Kanzler Merz und CSU-Chef Söder haben den Begriff „hocheffiziente Verbrenner“ in der Debatte rund um das „Verbrenner-Verbot“ verwendet.
Auf Nachfrage war Regierungssprecher Kornelius in der Bundespressekonferenz vom 01.12.2025 - auch auf mehrfache Nachfrage hin - nicht in der Lage zu definieren, was man denn unter einem „hocheffizienten“ Motor zu verstehen habe.
Außer der Plattitüde, dass ein „hocheffizienter Verbrennungsmotor ein Motor sei, der hocheffizient sei“ konnten sämtliche Anwesenden Experten nichts substantielles zum Thema beitragen. Für den oben genannten Ringschluss würde man in einer Physik-Klassenarbeit in der Schule vermutlich Null Punkte erhalten.
Bei Wikipedia findet man Zahlenwerte zum durchschnittlichen Wirkungsgrad eines Otto-Motors von ca. 20%, bei Diesel etwas höher. Aber von „hocheffizient“ sind wir da sicherlich weit entfernt, wenn über die Hälfte der eingesetzten Energie nicht für die Fortbewegung genutzt wird.
Was den Wirkungsgrad angeht, sind batteriebetriebene Fahrzeuge sicherlich weitaus effizienter.
Also auf Wiki und co. werden ja 20-40% bzw. 20-45% bei Dieseln angegeben. Da wir von hocheffizient reden und die Angaben noch keine Effizienzsteigerung durch Hybrid Motoren berücksichtigen, würde ich also von 40-50% Effizienz ausgehen. Ein Elektroauto liegt unter Berücksichtigung von Ladeverlusten bei ca. 64%.(Quelle)
Immer noch ein deutlicher Unterschied, aber eben nicht mehr sooo deutlich. Vor allem, da die Herstellung ja derzeit noch deutlich energieintensiver ist. Man kann sich das also durchaus in beide Richtungen schön rechnen. Gerade auch was die Kosten der eingesetzten Energie angeht.
Aus meiner Sicht ist die Diskussion über Effizienz / Wirkungsgrade schwierig, solange wir Aufwand und Nutzen nicht eindeutig und vor allem sinnvoll definieren.
Verbrennungsmotoren wurden Jahrzehnte lang dafür optimiert, um aus fossilem Kraftstoff Bewegungsenergie zu erzeugen. Das tun sie tatsächlich effizient gemessen an dem, was physikalisch möglich ist. Allerdings ist dieser Prozess in einem CO2 neutralen Energiesystem weitgehend nutzlos. Hier müssten wir als Aufwand eine erneuerbare / CO2 neutrale Energiequelle definieren (in einem zukünftigen System klassischerweise Strom aus z.B. Wind oder Sonne o.ä.) und als Nutzen die Bewegungsenergie. Für das Elektroauto müsste die Erneuerbare Energie lediglich an die Zapfsäule übertragen, geladen, gespeichert und in Bewegungsenergie gewandelt werden. Für den Verbrenner muss aus Strom ein CO2 neutraler Kraftstoff erzeugt werden, dieser an die Zapfsäule transportiert, getankt, verbrannt und wieder in Bewegungsenergie gewandelt werden.
Wenn wir diese zwei Prozesse vergleichen, sind wir uns denke ich alle einig - ohne dass man das jetzt im Detail vorrechnen müsste - dass der Verbrennungsmotor in Sachen Effizienz nicht ansatzweise mit dem E-Motor mithalten kann.
Es ist ja das gleiche mit „Technologieoffenheit“, klingt gut, sagt aber nichts aus. Ich glaube dass da eine Lobby immer wieder schönes Wording erfindet - damit sie vertuschen kann was es wirklich ist. Nämlich ineffizient….
Nein, das stimmt nicht. Je nach Modell emittiert ein E-Auto etwa 120% so viel CO2 in der Herstellung wie ein Verbrenner (und wir können CO2 mal als Proxy für “Energieverbrauch” nehmen). Dieser “Nachteil” wird nach 1 bis 3 Jahren Betrieb (je nach Herkunft des Stroms und den Fahrleistung) durch die geringeren Emissionen ausgeglichen. Ab dann geht die Schere des Wirkungsgrads zwischen E-Auto und Verbrenner sehr schnell und immer weiter auseinander.
Kann man nicht.
