Das Problem ist, dass sie wichtig nehmen momentan auch nicht hilft, sondern eher dazu führt, dass die Bedeutung, die der AFD damit zugemessen wird, sie noch interessanter für Wähler macht. „AFD wirkt.“
Wir hatten heute Wahlstandtag und ich bin mit ein paar freien Wählern ins Gespräch gekommen. Unsere Kandidatin einer Kleinstpartei hat in der PNP (der größten Regionalzeitung Niederbayerns und sehr schwarz) gute Erwähnung gefunden. „Das hat mich sehr gefreut, bis ich am nächsten Tag gesehen habe, daß die Kandidatin der freien Wähler eine ganze Seite bekommen hat“
Worauf mich die freien Wähler aufklärten, wie schwer es für sie ist, dass mal ihre Kandidaten zu Wort kommen, sofern sie nicht Aiwanger heißen. Und das ist immerhin eine Regierungspartei. Es ist also nicht nur so, dass die Wähler (und Nichtwähler) unzufrieden mit der Politik sind. Es macht sich auch zunehmend unter Politikern Unzufriedenheit über die Medien und ihre Arbeit breit und ein gewisser Frust den Wählern gegenüber, weil man eh schon versucht, auf sie einzugehen und eigentlich gar nichts mehr richtig verfängt.
Die AFD in Bayern ist übrigens schwer zerstritten und in zwei Lager gespalten. Nicht, dass das irgendeinen ihrer Wähler interessieren würde.

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Vielleicht sind wir nicht präzise genug und meinen dann doch ungefähr das Gleiche.
Es ist einfacher, Menschen anzusprechen, die sich noch nicht radikalisiert haben und noch überlegen, ob sie eine verfassungsfeindliche Partei wählen wollen.
Verfassungsfeindlich zu sein, bedeutet nicht etwa, hie und da die Verfassung zu verbessern: es heißt, die Verfassung in Gänze zu ersetzen. Die Alternative für Demokratie ist Willkürherrschaft. Will man das?
Dies herauszuarbeiten, kann Unentschlossene womöglich schon leiten.
Dann gibt es Mitglieder der AfD: in der Regel sind Hopfen und Malz verloren.
Und irgendwo dazwischen sind die, die ihre Genugtuung durch die mediale Aufmerksamkeit erhalten, weil auch sie die Verfassungsfeinde gewählt haben.
Es ist unendlich anstrengend und zeitraubend, hier eine Kommunikation aufzubauen. Dem Einzelnen geht die Zeit dann aus, unsere Demokratie lösungsorientiert mitzugestalten, weil man sich in sinnlosen Diskussionen verheddert. Man muss umso mehr aufpassen, als das genau das die Absicht der Verfassungsfeinde ist.

Da gute Politik aber allen hilft, sollte sie im Vordergrund stehen. Und dazu gehört immer wieder Kommunikation.
Warum möchte man etwas ändern und wie und welche anderen Lösungen gibt es: der respektvolle Diskurs muss her.

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Sind sie anscheinend durchaus.

Die Widersprüche zwischen den Interessen der AfD-Wählerinnen und den Positionen der AfD könnten kaum größer sein.[…] Würde sich die AfD-Politik durchsetzen, käme es zu einer Umverteilung von Einkommen und sozialen Leistungen von AfD-Wählerinnen hin zu den Wählerinnen anderer Parteien.[…] Die individuelle Fehleinschätzung liegt darin, dass viele AfD-Wählerinnen nicht realisieren, dass eine Politik der Diskriminierung und Ausgrenzung sie selbst stark negativ betreffen würde. Denn sie selbst gehören häufig zum unteren Rand der Einkommensverteilung, genießen seltener Privilegien und haben weniger Chancen als andere und sind stärker auf finanzielle Leistungen des Staates angewiesen.

Nicht wenige AfD-Wähler*innen sind überzeugt, dass eine Rückabwicklung der Globalisierung, ein erstarkender Nationalismus sowie eine neoliberale Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik ihnen persönlich bessere Arbeitsplätze, mehr Sicherheit und bessere Chancen verschaffen würden. Dabei würde genau das Gegenteil passieren.

