Das muss ich nicht extra formulieren, da diese Kritik ja nahezu täglich vielfach geäußert wird, etwa in Zeitungen, Fernsehsendungen, sozialen Medien, von Politikern, Gewerkschaftern, Wissenschaftlern, Künstlern etc. pp. - sowohl in Deutschland, vielen europäischen Ländern, in den USA und auch in Israel selbst.
Nur mal ein paar Beispiele nach einer weniger als 5-minütigen Google-Suche:

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Ich nehme mal an, dass du damit die israelische Regierung meinst. Ich hätte dazu ein paar Fragen: Hast du irgendwelche Belege oder Indizien dafür, dass die israelische Regierung für die von unterschiedlicher Seite medial geäußerte Kritik an Hadid verantwortlich ist bzw. hinter dieser steht? Deine Formulierung suggeriert ja, dass diese Kritik von einer „Community“ der israelischen Regierung stammt, die letztlich aber nur deren Instrument ist. Auf wen und in welcher Weise hat denn deiner Meinung nach die israelische Regierung „Druck ausgeübt“ und was sind hierfür die Belege bzw. Indizien? Was genau ist an Kritik an Hadid ist aus deiner Sicht „fakenews-artig“? Ist die Einschätzung politischer Äußerungen als antisemitisch - die andere ja nicht teilen müssen - aus deiner Sicht gleichbedeutend mit einer bewussten falschen Tatsachenbehauptung (aka Fakenews)? Falls ja, gilt das dann nur für Einschätzungen, die du selbst nicht teilst oder betrachtest du generell alle Bewertungen politischer Äußerungen, die nicht 100-prozentig Konsens sind, als „fakenewsartig“?

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Bella Hadid erwähnt nun Adidas zu verklagen.

Die 27 Jahre alte Tochter eines palästinensisch-amerikanischen Bauunternehmers will nun angeblich mit Anwälten gegen den Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach vorgehen – nicht wegen des Rauswurfs, sondern weil Adidas sie nicht über „den historischen Kontext“ der Kampagne aufgeklärt habe.

Damit ist zumindest die Botschaft nach außen, dass sie, wenn sie den Kontext gekannt hätte, den Auftrag nicht angenommen hätte.

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Ich weiß nicht, was ich peinlicher finde. Ein deutsches, von zwei Nazis gegründetes Unternehmen, der von einer Olympia-1972-Retro profitieren will und dabei die antisemitischen Morde von München so wenig auf dem Schirm hat, dass es selbst im Nachhinein als „völlig unbeachsichtigte Verbindungen“ bezeichnet, oder ein Model, dass sich zwar gerne öffentlich politisch positioniert, aber dieses Unternehmen verklagen will, weil es ihr vor der Vertragsunterzeichnung kein Geschichtsbuch zu lesen gegeben hat.

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Und dass sie sich wohl kaum über ihre Auftraggeber und die Kampagne informiert. Ich hoffe die Klage scheitert.

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sie hatte allerdings einen Post veröffentlicht, der in Israel nicht gut ankam:
„…Unschuldige Palästinenser zu töten ist schrecklich. Unschuldige Israelis zu töten ist schrecklich. Wer das nicht so empfindet, sollte sich fragen, warum.“ Nach scharfer Kritik von ihren teils prominenten israelischen Anhängerinnen, die ihr vorwarfen, damit eine Parallele zwischen der Tötung von Israelis und der Tötung von Palästinensern zu ziehen, löschte Gadot den Eintrag und entschuldigte sich…“
muss man sich für Mitgefühl mit palästinensern in Israel entschuldigen?

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Die Info vom Kuchen stammt wohl tatsächlich von einer Geisel. Warum Hamas das Tat, ist spekulativ. Ein Kuchen entschuldigt natürlich nicht den Hamas Terror. Der Post wurde auch von ihrem Account wohl selbst gelöscht.

https://www.msn.com/en-sg/news/other/hamass-birthday-cake-bella-hadid-shares-post-of-benign-treatment-of-hostages/ar-BB1o8Rtz

Bella Postete auch was von minderjährigen Kriegsgefangenen, Sie ging zu Instagram, um Israel weiter der „Entführung, Vergewaltigung, Demütigung, Folterung, Ermordung von Palästinensern“ vorzuwerfen,

Schnelles googeln:
Die Taz Berichtet auch von Minderjährigen Palästinensern die vor ein Krigsgericht kommen und Zeichen von misshandlung… Hier gibt es zumindest schnittmengen in manchen punkten.

