Die gewünschte Betreuungsform von Eltern mit U3-Kindern ist in Bayern höher als in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern und nur etwas niedriger als bei den Spitzenreitern Sachsen-Anhalt und Thüringen, vgl. S. 18, Abb. 1.3:
Die Bundesländer unterscheiden sich in dieser Hinsicht größtenteils nur im geringen Ausmaß.
An der unterschiedlichen Nachfrage kann es daher nicht liegen.
Der Stadt-Land-Unterschied, den du ansprichst, ist womöglich größer als die Unterschiede zwischen ähnlich strukturierten Bundesländern.
Was es wohl gibt, ist ein Unterschied in der Geburtenziffer:
Die ursprüngliche Aussage war
Für mich stellt sich daher die Frage was ein Vollzeitgehalt mindestens leisten können muss. Das mindestens ist wichtig, denn es gilt als untere Grenze. Jeder kann mehr verdienen. Ich freue mich darüber wenn jemand mit 1x VZ bei gutem Gehalt seine Familie ernähren kann. Aber ist das das was man als gesellschaftliches Minimum ansetzen kann?
Ich kann nicht nachvollziehen warum du behauptest es gäbe keine Motivation wenn man sich mit 1,5 Arbeitsstellen kaum etwas leisten könne. Wenn ich bspw. mit einem Medianeinkommen von 40.000 € (Medianvollzeit dürfte sogar noch etwas höher liegen, aber das sei hier egal) meine Familie durchgebracht habe, dann bleiben mir noch 20.000€ aus der TZ-Stelle. Also ich kann mir mit 20.000 € (davon ca. 15.000 € netto) eine ganze Menge Luxus leisten. Obwohl ich in einer Gehaltsklasse bin, in der ich problemlos eine Familie allein finanzieren kann, geben wir für Luxus sicher nicht mehr als das im Jahr aus.
Das war ausschließlich auf finanzielle Aspekte bezogen (und ich finde das ergab sich auch aus dem Kontext). Anyway, natürlich gibt es viele Ehrenamtler und das finde ich toll.
Aber wenn es ums Geld geht zeigt eben (fast) jeder auf seinen Nachbarn, der viel mehr abgeben könne und solle als man selbst. Dabei könnte quasi jeder aus dem Mittelstand einen Beitrag für eine bessere Ausstattung von Kitas oder Schulen leisten. Kein Mittelständler(/oder höher) wird hungern oder leiden müssen wenn er 1%-2% seines Bruttolohns (Jahresgewinns bei Selbstständigen, Unternehmern oder Erben) für die Bildung unserer Kinder abgeben muss.
Nicht mehr und nicht weniger kritisiere ich. Ich kann nicht verstehen wie man das so fehlverstehen kann.
Und ich bin sicher, wenn es Vertrauen gäbe, dass sich alle (oben genannten) beteiligen und der Staat das Geld sinnstiftend in der Bildung einsetzt, dann ginge das problemlos durch.
Wer sich für die Kitaqualität interessiert, kann übrigens hier den umfangreichen Monitoring-Bericht des Bundesfamilienministeriums downloaden:
Der „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ scheint mir auch ganz interessant zu sein:
Es ist ja schließlich nicht bloß eine Frage der Kitakosten, sondern es spielen ja auch Qualitätsaspekte für Eltern eine ganz wesentliche Rolle.
Verdient ein Erzieher denn die 40.000 Medianeinkommen?
Vor allem: wie viele Erzieher arbeiten Vollzeit?
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pbf85
92
Die Berechnung ist normiert, aber ja nur über den Faktor Buchungsstunden vs. Mitarbeiterstunden des Erziehungspersonals.
Die Frage wäre jetzt ob z.B. reine Verwaltungsangestellte, die bei manchen Trägern Aufgaben ausführen, die in anderen Einrichtungen von der Kitaleitung und damit Erziehern ausgeführt werden müssen hier mit einfließen.
Ebenso eine Frage ob überall Langzeiterkrankte Erzieher gleich angerechnet werden. Ich weiß, dass das bei Lehrern wohl nicht überall gleich gehandhabt wird. Langzeiterkrankte Kräfte können dann z.B. an Schulen dafür sorgen, dass kein dauerhafter Ersatz kommt, sondern nur je nach Verfügbarkeit.
Und mit längeren Buchungszeiten meine ich, dass z.B. in Gegenden wo kürzere Buchungszeiten üblich sind durch weniger Kinder am Nachmittag der Betreuungsschlüssel gut klingt, aber in der Kernzeit von 8 bis 14 Uhr sieht es nicht wirklich besser aus.