Wenn sich Menschen derart in ihre idealisierte Traumwelt geflüchtet haben

Hierbei geht es im besten Falle um eine verzerrte Wahrnehmung der Realität und im schlimmsten Falle um irre Verschwörungstheorien, bei denen sich AfD-Wähler*innen als Opfer von Politik und Gesellschaft darstellen und sich selbst als Mehrheit beschreiben.

kann man den anderen Parteien höchstens eine Teilschuld geben. Der Staat kann nur Rahmenbedingungen schaffen. Was der einzelne daraus macht, das ist eine individuelle und keine staatliche Geschichte, inklusive aller individueller Schicksalsschläge und glücklicher Fügungen, die aber auch nur sehr begrenzt im politischen Einflussbereich liegen.

Rationalität erklärt Wahlverhalten offenbar nicht.
Der wahlomat sagt mir auch meist etwas anderes als Präferenz voraus…und ich halte mich nicht daran.

Aber das heißt ja nur, dass man die Menschen auch auf anderem Wege ansprechen sollte, um eine Wahlverhaltensänderung zu bewirken.

Dann geht es um Stimmungen und Emotionen. Dann werden Vertrauenspersonen wichtiger.

Ansatzpunkte genug. Mühsam: ja. Aber ein Leben ohne Demokratie ist noch viel mühsamer.

„Ansatzpunkte genug. Mühsam: ja. Aber ein Leben ohne Demokratie ist noch viel mühsamer.“

Interesanter Ansatzpunkt aber leider nicht wahr. Für viele Menschen war die DDR oder ist ein Staat wie Nord Korea kein Widerspruch zu einem guten Leben. Vollbeschäftigung ohne Verantwortung für das eigene Leben zu haben reicht manchen Leuten aus und diese sind mit einer Freiheit ihrer Entscheidungen regelrecht überfordert.

Da ist was dran. Bequemlichkeit und berechenbare Konstanz ist einigen Menschen attraktiver als Freiheit und Gestaltungsspielraum.
Nur welche der beiden „Fraktionen“ sollte über die jeweils andere bestimmen dürfen? Wenn ein Nebeneinander offenbar unmöglich zu sein scheint?

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Ein Leben ohne Demokratie ist mühsamer, weil ich immerzu meinen freien Willen kontrollieren muss, weil ich immerzu meine Meinung unterdrücken muss, weil ich meine Freiheit immer nur träumen aber niemals leben darf.

Nicht beim Diktator liegt die Mühe - sie liegt beim Volk.

Das ist mir schon klar und das was auch nicht die Intention meiner Aussage. Es ging lediglich um die Einordnung der Aussage von Drops, das diese so nicht für alle richtig ist.

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Um nochmal auf den Beitrag von Jan oder besser von Antje Schrupp vor 6 Tagen zurückzukommen:

„Es reicht, die öffentliche Meinung und den Mainstream weit genug nach rechts zu verschieben - mit demokratischen, rechtsstaatlichen Mitteln - um dann mit der „Volksmeinung“ im Rücken faschistische Gesetze zu machen.“

Die Union („Partei der Mitte“, „letzte Volkspartei“) als Steigbügelhalter?

Mich wundert, dass folgendes Zitat von Friedrich Merz nicht mehr Aufmersamkeit bekommt:

„Wir richten uns nicht danach, wer zustimmt, sondern wir richten uns danach, was wir in der Sache für richtig halten, und dabei bleibt es“, sagte Merz in einem Interview mit den Sendern ProSieben und Sat1.

Für richtig hält Merz seine Kanzlerkandidatur.
Er richtet sich nicht danach, welche Mehrheiten notwendig sind, um Kanzler zu werden und die Politik der Union umsetzen zu können?!

Auf kommunaler Ebene soll die Arbeit mit der AfD ja zukünftig je nach Stimmenanteil konstruktiv verlaufen, hier ist eine Normalisierung der Zusammenarbeit auf Landesebene (ein erster Schritt ist ja schon getan) nicht mehr allzu weit entfernt.

Interpretiere ich da zuviel hinein oder ist da der nächste oder übernächste Schritt zu einer Koalition mit der AfD nicht mehr allzu groß (Salamitaktik, herumlavieren)?

PS:
Merz’ obskures Verhältnis zur NS-Zeit, Lesenswertes z.B. hier: NICHT DER OPA IST DAS PROBLEM, SONDERN DIE HALTUNG DES ENKELS: Der seltsame Stolz des Friedrich Merz - taz.de
Oder ist auch das verjährt, siehe Hr. Aiwanger?

