hier wieder richtig stark tkm Tragen kommt, dass sich viele Menschen überhaupt nicht mit der Technologie, die einsetzen, auskennen (wollen/können). Das ist ein grundlegendes Problem, das ich auch in meinem persönlichen Umfeld beobachte, wo ich als „der Technik-Nerd“ verschrien bin, einfach nur weil ich weiß wie man einen Router einrichtet. Da müsste man mal ganz grundlegend anfangen (Stichwort: Bildungssystem).

Was ich seit Juni mache: aufklären. Jedem die App erklären, der es hören will, aktiv nachfragen, wer sie benutzt und warum nicht. Keine Ahnung ob du als Lehrpersonal das mit deinen Schüler:innen auch machen darfst, aber es wäre sicher nicht verkehrt - denn wenn schon die Schüler:innen so denken, dann vermutlich ja auch die Family zuhause, sodass das Überzeugen von Schüler:innen sicher auch Auswirkungen auf die Familie und deren Einstellung zur App hätte… :thinking:

Gleich zwei Probleme mit der App, das Erste erscheint mir dabei deutlich schwerwiegender:

  • Es gibt keine Hierarchisierung innerhalb der Menge der Risiko-Begegnungen. Sind von den 10 im ersten Bild nun alle 10 hoch riskant, oder 1/10? Im Testzentrum gab es darauf keine Antwort, man wisse es selbst nicht. Für die App scheint dies natürlich zunächst nicht relevant zu sein, für mein Gefühl allerdings erheblich.

  • Das zweite Problem ist der Ladebalken im Foto. Ich kann meinen Test von gestern nicht hinzufügen. Über die Hotline hieß es, vielleicht erledigt sich das Problem von selbst. Seit 24 Stunden passiert dort allerdings nichts (aktuellste Version ist installiert).