Wäre ja schön, wenn sich die Leute daran hielten! Hier ein paar unmittelbare Beobachtungen, aus einer 5000-Einwohner-Gemeinde im Chiemgau:
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CSU-Stammtisch (ohne Masken, ohne Abstand), von ca 12Teilnehmern zumindest die 3 Geschäftsführer einer 60-Mann-Schreinerei infiziert, vor 4 Wochen.
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12 junge Burschen aus der Nachbargemeinde feiern * Silvester, 8 Infizierte. Gesundheitsamt geht der Sache nicht nach, verbucht unter den 75% „unbekannte Infektionsquelle“.
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Letzte Woche: Fahre mit dem Rad an einer abgelegenenHütte vorbei und denke, das könnte doch ein Treffpunkt sein (gibt es in jeder Gemeinde hier 2 bis 3 davon, ist eine Szene für sich, schon seit vielen Jahren). Das möchte ich doch mal wissen… Am SA, 22 Uhr bin ich dort. Der Sohn des ehem. Bürgermeisters stapelt gerade Bierkästen vor die Tür. Eine halbe Stunde später radeln 5 Burschen mir entgegen und grüssen freundlich, dann noch eine Gruppe von 3, halten auf die Hütte zu…
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Meine Friseuse erzählt ganz unbefangen, ihre Teenager-Kinder würden sich halt zu 8 irgendwo immer treffen, die möchten doch was vom Leben haben.
Wenn sich jemand wundert, wieso die Inzidenz auf dem Land nicht geringer ist als in der Stadt, wo hier niemand in den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist und so viel mehr Platz ist, dann ist das wohl Teil der Erklärung.
Wer sich unter solchen Umständen infiziert, wird schön den Mund halten. Lässt sich doch prima sagen „Keine Ahnung, wo ich das her habe“, wenn doch 75% ungeklärt sind. Wie gross der Anteil der verheimlichten Quellen ist, wäre super interessant.
Genug Leute nehmen die Lage einfach nicht ernst hier. Sie stellen keine Verbindung dazu her, dass auch ihr Verhalten die Misere am Kochen hält, die Kinder von der Schule fernhält usw.
Eine Ausgangssperre hat den Vorteil, dass solche privaten Treffen (dürfte in der Regel mit Alkohol sein, was die Ansteckungsgefahr noch einmal richtig scharf macht) gut zu kontrollieren sind, während ohne solche Massnahme eine Kontrolle praktisch aussichtslos ist.
Umgehungsverhalten, wie Ulf und Philip erwähnt haben, halte ich für vernachlässigbar. Z.B. übernachten - wer hat mehr als 2 Gästebetten? z.B. „vorfeiern“, klar am WE, aber wer trifft sich während der Woche um 17 Uhr und fährt dann zur Sperrstunde heim? Damit nähme man den grössten Teil dieser illegalen Treffen einfach aus dem Spiel, müsste auf die Inzidenz deutlich wirken.
Und nochmal (weil ich ja schon früher eine Meinungsverschiedenheit hatte, auch @Konsi zum Thema): 3 Wochen strenge Ausgangssperre würde das Land schnell vor die Krise bringen. So torkelt es wie besoffen seit Monaten vor sich hin und hofft auf die Breitenwirkung der Impfung, die aber nicht vor Juni kommen wird. Bis dahin treten grosse Schäden ein, die absolut vermeidbar wären.
In der verfassungsrechtlichen Abwägung halte ich die kurze Aussgangssperre für sehr viel weniger einschneidend als eben diese verantwortungslose, hasenfüssige Verschleppung. Die Gerichte werden mehr und mehr zu dieser Meinung neigen. Wer wettet dagegen?