Dass 2 Parteien hier vergehen gegen Minderjährige begehen ist bei beiden nicht zu entschuldigen.

Das ist genau das Problem.

Es wird gerne darauf verwiesen, wie schrecklich es für Israelis sein muss, dass ständig Raketen aus dem Gaza-Streifen abgeschossen werden. Gleichzeitig werden gelegentlich Palästinenser im Westjordanland durch extremistische Siedler getötet, und zwar teilweise ganz gezielt und bewusst. In diesem öffentlich-rechtlichen Podcast gibt es da ein schönes Beispiel zu:

Hier muss man wirklich fragen:
Ist der Raketenterror der Hamas wirklich schlimmer als der Terror durch Siedler, die, weil die israelische Justiz nichts unternimmt und die israelische Armee ihre schützende Hand darüber hält, Menschen auf offener Straße erschießen können?

Beides muss auf das absolut Schärfste verurteilt werden. Beides ist durch nichts, wirklich absolut ausnahmslos nichts, zu rechtfertigen. Beides sind bestialische Terrorakte. Bei den Taten der Hamas scheint Einigkeit in der Bewertung vorzuherrschen, bei den Taten der Siedler hingegen wird nicht selten weggeschaut oder relativiert. Aber auch das, was die Siedler tun, ist Terrorismus, der gezielt Menschenleben auslöscht. Aus welchem Grund sollte das nicht mit den Taten der Hamas auf eine Stufe gestellt werden können?!?

Minderjährige Kriegsgefangene sind vermutlich ein Dilemma, das man Israel nur schwer vorwerfen kann. Beim Durchschnittsalter von unter 18 Jahren im Gaza-Streifen und den Bedingungen der dortigen Sozialisation unter einer extremistischen Hamas-Führerschaft kann man sich wohl leicht ausmalen, dass die Hamas nicht davor zurückschreckt, auch 14-17-jährige zu rekrutieren, die dann auch an Kampfhandlungen und Vorbereitungen von Terrorismus mitwirken.

Was will ein Staat in solchen Fällen tun? Idealerweise will man die Kinder nicht erschießen, sondern festnehmen. Aber dann hat man eben hoch-radikalisierte, teilweise ausgebildete 14-17-jährige in Haft. Kriegsgefangenschaft ist ja eigentlich „besser“ als normale Haft, zumindest dem Prinzip nach. Eine Eingliederung in die israelische Gesellschaft (z.B. in „Kinderheimen“) ist jedenfalls natürlich mit extremen Risiken verbunden, und zurückschicken in den Gaza-Streifen kann man sie auch nicht wirklich.

In dem Punkt finde ich daher zu viel Kritik unangemessen, einfach weil man nur Dinge kritisieren sollte, die zumindest theoretisch besser lösbar wären. Aber hier fehlt mir die Fantasie für eine bessere Lösung, dieses Dilemma aufzulösen. Man kann natürlich fordern, dass Kinder in Kriegsgefangenschaft besonders schonend behandelt werden, aber die bloße Tatsache, dass es Kinder in Kriegsgefangenschaft gibt, ist kein kritikfähiger Punkt.

Misshandlungen sind natürlich Tabu, bei Kindern noch mehr als ohnehin schon. Die Misshandlungen nachzuweisen gestaltet sich leider nicht nur in Israel schwierig, da die Behörden natürlich stets - in jedem Land - argumentieren werden, dass die Verletzungen aus der Verhaftung stammen oder selbst zugefügt wurden. Grundsätzlich fände ich es interessant, mehr darüber zu erfahren, wie der Rechtsschutz in Israel für diese Menschen aussieht. Bekommen sie einen (arabisch sprechenden) Pflichtverteidiger? Wird bei etwaigen Misshandlungs-Vorwürfen mit Nachdruck ermittelt? Aber darüber weiß ich einfach nicht genug, um mir da eine Meinung zu bilden, mit Vorwürfen wäre ich daher aber auch zurückhaltend.

