Zur Bestätigung folgende Quelle: https://www.spiegel.de/panorama/bildung/studierendenwerk-kritisiert-hohen-zinssatz-a-cc1a855f-6031-44ba-971d-b683073a0a46

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Würde spontan zustimmen, dass >= 8% gefühlt schon sehr hohe Zinsen sind.

Die KfW begründet dies mit dem Anstieg des Euribor. Der Euribor für 12-Monate liegt aktuell bei knapp über 4%. Die Entwicklung des Euribor findest Du hier.

Also liegt die KfW ziemlich genau 4% über dem 12-Monats-Euribor. Wenn Du Dir die früheren Werte anschaust, siehst Du, dass dies zu Coronazeiten auch so war. Insofern ist die KfW zumindest bei gleichem Risikoaufschlag geblieben.

Ob 4% Risikoaufschlag angemessen sind… zumindest stellst Du als Student(in) ein hohes Risiko dar: kein Einkommen, kein Vermögen, keine Sicherheiten, Mittel sind zur freien Verfügung / Konsum etc. Das Risiko für eine Kreditausfall ist sicherlich nicht niedrig, weshalb Dir viele andere Banken erst gar keinen Kredit geben.

Nutze am besten die vorlesungsfreien Zeiten für mehrwöchige Jobs, damit solltest Du pro Monat 2-3 Monate finanziert kriegen, da Du keine Steuern / Sozialabgaben zahlen musst (wenn sich da nichts geändert hat) bzw. diese in Einkommensteuererklärung zurückholen kannst.

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Hier nochmal der neue Beitrag. Ich werde dort auch den neuen Zinssatz, der am 01.10. kommt, veröffentlichen.

Wie auf der Website der KfW zum Studienkredit beschrieben, gab es stets die Option auch einen Zinssatz für mehrere Jahre festzulegen. Somit hätte jeder Student die Möglichkeit gehabt das Zinsänderungsrisiko abzuschwächen. Dies ist auch ein übliches Verfahren bei z. B. Immobilienkrediten. Die wenigsten würden einen Immobilienkredit ohne Zinsbindung oder nur von < 10 Jahren aufnehmen.

Wie der Website zum Stand 01.12.2021 entnommen werden kann, waren es damals 4,60 % eff. Zinssatz auf 5 Jahre.

@Daedalus Das stimmt nicht bzw. stimmt nur für einen Teil der Studierenden und steht anders auf der von der dir verlinkten Seite. Ein Festzins ist nur für die Rückzahlungsphase möglich. Solange ausgezahlt wird (bis zu 14 Semester) greift der variable Zinssatz. Auch in der Karenzzeit fällt der variable Satz an. Beim KfW-Studienkredit sind keine großen Einmalzahlungen von mehreren tausend Euro möglich. Es ist nur eine monatliche Auszahlung von maximal 650 € möglich. Die Zinsen werden direkt von der Auszahlung abgezogen, sodass real viel weniger von der Auszahlung übrig bleibt. Brauche ich 500 € muss ich den Kredit erhöhen, um wirklich 500 € zu bekommen. Erst nach dem Grundstudium (meist 3 Jahre) kann ein Zinsaufschub beantragt werden. Die Belastungen sind also real spürbar und hätten nicht durch die vielen Studierenden vermieden werden können, die aktuell noch Auszahlungen erhalten.

Ich hatte damals ja schon die Logik zu den Zinsen der KfW erläutert, siehe oben.

Ob die gut und richtig ist oder nicht kann man sicher diskutieren. Aber was ist denn Deine Erwartungshaltung an einen staatlichen finanzierten Studienkredit?

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Zinssatz knackt 9%. Unfassbar.

@Hardtware Erwartungshaltung an den Studienkredit: Ein Kredit, der die Investition in Bildung nicht bestraft, sondern ermöglicht, der anspornt, ohne zu überfordern, der studieren erleichtert und nicht erschwert, der mich studieren lässt und nicht davon abhält. Eine Deckelung der Zinsen. Das Argument „dafür ermöglichen wir allen ohne Sicherheiten“ seitens der KfW, zieht für mich nicht. 2008 ging es, in Corona ging es. Für mich ist es eine Frage der Prioritäten. Und ja, ich bezahle gerne Zinsen, schließlich leihe ich mir etwas, das ich nicht habe. Aber 9 % sind unverantwortlich.

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Hallo zusammen,

betroffene Studenten versuchen sich zu organisieren. Dazu existiert eine Whatsapp Gruppe.

Tritt gerne bei, wenn du mitmachen möchtest.

Das Thema bekommt immer mehr mediale Aufmerksamkeit.

