Ich finde die moral high road doch etwas fragwürdig. Sehen wir mal davon ab, dass die Rolle von jungen Menschen quantitativ doch eher gering sein wird, im Vergleich zu Polizisten, Angestellten, lokal Politikern doch eher gering sein wird, sind die Ressourcen von jungen Menschen egal ob sozial (Kontakte) oder andere doch eher gering im Vergleich zu älteren Menschen. Dadurch werden die meisten hier keine Möglichkeit haben dies wirklich auszunutzen. Hinzu kommt, dass man nicht weiß warum sich diese jungen Leute als Kontaktperson impfen lassen, es gibt eine reihe von Faktoren, welche dies durchaus sinnvoll machen würde. Auch stellt sich hierbei die Frage, welche Rolle die Eltern in der Entscheidung, wer als Kontaktperson anzugeben ist, haben. Die jüngeren Menschen, die jetzt schon geimpft sind könnten, auch durch priogruppen, Arbeit in den entsprechenden Bereichen bzw. Unternehmen mit guten Kontakten oder
Hinzu kommt, dass ich es grundsätzlich etwas problematisch finde von einer Demografie etwas zu verlangen, für die man sich sonst nie interessiert (hat). Karliczeks kaum ausreichenden Hilfen (wenn man sie denn überhaupt bekommt) als auch die Unfähigkeit des Bundes Kinder die nötigen Ressourcen fürs Homeschooling zu geben, zeugen davon. Ebenso, wie die ganzen Präsenzprüfungen, proctoring, etc. auch könnte man durchaus argumentieren, dass die besonders harten Eingriffe in das Privatleben durch den Lockdown für jüngere Menschen um einiges einschneidender sind als bei älteren Menschen.
Auch fragt, man sich bei der Demografie der Querdenker, wie viel Verständnis und Solidarität man wohl von jüngeren Menschen fordern kann, während man sowas zulässt.
Außerdem sollte der Kultur/Gastronomie Bereich wieder öffnen, werden hier wahrscheinlich wieder viele junge Menschen arbeiten, um über die Runden zu kommen. Das man in den ganzen Diskussionen um Öffnungen etc. auch das Gefühl bekommt, dass man sich nicht doch möglichst schnell impfen lassen sollte, bevor die Politik wieder anfängt zu öffnen, finde ich wenig verwunderlich.
Diese Unsicherheit, Frustration mit dem Management der Pandemie also auch die Frustration aus passiven Warten bei dem man gar nicht weiß wann man denn jetzt dran sei mit der Impfung führt halt dazu dass sich Leute irgendwann selbst, um ihre Impfung kümmern. Das gilt nicht nur für junge Menschen.
Nicht falsch verstehen, gesamtgesellschaftlich ist es schon sinnvoll und deine Entscheidung ist sicherlich begrüßenswert aber als moralischer Vorwurf an das Individuum verdeckt es nur die eigentliche Probleme der Impfpolitik, wie auch die Frage der individuellen Situation der Menschen. Gerade auch, weil die jetzige Situation nur die Spitze von Problematiken ist, welche schon seit langem bestehen. Die bitteren politischen Grabenkämpfe in Klima-, Sozial- und Antidiskriminierungspolitik zeugen hiervon.