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Die Israelische Botschaft in Deutschland ist Sprachrohr der israelischen Regierung in Deutschland oder?
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https://x.com/IsraelinGermany/status/1813978447993070033

Nach diesem Post nahm die Shitstorm-Kampagne gegen Hadid richtig fahrt auf. Die Information womit Hadid angeblich Antisemitismus verbreitet bleiben die Kollegen vom Herrn Prosor übrigens schuldig. Typisch für rechte Fake-News Verbreitung auf Twitter, äh X.

Der X-Post ist da eindeutig. Druck übt man damit auf Adidas und Hadid aus. Der Post wurde auch schon im Post 6 hier geteilt.

Ich frage mich daher, ob du deine Fragen hier rhetorisch meinst oder den Thread gar nicht gelesen hast.

Hadid hat sich in der Vergangenheit klar gegen Antisemitismus positioniert. Kritiker begründen ihre Antisemitismus-Vorwürfe mit ihrem Einsatz mit Hadids Teilnahme bei einer Pro-Palästina-Demo und den Satz „From the river to the sea…“, über dessen zwiespältige Bedeutung hier schon mehrfach gesprochen wurde.

Außerdem hatte sie einen Instagram-Beitrag mit einem Demo-Teilnehmer, der später einen Juden ekelhaft angegriffen hat. Sie hat daraufhin zurecht den Beitrag gelöscht.

Und ihr wird vorgeworfen, dass sie sich antisemitischen Aussagen ihres Vaters nicht öffentlich deutlich distanziert. Das halte ich für sehr wohlfeil, denn im Grunde handelt es sich um den Versuch Hadid in Sippenhaft zu nehmen. Mich würde interessieren wie viele Prozent des Forums oder der Kritiker öffentlich ihre Eltern am Pranger richten würden. Zumindest solange die Eltern noch leben. Ich würde von keinem Menschen verlangen, dass er sich von der engsten Familie distanziert. Nicht umsonst haben wir auch ein Aussageverweigerungsrecht für die engste Familie.

Zusammengefasst halte ich die Vorwürfe für Fakenews-artig, da sie doppelte Standards setzen (öffentliche Distanzierung von der Familie) und Situationen aus Kontexten reißen (die wahre Bedeutung des Slogans; dass der Beitrag mit einem Antisemiten zeitnah gelöscht wurde; dass sie sich öffentlich von Antisemitismus distanziert).

Wenn diese Einschätzung sich bei Betrachtung der Tatsachen als an den Haaren herbei gezogen darstellt, dann ja. Wenn ich bei der Beschreibung von Tatsachen Kontexte ausblenden und doppelte Standards anlegen muss, dann ist das für mich ein fakenews-artiger Versuch jemanden zu diskreditieren.

Mein Standard steht oben. Die Bewertung, ob danach etwas fakenews-artig ist oder nicht hat bei mir wenig mit meiner persönlichen Meinung zu tun. Zumindest versuche ich mich bei diesem Vorwurf möglichst neutral zu positionieren.

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Der erste Satz stimmt. Der zweite nicht. Die Info ist von Almog Meir Jan, der den Geburtstagskuchen eindeutig als eine „zynische Geste“ seiner Geiselnehmer beschrieb. Diesen Teil seines Berichts wegzulassen und damit die Hamas als empathische und um das Wohl ihrer Geiseln bemühte Gastgeber darzustellen ist eine bewusste Desinformation. Außerdem wurde Almog Meir Jan nicht „entlassen“, wie Hadid in ihrem Insta-Post behauptete, sondern von der IDF befreit. Sein Geiselnehmer war übrigens der Al Jazeera-Journalist Abdallah Aljamal. Wer etwas über die tatsächlichen Bedingungen erfahren möchte, unter denen er „seine“ Geiseln hielt, kann hier etwas über die Unterernährung von Almog Meir Jan und den anderen nachlesen und sich hier einen Ausschnitt aus einem Interview mit ihm anschauen.

Hadid hat aber eben nichts irgendwas von „2 Parteien“ geredet, sondern während die Hamas sogar Kleinkinder und Babys als Geiseln festhielt, behauptet, Israel sei „das einzige Land, dass Kinder als Kriegsgefangene hält“.

