Jungen Menschen die Solidarität absprechen?

In der letzten Folge der Lage wurde ja behauptet, dass man nicht davon reden könnte, dass junge Menschen in der Pandemie „solidarisch“ gewesen seien, wenn sie sich eingeschränkt hätten, weil ja auch sie schwere Verläufe haben und sterben könnten und somit seien die Einschränkungen der Jüngeren ja de facto eigennützig gewesen. Dazu mal ein kleine Ilustration: bisher sind insgesamt 96 Menschen unter 30 in Deutschland an Corona gestorben. Das soll nicht Corona verharmlosen, aber wenn wir bewerten wollen, ob das Verhalten der Jüngeren solidarisch oder eigennützig war, dann müssen wir uns folgende Frage stellen: wenn die Sterberate von Covid für die Gesamtbevölkerung gleich groß wäre wie für die unter 30 Jährigen, hätte man dann die gleichen Maßnahmen akzeptiert? Und die Antwort dazu ist ein ganz klares Nein, solche Einschränkungen wären niemals auch nur eine Sekunde in Erwägung gezogen worden. Deswegen finde ich es extrem problematisch, dass den Jüngeren jetzt im Nachhinein ihre Solidarität abgesprochen wird mit der Begründung sie hätten nur im Eigeninteresse gehandelt.

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Ich würde auch nicht den jungen Menschen ihre Solidarität absprechen. Aber es gibt doch mehr Eigeninteresse als nur den Schutz des eigenen Lebens. Beispielsweise haben wir alle zusammen vermieden, dass das Gesundheitssystem kollabiert. Jeder für sich hat versucht, sich vor Long Covid zu bewahren. Und auch den Schutz der Familienmitglieder würde ich noch zum Eigennutz rechnen.

Trotzdem, wie gesagt, ich meine schon, dass man die Einschränkungen, die viele von uns erduldet haben, auch als Zeichen von Solidarität sehen kann.

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