Inflation vs Co2-Preis

Hi,
in eurer Auseinandersetzung mit dem Agora-Energiewendepaper vermisse ich einen wichtigen Aspekt:
Die Entwicklung des Co2-Preises im Vergleich mit der Inflation.

Zur besseren Visualisierung habe ich hier einmal ein paar Kurven auf Basis des nachgebesserten Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes in Verhältnis zu verschiedenen Inflationserwartungen geplottet:

Wir sehen: je höher die Inflationserwartung der nächsten Jahre, desto geringer ist die Lenkungswirkung durch einen nach dem aktuellen Vorschlag steigenden Co2-Preis.
Dieser Aspekt fehlt mir bisher in eurer Gesamtbetrachtung.
Die Bundesbank geht von 5% Inflation aus und die deutschen Bürger kaufen so viel Gold wie seit 2009 nicht mehr - was eine erhöhte Inflationssorge ebenso nahelegt.
Sprich: bei den aktuell geplanten Co2-Preissteigerungsplanungen sehe ich nicht, dass die Menschen mit Inflationssorgen in die Reduktion ihres Co2-Fußabdrucks investieren. Die Leute kaufen eher Goldbarren als Wärmepumpen.

Hallo Lib,

in dem von Dir verlinkten Artikel sagt Herr Weidmann
„Meine Fachleute erwarten etwa für Deutschland zum Jahresende 2021 Raten, die in Richtung 5 Prozent gehen könnten. Hier sind vor allem aber vorübergehende Effekte am Werk. […]. Die Inflationsraten werden daher im weiteren Verlauf sicherlich wieder deutlich fallen“

Was Du da plottest sind aber jährliche Inflationsraten von 2,5,10 und 20 % über die nächsten 5 Jahren. Das ist (bei 5,10 und 20%) weit weg von dem was die Bundesbank erwartet.

Wenn wir über 5 Jahre jähliche Inflationsraten von 10% haben haben wir glaube ich direktere gesellschaftliche Probleme als die nicht-Wirksamkeit des CO2-Preises

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Deutschland und Europa werden in diesem Szenario sowohl den Wohlstand als auch die Klimawende verlieren. So sieht es unter anderem Hans Werner Sinn.
Ich bin sicherlich jemand, der eine höhere Inflation als in den 70ern in dieser Dekade vermutet. Aber genau deswegen glaube ich eben den zwar nominell steigenden aber real potenziell fallenden Preisen einer Co2 Abgabe eben nicht und investiere entsprechend.
Dass die Goldkäufe der Deutschen so hoch sind ist keine übertriebene Panik; Menschen die von einer Normalisierung der Inflation ausgehen, würden keine großen Edelmetallmengen kaufen.

Wie cool wäre das, wenn die Löhne langsamer wachsen, wie die Inflation! Dann hätten wir hier sogar noch eine Hebelwirkung.

Eigentlich ist Gold nur ein Schutz vor negativen Realzinsen und nicht vor Inflation.
Zumal fallen mir einige Gründe ein, warum gerade jetzt vermehrt Gold gekauft wird (Anonymität, Schutz vor dem Zugriff vom Staat, mögliches Vermögensregister, Bankenpleiten…).

Mir gefällt aber die Herangehensweise. Also, dass wir uns erst Gedanken über einen minimalen Aspekt bei der Bekämpfung des Klimawandels machen. Das ist auch wichtiger als eine europaweite oder weltweite Strategie zu entwickeln.

Die globale Strategie wäre wünschenswert. Gegen die europäische Strategie stimmt das vermögende Volk mit den Füßen ab- indem Vermögen in anonyme und transportable Assets verschoben wird.

Jo, Hans Werner Sinn hat an vielen Stellen eine Meinung die ich nicht teile.

Mir war es nur wichtig darzustellen das der von Dir verlinkte Artikel bei der Bundesbank die Gedanken Deines Threads nicht wiederspiegelt.

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Diesen Herrn als Referenz heranzuziehen, naja.

Ich sachma so: wer ein Jahrzehnt lang vor jeder Saison den bevorstehenden Abstieg des FC Bayern München vorhersagt, den würde man irgendwann nicht mehr ernst nehmen als „Experte“. Bei der Kommentierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik gelten leider andere Regeln.

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wir sind mittlerweile bei 4,1%. Das Delta zwischen Investition in die Zukunft und Vermögenserhaltung wird also geringer. Wenn ein bestimmter nicht-inflationsbeachtender Co2-Preis angelegt wird, wird es bei weiter steigender Inflationsprognose immer unattraktiver in Co2-effiziente Maßnahmen zu investieren.
Denn: Das unendlich vermehrbare FIAT Geld jagt ein nicht vermehrbares Gut: Co2 Zertifikate/Co2Budget.

Ich weiss nicht warum dieses Forum derart auf Einzelpersonen fixiert ist. Es geht doch hier um Ideen, nicht um Menschen.
Als Anhänger der Austrian Economy würde ich dann Ludwig v. Mises, Adam Smith, Michael Burry oder Peter Schiff anführen - aber es geht doch nicht darum hier Referenzen aufzuführen, die eine hohe Inflationserwartung haben.

Die US-Amerikaner selbst erwarten 5,3%+ Inflation.

Grundsätzlich befürworte ich eine jährliche Inflation von 10%.
Da sie Rente betragsmäßig festgeschrieben ist, wäre das perfekt um das Problem des demographischen Wandels zu lösen.

