Klima Union: Wahlkampftrick oder Unterwanderung?

Ich weiß nicht, wer das alles mitbekommen hat:

Der Ex-Grüne Heinrich Strößenreuther, Initiator und Gründer der Initiative Fahrrad Entscheid Berlin und von GermanZero (eine Klimaschutzorganisation, die einen kompletten, konkreten Gesetzesentwurf zum Klimaschutz vorbereitet hat), ist vor einiger Zeit in CDU eingetreten und hat dort mit anderen zusammen die „Klima Union“ gegründet.

Nach eigenen Angaben (Twitter) v.a., um innerhalb der Union eine Plattform und Stimme zu schaffen für alle Konservative, die Klimaschutz wichtig finden. Grundsätzlich erscheint es mir schon sinnvoll zu sein, den wohl mächtigsten Bremsklotz beim Klimaschutz „zu unterwandern“. Aber er macht nach meinem Eindruck mehr Bundestags-Wahlkampf für die CDU als sich innerhalb der CDU für Klima einzusetzen.

Hat jemand Insights,
a) wie ehrlich das ist?
b) ob er wirksam Einfluss auf die CDU nimmt?

Nicht sonderlich glaubwürdig ist, wenn

  1. angeblich solche Klima-Dinosauriere wie Friedrich Merz jetzt angeblich „an Bord“ der Klima Union sein sollen.
  2. das Bundestags-Wahlprogramm der Union sich klimapolitisch nicht viel anders ließt als das von vor 10 Jahren.

Besteht nicht die Gefahr, dass Strößenreuther & Co. als Wahl-Magnete missbraucht werden, um eine Kanzlerin Baerbock zu verhindern, nur damit ein Kanzler Laschet nach der Wahl wieder mit „… aber die Industrie“, „… .aber die Wirtschaft“ und „… aber die Arbeitsplätze“, … „… aber die sozial Schwachen“ eifrig auf die Bremse tritt? Wer eine „Werte Union“ weitgehend ignorieren kann, schafft das mit einer Klima Union ganz sicher auch …

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Ich befürchte leider auch, dass er ehr nach Macht strebt als nach Klimapolitik und sich von der CDU einspannen lässt. Dass die CDU schamlos Lügen verbreitet um sich weiterhin zu bereichern und an der Macht zu bleiben ist ja bekannt, von daher glaube ich da nicht an ehrliche Klimapolitik.

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Ich machte mir erst ein wenig Hoffnungen, daß es ein Schritt in Richtung „Klimaschutz als parteiübergreifender Konsens“ werden könnte. Inzwischen bin ich aber desillusioniert und halte es für reines Greenwashing. Hier ein Artikel, der von der Klimaunion selbst enthusiastisch auf Twitter geteilt wurde: „Autofahren, Strom und Heizen sollen billiger statt teurer werden“ - mit anderen Worten: man tut so, als hätte man beliebig viel saubere Energie zur Verfügung und würde die ökologische Transformation zum Nulltarif bekommen. Sehr gut, um sich von den Grünen abzugrenzen, aber inhaltlich natürlich Humbug - und ich bin einigermaßen entsetzt, daß Stößenreuther dabei mitmacht.

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Es wäre ja zu schön, wenn das mit dem Unterwandern klappen würde (Oder wäre es das wirklich? Denn dann wäre es ja in der anderen Richtung genauso möglich.)

Nur: Das funktioniert nicht oder nur sehr eingeschränkt bei einer politischen Partei. Denn selbst wenn man die Parteiorganisation komplett übernähme, würden ja dadurch nicht die Wähler dieser Partei plötzlich was anderes wollen. Und deswegen gründet sich dann früher oder später eine neue Partei.

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Ich hatte mal ein langes Interview mit Strössenreuther gehört und war recht angetan, besonders von einer seriösen Ausstrahlung. Was das nun heissen soll ist mir wie scheinbar allen hier ein Rätsel.

Ganz genau! Wenn sich S. das wirklich so vorstellt, vertut er sich gewaltig.

Ich kenne einige wirklich anständige CSUler, aber ich habe derart zunehmende Abneigung gegen die Partei, dass ich mich schon zusammennehmen muss um nicht davon angefressen zu werden. Sie bremsen wo sie nur können. Und wenn sie dann doch einfach mitgeschleift werden vom allgemeinen Fortschritt, schwenken sie gleich um und tun als hätten sie gerade die Sache erfunden.

Leider können sie sich auf das mächtige Potenzial der politisch flach gebildeten und gleichzeitig zu jeglicher Vorteilsnahme neigenden Wählerschaft unbedingt verlassen.

Was steckt aber hinter dem unglaublichen Move von S bzw. der CDU? Wir sollten dran bleiben und Indizien sammeln. Vielleicht ergibt sich ein Bild. Danke an @TRq für diese „Entdeckung“, wäre an mir vorbeigegangen.

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Da unterstellst Du, dass die Masse der CDU-Wähler keinen Klimaschutz möchte, was nicht stimmt: 65 Prozent der Deutschen halten den Umwelt- und Klimaschutz für ein sehr wichtiges Thema

Vielleicht wollen Sie es viele Wähler weniger strikt, oder haben mehr Angst vor Veränderung, aber ich denke die CDU ist eher gut darin Sachen anders zu verkaufen als sie sie machen. Sei es bei Steuern, Unterstützung für den kleinen Mann usw…
Die Masse der Leute möchte sicherlich nicht, dass sich unser Klima massiv verändert oder es den Leuten schlechter geht.

