Verschwörungsaffin sind v. a. die AfD-Wähler (s. diverse CeMAS-Publikationen).

Es hätte klappen können. Der Wahlkreis Potsdam I galt als sehr aussichtsreich für ein Direktmandat der Grünen. Die Kandidatin der Grünen landete mit etwa 3.000 Stimmen weniger auf Platz 2, hinter der SPD-Kandidatin, die direkt gewählt wurde. Hätten die Grünen das Direktmandat gewonnen, wären die Grünen bei gleichem Zweitstimmenanteil(!) in den Landtag eingezogen und die AfD hätte - nach jetzigem Stand der Auszählung - die Sperrminorität um einen Sitz verfehlt (29 statt 30 Sitze). Außerdem hätten SPD, CDU und Grüne eine Mehrheit gehabt.

Alles was es dazu gebraucht hätte, wäre eine Empfehlung der SPD in dem Potsdamer Wahlkreis, mit der Erststimme die Grünen zu wählen.
Ich glaube kaum, dass das die Demokratie oder das Parteienwesen in seinen Grundfesten erschüttert hätte, wie es einige hier befürchten - jedenfalls nicht annähernds so stark wie es die AfD nun mit ihrer Sperrminorität tun wird.

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Ein Problem ergibt sich daraus nicht. Natürlich darf eine Partei entscheiden, ob sie einen Direktkandidaten aufstellt oder nicht. Das macht auch Sinn, damit zum Beispiel zwei linke Kandidaten sich nicht gegenseitig Stimmen wegnehmen und dann der rechte Kandidat sich durchsetzt. Solange es keine Stichwahl gibt, wäre das sogar demokratischer als die jetzige Bestimmung.
Kandidaten, die keinerlei Aussicht haben, werden nur wegen Publicitygründen aufgestellt.

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Kann taktisches Wählen einen Impact haben?

Guten Abend aus Brandenburg.

Ja.

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Wenn man zu eindimensional denkt, kann es auch schief gehen.

Über diese Wahl wird lange gesprochen werden.

Die Posts sind überholt. Zwar gab es in Potsdam I ein starkes Splitting, aber wie schon erwähnt, nicht annähernd genug.
Und auch bei den Urnenwählern lagen die Grünen bei den Erststimmen fast 5% hinter der SPD - auch dass es nur an den Briefwählern gelegen hätte, ist also falsch.

Es hätte einen Effekt gehabt haben können.

Es hat definitiv einen Effekt gehabt - genauso wie in Sachsen.
Um eine AFD auf Platz 1 zu verhindern haben in einem Fall CDU, im anderen Fall SPD mehr Stimmen bekommen, als ihnen eigentlich zugestanden wären.

Woran misst man denn, wie viele Stimmen einer Partei „eigentlich zustehen“?

Hier gilt es m. E. zwei Ebenen von taktischem Wählen zu unterscheiden:
a) Zweitstimme für eine Partei, die man eigentlich nicht präferiert (hier für die SPD)
b) Erststimme für eine Partei, die man eigentlich nicht präferiert, aber Zweitstimme für die präferierte Partei
a) dürfte sicherlich für viele Leute sehr viel mehr Überwindung kosten als b).

Das ist die Menge, die sie ohne taktisches wählen bekommen hätte. Und messen könnte man die nur mit Umfragen, hat aber vermutlich keiner gemacht.
Dennoch wird keiner abstreiten, dass es solche Stimmen gab.

Ich glaube das übersteigt das politische Interesse und Wissen von den allermeisten Bürgern um Längen.

Und diese Aufforderung in diesem einen Wahlbezirk unters Volk zu bringen, ist nochmal eine ganz andere Herausfordungen, v.a. bei einer Kommunalwahl.

Im Pod save Amerika hat ein Wahlkampfmanager diese Woche beschrieben, wie schwer es teilweise ist die Menschen zu erreichen.
Einige relevante Wechselwähler konsumieren in der Woche 4min politische Nachrichten. Sprich die bekommen die ganz großen News mit, aber sicherlich nicht solche Details.