Aber Spaß beiseite.
Wer in einem Jahr die Mehrwertsteuer senkt und sie im nächsten Jahr wieder erhöht, bekommt eine Inflation.
Ich hätte mir gewünscht, dass mal ein Journalist einen Bleistift nimmt und den Effekt heraus rechnet.
Ansonsten regelt ja der Markt den Preis.
Und wenn Nachholeffekte auf Verbraucherseite auf Mangel an Produktionsgütern auf der Angebotsseite treffen, steigt er eben.

Dass so viel Gold gekauft wird, erstaunt mich an der Menge von Querdenkern und Untergangspredigern indes wenig.
Wer kauft, wenn alle kaufen ohne es zu müssen, ist meiner Meinung nach sowieso selbst schuld.

Zum Thema Inflation ein guter Poscast:

Für die aktuell Steigende Inflation empfiehlt sich auch ein Blick auf die Daten.
https://www-genesis.destatis.de/genesis/online?operation=ergebnistabelleUmfang&levelindex=1&levelid=1633776888661&downloadname=61111-0002#abreadcrumb

Wie schon beschrieben sind in Q3 und Q4 2020, auch wegen der Mehrwertsteuer, die Verbraucherpreise gefallen, mit einem Tiefpunkt im November 2020.
Wer voraussagt, dass die Inflationsrate, die ja die relative Veränderung zum Vorjahresmonat misst, im November 2021 sich nochmal steigern wird muss kein Prophet sein, das wird auch dann passieren, wenn die Preise zwischen Oktober 2021 und November 2021 konstant bleiben (weil sich ja die Referenzdaten ändern).

Wenn man sich mal als Referenzdaten den Zeitraum 2 Jahre vorher anschaut (also zB August 21 mit August 19 vergleicht), dann sieht man eine jährliche Teuerungsrate von 1,92%, was ja ziemlich nah am Inflationsziel der Geldpolitik ist.

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Problematisch ist es eher, wenn sie alltägliche und schlecht lagerfähige Dinge kaufen müssen - wie Gas, Strom, Nahrungsmittel. Und wenn der Ölpreis und Gaspreis weiter ansteigt hilft auch der Rückgang des MwSt. Effekts wenig - zumal in anderen Ländern eine ähnlich hohe Inflation beginnt wie in Deutschland - auch in Ländern die keine MwSt. Anpassung hatten.

Dass manche Preise steigen werden, war leider zu erwarten.
Gerade die CO2-Steuer, die ja nun immer mehr Länder einführen, macht sich da natürlich bemerkbar.
Die Energiekostensteigerung wäre mit einem frühzeitigen konsequenten Ausbau regenerativer Energien vermeidbar gewesen.
Hier können wir hoffen, dass die neue Regierung nachsteuert.

Ansonsten ist natürlich bei der derzeitigen Steigerung zu beachten, dass wir im Euro-Raum letztes Jahr eine Inflation von 0,3% hatten.
Die jetzige Inflation ist in dem Zusammenhang kein Grund, den Kopf zu verlieren.
Man sollte aber, gerade wenn man jetzt einen langfristigen Kredit aufnehmen möchte, im Hinterkopf haben, dass die lockere Geldpolitik langsam dem Ende entgegen gehen könnte (aber das prophezeie ich schon seit Jahren).

dafür sind die Staaten zu hoch verschuldet. Weder die FED noch die EZB wird jemals wieder die Zinsen heben können.

Das ist so nicht korrekt. Länder wie Italien waren schon immer sehr hoch verschuldet und kamen damals auch mit Zinsen von 8% klar.
Für diese Länder ist es ohne Probleme möglich Zinsen von zum Beispiel 4% zu tragen, vor allen Dingen auch, weil viele Anleihen noch für Jahre die alten Zinsen aufweisen und diese Schritte nur für neue gelten.
Die Länder könnten dann zwar nur noch weniger ausgeben pro Jahr, weil sie langfristig mehr für den Schuldendienst aufbringen müsten, aber zusammen brechen würden sie davon nicht.

Ich vermute damals meint die 70er - da hatte Italien eine Schuldenquote von 40%-60% und Inflation von bis zu 25% pro Jahr. „Klarkommen“ sieht für mich anders aus.


Quelle: Wirtschaftsdienst der EU.
Bei den heutigen Schuldenquoten werden wir nie wieder Zinserhöhungen sehen.

Das Zinsniveau musst du in Reaktion zur Inflationsrate im jeweiligen Währungsraum sehen:

Bei einem Zinsniveau von 8%, während gleichzeitig die Wirtschaft nicht wächst und die Inflationsrate chronisch niedrig ist, hat nicht nur der Staat ein Problem mit der Höhe der Zinszahlungen. Auch viele Refinanzierung von z. B. Geschäfts- oder Hypothekenkrediten werden umgehend in die Pleite der Schuldner führen.

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Wir können ja alle nicht in die Zuklkunft sehen und „nie“ ist ein großes Wort.
Wärest Du bereit zu wetten?
Es gibt eine Leitzinserhöhung der EZB in den nächsten 10 Jahren würd ich einen (Inflationsbereinigten ;)) Zwanni drauf wetten :stuck_out_tongue:

ich wette ohnehin schon mit meinen investments auf außer Kontrolle laufende inflation der westlichen Währungen - sprich dass weder die FED noch die EZB den politischen Willen haben Zinsen zu erhöhen und somit eine Depression zu erzeugen.