Ich würde mich freuen, wenn die Diskussionen über den Sprachgebrauch ausgelagert werden könnten, weil sie meiner Meinung nach eine Scheindebatte losbrechen, unter der die wichtigen Punkte von meinen Vorredner*innen untergehen.
Was für mich völlig außer Frage steht ist nämlich:
Seit Beginn der Pandemie wurden die Studierenden konsequent entweder vergessen oder ignoriert. Nachdem etliche Studierende ihre Minijobs oder Nebenjobs verloren hatten, waren die einzigen Reaktionen darauf ein Erhöhen der Regelstudienzeit und die Nothilfe für Studierende. Die höhere Regelstudienzeit hat nur denjenigen geholfen, die auch Bafög beziehen, wo alleine schon durch das mehr als reformierungsbedürftige Bafög-System etliche Studierende durch das Raster fallen.
Die anderen mussten sich dann für die Nothilfe in einem unverhältnismäßig aufwendigen System komplett vorm Staat nackt machen und dabei nicht nur nachweisen, dass sie finanziell nicht durch den nächsten Monat kommen, sondern auch, dass diese Notlage durch die Pandemie entstanden ist.
Da wundert es einen auch nicht, dass diese Hilfe nach einigen Monaten wieder eingestellt wurde, weil zu wenig neue Anträge gestellt wurden, während die Nothilfe-Fonds der Universitäten, die „Notlagen-Stipendien“ ausgeben, noch gut nachgefragt wurden und es auch immer noch werden.
Das ist jetzt nur der finanzielle Aspekt. Insgesamt ist ja bekannt, dass es Menschen in prekären Lebensverhältnissen in der Pandemie härter getroffen hat und ich denke es gibt wenig Lebensumstände, die sich besser als prekär beschreiben lassen als bei Studierenden, die häufig mit vielen Meschen und wenig Ersparnissen auf wenig Raum zusammenwohnen.
Bei den sozialen Aspekten habe ich oft mitbekommen, dass diese Bedürfnisse den jungen Menschen damit abgesprochen wurden, dass man ja nicht „immer Party machen müsse“.
Aber das sind soweit auch keine Punkte, die nicht auch vor mir in einer anderen Form gemacht wurden.
Ich finde es aber schockierend, dass es nach wie vor keinen Plan gibt, wie es an den Universitäten weitergeht. Während es für die Schulen mit regelmäßigen Testungen und der klaren Aussagen, dass es keine weiteren Schulschließungen geben soll, zumindest eine grobe Planungssicherheit gibt, fehlt die für die Universitäten (in manchen Bundesländern) komplett.
Im Oktober geht das neue Semester los und die einzige Aussage des Landes NRW ist beispielsweise, dass es Stand heute die Erlaubnis für Online-Lehre zum 30.09. ausläuft. Das bedeutet, dass ab Oktober wieder hunderte Studierende zusammen im Hörsaal sitzen.
Damit das halbwegs klappt, wird auf 3G vorausgesetzt.
Im ersten Moment klingt das zwar ganz gut, aber die Umsetzung ist noch vollkommen unsicher.
Müssen die Universitäten kostenfreie Tests bereitstellen (Stichwort Grundrecht auf Bildung)?
Wenn nein, wie soll mit Studierenden aus dem asiatischen Raum verfahren werden, die sich mit Sinovac haben impfen lassen und daher nicht ohne weiteres an eine anerkannte Impfung kommen können? In den Ingenieurswissenschaften können die gerne mal 10% der Studierenden im Kurs ausmachen.
Wer kontrolliert die Impfnachweise? Wer haftet dafür?
Mit all den Regelungen werden die Unis gerade komplett alleine gelassen, wodurch auch die Studierenden keinerlei Infos bekommen und sich jetzt teilweise innerhalb von wenigen Wochen wieder eine neue Wohnung suchen müssen (oder noch gar nicht wissen, ob Kurse in Präsenz oder digital stattfinden werden).
Es war schon lange absehbar, dass es irgendwann wieder Präsenzlehre geben wird. Da hätte ich mir von den Ländern gewünscht, dass das frühzeitig und klar Randbedingungen kommuniziert werden. Zumindest Hamburg hat das vor einigen Wochen gemacht.
Für NRW gehe ich aber nicht davon aus, dass es vor der Wahl irgendwelche neuen Infos geben wird. Das heißt, dass dann vermutlich in den zwei Wochen zwischen Wahl und Semesterbeginn das komplette Hygienekonzept des kommenden Semesters erarbeitet oder angepasst werden muss. Für mich wieder ein Paradebeispiel für das „Auf Sicht fahren“ während der Pandemie, durch das wieder die Studierenden zu kurz kommen.