Es stimmt natürlich, dass gewisse Rechte, die den Palästinenserinnen innerhalb des Westjordanlands, des Gazastreifens und Ostjerusalems, verwehrt sind, jüdischen wie auch arabischen Israelis zukommen, wie z.B. das Wahlrecht. (Zur Erklärung: der Begriff arabische Israelis ist etwas irreführend, ist aber eine gängige Bezeichnung innerhalb der israelischen Gesellschaft für nicht-jüdische Menschen arabischer Herkunft mit israelischer Staatsangehörigkeit. Dies sind zum einen die Drusinnen als auch christliche und muslimische Palästinenser*innen, die im heutigen Staatsgebiet Israels leben. Nicht umfasst werden davon jüdische Israelis arabischer Herkunft.) Die ethnisch-religiöse Zugehörigkeit spielt also vor allem auf der diskriminierten Seite eine Rolle. Allerdings existiert auch, wie von Frau Asseburg angesprochen, innerhalb Israels eine rechtliche und tatsächliche Diskriminierung gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung, die zuletzt erst durch das Nationalstaatsgesetz in Verfassungsform gegossen wurde.

Zum Nationalstaatsgesetz und seiner Problematik für Minderheiten in Israel gibt es hier gute (rechtliche) Analysen: Israel's Jewish Nation-State Law - Adalah

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Guten Abend Unicornio. Vielen lieben Dank, daß du deinen Freund gefragt hast. Ich hoffe, ich erreiche meine Freundin auch bald… Wenn ich die Menschen hier sehe, die den Angriff richtig finden, ich frage mich ob sie immer noch so denken würden, wenn sie deinen Freund und meine Freundin kennen würden.

Ich finde es wirklich grausam, daß es zur Diskussion steht ob man töten darf, je nachdem wie die Organisation heißt der die Tat begeht.
Als ob man sagen würde, es ist in Ordnung wenn man unschuldige Zivilisten und auch zahlreiche Kinder tötet, so lange sie durch eine anerkannte Armee und " ganz legal" vernichtet werden.
Es erinnert mich an dieser Zitat von Voltaire:

„It is forbidden to kill; therefore all murderers are punished unless they kill in large numbers and to the sound of trumpets.“

Ich danke dir nochmal und wünsche dir und deinen Freund alles alles Gute.Ich werde auch für ihn beten.

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Lieber Ulf,

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Beitrag zu schreiben. Ich finde deine Worte sehr wertvoll und weise.

Ich glaube, wer diesen Konflikt wirklich verstehen möchte, sollte sich vor allem mit den einzelnen Schicksale von den Menschen beschäftigen die dort leben. Nur so kann man sich an ihrer Stelle vorstellen.

Ein Beispiel das sehr berührend und wirklich " eye opening " ist, vor allem über die Ungerechtigkeit in der Region, ist der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm „Promises“ von drei Jüdischen Regisseuren. Die Doku zeigt den Konflikt aus den Augen von sieben Kindern von beiden Seiten. Die Offenheit und Herzlichkeit dieser Kinder die sich in West Bank bei einer Palästinensischen Familie treffen, hat mich an die Kurzgeschichte " Wisdom of Children " von Tolstoy erinnert.

Hier ist das Info über jedes Kind in dem Doku:

  • DANIEL UND YARKO: Israeli boys living in west Jerusalem, secular Jews, put off more by religious Jews than Palestinians; grandsons of Holocaust survivor

  • SHLOMO: Jewish quarter in Jerusalem, Orthodox, son of a rabbi from Jerusalem

  • MOISHE: lives in Beit-El in the West-Bank, dislikes the Arabs

  • FARAJ: lives in the Deheishe refugee camp in the West Bank, Palestinian; son of Palestinian refugees

  • MAHMOUD: Palestinian quarter in East Jerusalem; son of a merchant in the Muslim quarter of the Old City

  • SANABEL: Palestinian lives also in the Deheishe refugee camp, father is in prison because he was affiliated with the Popular Front for the Liberation of Palestine. Her brother died from heatstroke, he was also in prison.

Alleine der Trailer sagt so viel:

Wo hier gerade der übergeordnete Rahmen (versus „Details“) und auch die konkrete Ortswahl des Staates Israel angesprochen wurde — warum Israel überhaupt existiert hat genau einen banalen Grund, der absolut gar nichts mit Deutschland und dem dritten Reich zu tun hat:

The Balfour Declaration’s purpose was to form a “little loyal Jewish Ulster in a sea of potentially hostile Arabism”, according to Ronald Storrs (1917), “the first military governor of Palestine since Pontius Pilate” (his words).

In anderen Worten: die Briten (bzw. der Westen) wollten unter allen Umständen einen panarabischen Staat verhindern, der quasi ein Monopol auf das globale Öl hat. Die angedachte Strategie war Divide-Et-Impera (Ulster spaltet bis heute Irland!). Der Modus Operandi war es, eine imperialistische Kolonie zu gründen (ja, 1917 war Kolonialismus noch en vogue). Und praktischerweise gab es da im Westen eine Gruppe, die sich […] freiwillig in dieser instabilen Weltregion ansiedeln wollten (statt zum Beispiel im stabileren Kanada). Soll heißen: Israel ist die letzte große Bastion des westlichen Imperialismus.