Du gibst die Antwort auf diese rhetorische Frage ja selbst:

Die Kritik machte sich demnach an der Gleichsetzung fest, nicht an dem Mitgefühl.

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Beispiel 1: Die Kritik an der israelischen Politik ist einseitig, weil sie mit keinem Wort auf die Terrorangriffe der Palästinenser eingeht, die den Wunsch der Israelis nach mehr strategischer Tiefe mit begründen und außerdem brechen auch andere Staaten Abkommen und geltendes Recht, warum wird das ausgerechnet bei Israel so ausdrücklich kritisiert? Wer Israel so einseitig kritisiert, obwohl ja auch andere Staaten Völkerrecht brechen …
Beispiel 2 liegt hinter einer Paywal
Beispiel 3 zählt nicht, weil es keine deutsche Quelle ist. Wenn man das in Deutschland sagt, könnte ein Ansatz sein: Aber bei Gewalt gegen Polizisten oder Soldaten irgendwann und irgendwo anders hast du nix gesagt, also warum ausgerechnet jetzt? Ha! Natürlich, weil die Täter Juden waren, also ist das wohl offensichtlich antisemitisch.

Ausgangspunkt meines Statements war ja die zigfach wiederholte Behauptung, dass eine Kritik an Israel per se zu negativen Konsequenzen führt, gepaart mit der ebenso häufig wiederholten Behauptung, der Vorwurf des Antisemitismus würde ständig und völlig wahllos erhoben und sei vor allem ein politisches Instrument, um andere zu canceln.
Darauf habe ich (auch in anderen Threads) entgegnet, dass sich Kritik an antisemitischen Äußerungen nach meiner Wahrnehmung meist auf die Form bezieht, also etwa auf die Art und Weise von Äußerungen über Israel oder den arabisch-israelischen Konflikt, oder etwa auf die Verwendung bestimmter Slogans oder Symbole, die eindeutig mit einer generellen Ablehnung des jüdischen Staates verbunden sind. In diesem Sinne war meine Aussage gemeint, dass ich Kritik an Israel grundsätzlich als nicht problematisch ansehe, wenn sie sich dessen nicht verdächtig macht. Was ich ausdrücklich nicht gesagt habe, ist dass es überhaupt nicht möglich ist, fernab dessen irgendetwas kritkwürdiges an einer konkret geäußerten Kritik an Israel zu finden.
Das vorweg. Zu den konkreten Beispielen:

  1. Wenn man unbedingt will, kann man dem Statement Einseitigkeit vorwerfen. Ob der Vorwurf sinnvoll und gerechtfertigt ist, sei dahingestellt. Schließlich kritisiert das AA ja gerade unter Baerbock durchaus auch andere Staaten in nicht immer sehr diplomatischem Ton. Der Punkt ist aber ein anderer: Nnirgendwo, auch nicht in der von vielen so stark kritisierten IHRA-Definition ist „Einseitigkeit“ ein hinreichendes Kriterium, um Aussagen als antisemitisch zu verstehen. Und da ja ein Vorwurf lautet, der Vorwurf des Antisemitismus würde „ständig“ erhoben: Ich weiß von keiner einzigen Kritik an diesem Statement des AA, das darauf hinausläuft, es sei antisemitisch. Und ich weiß wie schon gesgat auch von keinen negativen Konsequenzen oder anderen Hinweisen darauf, dass das Statement grundsätzlich „problematisch“ wäre.
  2. Eva Illouz’ Position ist grob gesagt die Folgende: Sie ist eine entschiedene Kritikerin der israelischen Rechten und der Besatzung des Westjordanlands. Sie kritisiert auch etwa die Bundestagsresolution zu BDS von 2019. Aber sie verwendet bei ihrer Kritik bewusst keine antisemitisch konnotierten Begriffe und Parolen. Außerdem bezeichnet sie ein bestimmte Formen der „Israelkritik“, etwa ein bestimmtes Verständnis von Antizionismus (im Sinne einer Infragestellung des Rechts auf nationale Selbstbestimmung) sowie bestimmte Praktiken von BDS eindeutig als antisemitisch. Auch hier gilt: Man kann Illouz sicherlich für vieles kritisieren und es gibt auch viel Kritik an ihr. Aber ich habe noch nicht gelesen, dass ihr jemand Antisemitismus vorgeworfen hätte.
  3. Das Deutschland-Argument verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Ob eine bestimmte Aussage antisemitisch ist oder nicht, hängt doch nicht davon ab, in welcher Sprache und auf welchem Server sie im Internet veröffentlich wird. Meine Aussagen sind jedenfalls nicht in irgendeiner Weise auf Deutschland beschränkt. Die einzige Kritik, die dir hier einfällt, ist der etwas nebulöse Hinweise darauf, ich hätte „irgendwann und irgendwo“ zu einem ähnlichen Thema zu einer ähnlichen Kritik mal Nachfragen gestellt. Ich weiß leider nicht, worauf du dich konkret beziehst und kann daher weder sagen, ob das so stimmt, noch was für Fragen das gewesen sein sollen. Aber was ich mit Sicherheit nicht getan habe, was eine Kritk an illegitimer Gewalt von Siedlern an sich als antisemitisch oder sonstwie problematisch zu bezeichnen. Die Behauptung, dass irgendwer jegliche Kritik an jüdischen Tätern automatisch als „offensichtlich antisemitisch“ abtun würde, ist wirklich unterirdisch und ehrlich gesagt einer ernsthaften Diskussion nicht würdig.
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Bella Hadid bekommt wohl viele Morddrohungen, sie verurteilt Terroranschläge scharf und bittet um Solidarität