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Dazu:

Das ist der Großvater von Friedrich Merz. Es gibt offenbar nur wenige Quellen, die sagen, wie sich Friedrich Merz sich zu „Sauvigny“ bzw. zu seinem „Großvater“ geäußert haben soll, hauptsächlich die TAZ:

Wenn das stimmt, hat Merz offenbar ein wenig differenziertes Verhältnis zur Nazi-Vergangenheit seines Großvaters

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Merz scheint halt auch zu den Leuten zu gehören, die (wie weite Teile der AfD oder eine künftige Wagenknecht-Partei) gesellschaftspolitisch gerne zurück in die 1980er Jahre wollen. Zu diesen gesellschaftspolitischen Vorstellungen scheint auch ein „zurück“ zu einer alten Erinnerungskultur zu gehören: Damals galt es in „konservativen Kreisen“ als völlig normal, NS-Funktionäre und Kriegsverbrecher zu ehren oder als Vorbilder anzuführen. Nur zwei Beispiele: Helmut Kohl legte bei Steatsbesuchen gerne mal Kränze auf Friedhöfen von Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS ab (Bitburg) und der langjährige Unions-Fraktionschef Alferd Dregger hielt gerne die „Ehre“ der deutschen Soldaten während des Krieges hoch.

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Täusche ich mich, oder ist das nicht genau das falsche Versprechen, dass die AFD macht? A la „Wenn man sich nur genug anstrengt, schafft man es auch.“
Das blendet ungleiche Startchancen durch strukturelle Schieflagen komplett aus.

Jetzt muss ich einen Tod sterben.
Ich verweise hier ständig auf unsere Demokratie und die Rolle des Parlaments.
Also muss ich die Mehrheiten im Parlament anerkennen, die sich dort ergeben.
Das gilt dann auch für eine Minderheitsregierung der CDU toleriert von der AfD. Wenn die CDU das vor der Wahl ankündigt, kann man sich in seinem Wahlverhalten danach richten.
Inzwischen muss man auch fragen, welche Partei eine Minderheitsregierung der AfD unterstützt.

Die Kausa Thüringen und die Grunderwerbsteuer zeigt nur, dass CDU, FDP, AfD Wahlgeschenke beschließen und die Konsolidierung des Haushalts der Linken überlassen. Die Kompetenz solider Haushaltsführung sehen CDU, FDP und AfD offensichtlich bei dem Bündnis aus der Linken, der SPD und den Grünen, denn sonst wäre ja gleich mitbeschlossen, wo die fehlenden 50 Millionen Euro herkommen sollen.

zum Thema:

entwickelt sich da ein gesamtgesellschaftliches Problem?

Entwickelt es sich oder war es versteckt vielleicht schon da?

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wenn letzteres, tragen wir dann alle rechtsradikale Anlagen in uns?
das wàre beängstigend

Nein, nicht alle, aber kann es nicht sein, dass strukturell unterschwellig rechte Ansichten weiter existiert haben und sich nun wieder zeigen?
Man darf nicht vergessen, wie sehr die Nachkriegsgesellschaft durchsetzt war. In allen Ämtern gab es weiter Nazis. Und natürlich waren auch alle Mitläufer weiter da.
In einem Podcast hab ich eine sehr gute Analyse dazu gehört, aber ich weiß gerade nicht mehr in welchem.

Hier ist ein längeres Interview mit einer Ko-Autorin der Studie, die sagt, dass rechtsradikale Einstellungen insbesonder auch bei jungen Menschen zugenommen haben.

Im Kern, so sagt sie, geht es um einen Prozess der Radikalisierung, es ist also nicht so, dass solche Einstellungen „angelegt“ sind oder „schlummern“, sondern dass sie auftauchen und wieder verschwinden können, dass Menschen sie bruchstückhaft aufgreifen oder sie sich eben verstärken und verfestigen.

ich hatte schon die Hoffnung das sich dieses nach drei Generationen erledigt hat.
Das es im deutschen, teils auch europäischem denken einen Hang zu konservativen Haltungen gibt, wùrde ich auch so sehen.
ist wohl die Hoffnung, die Vormachtstellung in der welt wie im letzten Jahrhundert konservieren zu können. wenn diese Hoffnung sich nicht erfüllt, will man die Vergangenheit mit etwas Trotz zurück.
ich denke es hat viel mit Angst vor Veränderung und neuen Herausforderungen zu tun.
wir sind zu lange in trügerischer Sicherheit gekuschelt worden, nun tut notwenige Veränderung richtig weh

Nein, hat es leider nicht.
Aber das ändert nichts daran, dass sehr rechte Einstellungen zusätzlich noch weiter zunehmen.
Mir macht diese Entwicklung und die fallenden Tabus große Sorgen.