Wir im Westen verdanken einen großen Teil unseres Wohlstandes genau dieser Bastion Israel, die wir daher auch so vehement verteidigen.

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Das zusätzliche Kriterium „Demokratie“ bringst Du ja hier ins Spiel, es hat mit der aus meiner Sicht hilfreichen Funkion des „3D-Tests“ ja erst mal nichts zu tun. Bleiben wir bei dem letzten Beispiel: Wenn es vorgeblich um die Rechte von Palästinenser:innen geht, warum werden die dann nur von Israel eingefordert, nicht aber von dessen drei Nachbarstaaten? Das heißt doch letztlich nichts anderes, als dass die Nichteinhaltung bestimmter Standards bei bestimmten Staaten akzeptiert bzw. nicht thmatisiert wird (weil diese als nicht demokratisch gelten), bei anderen aber kritisiert wird. Und genau das ist mit double standards gemeint. Der Verweis auf den demokratischen Charakter Israels wird hier also letztlich instrumentalisiert, um unterschiedliche Standards zu legitimieren. Und da kann man dann zumindest schon mal hellhörig werden, ob es wirklich um universelle Debatten über das Verhältnis zwischen demokratischer Verfasstheit und kulturell-religiöser Identität geht oder nicht doch eher um eine Strategie, um „Israelkritik“ zu legitimieren, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie nur auf einen einzigen Staat bezogen wird, der ganz zufällig der einzig jüdische ist.

Ich stimme absolut zu, dass die Debatte um Israel/Palästina in Deutschland aus wohlbekannten Gründen ziemlich verkrampft ist. So ganz eindeutig, wie von Ihnen dargestellt, ist die Lage aber auch nicht, weshalb ich gerne einige Ihrer Punkte noch einmal anders beleuchten würde:

Zu 1.
Es stimmt sicher, dass Israel innerhalb des israelischen Staatsgebietes gegenüber israelischen Staatsbürgern verhältnismäßig liberal und demokratisch ist, insbesondere im Vergleich zu den umliegenden Staaten. Dies stimmt aber keineswegs für die von Israel besetzten Gebiete des Westjordanlandes und Gaza sowie nur teilweise für die annektierten Gebiete von Ostjerusalem und der Golanhöhen (die Begriffe der Besatzung und Annexion entsprechen keiner politische Haltung, sondern sind der vom Großteil der Staatengemeinschaft mit Ausnahme von Israel und Donald Trump anerkannte völkerrechtliche Status dieser Gebiete). Auf diese Gebiete jedoch bezieht sich der Apartheidsvorwurf, der wie bereits in einem anderen Post nicht nur von HRW, sondern auch der UN und nicht zuletzt von jüdisch-israelischen Menschenrechtsorganisationen (B’Tselem: Apartheid | B’Tselem, Yesh Din: https://www.yesh-din.org/en/the-occupation-of-the-west-bank-and-the-crime-of-apartheid-legal-opinion/) erhoben wird.

Zu 2.
Mit der Gründung des Staates Israels einhergehend gedenken Palästinenser*innen der Nakba („Katastrophe“ ), als 700.000 Palästinenserinnen und Palästinenser aus dem heutigen Staatsgebiet Israels teils gewaltsam vertrieben wurden, die bis heute in Flüchtlingslagern in der Region verteilt leben und in der Westbank und im Gazastreifen heute noch durch die militärische Besatzung täglich daran erinnert werden. Ohne gewaltsame Angriffe auf Israel rechtfertigen oder ein müßiges „Wer hat angefangen“ beginnen zu wollen, ist die Feststellung, Israel habe nie einem anderen existierenden Staat den Krieg erklärt, deshalb doch etwas zu kurz gegriffen, zumindest wenn es um Angriffe aus palästinensischer Richtung geht.

Und schließlich zu 4.
Ich finde es extrem problematisch, das Ganze einfach als ein arabisches/islamisches Antisemitismusproblem abzutun. Das, was vordergründig zur Debatte steht, ist auch nicht, ob Deutschland und die EU den Iran Atomwaffen auf Israel abwerfen lassen sollte, sondern ob sie ihre mehr oder weniger uneingeschränkte Unterstützung einem Staat aussprechen sollten, der schwere Menschenrechtsverletzungen begeht - vielleicht nicht an seiner eigenen Bevölkerung, aber an den in dem von ihm besetzten und kontrollierten Gebieten. Mit dieser Haltung lässt Deutschland die palästinensische Bevölkerung für seine eigenen Naziverbrechen an dem jüdischen Volk bezahlen, womit es im Übrigen auch Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt eher einen Bärendienst erweist, bezüglich derer sich sowohl Benjamin Netanyahu als auch Heiko Maas sich alle Mühe geben, damit sie mit dem Staat Israel (und damit all seiner kritikwürdigen Handlungen) identifiziert werden. Nicht umsonst gibt es viele jüdische Initiativen, die sich stark gegen die israelische Apartheids- und Besatzungspolitik aussprechen und sich für Solidariät mit den Palästinensern einsetzen, z.B. Jewish Voice for Peace und J-Street in den USA, die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost, Susan Neiman vom Einstein Forum, die oben genannten Organisationen Yesh Din und B’Tselem sowie Breaking the Silence, eine Organisation ehemaliger IDF-Soldaten in Israel, die sich der Aufklärung über Verbrechen des israelischen Militärs in den besetzten Gebieten verschrieben hat. Es lohnt es sich sehr, sich mit diesen auseinanderzusetzen, bevor man Kritik gegenüber der israelischen Regierung oder „antiisraelische Ressentiments“ als arabischen/islamischen Antisemitismus abtut.