Naja, ich würde das nicht genauso negativ sehen, die wollen es halt verkaufen.
Da leider, gerade die „Gegenseite“ Klimaschutz immer so aussehen lassen würde, als ginge das nur wenn wir alles wieder zurück drehen und nur verzichten, was leider bei vielen Wählern verfängt, sollen die Leute wahrscheinlich mit Artikel wie diesem vom Gegenteil überzeugt werden.

Fakt ist, wenn wir Klimaschutz nur als Verzicht verkaufen, werden wir keine Mehrheiten dafür in Deutschland bekommen, und das ist es ja auch nicht.
Viele Menschen wissen halt nicht, dass weniger Autos in Städten zum Beispiel ein riesiger Gewinn für viele sind, sei es Luft, Lärm oder Erholungsfläche.
Genauso wie viel komfortabler eine moderne Heizung ist, wie viel gesünder und auch lecker es wäre häufiger ein vegetarisches Gericht zu essen usw…

Wenn man immer nur alles oder nichts oder 100% prinzipientreue möchte, nimmt man die Leute nicht mit.
Und wenn Leute wie Merz verstehen, dass man mit dem Umbau zu mehr Klimaschutz auch die Wirtschaft fördert und Geld verdienen kann, ist es per se auch nicht schlecht, so lange diese Maßnahmen dann halt auch umgesetzt werden, und nicht wie in letzter Zeit immer durch die CDU verwässert werden.
Für Geldinteressen war die CDU/CSU schon immer offen.

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Ein paar interessante O-Töne von Strößenreuther kamen im Klimabericht Podcast vom Spiegel vor und es klang für mich schon nachvollziehbar.

Er meinte unter anderem, dass er in letzter Zeit immer mehr die Entwicklung sähe, dass sich Klimaschutzpläne mit linken Themen vermischten, was dem Klimaschutz nicht zu gut kommt, da man viele Leute so nicht mit nimmt oder abschreckt.

Mit der Argumentation - und dem Ziel - Deutschland so schnell wie möglich CO2-neutral werden zu lassen, ist es durchaus zielführend, sich in der Union dafür einzusetzen, da wir alle demokratischen Parteien und die Masse der Bürger für eine schnelle Wende brauchen.

Und wie gesagt, auch rational oder aus wirtschaftlichen Gründen ergibt Klimaschutz Sinn, sei es das erneuerbare Energien schon heute günstiger sind als alle anderen Kraftwerke, wir unabhängig von fossilen Importen werden, unser eigenen Firmen diese Kraftwerke bauen können und natürlich auch Handwerker, LKW- und Bushersteller und viele andere anfangs und teilweise auch langfristig von dieser Entwicklung massiv profitieren werden.

Wenn Du aber jetzt ein konservativer Wähler bist und das erste Argument mit dem Dir jemand kommt ein höherer Spitzensteuersatz ist, höhere Sozialabgaben, stärkere soziale Umverteilung, wird dieser das wahrscheinlich ablehnen, obwohl dieser generell für Klimaschutz wäre.

Die Stichworte sind (Volks)–wirtschaftlich und langfristig. Beides holt neoliberale Kapitalisten nicht hinter dem Ofen hervor. Bitte um ein Beispiel, bei dem die Union von diesem Paradigma abweicht.

Das ist der erste Teil des Problems.

Hier ist der zweite Teil, und da muss ich dir widersprechen: es kann rechnerisch doch gar nicht anders gehen, als dass die westliche Welt ziemlich massiv von ihrem verschwenderischen Lebensstil abrückt. Halte ich im Übrigen auf lange Sicht zusätzlich für einen Gewinn an Lebensqualität, wenn z.B. ein grösserer Teil der Leute sich für Geld und Karriere in den burn-out malocht, während ein anderer grösserer Teil unterbezahlt und gering geachtet apathisch wird oder arbeitslos in die Depression gerät.

Die Besserverdienenden hauen das Geld mit vollen Händen für sehr schädliche Dinge hinaus (Flugreisen, grosse Autos, übergrosse Wohnhäuser, Wegwerfkonsum usw) und werden davon nicht froh, obwohl sie es jedes Mal neu glauben.

Das Problem ist (wie bei den autoarmen Städten) dass die Leute sich die schönen Seiten schlecht vorstellen können und zusätzlich an dieser Vorstellung gehindert werden durch die Botschaften der Konsumindustrie und den Schreckensvisionen der politischen Seite, die entgegen jeder (naja, eben der 99%) wissenschaftlichen Erkenntnis unbeirrt an Wachstum und Konsum glaubt. Klar, auch die Union wird ein paar Klimaschutzmassnahmen vorhaben, aber das wird absehbar nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Wie schon verschiedentlich im Forum gesagt, halte ich alternative Antriebe für Flugzeuge und auch die 1:1- Umstellung von Verbrenner auf E-Autos für Beispiele einer naiven, tröstlichen Wunschvorstellung, die ja auch von vielen Grünen gepflegt wird. Ich bin gespannt, wann das signifikant gerafft wird von den massgeblichen Politikern.

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