https://www.blick.ch/people-tv/international/palaestinenserin-bella-hadid-bricht-ihr-schweigen-zum-krieg-der-hamas-gegen-israel-ich-habe-taeglich-hunderte-von-todesdrohungen-erhalten-id19085531.html

Interessant auch die der Bericht von bbc:

„ …It was a very bizarre moment in not just pop-culture history but in the history of state-media relations. To watch the government of a nation, come after a model for attending a protest…„

Danach haben wohl noch viele andere Prominente ihre Pro Palästina Posts gelöscht.

Es scheint dass sich die Aktion für den Staat gelohnt hat, der demonstrierende Models angeht.

Ab ca. 1:54 min:

Das ist ein Artikel von Oktober 2023… es geht da also nicht um die aktuelle Geschichte mit dem adidas Turnschuh.

Das ist letztlich die gleiche Diskussion, die wir bei Klimaprotesten haben.

Warum wird z.B. Judith Butlers krassere Position gegenüber der israelischen Siedlungspolitik stärker in den Medien und der Öffentlichkeit diskutiert als Eva Illouz’? Weil Illouz’ Position relativ diplomatisch ist, während Butler ganz klar auch provozieren will, gerade damit darüber diskutiert wird. Und Butler und Illouz sind zwei nicht in Israel lebende Jüdinnen, also Menschen, die zumindest keine direkte Betroffenheit haben. Von Menschen, die sich direkt betroffen fühlen (weil sie z.B. Verwandte im Gaza-Streifen oder zumindest ihre Wurzeln dort haben) eine starke sprachliche Zurückhaltung zu fordern und ihnen sonst Antisemitismus zu unterstellen geht mir deshalb zu weit. Diese Leute sind emotional betroffen, deshalb werden sie dazu tendieren, das Verhalten Israels kritischer zu bewerten (dh. Genozid und Siedler-Kolonialismus vorzuwerfen). Das alleine darf nicht reichen, diese Leute zu Antisemiten zu erklären, eben weil wir diese Tendenz zur negativen Interpretation in jedem Krieg beobachten können, wenn daher ein Ukrainer von russischem Genozid spricht würden wir auch nicht einen derart starken Vorwurf wie den des Antisemitismus machen, selbst wenn wir der Meinung wären, dass der Genozid-Vorwurf übertrieben ist. Das ist einfach normal.