Natürlich würden solche Effekte nicht den kompletten Unterschied zur Folge haben, die Frage die ich mir stelle ist, ob sowas zumindest die Unterschiede dramatischer wirken lässt als sie tatsächlich sind.
Hier wäre
Wenn Vollzeit- und Ganztagsbetreuungsäquivalente der Rechnung zugrunde liegen, dann spielen Buchungszeiten keine Rolle.
Und die etwaigen Verwaltungsstellen einzelner Träger würden wohl nur dann ins Gewicht fallen, wenn die regionale bzw. bundeslandbezogene Trägerstruktur große Unterschiede aufwiese. Halte sowas aber ohnehin eher für die Ausnahme, sodass das meines Erachtens kaum bis gar nicht ins Gewicht fiele. Auf die eine oder andere Art würde sich das bei einem Bundesländervergleich - und um den ging’s hier ja - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit rausmitteln.
In der oben verlinkten Quelle ist von einem Zeitanteil von 75 % Arbeit mit Kindern des pädagogischen Personals die Rede. Kitaleitungen mit Sicherheit viel weniger, einfache Erzieherinnen und Erzieher dann im Schnitt wohl etwas mehr.
pbf85
94
Es ist doch schon etwas ein Unterschied ob man sehr homogene Buchungszeiten hat oder ob diese sehr heterogen sind. Nehmen wir die Kita bei K2 als Beispiel, da werden wenige Kinder um 12 geholt, mehrere um 14 Uhr, dann leert sich die Kita rasch bis 14:30 und dann sind noch 1-2 Kinder bis 15:30 (oder 16:00) da. In den Durchschnitt fließt aber auch die Zeit von 14:30 bis 15:30/16:00 mit ein.
Natürlich reden wir hier nicht über extreme Einflüsse, aber ich bekomme aktuell mit, dass z.B. an Schulen oftmals ausgefallene Unterrichtsstunden nicht gemeldet werden. Somit erscheint der Unterrichtsausfall in den Statistiken dann relativ moderat. Es hat aber mit dem tatsächlichen Zustand der Schulen reichlich wenig zu tun. Ich weiß nicht ob das in allen Bundesländern ähnlich gehandhabt wird, aber wenn nicht, dann verzerren solche Effekte schon auch Statistiken.
Gleiches wäre z.B. denkbar durch unterschiedliche Erfassung von Krankheit bei Erziehern.
Du hast natürlich recht, dass sich oftmals Effekte rausmitteln, aber eben nicht komplett wenn tatsächlich grundlegend andere Strukturen vorhanden sind, wie z.B. dass in Bayern viele kleine Einrichtungen von der Kirche betrieben werden und sich die Einrichtung autark organisiert. Damit steigt natürlich der Verwaltungsaufwand auch gegenüber einer Einrichtung die von einem Träger im Verbund mit weiteren Einrichtungen organisiert wird.
Bei deinem Beispiel würde ich davon ausgehen, dass die Arbeitszeiten am Kind auch so gelegt werden, dass in den Nachmittagsstunden auch weniger Personal dafür vorgesehen ist. Viele Erzieherinnen und Erzieher arbeiten ja ohnehin Teilzeit. Dann können einige in der Zeit ihre Verfügungszeit für andere Dinge nutzen, andere sind dann schon früher wieder zuhause und wieder andere haben vielleicht noch Elterngespräche.
Die stehen sich ja nicht zu dritt die Beine in den Bauch, wenn nur noch zwei Kinder da sind.
Aufgrund von verbreitetem Personalmangel müssen die meisten Kitas ohnehin so planen, dass die Ressource Arbeitszeit bestmöglich auf die Arbeit mit den Kindern bei entsprechender Abdeckung von „Stoßzeiten“ verteilt wird.
pbf85
96
Nein, aber man hätte Stunden mit 2:1.
Ich habe es mal durchgerechnet und für meine Einrichtung spielt das tatsächlich eine Rolle und würde den Schlüssel um ca. 0,2-0,3 verändern wenn mehr Kinder länger bleiben würden, aber gerade so viele, dass das von einer Kraft gemacht werden kann.
Da es aber eine sehr kleine Einrichtung ist und der Effekt bei größeren Einrichtungen nicht so groß ist kann man das im allgemeinen dann doch vernachlässigen.
Falls es aber eine unterschiedliche Handhabung bei (länger) kranken Kräften gäbe würde das wohl deutlicher ins Gewicht fallen. Keine Ahnung ob das überall gleich gehandhabt wird.
