Interessantes Thema, was mich als Vater gerade ganz aktuell beschäftigt.
K3 und K4 sind auf einem Gymnasium, welches ab Klasse 7 ein komplettes iPad-Konzept hat, sprich der gesamte Unterricht wird ab dann über iPads realisiert, hierfür hat ein externer Dienstleister die komplette IT-Struktur der Schule entsprechend organisiert.
An sich bin ich schon sehr für Digitalisierung in der Schule und begrüße diese Entwicklung daher durchaus. Was mich allerdings sehr ärgert ist, wie unterschiedlich die Umsetzung von Schule zu Schule ist und wie unterschiedlich hier auch damit die Anforderungen an die Familien sind.
In unserer Schule mit ihrem IT-Konzept ist es nämlich so, dass die Eltern die iPads verpflichtend komplett privat finanziert zu stellen haben! Sprich da ich zwei Kinder habe, die es betrifft, dürfen wir nun auf einem Schlag zwei iPads mit Stift und ggf. Tastaturcover kaufen und unseren Kindern bereitstellen, damit sie an ihrer Schule weiter beschult werden können.
Rede ich im Kollegenkreis über dieses Thema, dann bekommt man mit, dass Schulen nur wenige Kilometer entfernt, obwohl dort ebenfalls ein IT-Konzept ähnlich dem unseren existiert, es komplett anders regeln:
Die eine Schule stellt den Schüler iPads komplett kostenlos auf Ausleihe zur Verfügung, bei der anderen gewährt der Schulverband einen dreistelligen Zuschuss an die Familien, damit diese dann iPads mit weniger Eigenmitteln kaufen können. Die dritte Schule stellt nur eine IT-Plattform den Schülern zum gemeinsamen Arbeiten zur Verfügung, der Zugang läuft browserbasiert über eigene Geräte, quasi ein BYOD-Konzept. Und so weiter und so fort…
Wir können uns diese Belastung mit dem Kauf von sogar zwei iPads leisten, aber viele Familien sind schon mit dem Kauf nur eines stark gebeutelt. Für wirklich gebeutelte Familien (Bürgergeld) stellt die Schule entsprechende iPads kostenlos zur Verfügung. Familien, welche aber nur knapp über dem Bürgergeldsatz liegen mit ihrem Einkommen, müssen voll bezahlen. Und man kann nur begrenzt auf gebrauchte iPads ausweichen, weil es seitens des IT-Dienstleisters Mindestanforderungen an Alter und OS-Version gibt. Da wir aber auch auf dem Land leben, ist ein Schulwechsel für viele auch nicht realistisch, um auf eine Schule zu wechseln, wo es diesen Zwang zum Kauf nicht gibt, da es schlicht für viele dann aufgrund der nicht mehr vorhandenen Schulbusanbindung zur neuen Schule scheitert.
Hier ist in meinen Augen daher noch vieles, was man vielleicht kritisch hinterfragen sollte.
Zum Aspekt der Frühprägung Richtung Apple möchte ich noch sagen, dass die Kinder meist die Einschränkungen des „walled garden“ recht schnell spüren, sobald sie mit anderen zusammenarbeiten müssen, die nicht im Apple-Kosmos verwurzelt sind.
K2 ist auf einer anderen Schule und musste für eine Projektarbeit mit anderen zusammenarbeiten. Einer der anderen hatte aber Folien und Texte mit Apple-Apps erstellt, welche teilweise gar nicht oder nur mit vielen Problemen durch die anderen weiterbearbeitet werden konnten (Unterschiedliche andere Office-Suiten in Nutzung, genaue Gründe für die Probleme weiß ich nicht, aber alle konnten untereinander recht gut miteinander, außer halt der Apple-Nutzer). Auch der Austausch von Dateien war mehr als schwierig in dem Fall der Apple-Hardware.
Aus diesem Grund werde ich auch die iPads von K3 und K4 entsprechend einrichten müssen, damit ein reibungsloser Datenaustausch mit dem Rest unseres Familen-IT-Parks überhaupt möglich ist. Da bekommen die Kinder recht schnell mit, dass der Apple-Kosmos nämlich nur dann wirklich cool ist, wenn man auch voll drin ist und das ist dann aber auch entsprechend kostenintensiv.