Ich würde das nicht so pauschal sagen - für viele Wähler gilt das sicherlich, aber sicherlich nicht für alle. Denn es hat ja beide Effekte in nennenswertem Ausmaß gegeben - also a) haben sich Leute für die SPD entschieden, auch wenn sie nicht von ihr überzeugt waren (so wurde es zumindest interpretiert, dass die SPD in den Umfragen seit den Wahlen in Sachsen und Thüringen nochmal so zulegen konnte) und b) gab es - etwa im Wahlkreis Potsdam I ein nennenswertes Stimmensplitting (Erststimme Grün, Zweitstimme SPD), zumindest bei den Urnenwählern

Das läuft für mich unter mitbekommen “der großen Storylines”.
Und diese war klar das Verhindern der AFD als stärkste Kraft (75% der SPD Wähler haben angegeben diese nur gewählt zu haben, um die AFD zu verhindern).

Und es haben halt wirklich Politikinteressierte mitbekommen und verstanden.

Das „nur“ ist nicht ganz korrekt. Die Formulierung lautete:

75 Prozent der SPD-Wählerinnen und -Wähler sind mit ihrer Partei zwar nicht zufrieden, wählen sie aber, um die AfD zu verhindern Quelle

Mir ist noch etwas anderes aufgefallen, bei der Prognose wie auch der ersten Hochrechnung lagen die Grünen bei 5%.
Da bei diesen Briefwähler nicht berücksichtigt werden, scheint es auch hier einen Effekt gegeben zu haben, der auf die Berichterstattung, dass es aufgrund zu hoher Stärkung der SPD für grün nicht mehr reichen könnte zurückzuführen sein könnte.
Da hatten die Briefwähler ihre Stimme aber schon abgegeben.

Die Grünen kannibalisiert, damit die SPD knapp vor den Nazis landet und mit den Putin-Faschisten ein Bündnis eingehen muss. Top Erfolg für die taktischen Wähler…

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Sollten nicht die Parteien im Wettbewerb um die besten Ideen konkurieren, statt als große Kungelrunde einzig das Ziel zu verfolgen, die AFD klein zu halten?

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Man sollte halt auch realtische Erwartungen haben. Wenn fast die Hälfte AfD und BSW wählt, kann man da allein mit Taktik nicht viel gegen machen. Aber nur ein wenig mehr Taktik in nur einem einzigen Wahlkreis hätte eine Regierung ohne die beiden möglich gemacht.

Dass die Grünen wenn überhaupt nur sehr knapp in den Landtag einziehen würden, war schon lange absehbar und nicht erst ein Ergebnis der „Sie oder ich“-Kampagne von Woidke. Insofern war der Einzug über ein Direktmandat schon immer der realistischere Weg für die Grünen. Zwar lagen die Grünen bei der Briefwahl stärker als bei der Urnenwahl (5,2 zu 3,6 %), aber erstens ist das fast immer so und zweitens war es bei der SPD genau so (32,0 zu 30,4 %). Dass es einen solchen „spontanen“ Effekt aufgrund der Berichterstattung in den letzten Wochen gegeben hat, ist also zumindest nicht so eindeutig.

Im Idealfall sorgt die Umsetzung guter Ideen dafür, dass eine destruktive Kraft wie die AfD gar nicht erst groß wird. Aber einen solchen Fall haben wir offensichtlich nicht (mehr). Und was spricht dagegen, einer Partei, die erklärtermaßen die demokratischen Spielregeln dramatisch verändern will, und die bekannt dafür ist, die Arbeit demokratischer Parteien nach Kräften zu torpedieren, so gut es geht von der Macht fernzuhalten, damit dieses Ringen um gute Ideen überhaupt weiter stattfinden kann? Sonst werden die „Ideen“ über die diskutiert wird, nämlich schnell noch grausamer als sie es jetzt schon sind.

Das Wort „Kungelrunde“ hat zudem ein ziemliches Geschmäckle. Es gehört ja auch zum Wesen von Demokratie, dass unterschiedliche politische Kräfte sich auf Vorhaben einigen. Genau das ist hier ein Stück weit passiert. Nicht mehr und nicht weniger. „Kungel“ klingt so, als sei das irgendwie ehrenrührig, undemokratisch oder illegitim.

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