OK, dann gern im Detail eine Replik auf
Nur über eins scheint‘s kuriose Einigkeit zu geben: der beste aller Wege wäre, wenn einfach alles, was dem Klima schadet, teurer würde.
Schön wäre es. Leider wird das Konzept des CO2-Preises viel zu wenig in den Medien diskutiert, und schon gar nicht mit den notwendigen, flankierenden Elementen, der Klima-Dividende und dem Klima-Zoll. Anders, als Herr Fricke behauptet sprechen sich gerade konservative Politiker regelmäßig gegen einen (hohen) CO2-Preis aus, weil sie vermeintlich „die Wirtschaft“ vor „Belastungen“ bewahren wollen (dabei bittet genau diese Wirtschaft um klare, stabile, langfristig einplanbare politische Rahmenbedingungen für den ja als inzwischen alternativlos angesehenen Klimaschutz, auf die sie sich einstellen können). Und übersehen dabei, dass mit einem CO2-Grenzausgleich („Klimazoll“) die heimische Wirtschaft und die Arbeitsplätze vor einer Wettbewerbsbenachleitung infolge CO2-Preises geschützt werden.
Dass das in der Praxis nicht ganz so einfach ist, lässt schon die Begebenheit des FDP-Chefs erahnen, der kürzlich den Grünen unter Anwendung seines Taschenrechners in einem Talk vorrechnete, wie viel ihr geplanter CO2-Preis von 60 Euro pro Tonne für eine Familie kosten würde. Ganz schön viel.
Ich weiß nicht, ob Herr Lindner das richtig berechnet hat. Aber ich weiß, dass Herr Lindner (und für diesen kurzen Moment auch Herr Fricke) die Lösung „Klima-Dividende“ gern beflissentlich übersehen - vermutlich, weil dies ja eine Umverteilung von oben nach unten bedeuten würde.
Die Tücke beginnt mit der Annahme, dass es am Markt so schön vorhersehbar zugeht. Alle Erfahrung hat gezeigt, dass in Wahrheit beim Handel mit CO2 viel über künftige Politik spekuliert wird und gar nicht über Angebot und Nachfrage akut. … Das Ergebnis ist dann nur, dass der CO2-Preis eben nicht so sachte steigt, wie es Unternehmen für derartig strategisch-klimaneutrale Planungen bräuchten. Im Gegenteil: da wechseln sich halt plötzliche Hochs und Abstürze ab.
Nun, die Antwort darauf gibt er selbst:
Aus dem Grund empfehlen selbst marktaffine Experten mittlerweile, die Preise zu kontrollieren – und zumindest Grenzen zu setzen, bei denen interveniert wird, um allzu absurde Kapriolen zu verhindern. Gesteuerter Markt. Immer mehr hat sich daher auch durchgesetzt, CO2 gleich zu besteuern – wie das in Deutschland seit Januar mit 25 Euro je Tonne der Fall ist.
Und dann argumentiert er munter weiter:
wie viel teurer müsste Benzin heute werden, damit jemand deshalb auf ein Elektroauto umsteigt – solange das einfach noch sehr viel teurer ist und sowohl Ladestationen, als auch Reichweiten fehlen? Wie viel teurer müsste Fliegen werden, damit diejenigen, die sich das jenseits des jährlichen Urlaubs regelmäßig leisten, darauf verzichten? Solange Bahnfahren nicht viel billiger wird.
… ohne seine eigenen Frage zu beantworten! Klar ist, dass (lt. Bundesumweltamt) CO2 eigentlich mit 180 EUR bereist gehört, damit sämtliche gesellschaftlichen Folgen der CO2-Emission von den Emittenten selbst getragen werden müssen. Wie viel das auf ein Liter Benzin ausmacht, ist ebenfalls bekannt (wobei ich den sich dann ergebenden Preis nicht im Kopf habe).
Der offenbar studierte Volkswirt ignoriert aber, dass der Bahnpreis gar nicht notwendiger Weise sinken muss (auch wenn das sicherlich gut wäre). Denn es geht immer um relative Preise. Wenn die Benzinpreise oder die Flugpreise in Relation zum Bahnpreis steigen, dann steigen mehr Menschen vom Auto oder vom Flieger in die Bahn um.
Stiege der CO2-Preise so bald und abrupt, dass die Leute via Kostenschock zur Verhaltensänderung gedrängt werden, lässt sich erahnen, was im Land der Freunde stabiler Preise los wäre. In Frankreich hat ein nur ansatzweise ähnlicher Schub vor ein paar Jahren die Gelbwesten-Proteste ausgelöst. Und da müsste es, wir Grüne und andere längst planen, schon ziemlich massive Kompensationen für Leute mit weniger Einkommen geben.
Ganz genau: CO2-Preise müssen durch eine Klima-Dividende flankiert werden, mit der die Einnahmen aus dem CO2-Preis (idealer Weise auch die Einsparungen aus der Streichung aller klimaschädlichen Subventionen) möglichst vollständig monatlich pro Kopf an jeden Bundesbürger überwiesen werden.
sinkt wegen teureren Benzins tatsächlich die Nachfrage, droht ein Teil der dadurch ausgelösten CO2-Vermeidung wieder wettgemacht zu werden, weil bei nachlassender Nachfrage tendenziell der Preis wieder sinkt; womit wiederum der Anreiz nachlässt, weniger nachzufragen.
