Kannst du dir wirklich nicht vorstellen, dass es auch Menschen - in und außerhalb Palästinas - gibt, die einfach nur wollen, dass der Konflikt endet und das mit der - zugegebenermaßen naiven - Forderung eines freien palästinensischen Staates verbinden?
Hier gilt auch wieder der Grundsatz: Erkläre nie mit Böswilligkeit, was du mit Naivität erklären kannst. Jedem, der ein „freies Palästina“ will, ein Maximum an Böswilligkeit zu unterstellen, ist mMn nicht hilfreich.
Vermutlich reichen schon 5% oder weniger knallharte, zum Mord an Israelis und eigenen Landsleuten bereite Terroristen, um dafür zu sorgen, dass die andere 95% sich nicht trauen werden, dagegen vorzugehen - weil die anderen 95% eben nicht bereit sind, zu morden oder sich, weil sie protestieren, ermorden zu lassen.
Alles, was ich sage, ist, dass ich diese Kollektivbetrachtung „die Israelis“ vs. „die Palästinenser“ ablehne und schon diese Kollektivbetrachtung für ein Teil dieses Problems halte.
Wenn wir den allgemeinen Schätzungen glauben und es etwa 40.000 bis 50.000 Hamas-Kämpfer gibt, sind das „nur“ unter 2% der Bevölkerung des Gaza-Streifens. Es gab ja durchaus Jahre, in denen es gelungen ist, den Konflikt zumindest nicht eskalieren zu lassen, 2015 bis 2017 z.B. waren vergleichsweise ruhig. Aber sobald es einen Vorwand zur Eskalation gibt, werden die Hamas-Extremisten diesen Vorwand nutzen und damit ihr ganzes Volk mit in den Abgrund ziehen.
Und das ist das traurige an der Sache:
Die Hamas weiß, dass Israel nun gezwungen ist, entschieden zurück zu schlagen - und dass dabei auch wieder - wie jedes Mal - zahlreiche palästinensische Zivilisten zu Tode kommen werden. Und die Hamas will das sogar, denn sie weiß, dass das ihre politische und soziale Macht im Gaza-Streifen nur noch stärken wird, weil der Tod jedes Zivilisten die Saat für den nächsten Terroristen setzt.
Leider verstehe ich auch, dass Israel trotzdem zurückschlagen muss, dass man von Israel nicht verlangen kann, solche Massaker unbeantwortet zu lassen. Aber einer Lösung des Konfliktes kommen wir so nicht näher.
Aber in jeder Volksgruppe, von der große Verbrechen ausgehen, gibt es immer auch eine Opposition - sichtbar oder wegen Repression unsichtbar - die gegen diese Verbrechen ist. Das galt für die Nazis, das gilt für Russland und auch für die Palästinenser. Und gerade wenn es um die Frage nach der Zeit „nach dem Krieg“ geht, ist es diese Gruppe, die wir brauchen, um das Land so wieder aufzubauen, dass ein langfristiger Frieden möglich ist. Wenn wir die Existenz dieser Gruppe bestreiten, was ist dann die Konsequenz eines Sieges?