Hartz IV Regel bestraft Gas-Sparer

Folgender Fall ist leider kein Einzelfall, wie mir eine Sozialpolitikerinnen der Linken In Hamburg bestätigte:

Ein Empfänger für Grundsicherung für Selbstständige, der in seinem eigenen kleinen Reihenhaus wohnt, heizt im Winter mit seiner Gasheizung.
Da die Warmwasserzubereitung über ein Durchlauferhitzer erfolgt ist die Gasheizung in der Übergangszeiten im Sommer ausgestellt.
In dieser Zeit benutzt er eine mobile Elektroheizung mit Thermostat nur in den Räumen (Wohnzimmer oder Arbeitszimmer) wo er gerade sitzt. Im Rest des Hauses (ungeheizt) sind dann 16-18° . Er hat einen Ökostrom-Vertrag.
Dadurch ist die Gasrechnung sehr niedrig, die Stromrechnung aber überdurchschnittlich hoch, im Vergleich zu Haushalten, die nicht mit Strom heizen und ihr Wasser nicht mit Durchlauferhitzer zubereiten
Bei der Berechnung des Bedarfs berücksichtig die Grundsicherung diese Stromkosten nicht vollständig, weil sie als überhöht gelten.
Die Gasrechnung werden hingegen vollständig abgedeckt.
Er müsse nachweisen, dass der erhöhte Strombedarf für das Heizen entsteht und hierfür einen Extrazähler anschaffen und natürlich auch zwei Extraleitungen legen lassen, an der dann nur die Elektroheizung hängt. Das wäre finanziell sehr aufwändig und wird natürlich nicht vom Jobcenter bezahlt.
Vorschlag des Jobcenters - zu 100% mit Gas zu heizen, denn das würde bezahlt - völlig absurd.

Direkt mit Strom zu heizen oder Wasser zu erwärmen, ist eine große Energieverschwendung. Für die Bereitstellung des Stroms läuft ja ein Gas- oder Kohlekraftwerk, das ungefähr die dreifache Menge an Wärmeenergie benötigt, als zum Schluss in Form von Strom beim Endverbraucher ankommen.

Dass die Person in deinem Beispiel unterm Strich nennenswert Erdgas einspart, würde ich daher bezweifeln.

1 „Gefällt mir“

Klingt teilweise nach Harz IV-Gängelung, aber ich finde es auch schwierig, das gut einzuschätzen:

Zuerst kann man die verursachten CO2-Emissionen vergleichen. Mir ist bewusst, dass die Person einen Ökostromvertrag hat, aber der Strom aus der Steckdose ist immer noch anhand des deutschen Strommixes erzeugt und man sollte mit dessen Emissionen kalkulieren (nach dem Merit-Order-Prinip führt auch jede eingesparte kWh Ökostrom zur Drosselung fossiler Kraftwerke).

2021 verursachte eine im deutschen Strommix erzeugte kWh Strom 420g CO2 (2022 wird es wohl eher in Richtung 400 CO2 gehen, wegen Zuwachs PV und besserer Windernte bisher) während eine kWh Gas bei Verbrennung ca. 220g CO2 verursacht. Unterstellt man Gasheizung und Elektroheizung gleiche Wirkungsgrade (Elektroheizung wird da eher besser dastehen), dann kommt man mit der Elektroheizung heute auf ungefähr doppelt so viel Emissionen pro erzeugter kWh Wärme.

Falls wir 80% Erneuerbare im deutschen Strommix erreichen (plant die Bundesregierung um 2030), dann wird auch der mit Strom betriebener Heizlüfter emissionsärmer sein, als eine Gasheizung, wobei dann noch Aspekte, wie die zeitliche Bereitstellung diese Rechnung etwas ungünstiger machen könnten.

Allerdings klingt auch ein wenig an, dass die Person der Meinung ist, mit Hilfe der mobilen Elektroheizung gezielter und damit sparsamer heizen zu können. Manchmal reicht es ja, wenn die Füße warm sind und man will nicht, dass ein vier Meter entfernter Heizkörper erst die Wand, dann die Luft unter der Decke und dann den Rest des Raumes heizt. Das wird aber gegenüber der Arbeitsagentur schwierig zu argumentieren sein …

1 „Gefällt mir“

Bei der Berechnung des Bedarfs berücksichtig die Grundsicherung diese Stromkosten nicht vollständig, weil sie als überhöht gelten.

Dies liegt schlicht daran, dass das Gas (Heizkosten) Bestandteil der sog. „Kosten der Unterkunft“ ist, die grundsätzlich in tatsächlicher Höhe übernommen werden. Wohingegen die Stromkosten durch den entsprechenden Anteil im sog. „Regelbedarf“ bereits als abgegolten gelten.

Insofern kann man Sozialhilfebeziehern nur davon abraten, mobile Elektroheizungen o. ä. zu verwenden. Die anfallenden Kosten schlagen aufgrund der oben genannten Systematik nämlich i. d. R. aufs eigene Portemonnaie - wobei hier natürlich der Einzelfall betrachtet werden muss.

Wie würde das denn dann bei Heizen über Wärmepumpe laufen? Müsste man da den Strombedarf für’s Heizen auch über einen separaten Zähler nachweisen?

Vermutlich genau so, wie es läuft, wenn Warmwasser über Durchlauferhitzer erzeugt wird.
Denn Warmwasser ist ebenfalls nicht im Regelbedarf enthalten, die dafür über den Strom anfallenden Kosten müssen also vom Jobcenter ausgeglichen werden.

Da eine genaue Messung in aller Regel nicht möglich ist, werden Pauschalwerte verwendet, beim Warmwasser 2,3% des Regelsatzes im Monat (also etwas über 10 Euro bei vollem Regelsatz).

Beim Heizen über eine Wärmepumpe läge der gleiche Fall vor - das Heizen ist wie das Warmwasser eigentlich eine KdU, die voll übernommen werden muss, wird aber über den Strom abgerechnet, der zum Regelbedarf gehört, also vom Leistungsbezieher selbst zu zahlen ist. Also müsste auch hier das Amt die Kosten ausgleichen.

Wärmepumpen hängen oft an einem separaten Zähler. Aber auch am Controller kann man (zumindest heutzutage) den Stromverbrauch mindestens der letzten 12 Monate ablesen.

1 „Gefällt mir“