Ich kann das, was @Jazmin schreibt gut nachvollziehen. Ich finde es mehr als befremdlich, dass für Mitarbeiter kirchlicher Organisationen ein anderes Arbeitsrecht gelten darf als für alle anderen.
Ich möchte aber im Zusammenhang mit dem Arbeitsrecht mal eine etwas andere Perspektive einbringen (die vermutlich zu einem allgemeinen Aufschrei führen wird).
Als Arbeitgeber würde man schon gern selbst entscheiden dürfen, ob in seinem Unternehmen Nazis inkl. AfDler, Rassisten, Sexisten, religiös vernagelte Christen (Adventisten etc.), Islamisten, Scientology-Anhänger, meinetwegen auch Linksextreme angestellt sind. Man möchte nicht der- oder diejenige sein, bei dem / der sie ihr Lohn und Brot verdienen. Können sie gern woanders machen, aber nicht hier! Darf man aber m.W. nicht. Man darf solche fragen m.W. im Einstellungsgespräch nicht stellen (Im Fall von Scientologen gibts allerdings einen Trick. Oder kündigen, wenn es sich später herausstellt. Weil das Diskriminierung wäre. Nur, wenn der oder diejenige den Betriebsfrieden stört.
Nun, wenn ich das gerne selbst entscheiden würde, dann muss ich das auch der Kirche zubilligen. Die Kirche hat ein anderes Wertesystem und Weltbild als ich, das dem meinen in vielen Punkten widerspricht. Trotzdem muss ich dann auch den kirchlichen Arbeitgebern zubilligen, dass sie entscheiden darf, wer bei ihnen arbeiten darf und wer nicht, weil er sich gegen deren Wertesystem und Weltbild verhält oder äußert.
Die Kirche ist nun mal der Auffassung, dass wer „vor Gott getraut“ wurde, sich nicht mehr scheiden lassen darf. Lehne ich total ab. Aber ist halt so. Verstößt nicht gegen Menschenrecht, Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, „die guten Sitten“, etc. Man muss sich ja nicht kirchlich trauen lassen. Oder Mitglied einer solchen Kirche sein.
Einzig valides Argument dagegen ist das, was oben schon gemacht wurde: Dass man seinen sozialen Beruf in manchen Regionen nicht außerhalb kirchlicher Organisationen ausüben kann. Nun, dann sollte man vielleicht darüber nachdenken, an einen Ort umzuziehen, wo man mit seinen persönlichen Werten seinen Beruf, zu dem man sich berufen fühlt, auszuüben!
Die Kirche traut keine Homosexuellen. Ist krass. Aber illegal? Weiß ich nicht (warum ist das keine Diskriminierung?). Vielleicht nicht legitim. Ist aber halt so. Man muss sich ja nicht kirchlich trauen lassen. Ja, als gläubiger Katholik oder Protestant ist das traurig Aber auch als begeisterter Fußballer gehe ich doch nicht in den einzigen örtlichen Fußballverein, wenn ich weiß, dass dort das Gegenteil von Fair Play gelebt wird. Wäre für mich als passionierter Fußballer traurig. Kann ich nicht ändern. Schicksal. Manchmal lassen die eigenen Wünsche einfach nicht realisieren. Muss ich mir halt einen anderen Sport suchen. Oder umziehen, wenn mir die kirchliche Trauung so wichtig ist. [Ich verstehe manche Gläubige nicht: Ihr Glauben sollte doch unabhängig von der Institution Kirche sein, die sich ohnehin seit Jahrzehnten obsolet macht - gerade mal wieder mit viel Vehemenz …. Ja, ohne Kirche ist es schwieriger, eine örtliche Glaubensgemeinschaft zu finden. Müsste aber doch immer besser funktionieren …]
Das alles ist aber kein Argument dafür, dass bestimmte Rechtsnormen für die Kirche nicht gilt, die für alle anderen gilt (diese Regelung im GG gehört sicherlich abgeschafft). Sondern das ist ein Plädoyer dafür, in diesem Punkt die Entscheidungsautonomie des Arbeitgebers nicht länger durch das Arbeitsrecht auszuhöhlen. Ja, auch dann, wenn ein Arbeitgeber dann lieber keine Linken, Homosexuellen, „Ökos“, „Alternative“, Antifa, usw. einstellen möchte. Damit muss ich dann auch leben.