Die nachfolgenden Zitate des Ausgangsposts sind aus einem SZ-Kommentar zur Landtagswahl.
Dass die regelmäßig fragwürdige SZ unhinterfragt solche Entschuldigungsnarrative verbreitet, ist nun alles andere als ein Ausweis analytischer Schärfe.
Hier versteigt sich der Kommentator gar zu Täter-Opfer-Umkehr. Als wären Antifaschisten verängstigt, nicht jedoch Xenophobe. Ferner wird nahezu nahegelegt, dass man sich doch bitte an die Normalisierung von Faschisten gewöhnen solle.
Dazu nur:
Die Untersuchung zeigt […], wie sich rassistische und anti-klimapolitische Untergangsszenarien zu einer selbst bestätigenden Gefühlswelt verdichten. Außerdem interpretiert Spissinger das kollektive Schimpfen und spöttische Gelächter bei AfD-Veranstaltungen als ein neurechtes Identitäts- und Gefühlstraining. Nicht zuletzt wird deutlich, wie AfD-Unterstützer*innen Kritik abwehren und daraus die Bestätigung ziehen, ‚die Wahrheit‘ zu vertreten und ‚frei‘ zu denken. Wer es sich in der neurechten Gefühlsgemeinschaft erst einmal bequem gemacht hat, lässt sich daher nur noch schwer zur Umkehr bewegen.
Immerhin. Das passt bloß nicht mit dem zuvor Geschriebenen zusammen:
Den eigenen Widerspruch so gar nicht zu bemerken erweckt den Eindruck, dass niemand den SZ-Kommentar inhaltlich Korrektur gelesen hat.
So endet der Kommentar ohne jedwede Erklärung, was denn diese Signale sein sollen und warum sie ernst zu nehmen wären.
Also, lieber TilRq, unter einem „sehr schöne[n] Kommenar“ stelle ich mir, ehrlich gesagt, etwas anderes vor. Wenigstens logische Konsistenz hätte ich erwartet.
Auch erschließt sich mir nicht, warum die drei Wahlen in ostdeutschen Bundesländern ein bundesweites Fanal sein sollen.
Grundsätzlich sieht die Lage so aus: In Thüringen, Sachsen und Brandenburg leben sieben der insgesamt 63 Millionen Wahlberechtigte der Republik. Diese sieben Millionen Wähler spielen mit ihren Präferenzen für rechte und linke Autoritäre für den Ausgang der Bundestagswahlen im nächsten Jahr nicht die entscheidende Rolle.
Meine Lehre lautet: Man soll sich künftig an jene Wähler halten, die grundsätzlich einem rationalen Diskurs zugänglich sind.