Impfdurchbrüche

Mich würde mal interessieren, wie hoch die Zahl an Impfdurchbrüchen aktuell ist und ob wir uns mit 2G nicht vielleicht fälschlicherweise in Sicherheit wähnen. Allein in meinem Bekanntenkreis gab es in den letzten Wochen 3 Infektionen trotz doppelter Impfung. Alles Menschen zwischen 20 und 30. Die Dunkelziffer derer, die bei Erkältungssymptomen nicht gleich an Corona denken (nach dem Motto: Ich bin ja doppelt geimpft) ist vermutlich noch viel größer. Gibt es evtl. ein politisches Interesse daran, diese Fälle nicht zu thematisieren, damit Ungeimpfte nicht sagen: „Es ist doch egal, ob wir uns impfen lassen oder nicht, wir bekommen es so oder so“?
Ich kann durchaus verstehen, dass alles getan werden muss, um Ungeimpfte zu überzeugen und ich habe auch kein Verständnis für fadenscheinige Rechtfertigungen bezüglich angeblicher „Langzeitfolgen“ oder Angst vor Unfruchtbarkeit, die wissenschaftlich widerlegt sind. Im Sinne der ehrlichen Aufklärung fänd ich es aber wichtig, dass wir gesellschaftlich diskutieren, wie wir mit der großen Zahl an Impfdurchbrüchen umgehen sollen? Müssten wir evtl. ein 2GG-System einführen, in dem öffentliche Orte wie Restaurants, Hotels, Museen, Clubs etc. nur zugänglich für Menschen sind, die sowohl geimpft/genesen als auch tagesaktuell getestet sind? Wäre das nicht angesichts der sich häufenden Impfdurchbrüche aufgrund nachlassender Impfwirkung sicherer? Müssen wir unser Sozialleben angesichts der Herbstwelle und steigender Zahlen wieder stärker einschränken oder riskieren wir als Gemeinschaft eine höhere Inzidenz, weil wir wissen, dass die Erkrankung für Geimpfte weniger gefährlich verläuft? Dann müssten wir an einer Enttabuisierung der Erkrankung arbeiten und aufhören andere dafür schuldig zu sprechen, dass sie „unvorsichtig“ gehandelt haben - schließlich wird es in den nächsten Wochen fast jeden von uns treffen, wenn die Zahlen wieder in die Höhe schnellen und der Staat die Organisation von Booster-Impfungen nicht rechtzeitig organisiert bekommt. Und es müsste dafür gesorgt werden, dass man im Gesundheitsamt wieder jemanden erreicht, der/die Erkrankten bezüglich Quarantäneregelungen etc. Rede und Antwort steht. Aktuell sind erkrankte Menschen mal wieder vollkommen auf sich allein gestellt und die armen Mitarbeiter*innen vermutlich restlos überarbeitet. Knapp 2 Jahre Pandemie und wir haben so wenig daraus gelernt…

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absolut, nur hat das mit pro oder contra Impfung nichts zu tun: Bei Geimpften gibt ein ein paar % Durchbrüche - bei Ungeimpften 100%.

klar, diskutieren wir in der neuen Folge.

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Kurz gegoogelt: Unter allen symptomatischen Covid-Erkrankten machten die Geimpften … einen Anteil von rund 31 Prozent aus. Unter den Intensivpatienten waren … rund 20 Prozent geimpft.

Quelle: Jeder 3. Erkrankte mit Impfung: Wie gefährlich ist Corona für Geimpfte? - FOCUS Online [Der Fokus ist eher „unverdächtig“ in Bezug auf „Regierungstreue“].

Der Anteil der Durchbrüche bei Geimpften bei Infizierten erklärt sich m.W. wie folgt:

  1. Gesetzt der großen Zahl: Wenn 2/3 der Bevölkerung geimpft ist und die Impfung eine Wirksamkeit von 90% hat, müssen
    (1) 83 Mio. * 2/3 * 10% = 5,5 Mio. Geimpfter
    (2) 83 Mio. * 1/3 * 100% = 27,7 Mio. Ungeimpfter
    früher oder später an Covid19 erkranken (wobei die Geimpften statistisch eine erheblich höhere Chance auf einen guten Verlauf haben). D.h., man würde einen Anteil von 17% an den Infizierten erwarten. Oder mache ich einen Denkfehler?
  2. Vielleicht sind Geimpfte in Bezug auf die Verhaltensregeln gegen Corona etwas „sorgloser“?
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Die nächste Frage wäre, wieviele der Impfdurchbrüche in den Krankenhäusern sind wirklich Impfdurchbrüche, und wieviele sind über Telegram besorgte Impfzertifikate?

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Ein zentraler Grund für die sogenannten „Impfdurchbrüche“ ist auch einfach die Zählweise: als „Coronapatient auf der Intensivstation“ zählt jeder, der positiv getestet auf der Intensivstation liegt. Auch wenn er da liegt, weil er nen lebensgefährlichen Verkehrsunfall hatte. Es wird routinemäßig jeder getestet, der reinkommt, und wer positiv ist, kommt schon aus Isolationsgründen auf die Corona-Station, auch wenn er gar nicht aufgrund von Atemproblemen eingeliefert wurde. Er wusste vielleicht bis zu dieser Einlieferung gar nicht, dass er sich infiziert hatte, weil die Impfung ihn vor jeglichen sichtbaren Symptomen bewahrt hat.

Die Zahl, die wir bräuchten, aber meines Wissens nicht haben, ist die Anzahl Corona-positiver Patienten, die auf der Intensivstation explizit aufgrund von respiratorischen Notlagen aufgeschlagen sind - und dann noch den Anteil vollständig geimpfter Personen unter diesen Patienten.

Ich würde was drauf wetten, dass dieser Anteil weit niedriger als 20% liegt. Niedriger einstelliger Prozentsatz wäre meine Vermutung. Warum? Weil man trotz des ganzen Geweses um die vielen Corona-Patienten auf Intensivstationen nicht aus den Augen verlieren darf, dass etwa 90% der Intensivpatienten immer noch wegen gänzlich anderen Gründen dort landen. Intensivstationen sind auch in nicht-Corona-Zeiten keine ausgestorbenen leeren Hallen, es gibt viele Gründe, warum Patienten dort landen, und Corona hat keinen davon verdrängt, sondern ist einfach nur ein weiterer Grund. Es ist also statistisch bei so vielen Leuten und bei 70% Impfquote in der Bevölkerung quasi zwingend, dass der Zufall auch voll geimpfte Patienten ausgerechnet dann einen Verkehrsunfall oder Herzinfarkt oder sonstwas haben lässt, wenn sie gerade eine nachweisbare Corona-Infektion haben, von der sie selbst vermutlich nicht einmal etwas wissen.

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Fände ich auch Interessant: wie werden Impfdurchbrüche definiert? Jeder der ins Krankenhaus aufgenommen wird, der wird getestet. Wenn man also beispielsweise (geimpft) nach einem Autounfall auf der Intensiv liegt und positiv getestet wurde, aber keine Symptome hat, ist man dann auch ein Impfdurchbruch? Ich meine man wird ja nicht aufgrund der Infektion behandelt. Weiß das jemand?

Mir ist selbst ein Denkfehler aufgefallen: Auch wenn 10% der Geimpften sich infizieren sollten, ist deren Wahrscheinlichkeit, in der Intensivstation zu landen (= einen schlimmen Verlauf zu haben) deutlich niedriger.