Ich meinte die Frage tatsächlich ernst. Und natürlich steht dahinter die Frage, ob du dieselben Maßstäbe auch an andere Länder stellen würdest. Das habe ich ja auch explizit so formuliert. Weiß der Geier warum das nun ein „Fallstrick“ oder ein „mieser Move“ sein soll… Da es mir in erster Linie um den Maßstab geht, ist es für die Beantwortung meiner Frage auch ziemlich egal, ob es sich nun bei deinen Ausführungen um eine „Forderung“, einen „Vorschlag“ oder ein „Szenario“ handelt. Wenn dich das eine Wort so stört, ersetze es gerne durch eines der anderen.
Die genannten würde ich ja eher als Repräsentanten eines Staates bezeichnen, denn als Politiker. Oder zumindest als Regierungspolitiker. Der Begriff Politiker ist hier einfach sehr viel unbestimmter.
Danke für die Klarstellung, da sind wir einer Meinung. Du schriebst aber ohne jegliche Einschränkung von „ein israelischer Politiker“ Genau deshalb ja meine Nachfrage. Wenn du es nicht so meinst, wäre es vielleicht sinnvoll, deine Aussage nachträglich zu spezifizieren.
Ich glaube da haben wir unterschiedliche Vorstellungen bezüglich der Ziele von Sanktionen. Ich dachte immer, die zielen darauf ab, das Handeln von Staaten zu beeinflussen. Dass die Bevölkerung davon in Mitleidenschaft gezogen wird, war meiner Ansicht nach ein je nach Abwägung in Kauf zu nehmender „Kollateralschaden“. Dass nun aber die „Bestrafung“ der Bevölkerung - und zwar unabhängig von ihrem individiellen Verhalten, also auch von Oppositionellen - an sich „legitim“ sein soll, erscheint mir doch etwas merkwürdig.
Du hast das Argument angebracht, dass die Kritik an BDS vielleicht ein politischer Fehler war. Auf dieses Argument habe ich entgegnet, dass BDS eben nicht irgendeine Boykottbewegung ist, sondern sehr spezifische politische Hintergründe hat. Vielleicht hätte ich deutlicher machen sollen, dass die Kritik an BDS sich genau auf diese politischen Hintergründe bezieht. Warum es „unnötig“ oder gar ein „derailen“ sein soll, inhaltlich auf ein Argument zu reagieren weiß wohl auch der Greifvogel…
Abgesehen davon trägt die (implizite) Gleichsetzung von zivilgesellschaftlichen Boykottbewegungen und staatlichen Sanktionen aus meiner Sicht nicht gerade zu einer differenzierten Debatte bei.
Korrekt. Antisemit(ismus) ist keine beliebige Beleidigung, sondern die Beschreibung (und Kritik) eines bestimmten Verhaltens. Hierzu gibt es verschiedene Definitionen, die über die teilweise Uneinigkeit herrscht. Wenn dieser Begriff „alltäglich verwendet“ wird, könnte es vielleicht ja auch damit zu tun haben, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft real existiert und daher auch „alltäglich“ bemerkt und kritisiert wird. Wenn man allerdings entgegen sämtlicher Empirie beispielsweise negiert, dass Juden und andere in Deutschland überhaupt von Antisemitismus betroffen sind, ist das vielleicht nicht so offensichtlich. Aber dass Antisemitismus vor allem beliebig und grundlos als Beleidigung und Vorwurf eingestzt würde, bleibt auch nach der x-ten Wiederholung nichts als eine Behauptung, die eben selbst einen immanent politischen bzw. ideologischen Charakter hat.