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/rekordzinsen-fuer-studienkredit-bundesbildungsministerin-stark-watzinger-soll-kfw-zu-zinssenkung-draengen-/29424768.html

Unsere Bildungsministerin sagt, man könne da nichts machen. Die KfW sehe keine Möglichkeit die Zinsen zu senken und für eine Zinssubvention sei kein Geld da.

Derweil bekommen Hausbauer für klimafreundliches Bauen 150.000 € zu 0,3 % plus 30 % Tilgungszuschuss, wie in der neuen Lage berichtet. Ich finde das richtig, aber…!

Für die Studenten ist einfach keine Lobby da. Wenn die KfW, obwohl sie ja nicht gewinnorientiert arbeitet, es nicht schafft, einen Studienkredit zu einem Zinssatz anzubieten, der unter dem Zinsniveau der Geschäftsbanken liegt, dann ist sie obsolet.

Übrigens wurde während Corona überall an den Hochschulen für den KfW Studienkredit zu 0,0 % Zinsen geworben. Das fällt jetzt auf viele Student*innenfüße.

Mein konkreter Fall bedeutet, dass ich jetzt für ein KfW Darlehen von 31.200 €, bei einer Tilgung von 400 € monatlich, 24.921,86 € Zinsen zahlen soll. Nach Beendigung meines Referendariats muss ich demnach 400€ monatlich für die nächsten 117 Monate zahlen. Das geht als Lehrkraft zwar, wirft aber meine ganze Familien- und Eigentumsplanung über den Haufen. Die nächsten 10 Jahre gebe ich rund 10-15 % meines monatlichen Einkommens der KfW.

Für mich bleiben die Optionen der Umschuldung, Geld von der Großmutter leihen oder Privatinsolvenz. Danke Omi!

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Könntest du denn auch mehr monatlich zurückbezahlen?
Zum Beispiel alles was du nach dem Referendariat mehr verdienst im Vergleich zu jetzt. Also ca. 1500 €. Dann hättest du den Kredit nach 2,5 Jahren abbezahlt :slight_smile:
Unabhängig davon, finde ich auch, dass der Zinssatz niedriger sein sollte! Auf dem BAFÖG Kredit zahlt man doch auch keine Zinsen oder?

Ja ich kann mehr zurückzahlen, 1000€ schaffe ich wahrscheinlich. Die 400€ waren der ursprüngliche Plan. Das wirft halt meine Lebensplanung sehr durcheinander. Ich habe eine kleine Familie.
Ich kenne allerdings viele andere KfW Kunden, die wegen der hohen Zinsen an Privatinsolvenz denken.

Habe ich an der Hochschule bei mir vor Ort auch mitbekommen. Die Werbung der KfW suggeriert meiner Meinung nach, dass der Kredit nicht nur einfach zu bekommen ist, sondern auch keinerlei Risiken hat. Ja, man kann natürlich argumentieren, dass die Studierenden sich informieren und das Kleingedruckte gut lesen müssen etc. aber für mich entsteht hier auch der Eindruck, man helfe den Studierenden ja nur. Die Risiken werden nicht deutlich genug aufgezeigt. Man kann nur jedem raten Finger weg von dem Kredit. Ich habe zu Studizeiten zum Glück Bafög bekommen. Das konnte ich auf einmal zurückzahlen und habe dafür sogar noch einen Rabatt bekommen. Eine Bafög Reform wäre dringend notwendig.

Ein weiterer sehr guter Beitrag zum Thema von detektor.fm.

Die Bildungsministerin hatte keine Zeit für ein persönliches Gespräch. Die KfW sehe keine Chancen anzupassen, der Bundeshaushalt gebe keinen Spielraum. Das Studierendenwerk spricht von einem sozialpolitischen Skandal.

Podcastfolge zum Beitrag findet sich unter „Zurück zum Thema“ von detektor.fm bei Spotify.

Hi Leolin,
bei mir funktioniert der Spotify link leider nicht. Kannst du kurz den Podcast Titel und die Folge ins Forum posten? Danke :slight_smile:

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Man zahlt imho auf das Standard-Bafög keine Zinsen. Erst wenn man dann im Zahlungsverzug ist. Das war der letzte Stand meines Wissens.

Die FDP redet zwar immer von Chancengleichheit, aber das ist hier keine Chancengleichheit.
Ggf im Ausland einmal schauen. Als EU-Buerger bekommt man in anderen Ländern auch Studienkredite, z.B. Schweden, Dänemark. Beide Länder haben gute Unis und bieten Kurse in Englisch an.

Podcast: Zurück zum Thema

Titel: Sind staatliche Studienkredite eine Schuldenfalle?

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Man konnte zu meiner Zeit aber auch eine Aufschiebung und/ oder Pause beantragen, falls das Einkommen zu noch zu gering war. Ich habe das ganz am Anfang einmal gemacht und das ging ohne Probleme. Da wurden nicht mal Zinsen fällig. Kann natürlich sein, dass das heute anders ist.

