Ich glaube da könntest du dich ob der Tragweite … massiv irren. Ich habe Einblicke in einige Betriebe des produzierenden Gewerbes, auch in welche die Leiharbeiter einsetzen. Du hast zum Teil Leute die kommen einfach nicht, unabgemeldet, wie Schulschwänzer. Sich “einen gelben holen”, um mal eine Woche die Füße hochzulegen, gehört hinter vorgehaltener Hand als Kavaliersdelikt. Meine persönliche Einschätzung aus Erfahrung ist, dass das “in der Halle” (nicht im Büro) massiv missbraucht würde. Was besser funktioniert ist dem ganzen von der anderen Seite zu begegnen, z.B. mit sog. “Anwesenheitsprämien”. Ich kenne Betriebe die damit gut fahren.
was ja dann weiterhin möglich ist…
ich nehme mal an, du sitzt im Büro?
Und völlig legal - und jetzt schon möglich. Hab mal in einer Firma gearbeitet, die hat die Jahresendprämie daran gekoppelt, was alle als fair empfunden haben.
Ich meine damit das dies ein Hinweis darauf ist das die neue Möglichkeit das ohne gelben zu machen von den gleichen Leuten dankend angenommen wird.
Das tue ich, kenne aber einige aus Hallen, sowohl privat wie beruflich. Ich gebe nur wieder, was mir von denjenigen selbst erzählt wurde.
Bestätigt nur wieder "wir machen das nicht " „aber die anderen alle“.
Doch doch, ich denke im Büro machen sie das durchaus auch.
Interessant wäre mal eine konkrete Zahl.
Also X% sind tatsächlich krank, Y% machen blau.
Wird man nur schwer erheben können.
Daraus folgernd: Schließen wir da wieder von einer kleinen „negativen“ Minderheit auf die Gesamtheit?
Also wenn einige zu Unrecht krank feiern, sind erstmal pauschal alle Blaumacher?
Kontrollmöglichkeiten machen nicht erst Sinn, wenn alle gegen Regeln verstoßen, sondern schon, wenn es eine signifikante Zahl tut. Beispielsweise sind nicht alle Menschen Ladendiebe, trotzdem gibt es verschiedene Maßnahmen gegen Ladendiebstahl, wie RFID-Etiketten und Ladendetektive.
Ich glaube, die meisten Arbeitnehmer sind vertrauenswürdig und die meisten Vorgesetzten vertrauen ihren Mitarbeitern. Da halte ich eine Kann-Bestimmung für völlig richtig, dass also der Arbeitgeber ein Attest auch in den ersten Tagen verlangen kann, wenn er das für richtig hält, das ansonsten aber nicht nötig ist.
BMW hat in der Automobilindustrie die mit Abstand niedrigste Krankenquote. Diese erzielt BMW mit aktiver Gesundheitsvorsorge im Unternehmen. Das zeigt eigentlich sehr gut, dass das Problem nicht unbedingt die Blaumacher sind, sonst würde BMW von den anderen nicht so eklatant abweichen.
Es geht mehr um die allgemeine Botschaft. Wenn ich als AN immer das unterschwellige Gefühl habe, das eine Krankheit erstmal als Art Arbeitsverweigerung gesehen wird, erzeugt das Druck, auch zur Arbeit zu gehen wenn es eigentlich nicht geht.
Sache des Mindsets.
Erlebe das leider beruflich oft, das Leute sagen „ ich kann nicht krank feiern, ich muss ja arbeiten“, bis sie irgendwann vorm Arzt sitzen der dann sagt „Das war’s“.
Will sagen, Kontrolle grundsätzlich ja, aber nicht AN und Ärzte unter Generalverdacht stellen.
Das ist aus meiner Sicht vor allem ein Führungsthema, weniger eines der Gesetzgebung.
Ja, die Möglichkeit zur Kontrolle sollte nicht in jedem Fall genutzt werden. Und das wird sie nach meiner Erfahrung in den ersten Tagen auch nur in seltenen Ausnahmefällen. Aber dass es sie gibt, würde ich nicht als Generalverdacht sehen.
Da stimme ich zu, super wichtig das du das ansprichst. Gute Führung ist aber nicht alles andere als easy und es landen zuhauf Menschen im mittleren Management, die dazu kaum geeignet sind. Das ist leider auch schwer zu ändern.
Sorry aber du kannst doch nicht einen Laden wie BMW da für irgendwas heranziehen. Weißt du wie professionell und “gediegen” es in einer Produktionshalle von BMW zugeht und was die Leute dort verdienen? Wirf den Blick auf No-name-Fabrikanten mit 20-300 Mitarbeitern, wo der Lagerist 2300 Brutto im Monat verdient und man sich gegenseitig mobbt und anschreit. Da gibts ein paar mehr von.
Darauf will ich hinaus. Statt die Krankgeschriebenen zu drangsalieren und vom Staat zu fordern, denen den Lohn zu kürzen, sollte man mal beim eigenen Arbeitsumfeld ansetzen.
Wenn der Lagerrist der gemobbt wird irgendwann so durch ist, dass er eine Woche Auszeit jenseits von Urlauben braucht, dann ist das eine Sache die einem jeder Arzt auch zugesteht. Und die Firma die so einen Umgang mit ihren Mitarbeitern hat braucht hier überhaupt nichts von Missbrauch von Krankschreibungen erzählen, sondern sollte sich mal an die eigene Nase fassen.
Ja, da stimme ich zu, gut das du es sagst.
Ist sicher auch zu großen Teilen eine Frage der Arbeitskultur.
Wenn ich als Arbeitgeber meine Mitarbeitenden als elementaren Bestandteil meines Unternehmenserfolges begreife, sind gute Arbeitsbedingungen im eigenen Interesse. Dann habe ich auch bei Krankmeldungen das nötige Vertrauen.
Betrachte ich Arbeitnehmer nur als Kostenfaktor und ich unterstelle allen pauschal Zuwenig Leistungsbereitschaft, wird sich das auf die Arbeitsbedingungen auswirken, und eher zu höheren Krankheitstagen führen.
Das es immer einzelne Ausreißer gibt, sei unbestritten.
Daher finde ich solche Pauschalen Sätze wie „es wird Zuwenig gearbeitet in Deutschland“ und „die Deutschen feiern Zuviel krank“ irreführend und auch eher beleidigend.
Betriebe die in Prävention investieren profitieren eher von sinkenden Krankheitstagen. Die Maschinen lässt man ja auch pflegen und warten.
Verstehe ich deine Position wie folgt zusammengefasst richtig? Es gibt Arbeitgeber, die sich nicht wirklich um gute Arbeitsbedingungen sorgen. Zusätzlich gibt es eben im mittleren Management auch schlechte Mitarbeitende. Bei diesen Firmen bzw. schlechtem Management gibt es dann zumindest den Verdacht, dass Mitarbeitende des Öfteren “krank feiern”. weil das so ist, sollte es weiterhin die Möglichkeit zur Verpflichtung einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem 1. Tag geben.
Falls ich das richtig verstanden habe muss ich ganz eindeutig sagen: No way, dann müssen diese Arbeitgeber eben an ihrem Betriebsklima und an ihren Beschäftigten im mittleren Management arbeiten!
Ja da hast du richtig verstanden; der Zusammenhang den du aufzeigst war mir so in dem Moment aber nicht bewusst, obwohl so naheliegend :-/ Stimme dir absolut zu.