Je nach Quelle des Stroms (eigene PV, günstiger Tarif) ist die Energie für ein E-Auto schon heute günstiger als das Benzin für einen Verbrenner für die selbe Fahrstrecke. Mir ist keinerlei ernstzunehmendes Szenario bekannt, in dem sich die Benzinpreise deutlich günstiger als die Strompreise entwickeln. Die meisten Experten gehen vom Gegenteil aus.
Entsprechend argumentiert Merz auch an keiner Stelle mit geringeren Betriebskosten für Autofahrer. Das scheint selbst ihm zu weit von der Wahrheit entfernt zu sein. Als Argument wird inzwischen der Erhalt der Autoindustrie genannt – ohne dass in irgendeiner Form reflektiert wird, wie das weitere Festhalten an einer überholten Technologie, die schon heute in wesentlichen Teilen des Weltmarkts nicht mehr konkurrenzfähig ist, dazu beitragen soll.
Hocheffizient ist es, wenn mein Auto aus Dingolfing zu mir nach Hause geliefert wird und nicht aus Shenzen. Höchst effizient wäre es, das Auto direkt neben meiner Haustür zusammenzuschrauben.
Ich glaube das hat Söder gemeint.
Ich bezweifle überhaupt nicht, dass Elektroautos effizienter sind und auch heute schon für viele Einsatzzwecke besser geeignet sind. Mir geht es aber überhaupt nicht darum, ob Elektroautos wirklich nur überlegen, oder sehr überlegen sind, sondern um die Argumentation sie seien so überlegen, dass man die Verschiebung des Verbrenneraus gar nicht diskutieren kann. An der Autoindustrie hängen verdammt viele Arbeitsplätze und bei Elektro hängt ein viel größerer Anteil der Wertschätzung im Ausland. …
Womit auch die Frage auftaucht, welche Perspektive hat die deutsche Autoindustrie hinsichtlich der Wertschöpfung in Deutschland noch? Lohnt es sich in Deutschland selbst noch Autos gewinnbringend zu produzieren? Ob mit Verbrenner oder Elektro…
Prioritätensetzung in der Gesellschaft sieht man ja. Es steigen die Lohn- und Energiekosten und Investitionen werden durch immer neue Regeln und Umweltschutzmaßnahmen erschwert. Natürlich gibt es oft gute Gründe. Wenn zum Beispiel Teslas Wasserverbrauch in Grünheide reglementiert wird, oder für den gerodeten Wald Ausgleichsflächen organisiert werden müssen.
Auf der anderen Seite sehen wir aber ein China, das ethische Fragen gerne dem wirtschaftlichen Erfolg unterordnet und gleichzeitig Schlüsselindustrien mit Milliarden subventioniert.
Forderungen der Industrie werden dann als Lobbyismus zurückgewiesen und irgendwie ist am Ende trotzdem die Privatwirtschaft „schuld“, wenn Arbeitsplätze hier verloren gehen und Technologien woanders groß werden.
Das ist eine Sichtweise. Eine andere lautet, dass Europa versäumt hat, die Wirtschaft zukunftsfähig aufzustellen (genauso die USA), das Kapital sich bei wenigen bündelt und damit immer mehr dem Binnenmarkt entzogen wird. Der Staat muss diesen stützen mit Stärkung der sozialen Sicherung, was die Abgaben der arbeitenden Bevölkerung erhöht und schleichend zusätzlichen Druck auf den Binnenmarkt ausübt, genauso auf die Sozialsysteme.
Das Problem ist, dass internationale Unternehmen kein Interesse haben, Europas Wirtschaft zu retten, wenn sie erstens woanders produzieren und zweitens woanders neue Absatzmärkte erschließen können.
1l diesel hat ca. 10kwh Energie in sich. Da holt auch kein Kraftwerk wesentlich mehr raus.
Ein Auto das also 1l auf 100km verbraucht, braucht nicht mehr Energie als ein Elektroauto das 10kwh auf 100km verbraucht. Und 10kwh ist sehr wenig für ein Elektroauto.
Mal eine skurrile Anekdote zum Thema hocheffiziente Verbrenner.
Bis 2023 fuhr ich einen gut 12 Jahre alten Seat Leon. Verbrennermotor 1,2 Liter Hubraum, 105 PS. TSI Motor von VW, schon entwicklungstechnisch betagter.
Steuerlich aufgrund geringem C02 Ausstoß recht günstig, dazu mit rund 5,8 Litern Super auf 100km recht sparsam für einen Kompakten.
Dann 2023 der Wechsel aus technischen Gründen (..das Alter zeigte Spuren..) und der Wunsch nach Automatik wegen längerer zäher Pendelstrecken.