Vielleicht sollte es auch zu denken geben, wer hierzulande am lautesten schreit, wenn es um Israelkritik (um diesen zugegebenermaßen nicht ganz glücklichen Begriff zu verwenden) geht. Die Resolution gegen BDS z.B. erfolgte vor allem, um sich nicht scheinbar die Blöße geben zu müssen, weniger vehement gegen Antisemitismus vorzugehen als die AfD, die einen Antrag auf ein komplettes Verbot der BDS-Bewegung zuerst in den Bundestag eingebracht hatte…

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Das ist allerdings auch einigermaßen verkürzt bzw. verzerrt dargestellt. M. E. muss man schon unterscheiden zwischen a) unterschiedlichen Rechten von Menschen, die in ganz unterschiedlichen Gebieten leben. Es gibt ja keinen Status „palästinensische Bürger:in“ unabhängig davon, ob die entsprechende Person in Gaza, Ramallah, Haifa, Jerusalem, Damaskus, Beirut, Amman, Berlin oder Los Angeles wohnt. Ebenso ergeht den meisten anderen Menschen, wenn sie in unterschiedlichen Staaten bzw. Herrschaftsgebieten leben und b) unterschiedlichen Rechtssystemen in einem Gebiet (Westbank). Das gilt aber wiederum für den Gazastreifen nicht.

Können wir uns vielleicht, bevor hier jemand Partei für oder gegen eine Seite ergreift, über ein paar Grundsätze Einigkeit herstellen. Wenn die Konsens wären, kämen wir ein gutes Stück weiter:

  1. Es gibt kaum einen überregionalen Konflikt in der Welt, der so komplex und verfahren ist, wie der Nahostkonflikt. Dazu empfehle ich nochmal diesen Long-Read der Krautreporter. Wer diese Hintergründe nicht kennt und versteht, sollte sich genau überlegen, ob und wie er bzw. sie an der Diskussion teilnehmen möchte.
  2. Terror, Gewalt, Unterdrückung, Missachtung grundlegender Menschenrechte sind keine legitimen (und auch keine effektiven) Mittel der Konfliktlösung.
  3. Jeder hat das Recht zur Selbstverteidigung. Aber die Grenze zwischen Selbstverteidigung und Angriff ist alles andere als klar und eindeutig. Weder sind die Raketenangriffe der Hamas auf Zivilisten Selbstverteidigung. Noch die unverhältnismäßigen Gegenangriffe der Israelis unter bewusster Inkaufnahme (weil unvermeidlicher) massiver „Kollateralschaden“ (schreckliches Wort) unter der Zivilbevölkerung.
  4. Ganz egal, wie man zur Gründung des Staates Israel auf palästinensischen Boden steht: Jede Umsetzung einer Nicht-Anerkennung des Staates Israels würde neues Leid in ähnlichen Dimensionen schaffen. Ebenso haben die Palästinenser — völlig unabhängig irgendwelcher historischer Rechte — ein Recht auf Selbstbestimmung, Frieden, Freiheit.
  5. Weder die Terrorstrategie der Hamas et al. noch die Gewalt- und Appartheits-Strategie der Israelis wird zu langfristiger Stabilität und Frieden führen.
  6. Ein Frieden ist nur dann erreichbar, wenn beide Seiten substanziell auf elementare Positionen verzichten. Voraussetzung dafür ist Vertrauen. Das ist mit allen Führungspersönlichkeiten auf beiden Seiten nach Rabin und Arafat nicht vorstellbar. Insbesondere dann, wenn sie nicht unwesentlich von innenpolitischen Zielen angetrieben sind.
  7. Die Zivilbevölkerung ist daher nicht nur Opfer der Umstände: Sie hat die handelnden Politiker gewählt und/oder unterstützt sie (wobei ich das auf der palästinensischen Seite nicht wirklich beurteilen kann).
  8. Unter solchen Bedingungen ist es für Außenstehenden schier unmöglich, irgendetwas Konstruktives beizutragen. Das Beste, was man tun kann, ist auf die Seite mäßigend Einfluss zu nehmen, auf die man eher Einfluss hat.
  9. Für Deutsche ist es aufgrund unserer mit nichts vergleichbaren historischen Schuld gegenüber jüdischen Menschen besonders schwierig, hier eine wirksame Position einzunehmen. Zu schnell ist man eingeklemmt zwischen Antisemitismus-Vorwurf und kritikunfähiger Loyalität gegenüber dem Staat Israel.
  10. Andererseits ist es angesichts der Bilder von Leid und Elend emotional sehr schwer, eine distanzierte Position einzunehmen.

Ich finde, unter solchen Umständen Partei zu ergreifen, ebenso verständlich wie - um es diplomatisch zu formulieren - mutig.