Es ist wie gesagt die gleiche Diskussion, die wir an so vielen Stellen haben. Auch in der Politik - die populistischen, extrem angriffslustigen Politiker kommen in die Tagesschau, die differenzierten, netten Politiker nicht. Es ist ein allgemeines Problem des öffentlichen Diskurses, dass eine Meinung mit weniger „Schärfe“ (dh. im Nahost-Konflikt z.B. ohne Genozid-Vorwürfe) in der Regel besser für den Diskurs wäre, aber dafür eben umso schneller im Diskurs untergeht. Das liegt natürlich auch daran, dass die Gegner dieser Positionen lieber Butler angreifen und durch Antisemitismus-Vorwürfe stumm schalten, als Illouz, weil die offensivere Position natürlich auch mehr Angriffsfläche bietet. Illouz wird daher eher ignoriert, Butler wird angegriffen und erzeugt damit zumindest mehr Aufmerksamkeit für das Thema (ob das besser oder schlechter ist, ist eine Wertungsfrage…)

Wie gesagt, ich sehe da Parallelen zu allen anderen Diskussionen. „Friedlichere Mittel“ oder „weniger extreme Sprache“ zu fordern ist durchaus legitim, aber ist diese Forderung wirklich angemessen, wenn die Konsequenz ist, dass dadurch der Protest in der Sache leichter ignoriert wird? Diese „harte Sprache“ und auch die „extremen Mittel“ der Letzten Generation sind ja gerade der Tatsache geschuldet, dass „friedliche Sprache und Mittel“ in der Vergangenheit keinen Erfolg hatten. Und hier muss man ganz klar sagen, dass die illegale israelische Siedlungspolitik seit vielen, vielen Jahrzehnten existiert. Wie lange kann man „friedliche Sprache und Mittel“ in solchen Fällen fordern?!?

Je länger der Konflikt daher anhält, desto stärker wird auch sprachlich aufgerüstet werden - und je länger eine „gemäßigte Ansprache der Probleme“ nicht zum Erfolg führt, desto radikaler werden die nächsten Ansprachen ausfallen. Darauf dann reflexartig mit Antisemitismus-Vorwürfen zu reagieren halte ich für falsch, es ist die gleiche Reaktion, welche die CDU zeigt, wenn sie radikale Klimaproteste als „Straftäter“ oder gar „Terroristen“ bezeichnet. Es ist der Versuch, legitime Kritik, die vielleicht mit suboptimalen Mitteln geäußert wird, stumm zu schalten, statt sich inhaltlich mit der Kritik zu beschäftigen.

(Das heißt ausdrücklich nicht, dass es nicht auch Menschen geben würde, die Israel ganz klar mit antisemitischen Zielsetzungen kritisieren, aber das würde ich Bella Hadid, um die es hier geht, eben nicht vorwerfen. Auch hier gilt: Im Zweifel sollte man nicht direkt von Antisemitismus ausgehen, eben weil der Vorwurf so schwer wiegt, dass es zumindest halbwegs klare Belege dafür braucht)

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Eine ZDF Fernsehmoderatorin hatte wohl auch eine Kette auf der „from the river to the sea“ dargestellt ist. Niemand hat ihr unterstellt dass sie jemanden ins Meer werfen will oder antimuslimisch ist. Wird hier mit unterschiedlichen Maß gemessen?

Es ist nur ein Versuch nachzuvollziehen was Israel veranlasst hat gegen das Model Bella Hadid vorzugehen bzw. welche Belege es für die Anschuldigung der Botschaft geben könnte (aber die hat die Botschaft ja auch nicht gegeben [weil es sie eventuell gar nicht gibt?])

In diesem Statement stecken ein paar Annahmen, die aus meiner Sicht schlicht nicht zutreffend sind. Erstens ist es eine reine Behauptung, dass Menschen Antisemitismus „unterstellt“ wird, nur weil sie besonders betroffen sind oder sich besonders emotional äußern. Letztlich ist es nur eine Abwandlung der Behauptung, Antisemitismusvorwürfe erfolgten grundsätzlich quasi grundlos und und vorwiegend um den Kritisierten zu schaden. Das ist allerdings ein notwendiges Argument für die daran anschließende Behauptung, es ginge darum, die tatsächlich quasi hinter dem Antisemitismus versteckte Kritik „stummzuschalten“. Zweitens ist Antisemitismus eben keine „besonders scharfe“ oder „sprachlich weniger zurückhaltende“ Kritik an Israel, ebenso wie Rassismus keine besonders scharfe Kritik an Migration ist. Bei beidem handelt es sich vielmehr um im Kern menschenfeindliche Ideologien und gegen diese richtet sich die Kritik. Deshalb können drittens das Anhalten eines kritikwürdigen Zustands oder besondere Betroffenheit oder Emotionalität auch keine Rechtfertigung dafür sein - weder für Rassismus noch für Antisemitismus noch für andere vergleichbare Ideologien. Ich wundere mich auch ehrlich gesagt ziemlich, dass jemand, der sich als links versteht, so eine Position vertritt.