Ein E-Auto war preislich und mangels Lademöglichkeiten noch keine Option.
Also dachte ich, hol dir einen modernen effizienten Verbrenner.
Es wurde ein kleiner 2018er Ford Ecosport mit dem vielfach prämierten 1-Liter Ecoboost -Motor. Dreizylinder 125 PS mit Turbo. Aufgrund des ölgelagerten Zahnriemens soll der besonders effizient, sparsam, leise und wartungsarm sein.
Fazit: also leise ist er. Kommt aber bei sehr vorausschauender Fahrweise nicht unter 7 Liter, kostet deutlich mehr Steuern, Ölwechsel wegen Spezial-Öl teuer, Zahnriemen hatte sich bei 100.000 km fast aufgelöst, Wechsel liegt bei rund 2000€, die Effizienz und Sparsamkeit ist deutlich schlechter als beim alten Fahrzeug.
Seitdem verdrehe ich beim Begriff „Hocheffiziente Verbrenner“ immer die Augen…
Die Schlussfolgerung daraus sollte sein, mit voller Fahrt auf die Zukunft zu setzen und nicht an der Vergangenheit festzuhalten.
Derweil bringt Niedersachen ins Spiel, dass die Gesamt-CO2 Kette bei der Herstellung mit in die Bilanz einfließen soll. Damit es keien festen Grenzwerte gibt. Man schafft damit wohl 2 % bessere CO2 Bilanz. Ist ja ein guter Ansatz, damit man auch der Stahlindustrie Abnehmer verschafft. Aber es bringt halt nix. Gerne beides machen, grünen Stahl und Grenzwerte einhalten. Es sind noch 10 Jahre. Die Verkaufszahlen wachsen exponentiell. Verbrennerverkaufszahlen sind seit 2017 rückläufig. Die Dinger will mit steigender Innovation nur noch eine kleine verbohrte Menge, die Deutschlands Auto Wohlstand nicht retten wird.
Auch das passiert weder beim Verbrenner noch beim E-Auto. Selbst wenn man alles in Deutschland machen würde, die Rohstoffe gibts hier nicht und die CO2 Kosten pro Auto durch den Schiffstransport sind marginal.
Das ganze Gerede von Merz und Söder über „effiziente Verbrenner“ ist doch völlig bescheuert und einfach nur ein argumentatives Feigenblatt, um nicht zugeben zu müssen, dass man hier Lobbyarbeit für die deutsche Autoindustrie betreibt.
Und technologisch hat @Norman_T oben ja schon das Wichtigste zusammengefasst.
Aber welches Auto schafft das denn? Hier mal eine Übersicht aus einer Autozeitung: Autos, die am wenigsten verbrauchen: Top-10 der Benziner
Das sparsamste Auto kommt auf 3,4 Liter Super WLTP. Serien-Diesel kommen aktuell offenbar nicht mal unter 4 Liter (Quelle).
Aber das Beste daran:
Die genügsamsten Modelle kommen allesamt aus Asien – bis auf eine Ausnahme. Der Renault Clio E-Tech Full Hybrid schafft es mit seinem 1,6-l-Vierzylinder auf Platz fünf.
Demnach wollen Söder und Merz also ein Verbot für deutsche Verbrenner und nur noch asiatische zulassen, was für ein schönes Eigentor…
Ist ja auch kein Wunder, Deutschland baut Premium-Autos, die können gar nicht effizient sein, weil viel zu viel Technik mitfährt und Energie verbraucht.
Und ein Liter Diesel steht stellvertretend für ein Dieselauto? Welches ist das denn?
Ein sparsamer Diesel liegt bei ca. 4,5 Liter/100km und da sind wir dann wieder bei Faktor 3 und mehr wie hier schon mehrfach angesprochen im Vergleich zum Diesel.
Und der Diesel muss ja beim E-Auto nicht zu Strom gemacht werden, sondern es gibt zum Teil ja auch Überschüsse bei den erneuerbaren, sodass man auch beim E-Auto den Strommix zugrunde legen kann und nicht 100 % fossile Energien wie es manche machen.
Nur was bringt uns das wenn am Ende die Verbrenner die nach 2035 noch hergestellt werden ohnehin keine Abnehmer finden weil bis dahin die Skaleneffekte Elektroautos deutlich günstiger machen und Verbrenner durch sinkende Stückzahlen sogar teurer werden?