Passend zu Debatte: Ein Beitrag von Marcel Fratzscher (DIW Berlin) bei LinkedIn zeigt auf, wie stark Kitanutzung und der Lohn für Frauen (#Gender Pay Gap) korrelieren.
https://www.linkedin.com/posts/marcel-fratzscher_kita-gender-bayern-ugcPost-7220082711518998528-M_0c/
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Der Genderpaygap könnte natürlich im Osten auch deshalb niedriger sein, weil der Lohn im Osten allgemein geringer ist.
Topjobs verteilen Männer eben gerne an ihresgleichen.
Und da gibt es im Osten weniger.
Gehaltsatlas 2019
Gehaltsatlas 2019
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ped
99
Aus dem selben Grund, warum auch die Schule und der Universitätsbesuch für alle kostenfrei ist: weil die Gesellschaft ein immenses und wissenschaftlich gut fundiertes Interesse hat, dass
alle Kinder möglichst gut gefördert und ausgebildet werden. Und aus meiner Arbeit als Schulelternsrpecher kann ich berichten, dass es auch bei Kindern aus gutbürgerlichen Familien immer wieder vorkommt, dass denen Erziehung und Förderung außerhalb des Elternhauses gut tut.
Hinzu kommt, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von staatlichen sozialen Leistungen steigt, wenn alle in den Genuss dieser Leistungen kommen. Es ist politisch erheblich einfacher zu vermitteln, dass ein sozial schwaches Kind einen Kitaplatz umsonst angeboten bekommt, wenn auch ein Millionärskind Anspruch auf diesen Platz hat.
Darum: Die Bundesregierung sollte ein Gesetz verabschieden, nachdem Ganztagsbetreuungsplätze grundsätzlich umsonst angeboten werden müssen (Essensgeld muss darin nicht unbedingt enthalten sein). Ab welchem Jahr, darüber kann man sicher reden, aber pädagogisch wäre es gerade bei sozial schwachen Familien total sinnvoll, möglichst früh eine Betreuung anzubieten.
Das müsste dann natürlich auch aus dem Bundeshaushalt entsprechend finanziert werden (vielleicht mit einer Beitragskomponente der Kommunen und Länder)
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Parallel müsste sie aber eine Kampagne fahren, um den Unternehmern mal klar zu machen, dass sie von guter Ausbildung profitieren und mit ihren Unternehmenssteuern dazu einen wichtigen Beitrag leisten.
Denen scheint das nämlich nicht klar zu sein.
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LagEr
101
Wir reden hier immer noch von Kita-Kindern. Die „gute Ausbildung“ bedeutet hier eher eine Entlastung der Eltern, als die Vorbereitung auf den Beruf.
Das Handelsblatt sieht das anders.
pbf85
103
Nein. Man muss sich nur mal Grundschullehrern unterhalten. Die Defizite vieler Kinder in diversen Bereichen lassen sich in der Grundschule kaum mehr kompensieren.
Angefangen bei Sprache (nicht nur bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache), Fähigkeit sich in einen Ablauf zu integrieren, einer Sache zu Folgen, etc.
Entwicklung ist halt doch ein kontinuierlicher Prozess und beginnt nicht erst in der Schule.
Kitas als Ort der Verwahrung zu sehen, damit die Eltern Zeit für sich oder die Arbeit haben greift da doch deutlich zu kurz.
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Wir hatten vor einiger Zeit mal einen Thread zum Thema Chancengleichheit. Ich hatte darin mal die Ifo Studie ein Herz für Kinder verlinkt.
Darin wurde festgestellt, dass schon die Kita Jahre einen deutlichen Effekt auf die Bildungs- (und damit Karriere)chancen haben.
Vielleicht schaust du da mal rein?
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LagEr
105
Ich bin deshalb verwundert, weil westlich der Elbe das Thema Kita eher eine noch die Ausnahme als die Regel ist. D.h. Kinder in den Altbundesländern hätten seit Jahrzehnten Startschwierigkeiten ins Leben, weil vornehmlich die Mütter die ersten Lebensjahre die Betreuung übernommen haben. Offensichtlich kann man doch sehr viel in der Schulzeit aufholen…
pbf85
107
Du meinst mit „Kita“ die Krippe im speziellen?
Weil Kindertagesstätte ist ja auch ein gängiger Überbegriff für Krippe, Kindergarten und Hort.
Aber selbst wenn wir dein Argument nur auf Krippen anwenden. Auch dort ist ein Nutzen für viele Kinder über die Aufbewahrung hinaus gegeben. Und der dürfte im Durchschnitt bei denen die sich den Krippenplatz nur schwer leisten können sogar deutlich höher sein als bei denen wo das finanziell kein Problem wäre.