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Man muss schon sehr böswillig sein, um meinen Beitrag so fehlzuinterpretieren. Es geht mir lediglich um die Verhältnismäßigkeit. Medienhäuser und große Wohnhäuser plattzumachen scheint mir keine verhältnismäßige Reaktion zu sein.

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zu 1)

Die von Dir verlinkte Website von B’Tselem sagt aber etwas anderes. Dort heißt es:

The Israeli regime enacts in all the territory it contols (Israeli sovereign territory, East Jerusalem, the West Bank, and the Gaza Strip) an apartheid regime. […] B’Tselem rejects the perception of Israel as a democracy.

Sprich: Israel wird komplett abgesprochen, demokratisch zu sein, der Staat wird in Gänze als „Apartheidsregime“ beschrieben. Dieser Begriff stellt eine klare begriffliche Analogie zum früheren Südafrika her und dient damit nicht einer genaueren Beschreibung der angesprochenen Probleme, sondern eindeutig einer Moralisierung,. Emotionalisierung und letztlich Delegitimierung Israels. Letztlich basiert ja der gesamte Ansatz von von BDS auf der Südafrika-Analogie.
Damit will ich nicht die sicherlich meist ehrenwerten Motive von Menschenrechtsorganisationen infrage stellen. Bei den Punkten, die B’Tselem als Kennzeichen eines angeblichen „Apartheidsregimes“ anführt, handelt es sich in der Tat um schwer erträgliche Ungerechtigkeiten - deshalb gibt es ja auch in Israel so viel Kriik daran und Diskussion darüber. Auch kann man israelischen Linken - zu denen ich B’Tselem zähle - nicht unbedingt vorwerfen, vor allem das Handeln „ihres“ Staates zu kritisieren. Aber es stellt sich schon die Frage, worauf genau diese Kritik abzielt, wie sie formuliert ist und welcher Narrative sie damit bedient. Wenn ich ein demokratischeres, also pathetisch formuliert ein besseres, gerechteres Israel will, sollte ich durch mein Handeln vielleicht nicht unbedingt Leute unterstützen, die Israel vernichten wollen.

zu 2
Natürlich ist eine Diskussion über die Frage „wer hat angefangen“ müßig. Aber die Feststellung, dass Israel niemals einem anderen Staat den Krieg erklärt hat, reagiert ja auf den Vorwurf, dass Israel quasi qua Staatsgründung bzw. qua Einwanderung von Jüd:innen diesen Konflikt ausgelöst habe. Und die zentrale Rolle der Naqba in der kollektiven Erinnerung der Palästinenser:innen macht ja genau diesen Claim. Sie sagt ja gerade nicht „es gab da einen Konflikt mit mehreren Beteiligten, der zum (Bürger-)Krieg wurde und in dessen Folge XX Menschen getötet oder vertrieben wurden bzw. flüchteten“ sondern sie sagt „WEIL Israel gegründet wurde, mussten WIR leiden“ - arabische Angriffe auf Jüd:innen lange vor der Staatsgründung, die Vereinigung zahlreicher arabischer Staaten zum Zwecke der Vernichtung Israels sowie die Vertreibung der Jüd:innen aus zahlreichen arabischen Staaten haben da keinen Platz.

zu 4) Ich verstehe nicht ganz, was Du hier mit „abtun“ meinst. Die Aussage ist ja nicht, dass arabische bzw. muslimische Menschen quasi genetisch antisemitischer wären - das ist natürlich Mumpitz und das hat hier auch niemand behauptet. Das Hauptproblem des Konflikts ist aber, dass zahlreiche arabische und islamische Staaten, aber auch weite Teile der Bevölkerung in diesen Staaten die Existenz Israels schlicht nicht akzeptieren wollen. Sie weigern sich nicht nur, in diplomatischen Kontakt zu treten und mit Israel in internationalen Organisationen zusammenzuarbeiten, sondern sie dämonisieren diesen Staat oftmals systematisch und oftmals in antisemitischer Weise. Das kommt wie gesagt nicht immer vom Staat (wie etwa im Iran), es können auch nicht-staatliche Akteur:innen sein oder semi-staatliche wie Hamas und Hizbollah oder oppositionelle Gruppen wie die Muslimbrüder in Ägypten. Das ist auf diesem Planeten würde ich sagen eine ziemlich einmalige Situation. Das mal ein Land ein anderes nicht akzeptiert, gebongt, aber fast alle Nachbarstaaten?

Das ist letztlich nur eine weitere Variante der ständig wiederholten Behauptung, jegliche „Kritik gegenüber der israelischen Regierung“ würde als Antisemitismus gebrandmarkt. Das ist erstens absurd angesichts der Menge an Kritik, die die israelische Regierung innerhalb und außerhalb des Landes erfährt und zweitens geht es hier einfach völlig am Punkt vorbei. Die genannten Akteur:innen stören sich nicht daran, was Israel tut, sie stören sich daran, dass es Israel überhaupt gibt. Und wer diesen Unterschied nicht sieht, kann m. E. den Konflikt nicht verstehen.
Die Frage, ob die deutsche Regierung jetzt in Sonntagsreden Antisemitismus verdammt und eine Unterstützung Israels zur Staatsräson erhebt, dürfte auf den realen Konflikt relativ geringe Auswirkungen haben. Fakt ist, dass Deutschland zwar einerseits mit Israel kooperiert, aber andererseits auch mit Ländern, die offen dessen Vernichtung fordern, allen voran mit dem Iran.

zu BDS: Der Beschluss zu BDS kam auch dadurch zustande, dass es in den letzten Jahren in vielen Bereichen von Politik und Öffentlichkeit ein gestiegenes Bewusstsein für Antisemitismus gegeben hat, gerade auch für dessen aktuelle Formen, die sich eben häufig auf Israel beziehen. So gab es z. B. noch 2015 ein Gerichtsurteil in NRW, das an einen Angriff auf eine Synagoge nichts antisemitisches fand, weil es ja nur um Protest gegen Israel gegangen sei. Das wäre 2021 in Deutschland undenkbar und ich finde, dass das gut ist.

