Das ist ganz sicher richtig.

(Originalstudie im Artikel verlinkt, wie auch die folgende, die zum Ergebnis kommt: „The comparison shows that only Trump and Putin have a cult on both dimensions.“)

Our results illustrate Trump’s off-the-charts personality and campaigning style and suggest that even when compared with other abrasive, narcissistic, and confrontational political figures, he stands out as an outlier among the outliers.

Hinzu kommt noch Folgendes:

Sowie:

Anders als Thomas Assheuer folgert, kann man in der antisozialen Skrupellosigkeit und der zuvor beschriebenen fanatisierten Verblendung in der Anhängerschaft auch etwas Positives sehen, nämlich in der somit gegebenen Limitierung des Wählendenpotenzials.

Da dieses Potenzial begrenzt ist, werden zwar Trump-Fans mit hoher Wahrscheinlichkeit wählen gehen und sich auch nicht von irgendetwas anderem überzeugen lassen, aber für die Gemäßigten/tendenziell Unpolitischen ist das eher abschreckend, sodass eine Gegenmobilisierung erfolgversprechend ist.

Die Endorsements von Celebrities wie Basketballcoach Steve Kerr oder mutmaßlich der Popstars Beyoncé Knowles-Carter und Taylor Swift sind sicher wichtig, aber noch wichtiger ist, wie Kamala Harris und Tim „Coach“ Walz in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Sie setzen auf joy und compassion, also einen durch und durch positiven Gegenentwurf zur Apokalyptik Trumps.

Schon am ersten Tag der DNC wurde das Narrativ von Harris als mutiger Streiterin für Gerechtigkeit ausgemalt, beginnend mit dem Kindergarten. In einem berührenden Film und anhand von zwei Testimonials wurde gezeigt, wie sich Harris aus einfachen Verhältnissen hocharbeitete und Opfern half. Sie verkörpert also einerseits den American Dream, sowas finden viele US-Bürgerinnen/-bürger toll, und andererseits eine Frau, die sich dabei ihre Menschlichkeit bewahrt hat.

Dergleichen dürfte gerade bei Mittelschichtsfrauen aus den Vorstädten verfangen.

Auch Walz wurde von seiner Tochter als besonders empathischer Fels in der Brandung beim Umgang mit schwierigen Familiensituationen dargestellt.

Der Unterschied zum Millionenerben und Kriminellen Trump und dem opportunistischen Ellenbogen-Parvenü Vance könnte kaum größer sein.

Die Amis mögen gute Storys? Here, we have two.

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Verlinke es mal:

Sehr interessant, der Verschwörungstheoretiker Robert Kennedy überlegt ernsthaft, die Kandidatur aufzugeben und ausgerechnet Trump zu unterstützen. Tatsächlich haben die Umfragen zuvor gezeigt, dass Kennedy vor allem Wähler von Trump und weniger von Harris abzieht, vor Bidens Abtritt war es noch relativ ausgewogen.

Bis 2023 war Kennedy noch Demokrat, unter Obama wurde er u.a. kein Minister, weil die Republikaner im Senat Sturm gelaufen sind („A Kennedy appointment is as liberal as you can possibly get… There is no one based firmer in extremes.“). Und nun will er ausgerechnet den radikalsten Republikaner unterstützen? Vom angeblich radikalen Demokraten zum radikalen Republikaner - er hat quasi den Horst Mahler gemacht, wenn wir schon bei durchgedrehten Verschwörungstheoretikern sind :wink:

Kennedy ist auch einer dieser Typen, die nach und nach immer tiefer in den Hasenbau der Verschwörungstheorien gerutscht ist und spätestens seit Corona einfach völlig durch ist.

Besonders absurd ist dieser Abschnitt aus der Wikipedia:

Daher:
Als Kennedy noch drohte, Wähler von den Demokraten abzuziehen, wurde er von republikanischen Großspendern massiv unterstützt. Nun, wo Kennedy eher Trump Stimmen zu stehlen droht, überlegt er, zurückzuziehen und offiziell Trump zu unterstützen. Das ganze Schmierentheater spricht auch wieder Bände über das amerikanische Wahlsystem… und natürlich über die Person Kennedy. Die ganze Kandidatur wirkt nun so, als wäre ihr Zweck von Anfang an gewesen, die Siegeschancen der Republikaner zu erhöhen. Nach dem Motto: „Wir Republikaner bauen einen aussichtslosen Konkurrenzkandidaten zu den Demokraten auf, damit der ihnen die Stimmen wegnimmt“

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Was sie auch wieder fleißig versuchen:

Aus dem Spiegel-Liveblog:

Man darf davon ausgehen, dass Stephanie Grisham die Familie Trump gut kennt. Sie war von 2017 bis 2019 Pressesprecherin der ehemaligen First Lady Melania Trump. Dann war sie Sprecherin von Donald Trump; und arbeitete anschließend wieder für Melania. Auf der Bühne in Chicago sagt Grisham gerade, dass sie Trump früher glühend unterstützt habe. Aber: »Ich habe ihn gesehen, wenn die Kameras ausgeschaltet waren«, so Grisham weiter. »Hinter verschlossenen Türen verhöhnt Trump seine Anhänger.« Er habe kein Einfühlungsvermögen, keine Moral und keine Treue zur Wahrheit.

