Keine Impfung für Genesene?

Hallo,

ich habe heute von einer Kollegin erfahren, dass ihre Mutter, die in einem Pflegeheim arbeitet, über Weihnachten Corona hatte und bis Anfang Januar wieder genesen ist. Es gab wohl auch Fälle in dem Pflegeheim, glücklicherweise ist wohl niemand gestorben. Nach dem „Bericht“ sind mir zwei Dinge aufgefallen:

  1. Nachdem Sie symptomfrei war, durfte Sie wieder arbeiten gehen ohne einen weiteren Test machen zu müssen. Ich kann noch verstehen, dass man das so handhabt, wenn „x-beliebige“ Personen betroffen sind, aber tue mir schwer das nachzuvollziehen bei Personen, die in so kritischen Berufsfeldern wie der Altenpflege tätig sind.

  2. Als Pflegekraft fällt sie unter Kat. 1 und könnte momentan geimpft werden. Da sie aber bereits infiziert war, wurde ihr auf Nachfrage die Impfung verweigert. Begründet wird dies mit der Immunität, die sich durch die Infektion aufbaut. Da man ja gelegentlich von Neuinfektionen hört, war ich erstmal überrascht. Ich habe diesen Artikel (Wie hoch ist das Risiko einer zweiten Corona-Infektion? | MDR.DE) gefunden, der auch einige Studien zum Neuinfektionsverhalten von Corona zitiert und meine Zweifel an der Richtigkeit dieses Verfahrens erstmal etwas entkräftet hat. Allerdings wird gerade in der Siren-Studie eine 86%ige Immunisierung festgestellt (was jetzt erstmal nicht so hoch erscheint), wobei die Vergleichbarkeit dieser Studie und der Immunisierung durch den Impfstopf wohl nicht ganz gegeben ist. Zusätzlich kenne ich einige Personen die vermutlich Corona hatten ohne sich haben testen zu lassen. Da sie es nicht schwarz auf weiß haben, werden sie wohl trotzdem geimpft (was ja einen Anreiz schafft die ehemalige Ansteckung zu verschweigen?)

Ich bin mir nicht sicher wie ich dieses Verfahren einordnen soll und mich würde mal interessieren was ihr dazu sagt?!

Nicht zu impfen ist STIKO Empfehlung. Es wird davon ausgegangen, dass Reinfektionen bisher selten auftreten und daher ein natürlicher Immunschutz besteht. Allerdings mit der Einschränkung, dass noch nicht bekannt ist, wie gut/lange die natürliche Immunität anhält.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde bezieht sich auf die mRNA Impfstoffe und empfiehlt genau das Gegenteil, dass eine durchgemachte Infektion kein Entscheidendungskriterium seien soll, da es sicher ist, bei bereits bestehender Immunität durch Infektion zu impfen. Angesichts des bislang noch geringen verfügbaren Impfstoffmenge wird allerdings gebeten zumindest eine Verschiebung in Erwägung zu ziehen.

https://www.cdc.gov/vaccines/covid-19/info-by-product/clinical-considerations.html

Die Begründung für dieses Vorgehen ist, dass man davon ausgeht dass nach durchgemachter Infektion noch eine ganze Zeit lang eine Besiedlung der Schleimhäute vorliegen kann, allerdings in so geringer Zahl, dass in der Regel nicht mehr von einer Infektiösität auszugehen ist. Diese Besiedlung könnte allerdings noch einen positiven PCR-Test auslösen. In diesem Szenario macht es unabhängig vom Beruf oder Risiko der Person keinen Sinn einen erneuten Test durchzuführen weil der Test nicht mehr die zentrale Frage der Infektiosität beantwoten kann.

Das war so zumindest die Aussage des örtlichen Gesundheitsamtes als eine Kollegin von mir in ähnlicher Lage die Frage gestellt hat.

„Als Pflegekraft fällt sie unter Kat. 1 und könnte momentan geimpft werden. Da sie aber bereits infiziert war, wurde ihr auf Nachfrage die Impfung verweigert. Begründet wird dies mit der Immunität, die sich durch die Infektion aufbaut.“

Einer von Covid-19 genesenen Kollegin (Pflegekraft an einer HPT-Einrichtung) meiner Mutter, wurde beim Impftermin in der Einrichtung zunächst auch die Impfung verweigert. Und das, obwohl sie Testergebnisse und Attest vorweisen konnte, aus denen hervorgeht, dass sie keinerlei Antikörper im Blut hat. Das Impfteam bestand aus drei Ärzten, von denen zwei die Impfung verweigerten, der dritte jedoch letztendlich zustimmte, sie zu impfen. Es scheint also teilweise im Ermessen desjenigen zu liegen, der die Dosis verimpft?

Allgemein erwarte ich dass eine 3te Impfung dieses Jahr benötigt wird. Weil es scheint das unseren jetzigen nicht so effektiv gegen dein P1 und B1.351 sind.

Siehe hier Karl Lauterbach’s Meinung dazu.

Aber das gute Nachricht heißt schon dass die mRNA-Technologie macht es relativ leicht und schnell angepassten Impfstoffe zu entwickeln.

Wir sollten auf jeden Fall die bestehenden Produktionskapazitäten für Impfstoffe in der EU in Bereitschaft halten, nicht nur für diese Pandemie, sondern auch für die kommenden. Wir sollten auch zum Selbstkostenpreis in den Rest der Welt exportieren - Covid19 wird nur besiegt werden, wenn die ganze Welt geimpft ist.

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Ich studiere Immunologie und bin deshalb selbst erstmal davon ausgegangen, dass eine Impfung nach der Genesung nicht notwendig ist. Science Friday berichtet aber dass die Immunität des Körpers nicht sehr lange anhält und deswegen auch Genesene geimpft werden sollen, um eine längere Immunität zu erwirken. Generell gilt: je öfter du einem Organismus begegnest, desto besser ist deine Immunabwehr gegen diesen Organismus. Die Impfung kann also bei Genesenen, die nur eine leichte Infektion hatten auch dazu führen, dass diese ihre Immunabwehr verstärken (so als würde man sie auffrischen).

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