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Die Frage ist doch, was „Verhältnismäßigkeit“ heißt. Meinem Verständnis nach bedeutet das, dass die israelischen Armee bei der wirksamen Unterbindung weiterer Angriffe der Hamas (was ihr Recht und ihre Aufgabe ist) dafür Sorge tragen muss, dass möglichst wenig Unbeteiligte zu Schaden kommen.
Der Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit heißt dann nichts anderes, als dass Israel sich entweder nicht um zivile palästinensische Opfer schwert oder diese sogar bewusst herbeiführt.
Aber das ist natürlich etwas „knifflig“, wenn die Hamas zum Beispiel Raketen in Schulen, Krankenhäusern oder UN-Gebäuden lagert, wie es für 2014 inzwischen nachgewiesen ist. Die Strategie der Hamas, die Zivilbevölkerung in Gaza als „human shields“ zu benutzen um ihre militärische Infrastruktur zu schützen und für zivile Opfer dann Israel anzuprangern, ist ja etabliert und bekannt. Daher ist es in Gaza in vielen Fällen einfach nicht möglich, z. B. Waffendepots der Hamas anzugreifen, ohne dass es zumindest zivile Opfer geben könnte. Und Israel unternimmt ja einiges, um diese zu vermeiden.In dieser Situation stellt sich schon die Frage, was eigentlich hinter dem Ruf nach „Verhältnismäßigkeit“ steht, wenn nicht der Wunsch, die Hamas in Ruhe machen zu lassen.
Wenn Du sagst, die Angriffe auf „Medienhäuser und große Wohnhäuser“ im Gazastreifen „keine verhältnismäßige Reaktion“, gehst du ja mit keiner Silbe darauf ein, inwiefern sich in diesen Gebäuden militärische Ziele befunden haben. Damit unterstellst Du (vielleicht ohne es zu wollen), dass die Ziele zufällig, ohne Grund oder - noch schlimmer - aus purer Zerstörungslust ausgewählt wurden.

Liebe Lage der Nation - wie erfrischend war das Interview mit Muriel Asseburg - fachlich tief und begründet, und die palästinensische Sichtweise wurde angemessen berücksichtigt! Was in den deutschen Medien leider eine Seltenheit ist.

Das Judentum ist viel vielfältiger als das, was in den deutschen Medien so oft dargestellt wird. Nicht all Juden sind Zionist:Innen. Auch innerhalb des zionistischen Judentums gibt es diejenigen, die die Politik und die militärischen Aktionen der israelischen Regierung ablehnen und dennoch auf einen gerechten und dauerhaften Frieden hinarbeiten.

z.B. Zum Beispiel die Gruppe der amerikanischen und kanadischen Rabbiner der T’ruah-Gruppe. Die erkennen hier (leider nur auf Englisch) hier die Ursprünge der aktuellen widerwärtigen Runde der Gewalt:

Praying for peace, taking responsibility for our complicity | T'ruah (14te Mai 2021)

The shocking violence in the streets is the result of years and years of provocation by Prime Minister Netanyahu and others, who cast Palestinian citizens as a fifth column; passed the Nation-State Law, which enshrines legal inequality; and neglected Palestinian communities, who spent much of the past year protesting against the indifference by the Israeli government and police to intracommunal violence. In the past few days, Israeli Jewish extremist groups have organized on Telegram and WhatsApp to travel to mixed cities in order to carry out violent and destructive attacks against Palestinian citizens, their homes, and their businesses. In these same towns, Palestinian citizens have torched synagogues, seriously wounded Jews, and attacked Jewish homes and businesses. There is no justification for such violence, by either party. But it is not random — it is the direct effect of years of government policies and incitement.

Part of the background is also Netanyahu’s desperate attempt to hold onto power, during a week when a potential new governing coalition came close to ousting him. Hamas, too, is playing a power game with their rivals in the Palestinian Authority, after President Abbas canceled planned Palestinian elections.

Also auf Deutsch:

Die schockierende Gewalt auf den Straßen ist das Ergebnis jahrelanger Provokationen durch Premierminister Netanjahu und andere, die palästinensische Bürger als fünfte Kolonne abstempelten, das Nationalstaatsgesetz verabschiedeten, das die rechtliche Ungleichheit festschreibt, und die palästinensischen Gemeinden vernachlässigten, die einen Großteil des vergangenen Jahres damit verbrachten, gegen die Gleichgültigkeit der israelischen Regierung und der Polizei gegenüber innerkommunaler Gewalt zu protestieren. In den letzten Tagen haben sich israelische jüdische Extremistengruppen über Telegram und WhatsApp organisiert, um in gemischte Städte zu reisen und dort gewalttätige und zerstörerische Angriffe gegen palästinensische Bürger, ihre Häuser und Geschäfte zu verüben. In denselben Städten haben palästinensische Bürger Synagogen in Brand gesteckt, Juden schwer verletzt und jüdische Häuser und Geschäfte angegriffen. Es gibt keine Rechtfertigung für solche Gewalt, von keiner Seite. Aber sie ist nicht zufällig - sie ist die direkte Folge von jahrelanger Regierungspolitik und Aufwiegelung.

