Wie gesagt, Umfragen aus der Zeit von Kennedys Kandidaturankündigung haben relativ klar gezeigt, dass der Großteil derjenigen, die angaben, Kennedy wählen zu wollen, von den Demokraten kamen. Da waren eben viele dabei, die einfach Kennedy wählen wollten, weil sie sowohl Biden als auch Trump alleine schon altersbedingt für Unwählbar hielten.
Wem Kennedys Kandidatur tatsächlich mehr hilft wurde seitdem viel diskutiert, aber alle Zahlen aus der Zeit, als Biden noch Kandidat der Demokraten war, sprachen eher dafür, dass Kennedy Biden mehr schaden würde.
Alle Erhebungen nach der Übernahme Harris zeigen hingegen, dass Kennedy Trump mehr schadet als Harris, eben weil die Gruppe der „double-haters“ (also diejenigen, die Trump und Biden komplett abgelehnt haben, u.a. wegen des Alters) jetzt mit Harris eine neue Option hat. Und diese „double-hater“ haben den großen Kern der potenziellen Kennedy-Wählerschaft ausgemacht.
So sehr Ich Kennedy und seine Verschwörungsideologie auch ablehne, aber es ist schon unfair, ihn darauf zu reduzieren. In den Bereichen Sozialpolitik, Außenpolitik und Umweltpolitik vertritt er schon Positionen, die sowohl in Deutschland als auch in den USA als „links“ bezeichnet würden, daher: Er ist grundsätzlich für mehr sozialen Ausgleich (z.B. für eine Vermögenssteuer in Höhe von 2%), für eine radikale Umweltschutzpolitik (deutlich radikaler als die meisten Demokraten) und eine „friedliche“, isolationistische Außenpolitik (was wohl auch deutlich „links“ ist, wobei das aktuell im Hinblick auf die USA und auch Deutschland sehr strittig ist…).
Also inhaltlich - mit Ausnahme der Verschwörungstheorien - ist er schon eher klar dem „linken Lager“ zuzuordnen, weshalb er auch für viele Demokraten eine Alternative war. Gerade deshalb finde ich es so schockierend, dass seine Kampagne nun offen mit dem Gedanken spielt, Trump zu unterstützen, der im Hinblick auf Sozial- und vor allem Umweltpolitik (was Kennedys absoluter Schwerpunkt als „environmental lawyer“ war und auch heute noch ist) das komplette Gegenteil dessen fordert, für das Kennedy steht.
Trump verbindet im Prinzip die schlechtesten Merkmale Kennedys (Verschwörungstheoretiker) mit den schlechtesten Merkmalen der Republikaner (Sozial- und Umweltpolitik). Wenn Kennedy wirklich Trump unterstützt, zeigt das, dass seine Verschwörungsideologie ihm wichtiger ist als alles, für das er sonst sein Leben lang gekämpft hat.