Erinnert sich hier noch jemand an die “Idee” des 3 Liter Autos. Damals baute VW den Lupo. Das war 1998, wurde 2005 schon wieder eingestellt, obwohl immer mehr Wagen davon verkauft wurden. Warum darf sich jeder gerne selbst fragen.
Zurück zum Thema:
“Hocheffiziente Verbrenner” ist ein so unwissenschaftlicher Marketingbegriff, dass man sich eigentlich gar nicht damit beschäftigen muss.
Weil das Auto für das gebotene im Vergleich zur Konkurrenz zu teuer war (Produktion und Verkauf), das Fahrverhalten mies war, das Platzangebot unzureichend und der reale Verbrauch auch durchaus in Richtung 5 Liter gehen konnte. Reale Verbräuche mit gemischtem Fahrprofil lagen alle bei rund 4,5 L/100km. Dazu kam wegen Wartungsintensiver Technik ein erhöhter Unterhalt. Die Jährlichen Kosten lagen daher bei den Leuten die ich kenne eher über den Kosten des Vorgängers oder Nachfolgers weil 0,5 bis 1 Liter Sprit den man auf 100 km real gespart hat am Ende durch die Wartungs- und Reparaturkosten gefressen wurden.
Und dieses Problem hätte man wohl bei den hocheffizienten Verbrennern auch wieder. Deutliche Fortschritte gehen nur wenn man auf Komfort verzichtet und die Technik aufbläht. Für ersteres gibt es aktuell nicht wirklich eine Nachfrage und aufwändige Technik erhöht die Kosten in Anschaffung und Betrieb.
Ich wüsste am Ende nicht wo da in der Breite der Markt dazu ist, wenn es gleichzeitig günstige und sparsame Elektrofahrzeuge wie auch Elektrofahrzeuge die zwar Teuer sind, aber in Sachen Reichweite und Komfort keine Wünsche offen lassen.
Für mich ist der Verbrenner am Ende eine Nische für Freunde der Technik und wohl eher bei wenigen Sportwagen interessant. Ein bisschen wie heute die Dampflok. Da werden auch noch wenige neue gebaut, aber eben nur für wenige Museumsbahnen bei denen das eine Rolle spielt.
Ich denke mal, dass hier wieder mit irgendwelchen drollig klingenden Formulieren gearbeitet wird, um das Volk zu beruhigen, ist uns hier allen klar.
Es wird halt immer wieder als Thema im Rahmen des Kulturkampfs rausgeholt, weil ja alles, was irgendwie „grün“ klingt mittlerweile Teufelszeug ist. Genauso ist es meistens schwierig hier zu pauschalisieren (genauso, wie in den Threads zum Thema Wärmepumpe). Mir ist bewusst, dass es für Menschen in einer Mietwohnung in der Großstadt wesentlich schwieriger ist, ein eAuto zu betreiben, als bei einer Familie im eigenen Haus auf dem Land, aber die Richtung, in die wir uns bewegen ist da, der Drops gelutscht, und da kann Merz, Söder & Co noch so dolle mit der Rassel auf dem Kindertisch hauen und heulend „hocheffizienter Verbrenner“ schreien.
Spaßeshalber mal ein Foto aus unserem Bürofenster. Da werden gerade 6 Ladesäulen hingebaut (man sieht, 2 stehen schon). Die Linienbusse unseres Nachbarn sollen zukünftig größtenteils elektrisch fahren. Der Inhaber des Familienunternehmens, Ü60, macht das ja nicht aus Nächstenliebe, sondern weil er betriebswirtschaftlich denken muss. Selbst eine Kollegin, die zur Miete wohnt und anfangs in der Stadt laden musste, hat festgestellt, dass sich ein eAuto für sie rechnet.
Wir haben 2 eAutos zu Hause und ich höre immer wieder den gleichen Mist. Mir erzählt der Fahrer eines Hyundai i10, dass ein eAuto ja viel teurer im Verbrauch wäre, weil ich gesagt habe, dass ich 18 kWh/100m verbrauche. Ich fahre halt auch einen Ioniq5. Wenn ich den Benzinverbrauch eines Smarts mit einem BMW X6 vergleiche, bringt das genauso wenig. Genauso wie der lustige Satz „Wo soll denn der ganze Strom für die eAutos herkommen?“, als ob Benzin auf den Bäumen wächst und man keinen Strom brauch, um das herzustellen und an die Tanke zu bringen. Zwei unserer Lieferanten stellen gerade die gesamte Außendienstflotte auf eAutos um, nicht weil sie sich damit rühmen möchten, sondern weil alles andere keinen Sinn ergibt.