Ein Teil des Hintergrunds ist auch Netanyahus verzweifelter Versuch, sich an der Macht zu halten, während einer Woche, in der eine mögliche neue Regierungskoalition kurz davor stand, ihn zu verdrängen. Auch die Hamas spielt ein Machtspiel mit ihren Rivalen in der Palästinensischen Autonomiebehörde, nachdem Präsident Abbas die geplanten palästinensischen Wahlen abgesagt hat.

Übersetzt mit DeepL Translate: The world's most accurate translator (kostenlose Version)

Die Rabbiner erkennen auch an, dass das Wachstum des Siedlerextremismus und des rechtsextremen Flügels innerhalb Israels teilweise durch oft gut gemeinte Spenden von Juden außerhalb Israels finanziert wurde.

As American and Canadian Jews, we cannot ignore our own communities’ role in justifying decades of occupation, and the rise of right wing extremists. Too many of our organizations made their first statement on the weeks of violence and tension only when rockets from Gaza started flying toward Israeli towns, and ignored the experience of Palestinians both in East Jerusalem and in Gaza. Too often, we have given Netanyahu and other right wing politicians standing ovations in our own communities, even as they incite violence against their own citizens, woo Kahanists into the Knesset, and implement de facto annexation of the West Bank. And too often, we have invested our donor money in the status quo — whether in supposedly apolitical organizations like JNF-USA that contribute to the settlement project — or in outright extremist groups, as documented in my recent Haaretz article, written after a right-wing Jewish mob rioted through Jerusalem. Or we have thrown up our hands in exhaustion and diverted our money altogether from groups — both at home and in Israel — trying to make positive change there. By pulling back, we create a vacuum for right-wing donors laser-focused on turning Israel into their fantasy of a fundamentalist fortress."

Übersetzt auf Deutsch:

Als amerikanische und kanadische Juden können wir die Rolle unserer eigenen Gemeinden bei der Rechtfertigung der jahrzehntelangen Besatzung und des Aufstiegs der Rechtsextremisten nicht ignorieren. Zu viele unserer Organisationen haben sich erst zu den Wochen der Gewalt und der Spannungen geäußert, als Raketen aus dem Gazastreifen auf israelische Städte zu fliegen begannen, und haben die Erfahrungen der Palästinenser sowohl in Ost-Jerusalem als auch in Gaza ignoriert. Zu oft haben wir Netanjahu und anderen rechten Politikern in unseren eigenen Gemeinden stehende Ovationen gegeben, obwohl sie zur Gewalt gegen ihre eigenen Bürger aufstacheln, Kahanisten in die Knesset locken und die De-facto-Annexion des Westjordanlandes durchführen. Und zu oft haben wir unsere Spendengelder in den Status quo investiert - sei es in vermeintlich unpolitische Organisationen wie JNF-USA, die zum Siedlungsprojekt beitragen - oder in offen extremistische Gruppen, wie in meinem jüngsten Haaretz-Artikel dokumentiert, der geschrieben wurde, nachdem ein rechtsgerichteter jüdischer Mob in Jerusalem randalierte. Oder wir haben aus Erschöpfung die Hände hochgeworfen und unser Geld ganz von Gruppen abgezogen - sowohl zu Hause als auch in Israel - die versuchen, dort positive Veränderungen zu bewirken. Indem wir uns zurückziehen, schaffen wir ein Vakuum für rechtsgerichtete Spender, die sich darauf konzentrieren, Israel in ihre Fantasie einer fundamentalistischen Festung zu verwandeln.

Übersetzt mit DeepL Translate: The world's most accurate translator (kostenlose Version)"

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Bei MSNBC war letzte Woche ein Reporter am Telefon zugeschaltet, der normalerweise dort arbeitet. Vorwarnung bekommen, jetzt noch ne Stunde Zeit und dann wird’s plattgemacht. Angeblich hätten Leute von der Hamas unter dem Gebäude Waffen gehortet. Konnte er nichts zu sagen, ob das in irgendeiner Form der Wahrheit entspricht. Die Vermutung von ihm war eher, dass man unliebsame Berichterstattung abschalten wollte, weil das Gebäude von Journalisten aus aller Welt intensiv genutzt wurde.