Jetzt unterstütze sie Kamala Harris, sagt Grisham. »Sie respektiert das amerikanische Volk.«

RFK Jr. ist seit Jahrzehnten ein militanter Impfgegner und nur insofern ein radikaler Linker gewesen. (Aus dem Grund hatte er auch keine ernsthafte Chance auf irgendwelche Posten, auch die Demokraten haben ihn als Irren betrachtet.) Mit Corona haben die entsprechenden Verschwörungserzählungen eine neue Heimat bei den Rechten gefunden, und damit auch seine kleine Anhängerschaft. Der Gedanke, dass er Stimmen von den Demokraten abziehen könnte, hatte als Grundlage wenig mehr als die Vorstellung dass sein Nachname halt wirken könnte.

Wie gesagt, Umfragen aus der Zeit von Kennedys Kandidaturankündigung haben relativ klar gezeigt, dass der Großteil derjenigen, die angaben, Kennedy wählen zu wollen, von den Demokraten kamen. Da waren eben viele dabei, die einfach Kennedy wählen wollten, weil sie sowohl Biden als auch Trump alleine schon altersbedingt für Unwählbar hielten.

Wem Kennedys Kandidatur tatsächlich mehr hilft wurde seitdem viel diskutiert, aber alle Zahlen aus der Zeit, als Biden noch Kandidat der Demokraten war, sprachen eher dafür, dass Kennedy Biden mehr schaden würde.

Alle Erhebungen nach der Übernahme Harris zeigen hingegen, dass Kennedy Trump mehr schadet als Harris, eben weil die Gruppe der „double-haters“ (also diejenigen, die Trump und Biden komplett abgelehnt haben, u.a. wegen des Alters) jetzt mit Harris eine neue Option hat. Und diese „double-hater“ haben den großen Kern der potenziellen Kennedy-Wählerschaft ausgemacht.

So sehr Ich Kennedy und seine Verschwörungsideologie auch ablehne, aber es ist schon unfair, ihn darauf zu reduzieren. In den Bereichen Sozialpolitik, Außenpolitik und Umweltpolitik vertritt er schon Positionen, die sowohl in Deutschland als auch in den USA als „links“ bezeichnet würden, daher: Er ist grundsätzlich für mehr sozialen Ausgleich (z.B. für eine Vermögenssteuer in Höhe von 2%), für eine radikale Umweltschutzpolitik (deutlich radikaler als die meisten Demokraten) und eine „friedliche“, isolationistische Außenpolitik (was wohl auch deutlich „links“ ist, wobei das aktuell im Hinblick auf die USA und auch Deutschland sehr strittig ist…).

Also inhaltlich - mit Ausnahme der Verschwörungstheorien - ist er schon eher klar dem „linken Lager“ zuzuordnen, weshalb er auch für viele Demokraten eine Alternative war. Gerade deshalb finde ich es so schockierend, dass seine Kampagne nun offen mit dem Gedanken spielt, Trump zu unterstützen, der im Hinblick auf Sozial- und vor allem Umweltpolitik (was Kennedys absoluter Schwerpunkt als „environmental lawyer“ war und auch heute noch ist) das komplette Gegenteil dessen fordert, für das Kennedy steht.

Trump verbindet im Prinzip die schlechtesten Merkmale Kennedys (Verschwörungstheoretiker) mit den schlechtesten Merkmalen der Republikaner (Sozial- und Umweltpolitik). Wenn Kennedy wirklich Trump unterstützt, zeigt das, dass seine Verschwörungsideologie ihm wichtiger ist als alles, für das er sonst sein Leben lang gekämpft hat.

Gut zusammengefasst. Das kennt man ja auch aus der hiesigen Impfverweigerungsquerfront.

Die Frage wäre jetzt, ob die jetzigen Kennedy-Fans noch eine Rolle als Zünglein an der Waage in gewissen Swing States spielen könnten, wenn sie, wie du schreibst, ohnehin schon mehrheitlich zu Trump tendieren. Sofern das in den letzten Polls schon eingepreist ist, wäre der Effekt allenfalls gering.

Anlass zur Hoffnung, dass das inzwischen weniger relevant ist, besteht jedenfalls:

Harris has surpassed Trump by a whopping 32 points among 18- to 29-years-olds living in seven battleground states as of Tuesday, according to polling from Voters of Tomorrow.

Anders als hierzulande sind die Youngsters demografisch keine so unbedeutende Wähler:innengruppe.

Und Running Mate Tim Walz bringt die Street Credibility ein: