Ich bezog mich auf die von Ihnen angesprochene künstliche Verknappung. Die Eigentümer der Produktionsanlage könnten sie nicht auf 100% laufen lassen, eben weil man den längeren Betrieb den Kunden kontinuierlich in Rechnung stellen kann. Das gilt umso mehr, wenn die Anlagen nur für den einen Zweck errichtet werden, und kein „zweites Leben“ bekommen können.

Ich habe nie behauptet, dass wir hier konsistente Blöcke hätten. Dieser Beitrag lässt allerdings eine Segmentierung erkennen. Ob da protektionistische Tendenzen eine Rolle spielen sei dahingestellt. Zu Ihrer Behauptung, die Impfstoffe würden „weltweit“ eingesetzt, habe ich nichts finden können. Bei Quelle ändere ich gern meine Meinung.

Sie sprechen von Wettbewerb, wo auf Angebotsseite EU-weit bisher zwei, seit kurzem drei Hersteller „konkurrieren“ können. Recht überschaubares Angebot. Wichtige Informationen der Konkurrenten (bestellte Mengen) sind den Wettbewerbern bekannt, die Absatzzahl ist quasi fest. Wenige Konkurrenten, keine Ersatzprodukte. Dazu kommt ein Klima von Frustration (wg Lockdown), Verzweiflung (in ermangelung alternativer Strategien), und seit Portugal evtl. blanker Furcht auf Nachfrageseite. Sie sind ja vom Fach, Sie können wohl besser beurteilen, ob das nun funktionierender Wettbewerb ist. Es klingt für mich halt nicht danach.
Was den first move advantage angeht: Es ist doch ausreichend, die Produktionskapaziäten unter diesem Vorsprung zu schaffen. Sie auch zu nutzen steht doch auf einem anderen Blatt. Gerne korrigieren, falls das nicht stimmt.

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Die Kunden zahlen nicht für Betriebsstunden, sondern für die Anzahl der Dosen.

Der Artikel vom mdr spiegelt lediglich die Historie ganz am Anfang der globalen Impfstoffproduktion wieder.

Es gibt insofern ein Protektionismus, dass die USA den Herstellern von Corona-Impfstoff untersagt hat, in den USA produzierten Impfstoff zu exportieren (selbst Impfstoff für Kanada kommt aus Europa). Das, und die Notzulassung (auf die die EU aus gutem Grund bewusst verzichtet hat), ist der Grund, warum die USA beim Impfen schon weiter ist. Israel ist schon sehr viel weiter, weil es für BioNTech extrem interessant ist, die Studiendaten über die Impfung zu bekommen: Isreal hat eine kleine Bevölkerung, nur vier Krankenversicherungen, einen voll durchgigitalisierten Gesundheitssektor und BioNTech für eine bevorzugte Belieferung die kompletten Impf-Daten (natürlich anonymisiert) zugesichert. Warum England schon so viel weiter ist, habe ich nicht nicht begriffen; deren Notzulassung mag ein Teil davon sein, erklärt aber nicht, warum die offenbar überproportional mehr beliefert werden. Ob es tatsächlich die angeblich höheren Preise sind, kann ich nicht sagen. Der bekannte Vertrag der EU mit AstraZeneca oder Curevec spricht eher dagegen.

Das die chinesischen und der russische (und, ich glaube, auch der indische) Impfstoffhersteller weltweit vertrieben, können Sie der Presse entnehmen und leicht googlen. Eine Quelle für meine Behauptung in Bezug auf die Hersteller BioNTech, Modena, AstraZenika etc. habe ich noch nicht. Warum aber sollte z.B. BioNTech nicht weltweit vertreiben wollen? Wenn Sie mir dafür einen vernünftigen Grund geben, fange ich gern mal an zu recherchieren.

Das sehe ich auch so: Der Wettbewerb funktioniert sehr gut:

  1. Forschende Pharmafirmen und Universitäten haben im 1. und 2. Quartal letzten Jahres über 200 Impfstoffprojekte aus dem Boden gestampft und daraus sind innerhalb weniger als einem Jahr wenigstens ein halbes Duzend gut wirksame Impfstoffe geworden. An weiteren Impfstoffe, die vielversprechend sind, wird gearbeitet.
  2. Dank verbindlicher Bestellungen haben diese Pharmafirmen, z.T. über konkurrierende Produktions-Partner innerhalb weniger Monate Produktionskapazitäten aufgebaut, was normaler Weise über ein Jahr dauern würde.
  3. Zum „überschaubaren Angebot“: Sie übersehen den intertemporalen Wettbewerb: Die Erwartung, dass weitere Wettbewerber bald auf den Markt kommen (und das ist ja bereits klar erkennbar), entfaltet eine sehr intensive Wettbewerbsdynamik. Es geht darum, möglichst viele Bestellungen so schnell wie möglich zu befriedigen, um Kunden zu binden.

Really?!? Pharmafirmen verzögern absichtlich die Produktion des Impfstoffes und lassen daher die Produktionsstrassen unterausgelastet? Sorry, aber ich bin dann mal weg …

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Leider Picken sie sich ein Korn aus

Der Staat sollte regulierend eingreifen und im Zweifel auch für die Unternehmen unwirtschaftliche Produktionsanlagen finanzieren um die Impfstoffe schneller zur Verfügung zu stellen

heraus. Das mit den Produktionsanlagen war nur beispielhaft, wo der Staat regulierend eingreifen könnte.
Eine Quelle für meine steile These ist z.B.

Oh ich gehe stark davon aus, dass das gewollt ist. Was Unternehmen vielleicht wollen ist aber doch Phantasie.
Gerne noch einmal: Es geht nicht darum, welche Unternehmen nun konkret wo auf der Welt vertreiben, oder es planen zu tun. Es geht darum wieviele gegenwärtig in den durchaus abgrenzbaren Märkten de facto verkaufen. Und ob diese (geringe?) Zahl der aktiven Wettbewerber negativen Einfluss auf deren Marktverhalten hat.

  1. und 2. bezweifle ich nicht.

Knappe Produkte lassen sich teurer verkaufen. Das gilt umso mehr, wenn die Nachfrage zwingend gegeben ist. Ich habe aufgezählt warum die Gegebenheiten u.U. dazu einladen. Ganz konkret mal bitte: Wieso sollte ich das als Pharma-Firma nicht wollen? Ich krieg ja sogar Infos über den Absatz der Konkurrenz!
Sobald tatsächlich neue Wettbewerber in meinen kleinen Markt eintreten (und die Barrieren sind hoch), muss ich nichts tun als die Produktion hochzufahren. Bis dahin kann ich meine Marktstellung schön ausnutzen.
Und again, diese Kunden sind verzweifelt, kaufen im Zweifel auch zu überhöhten Preisen.

Ich freue mich wirklich auf Ihre Expertise dazu.

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Das halte ich jetzt aber für eine sehr steile These. Als wenn für die paar hundert Millionen ein vollständiger Impfstoff entwickelt wurde. Wenn ich das richtig verstehe, ist viel Geld als Zusage rein gegangen, damit die Hersteller schon vor dem Beweis der Wirksamkeit Produktionsstrassen aufbauen und auf Vorrat produzieren, das gesamte Know-How um den Impfstoff zu entwickeln und die damit verbundenen Milliardenkosten sind da meinem Verständnis nicht wirklich voll abgedeckt.

Mit deiner These wischt du die x Jahrzehnte, die die Firmen Mitarbeiter angestellt und bezahlt haben, Know How aufgebaut haben einfach weg.

Ich möchte mal sehen, wie in der nächsten Pandemie in solchen Zeiten vom Staat Impfstoffe hergestellt werden, ohne auf diese Ressource zurück zu greifen. Letztlich muss der Staat dann nämlich nicht nur die erfolgreichen Versuche bezahlen, sondern auch alle nicht erfolgreichen, die irgendwo unterwegs mit viel privaten Kapital finanziert wurden, und die dann irgendwann gescheitert sind.

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Wie gesagt: Ich bin raus …

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Allein die Tatsache, dass über die Förderung erst im September entschieden wurde, während die Universitäten und Pharmafirmen seit dem Frühjahr auf Hochtouren forschen, zeigt, dass diese These etwas zu steil ist

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ja, der Staat soll auch bei der Pandemie fordern, fördern, lenken und wo nötig regulieren. Immer da, wo der Markt „versagt“, d.h. zu von der Gesellschaft unerwünschten Ergebnissen kommt. In diesem Fall: Beschleunigung bei Forschung und Aufbau von Produktionskapazität. Das kann er am Besten (und hat er m.W. auch so gemacht), in dem er bei aussichtsreichen Impfstoffkandidaten verbindlich bestellt. Aber schon das Wort „aussichtsreichen“ zeigt das Dilemma: Wie sollen denn Angestellte oder Beamte des Staates entscheiden, welche meinetwegen 10 Impfstoffe wahrscheinlich eine Zulassung bekommen werden. In diesem Fall muss der Staat das Risiko einer Fehlentscheidung eingehen und die Gesellschaft muss das mittragen und nicht ex post „besserwissen“ „Warum habt Ihr nicht …“

Das Zeug ist bereits gekauft und bezahlt, es ist nur noch nicht produziert. Damit funktionieren klassische Begriffe aus der Betriebswirtschaft hier nicht. Das geht davon aus dass es ein Verhältnis von Angebot und Nachfrage gäbe. Solange der Impfstoff mit Sicherheitsunternehmen transportiert wird gibt es keinen echten Wettbewerb.

Der Punkt ist ja gerade, dass hier Menschen mit den falschen Qualifikationen am Werk waren. Es gibt so ein krasser Kontrast zwischen den Kosten für Impfstoffe und den Kosten die jede Dosis die wir nicht geliefert bekommen verursacht dass man einfach sagen muss, da ist der falsche Zeitpunkt zum sparen. Jedes neue Rettungspaket das beschlossen wird und jeder einzelne Tag im Lockdown übersteigt die Kosten für Impfstoffe. Wer da anfängt einen Rabatt und auszuhandeln und Treuepunkte haben möchte hat einfach den Schuss nicht gehört.

Das sieht die EU Kommision aber anders und hat sich auch dafür entschuldigt.

Nicht innerhalb von Wochen sondern eher Jahren. Das ist dann langfristig planbar. Und diese Impfungen sind nicht sonderlich wirtschaftlich. Das ist übrigens einer der Gründe warum am Anfang der Grippesaison kaum Impfstoff da ist - die Produktionskapazitäten sind nicht unendlich groß.

Wie gesagt ich hätte kein Problem damit das vernünftig zu vergüten. Von irgendwelchen Vertragsbrüchen halte ich nichts. Und ich möchte trotzdem noch einmal loswerden dass die Unternehmen hier keinerlei Risiko getragen haben und zwar von Anfang an. Die zugrunde liegende Forschung zahlt der Staat und die Kosten werden ebenfalls vom Staat erstattet. In diesen Fällen trägt hier die freie Marktwirtschaft keine Risiken und ist Begünstiger. In dem Fall von Diebstahl zu reden ist zwar vielleicht in der Ökonomie korrekt aber ich muss zugeben, dass mir das in so einem Fall schon Bauchschmerzen bereitet. Da eine Opferrolle einzunehmen steht den Unternehmen eigentlich moralisch nicht zu (und natürlich trotzdem - wenn das System es zulässt ist es trotzdem legal)…

Wohl eher nicht, wenn gleichzeitig die Konkurrenz einem die Marktanteile wegschnappt. Wieso denken Sie das?

Ich wollte hierzu nochmal eine Tweet nachschieben (wobei ich nicht nachrecherchiert habe, ob das, was ein FDP Bundesvorstand hier sagt, wirklich so stimmt):

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Kurzer Praxischeck:

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/guv-19-lp/schutzmv/faq-aenderung-schutzmv.html

  • 2 Euro Eigenbeteiligung pro 6 Masken ist um 66% günstiger als die nicht verfügbaren Angebote in Discountern
  • Die der logistische Aufwand und auch die Portokosten sind sicher nicht geringer wenn man die Masken direkt verschickt. Manche Orte machen das zusätzlich übrigens, ein manueller Prozess - dann muss man dafür Mitarbeiter abstellen. Bei der Bundeslösung hatten die Krankenkassen gesagt das sie die Verteilung logistisch nicht übernehmen können.
  • die Apotheken bekommen nur 3,15 Euro. Die 6 Euro (inkl. Umsatzteuer) basieren auf einer Marktuntersuchung der Preise bei Händlern im Oktober 2020, wo die entsprechend teurer waren.

Ich verstehe auch nicht warum man anhand dessen gegen „den Staat“ jetzt austeilt. Was für populistische Debatten, wo jeder erstmal mit falschen Zahlen behaupten könnte es gäbe eine einfachere Lösung. Was war denn der konkrete, besser umsetzbare Vorschlag der FDP gewesen? Wie hätte die FDP eben die Erstattung der Kosten einfacher geregelt, wenn nicht über eine Untersuchung wieviel am „Markt“ für die Masken gezahlt wird?

Meinetwegen kann man die Masken auch ohne Beteiligung und Nachweis verschicken / verteilen - aber das muss halt politisch vom Bund gewollt sein. Und ob das realistisch ist - andere Frage. Klingt alles einfach, bis man überlegt wie es im Detail abläuft.

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Weil die meisten Dosen bereits gekauft und bezahlt sind. Damit müssen die Firmen nur noch die Verträge erfüllen - wenn sie das schneller tun gibt es da nichts zu gewinnen, weitere Produktionskapazitäten sind allerdings teuer und damit nachteilig. Die Nachfrage von potentiellen Käufern ist in den Industrienationen nicht mehr unendlich groß, die Verträge sind geschlossen und damit die Joker verspielt. In anderen Ländern, die noch nicht mitbieten konnten weil wir zu egoistisch agieren, wird der Preis eine größere Rolle spielen und die Gewinnmarge entsprechend kleiner ausfallen…

Naja, normalerweise läuft das ganz einfach so, das man einem Lettershop die Adressen und die zu versendenden Dinge gibt und dieser die dann kuvertiert, etikettiert und in den Versand gibt. Das ist ganz einfach und zigtausendfach erprobt (und übrigens auch datenschutzkonform möglich, bevor jemand das Argument an den Haaren herbeizieht).

Bestellt, eine bestimmte Menge, ja. Bezahlt weiß ich nicht. Dazu kenne ich die Verträge nicht genau genug. Sie?

Konstruktive Lösungen sind doch seit einem Jahr out. Sich hinterher hinstellen und mit dem aktuellen Wissen sagen, was man vor Monaten hätte machen sollen reicht den meisten Kritikern vollkommen aus. Fragt man dann (gerne auch mal penetrant) nach (was die Presse leider viel zu selten tut), kommt außer Bullshit-Bingo nichts bei rum.

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Hier nochmal ein (von ntv eher überraschend) treffender Kommentar zur Frage, ob die Impfstoffentwickler Lizenzen zur Produktion der Impfstoffe vergeben müssten:

Nein, die Idee war aber die Abnahme zu garantieren und so das Risiko zu nehmen. Damit das seinen Zweck erfüllt muss so ewas schon bindend sein. Meinen Sie nicht?

Bindend ist aber nicht dasselbe wie Vorkasse.