Wenn man möchte, dass die Raketenangriffe aufhören, dann muss man einen Waffenstillstand verhandeln. Beide Seiten können den Konflikt militärisch nicht gewinnen. Selbst wenn man unter hohen Blutzoll in den Gaza-Streifen einmarschiert und alle Raketen zerstört ist die Situation in einem Jahr wieder die selbe. Die Bevölkerung von Gaza wächst jedes Jahr und für die meisten jungen Menschen gibt es keine Perspektive. Deswegen sind sie leichtes Futter für die Hamas oder jegliche andere Terrororganisation, die sich dort jederzeit bilden könnte. Warum haben wir kein Problem mehr mit der RAF? Weil wir in den 70ern nicht die Zukunft von jedem jungen Menschen zerstört haben, der nicht auf Regierungslinie ist. Wenn die Leute ihr Leben selbst bestimmt gestalten können, dann schmeißen sie es nicht für Terrorismus weg. Immer wieder die Infrastruktur in Gaza zu zerstören, schadet nur der Zivilbevölkerung. Dann doch lieber die Geldgeber in Katar zur Rechenschaft ziehen.

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Das Interview hat mich ratlos zurück gelassen. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass mal ein anderer Blickwinkel eingenommen wird und der kam einfach nicht. … Sehr vieles wurde von vielen Leuten schon sehr gut dargelegt. Disclaimer: Meine Mutter ist Jüdin, mein Vater Muslim. Ich bin Völkerrechtlerin. Um mich kurz zu fassen möchte nur auf das Paradox (?) der Linken eingehen. Der Konflikt erinnert auf ersten Blick an David und Goliath. Gerade viele Linke haben den Reflex dem Underdog die Treue zu halten… Kämpft er etwas schmutzig, ja muss er doch… Man setzt sich für die arme Hamas ein und dann am gleichen Tag auch für LGBTQs, die Gleichberechtigung und eine moderne Gesellschaft. Liebe Linke, macht doch mal die Augen auf für wen ihr Euch da einsetzt! Die Grünen haben es übrigens - in meinen Augen- anders und gut gemacht.

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Um zu vermuten, dass die israelische Armee mal eben ein Gebäude zerstört, nur weil dort „unliebsame“ Journalist:innen arbeiten, muss man m. E. schon ein ziemlich übles Bild von derselben haben. Gibt es denn irgendwelche Indizien oder Belege für diese Annahme? Oder gibt es irgendwelche Gründe, die dagegensprechen, dass das Gebäude auch von Hamas und Djihad Islami genutzt wurde, wie die Israelis sagen? Dass Journalist:innen im Gazastreifen überhaupt nicht arbeiten können, wenn sie die Sichtweise der Hamas nicht zumindest grundsätzlich teilen, hat der MSNBC-Reporter vermutlich nicht erzählt, oder?
Die „jungen Menschen“ im Gazastreifen sind übrigens keineswegs mehr ein unendliches Reservoir an neuen Kämpfer:innen für die Hamas und andere Terrorbanden, denn auch die haben zunehmend die Schnauze voll von einer Politik, die außer Hass und Zerstörung nichts zu bieten hat, vgl. diesen Offenen Brief eines Aktivisten des „Gaza Youth Movement“ jungle.world - Ein Brief an die wirklichen Freunde der Palästinenser
Den Vergleich des Gazastreifens 2021 mit der BRD in den 1970ern verstehe ich beim besten Willen nicht. Aber was ich verstehe, ist, dass Du die Zerstörung der Infrastruktur Israel anlastest, und gar nicht auf die Idee kommst, zu erwähnen, dass es gerade Kern der Politik der Hamas ist, einen Großteil öffentlicher Ressourcen in den Terrorismus zu „investieren“, dabei „ihre“ Bevölkerung als Geisel zu nehmen, dafür zu sorgen, dass Infrastruktur zerstört bzw. nicht wieder aufgebaut wird, dass junge Menschen keinerlei Perspektive haben etc. Woher kommt nur dieser Wunsch, Israel in diesem Konflikt für wirklich alles verantwortlich zu machen?
Und natürlich ist der Beschuss der Hamas keine nachhaltige Lösung, ich glaube, diser Gedanke dürfte der israelischen Armee und sogar Netanyahu auch schon mal gekommen sein. Die Forderung nach einem Waffenstillstand richtet sich - nach allem was ich aus den Medien mitbekomme - auch seltsamerweise meist an Israel, aber selten an die Hamas. Sie wird auch erst erhoben, nachdem Israel begonnen hat, Gaza zu bombardieren, aber nicht nach den ersten Hamas-Raketen. Und auch hier gehe ich mal davon aus, dass Du nicht der erste bist, der auf diese Idee gekommen ist. Kurzfristig dürfte es aber keine besonders gute Idee sein, wenn Israel auf einen Raketenbeschuss in noch nie dagewesenem Ausmaß nicht militärisch reagiert, und zwar 1. innenpolitisch, 2. psychologisch für die israelische Bevölkerung in den Bunkern und 3. für Hizbollah und iranische Milizen, die nur auf einen Anlass warten, um ihre Munition auf israelische Zivilist:innen abzufeuern.

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Das Gebäude wurde seit Jahrzehnten von Journalist:innen genutzt, aber erst jetzt ist der Armee aufgefallen, dass es von der Hamas genutzt wird? Fällt mir schwer das zu glauben. Ich bezweifle auch, dass US-Sender wie MSNBC und CNN die Sichtweise der Hamas teilen.

Solange der Grundkonflikt nicht verschwunden ist, wird die Gewalt bleiben. Der Auslöser für die Gewalt war ja nicht der Abschuss der Raketen, sondern dass palästinensische Familien in Ost-Jerusalem ihre Häuser räumen mussten, in denen sie seit Jahrzehnten leben.