Das ist Quatsch. Das ist das, was ich mit „Anfängerfehler“ meinte: Durch das Verschieben der Angebotskurve nach oben durch den CO2-Preis geht die Nachfrage zurück (Bewegung auf der Kurve). Nur wenn wir eine ziemlich preisunelastische Nachfrage hätte, würde dabei der Preis so stark sinken, dass der Effekt weitgehend „aufgesessen würde“.
es macht nur das Klimaretten übers Verteuern sehr viel mühsamer – und im Zweifel zu einem steten hin und her
Unbelegte Behauptung.
Bekommen die Leute zum Ausgleich Gutschriften, ist ja nicht gesagt, dass das Geld dann nur für samten-klimafreundliche Zwecke ausgegeben wird. Dann ist ein etwas gewonnen und ein Teil wieder verloren. Keine optimale Lenkungswirkung.
Fricke insinuiert, dass die Leute ihre Konsumusgaben nicht zugunsten klimaschonendere, weil relativ günstigere Produkte und Dienstleistungen ändern, wenn sie die Mehrausgaben für die CO2-Preise als Klima-Dividende zurück bekämen. Auch das ist, mit Verlaub, Quatsch. Wie gesagt: Hier ignoriert er die empirisch sehr gut belegte Lenkungswirkung durch die Änderung der relativen Preise. Noch ein Anfängerfehler?
Solange es nicht mehr Ladestationen und längere Reichweiten und mehr Angebot erschwinglicher Elektroautos gibt, ist es absurd, Verbraucher damit zum Wechsel zu knebeln, dass das Altautofahren verteuert wird, bis es nicht mehr günstiger ist als das teure Elektroauto. … solange der Staat nicht genug Anreize setzt, dass Eigentümer ihre Wohnungen und Häuser schneller energetisch sanieren, ergibt es auch wenig Sinn, die Nebenkosten via CO2-Preis hochzutreiben.
Und das ist die „Binse“, die ich meinte. Niemand sagt, man könnte es allein bei einem spürbaren CO2-Preis (der die gesellschaftlichen Kosten der CO2-Emission internalisiert), beim sozialen Ausgleich mit der Klima-Dividende und beim Schutz von Wirtschaft und Arbeitsplätzen durch einen Klima-Zoll (der gleichzeitig Climate Leakage, das heißt den Export von CO2-Emission verhindert) belassen. Selbstverständlich muss der Staat zusätzlich alle Klimaschädlichen Subventionen abbauen und die Forschung, Entwicklung und Aufbau der notwendige Infrastruktur für Elektroautos und grünen Wasserstoff fördern, Anreize für energetische Sanierung schaffen, u.v.m. Und wahrscheinlich wird es auch nicht ohne Regulierung gehen, z.B. die Einführung eines Tempolimits, der Verbot von Kurzstreckenflügen auf allen Stecken, die man auch mit Hochgeschwindigkeitszüge in 3-4 Stunden erreichen kann. Und sehr vieles mehr. Hier eine ziemlich durchdachte Sammlung von Vorschlägen dazu:
Und auch die ist nicht von schlechten Eltern:
Aber der gestiegene CO2-Preis wird dies massiv unterstützen, denn Verbraucher und Unternehmen haben aufgrund der geänderten relativen Preise einen hohen Anreiz, diese Dinge selbst zu kaufen, darin zu investieren, dies einzufordern, etc.
Worauf es ankommt, sind ohnehin vor allem die relativen Kosten.
Oh ha! Es kommt also doch auf die relativen Preise an? Jetzt plötzlich ist das doch relevant? Ein Schelm, der dabei ungläubig mit der Stirn runzelt.
es könnte sowohl menschlich, als auch schnöde wirtschaftlich schlauer sein, dabei eher auf positive Anreize als auf Kostenschmerz zu setzen: also vieles etwa über Subventionen oder ähnliches günstiger zu machen, was gut fürs Klima ist.
Kein Einspruch hier von meiner Seite. Altes Prinzip: Das eine (CO2-Preis, Klimadividende, Klimazoll) tun ohne das andere (positive Anreize mit Subventionen etc.) zu lassen.
Es ist einfach ziemlich fahrlässig zu suggerieren, dass mit dem Bepreisen von CO2 eine auch nur ansatzweise schnelle Rettung des Klimas zu bekommen wäre.
Im Gegenteil: Es ist fahrlässig, zu suggerieren, dass andere Maßnahmen allein auch nur ansatzweise so viel Dynamik und Beschleunigung für den Klimaschutz erzeuge könnten wie die massive Änderung der relativen Preise zwischen klima-intensiven und klima-schonenden Guter und Dienstleistungen.
Herr Fricke bleibt übrigens die Frage, welche Maßnahmen dass denn sein könnten, schuldig!
Natürlich sind die o.g. Anfängerfehler keine Irrtümer. Der Mann ist ja studierter Volkswirt und war Chefökonom der Financial Times Deutschland und seit 2013 angeblich „Chief Economist“ der European Climate Foundation - taucht aber auf [ deren Webseite](The team - European Climate Foundation gar nicht auf).
Vielmehr scheint er - zusammen mit mit seinen beeindruckend klingenden Titeln „Chefökonom“ und „Chief Economist“ darauf zu bauen, dass da nicht wenige Leser auf diese typische Anfängerfehler aus dem VLW-Grundstudium hereinfallen. Schelm, der bei dieser Manipulation böses denkt. Warum macht jemand so was?