Zudem ist deine Argumentation, das Potenzial aus der individuellen Betroffenheit abzuleiten, zumindest widersprüchlich. Illouz, die übrigens Professorin in Israel ist und als israelische Bürgerin sehr wohl „betroffen“ ist von dem was sie kritisiert, äußert sich nicht antisemitisch, während Butler, eine jüdische US-Amerikanerin die Hamas zu einer „Widerstandsbewegung“ verklärt. Außerdem sagst bei Butler selber, dass sie provozieren will. Das widerspricht aber gleich doppelt der These, dass die Grenze zum Antisemitismus quasi aus Unbeholfenheit überschritten wird, weil die Leute zu betroffen oder zu emotional sind. Zumindest unterstelle ich einer der renommiertesten feministischen Philosophinnen die Fähigkeit, bewusst und gezielt zu formulieren - erst recht mit mehreren Monaten Abstand zu einem Ereignis.

Allein schon angesichts des ohnehin schon verbreiteten und seit dem 7. Oktober weltweit noch einmal krass angestiegenen Antisemitismus finde ich den Vorschlag, erst mal davon auszugehen, dass es keinen Antisemitismus gibt schon reichtlich wirklichkeitsfremd, erst recht wenn du in diesem Zusammenhang mit keinem Wort darauf eingehst, wie denn „richtige“ von vermeintlich „fälschlicher“ Kritik an Antisemitismus unterschieden werden kann oder soll. Denn damit implizierst du ja auch, dass die bisher angewandten und diskutierten Unterscheidungen allesamt dazu führen, Antisemitismus zu unterstellen, wo es eigentlich gar keinen gibt. Wenn dann aber noch so eine indirekte Rechtfertigung von tatsächlichem Antisemitismus dazu kommt, ist aus meiner Sicht eindeutig eine Grenze überschritten.

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Spätestens bei dem Satz verlässt du das Terrain der auch nur im Ansatz freundlichen Interpretation und versucht, Dinge völlig aus dem Kontext zu reißen oder falsch darzustellen. Ich sage in keinem Wort, dass „Antisemitismus“ eine „besonders scharfe Kritik“ sei, sondern Ich sage, dass „besonders scharfe Kritik“ mit der Unterstellung von Antisemitismus beantwortet wird. Du setzt deine Sichtweise („Scharfe Kritik = Antisemitismus“) hier quasi substituierend in meine Erklärung ein, wobei meine Erklärung explizit gegen diese Substitution von „Scharfer Kritik“ und „Antisemitismus“ gerichtet ist. Damit biegst du dir wieder die Argumentation der Gegenseite so zurecht, dass du deine Gegenargumente darauf anwenden kannst, was du dann auch tust. Das ist einfach eine extrem unredliche Art, zu diskutieren.

Diese Diskussion hatten wir schon 1000 mal. Die Hamas ist auch eine Widerstandsbewegung, da ist Null Verklärung drin. Sie ist auch eine soziale Bewegung, eine politische Bewegung und eben auch eine Terrororganisation. Du kannst gerne die Meinung vertreten, dass „Terrororganisation“ und „Widerstandsbewegung“ sich gegenseitig ausschließen, ich halte das für falsch. Es ist der Kern des Wesens der Hamas, dass es eine sehr, sehr vieles umfassende Organisation ist.

Ja, Rechtstaatlichkeit („Unschuldsvermutung“ und co.) ist schon echt etwas Lästiges.