Ich will jetzt auch nicht zu sehr auf der israelischen Armee rumhacken, die nur ihren Job macht. Entscheidend ist die Politik. Und zumindest in meinen Augen ist die Politik von Netanyahu nicht geeignet den Konflikt zu beenden. Ich würde mir eine andere Regierung in Israel wünschen. Übrigens auch in den Palästinensergebieten. Da sollte man mehr Druck ausüben, dass dort nach 15 Jahren wieder freie Wahlen abgehalten werden. Wenn man immer wieder viel Geld nach Gaza schickt (die Bundesregierung hat schon 40 Millionen Euro versprochen), dann kann man auch Bedingungen stellen.

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Wer sagt denn das? Die israelische Armee hat es halt nicht beschossen, bevor die Hamas ganz Israel mit Tausenden Raketen beschossen hat und darauf mit massiven Luftschlägen reagiert wurde. Im übrigen schrieb ich auch nicht von kompletten Sendern, sondern von den einzelnen Journalist:innen, die konkret im Gazastreifen arbeiten. Vielleicht ist „Sichtweise teilen“ etwas zu scharf formuliert, aber wer die Hamas offen kritisiert, wird dort bestimmt nicht als Journalist:in akkreditiert.

Das sehen ja viele andere auch so. Das Problem ist nur: Selbst wenn es eine israelische Politik gäbe, die dazu geeignet wäre, gäbe es ja immer noch eine andere Konfliktpartei, über deren mangelnde Geeignetheit zur Konfliktlösung merkwürdigerweise sehr viel weniger geredet wird. Ich halte es jedenfalls nicht für sehr realistisch, dass die Hamas aufgrund von Geldzahlungen nach Gaza auf einmal ihre Grundsätze aufgibt und Israel als jüdischen Staat anerkennt. Vielmehr dürften die Friedensverträge Israels mit einigen Golfstaaten und die erstmals realistisch mögliche Regierungsbeteiligung arabischer Parteien in Israel wesentliche Gründe dafür gewesen sein, dass die Hamas den Konflikt jetzt eskaliert hat.

Ich möchte irgendwie daran glauben, daß Menschen, die die Bombenangriffe richtig finden, nicht grausam oder herzlos sind. Was sie haben ist hoffentlich nur " lack of imagination". Wenn sie sich für einen Moment vorstellen wollen, was der Krieg wirklich bedeutet, sie sollten sich dieses Video angucken.

Wenn das die richtige Lösung wäre, nach so vielen Angriffen, sollte der Konflikt verschwunden sein… Ich denke dabei an dieses Zitat, das man Einstein zuschreibt:

"Insanity is doing the same thing over and over and expecting different results. "

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Also ich wollte zu dem Interview sagen, dass ich mich echt gefreut habe, dass ihr so differenziert über das Thema gesprochen habt und so tiefgründige Fragen gestellt und die Expertin wirklich objektiv über beide Seiten gesprochen hat.

Mein einziger Kritikpunkt betrifft, dass Ich finde, dass ein verzerrtes Bild entsteht, wenn man sagt, dass die Hamas die Zivilbevölkerung Israels beschieße und Israel lediglich Waffenarsenale und Tunnelsysteme zerstören wolle. Ich finde, es sollte mit erwähnt werden, dass Israel ebenfalls die Zivilbevölkerung bombardiert, u. A. Wohnviertel, medizinische Einrichtungen und Mediengebäude. Außerdem macht es einen Unterschied, dass Israel ein sehr effektives Raketenabwehrsystem hat, das 90 % der Raketen, die von der Hamas auf Israel geschossen werden, abfängt. Andersherum erreicht jede Bombe, die Israel über Gaza abwirft, ihr Ziel.

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Das humanitäre Völkerrecht regelt diese Frage, aber die Auslegung von Art. 52 Abs. 2 des Ersten Zusatzprotokolls der Genfer Konvention ist keineswegs einfach.
Hierzu findet sich eine Erläuterung von Dörmann im Münchner Kommentar zu § 11 VStGB Rn 50, der auch viele Nachweise zum internationalen humanitären Völkerrecht enthält.

"Die Definition des „militärischen Ziels“ beruht auf einem zweitstufigen Test:

  • –Die Objekte müssen durch ihre Beschaffenheit, ihren Standort, ihre Zweckbestimmung oder ihre Verwendung wirksam zu militärischen Handlungen beitragen und
  • –ihre gänzliche oder teilweise Zerstörung, Inbesitznahme oder Neutralisierung muss unter den in dem betreffenden Zeitpunkt gegebenen Umständen einen eindeutigen militärischen Vorteil darstellen."

Das heißt bei einem nicht per definitionem militärischen Ziel muss begründet werden, warum es militärisch sein soll. Bei Wohnhäusern, Krankenhäusern oder Schulen spricht eine Vermutung für eine zivile Nutzung.

Es muss also bei einem solchen Ziel begründet werden, dass es aktuell militärischen Zwecken dient.

Einfach ist das wirklich nicht. Denn wenn ein Wohnhaus über einem Tunnel für den Waffenschmuggel steht, kann man sich schon fragen, ob das Haus militärischen Zwecken dient…