Achtung, Verwechselungsgefahr!
Auf „normales“ Bafög für Studierende gibt es keine Zinsen und für den Darlehensteil Stundungsmöglichkeiten bei geringem Einkommen, dieses Bafög erhalten jedoch nur 11% [Quelle: (Studienfinanzierung: Elf Prozent der Studierenden beziehen Bafög - Forschung & Lehre)] aller Studierenden. (z.B. weil die Eltern „zu viel“ verdienen, die Fachrichtung zu spät gewechselt wurde oder der Leistungsnachweis nicht vorgelegt werden konnte.)

Ein Studienkredit von der KfW ist eine gänzlich andere Form der Studienfinanzierung und steht einer größeren Gruppe offen, dafür jedoch mit denen im Thread kritisierten Zinsen.

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https://www.bafög.de/bafoeg/de/das-bafoeg-alle-infos-auf-einen-blick/einzelfragen-der-foerderung/wie-funktioniert-die-rueckzahlung/wie-funktioniert-die-rueckzahlung_node.html

  • Zahlpausen sind möglich. Wer nicht mehr als 1.605 Euro monatlich verdient, kann einen Antrag auf Aussetzen der Rückzahlung stellen. Sind Ehepartner, eingetragene Lebenspartner oder Kinder mit zu versorgen, kann sich dieser Betrag erhöhen. Das Darlehen bleibt auch in diesem Fall weiterhin zinsfrei.

Es handelt sich nur um Rückstandszinsen, wenn man in Zahlungsverzug kommt. Sonst ist das Bafög zinslos.

Vielleicht auch als Anmerkung: Man kann auch immer früher zurückzahlen und bekommt einen Reduzierung, auch zwischendurch.

Lieber Ulf @vieuxrenard, lieber Philip,

Als treuer Hörer würde ich euch heute gerne ein Thema vorschlagen bzw. euch auf ein aktuell brennendes Thema aufmerksam machen. Die KfW vergibt seit Jahren einen Studienkredit, der keine Zinsbindung hat, sondern auf den Euribor (der Zins, unter dem sich Banken untereinander Geld leihen), einen Zinssatz von knapp 3,8 Prozent aufschlägt. Das war solange kein Problem, wie wir einen Null-Zins hatten, doch durch die Zinserhöhungen der vergangenen zwei Jahre müssen Studierende nun den Kredit mit einem Zinssatz von 9% zurückzahlen.

Ich frage mich, ob das politisch gewollt sein kann und nicht ein grundlegendes Problem darstellt. Der Kredit soll jungen Menschen, die sich ihr Studium außerhalb des Elternhauses finanzieren wollen oder müssen, helfen und ihnen nicht Steine in den Berufseinstieg legen. Aus ökonomischer und politischer Perspektive sollte fraglich sein, ob dies einen positiven Einfluss hat. Ökonomisch könnte dies die Kaufkraft von 85.000 Studierenden, die bald in den Beruf starten, abwürgen. Politisch, kann es bedeuten, dass junge Wähler sich durch die Vielzahl der Krisen, die sie belasten vom Staat im Stich gelassen fühlen und das Vertrauen in die Politik verlieren. Natürlich kann man hier keine Kausalitäten herleiten, allerdings könnte dies eine Antwort auf die Frage sein, warum die AfD auch bei jungen Wählern einen solchen Zuwachs hat.

Ich fände es spannend, wenn ihr das Thema der steigenden Zinsen für Studienkredite mal im Kontext von politischen Akteuren, Parteien und Regierungen im Verhältnis zur jungen Generation beleuchtet. Momentan liegt da ja einiges im Argen, wie bei den Themen Bildung, Jobperspektiven, finanzielle Belastungen und allem voran beim Klima. Natürlich sind wir Jungen keine ausschlaggebende Wählergruppe in Zeiten des demographischen Wandels, aber wer zukunftsorientierte Politik betreiben möchte, sollte nicht jetzt schon die nächste Generation an Wählern vergraulen.

Als Disclaimer weise ich noch darauf hin, dass ich selbst von der Zinserhöhung betroffen bin.

Hier auch einen kurzen Artikel dazu aus der Tagesschau:

Ich würde mich freuen von euch zu hören.

Beste Grüße
Konrad

Sehr spannend! Gerne würde ich auch erfahren, inwiefern politische Akteure eigentlich Einfluss nehmen können auf die Zinsen der KfW. Der Status der KfW ist ja ein besonderer als Förderbank.

Ebenso frage ich mich, ob diese Forderung nur für Bereitstellungszinsen oder auch für Zinsen in der Rückzahlungsphase gilt.

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