Vertrittst du ernsthaft die Position, dass beim Thema Antisemitismus andere Maßstäbe angelegt werden sollten als bei jedem anderen moralisch oder rechtlich deutlich pönalisierten Verhalten? Sorry, aber das geht einfach nicht. Gerade um diesen extrem schwerwiegenden Vorwurf des Antisemitismus zu machen, muss man, ähnlich wie beim Vorwurf, ein Faschist zu sein, einfach sehr, sehr gute Argumente vortragen. Bei Höcke reicht das, bei anderen ranghohen AfD-Politikern nicht. Eben weil der Antisemitismus-Vorwurf extreme Auswirkungen, besonders für öffentliche Personen, haben kann, bis hin zu den oben geschilderten Morddrohungen.

Aber auch diese Diskussion wird wieder zu nichts führen, weil wir hier ideologisch zu weit auseinander liegen. Du siehst es nach dem Motto „Wehret den Anfängen“ schon als legitim an, jede Äußerung, die Israel „zu scharf“ kritisiert, als Antisemitismus zu diffamieren, ich sage, dass du damit den Begriff des Antisemitismus einfach entwertest und Menschen etikettierst und stigmatisierst, sie damit gerade in eine Ecke treibst, in der wir diese Menschen nicht haben wollen. Wir sind beide gegen Antisemitismus, aber deine Definition von Antisemitismus erfasst einfach so viele Dinge, die ich absolut nicht darunter fassen würde. Im konkreten Fall Bella Hadid reichen die wenigen Anhaltspunkte jedenfalls für mich zweifellos nicht aus, ihr Antisemitismus zu unterstellen, für dich offenbar schon, was ich sehr fragwürdig finde.

Dieser Thread wird wieder, wie jeder Nahost-Thread, damit enden, dass ich irgendwann keine Lust mehr habe, deinen letzten Beitrag zu lesen, weil ich weiß, dass ich sonst darauf antworten würde, was die sinnlose Diskussion immer weiter treibt. Das kannst du gerne als Sieg werten…

Als die israelische Botschaft ihren Post veröffentlicht hat, war die Kritik an der Adidas-Kampagne auf X, auf anderen sozialen Medien und im Internet bereits weit verbreitet, u. a. durch mehrere US-amerikanische NGOs. Die erste Meldung einer Ankündigung von Adidas, die Kampagne zu überarbeiten, kam nicht mal zwei Stunden nach dem Post der Botschaft - aber eben mehrere Stunden nach der ersten Kritik an der Kampagne. Es ist daher aus meiner Sicht mehr als zweifelhaft, dass der Post der Botschaft eine so zentrale Rolle gespielt hat.
Aber selbst wenn man das annimmt, bleibt die Frage, wie und warum ein einziger Social-Media-Post „Druck“ ausübt. Da hast du im Grunde nur deine vorherige Behauptung wiederholt - aber erklärt oder gar begründet hast du sie nicht. Wenn die Behauptung stimmt, hätte die Ukraine seit 2014 ja einfach nur genug auf Twitter posten müssen, um genug „Druck“ auszuüben und die Unterstützung zu bekommen, die sie benötigt. Aber die Realität sieht bekanntermaßen anders aus. Oder schreibst du diese Fähigkeit, mit solchen Posts „Druck“ auszuüben, allein der israelischen Botschaft bzw. dem Staat Israel zu?

Hälst du es auch für ausgeschlossen, dass sich Friedrich Merz rassistisch äußert? Schließlich hat der sich auch schon mehrfach öffentlich gegen Rassismus ausgesprochen.

Was sind denn genau die doppelten Standards, die hier deiner Meinung nach angelegt werden? Deine Behauptung, dass irgendetwas angeblich aus irgendeinem Kontext gerissen wurde, erklärt das leider nicht.

Danke für die Klarstellung, dass du tatsächlich eine Einschätzung - also eine Bewertung eines Sachverhalts und damit etwas was immer eine Frage der eigenen Haltung oder Meinung ist, gleichsetzt mit FakeNews, also einer falschen Tatsachenbehauptung. Das finde ich an sich schon schräg, aber es wird noch schräger wenn du das dann wiederum allein damit begründest, dass du diese Einschätzung nicht überzeugend findest („an den Haaren herbeigezogen“) - also mit deiner subjektiven Meinung. Denn auch wenn du genau das bestreitest und dir selber eine „neutrale“ Haltung attestierst (was natürlich jeder Mensch immer von sich selber behaupten kann), nennst du keinen einzigen nicht-subjektiven Maßstab für deine Beurteilung.