Seit Kamala Harris bei den Demokraten das Ruder übernommen hat, kann die Welt wieder deutlich zuversichtlicher in die Zukunft blicken.

Im gewichteten Mittel der aktuellen Umfragen (n. FiveThirtyEight) liegt sie inzwischen deutlich vor Donald Trump:

Harris-Trump

Die Umfragen in diversen Swing States beginnen sich zu drehen. Und mit ihrem Running Mate Pick hat sie ein sehr gutes Gespür bewiesen:

Democratic vice-presidential candidate Tim Walz is getting a more positive public reception than his Republican counterpart: More Americans see Walz favorably than unfavorably, contrary to JD Vance, and more approve of Walz’s selection for the nation’s No. 2 job, according to new ABC News/Washington Post/Ipsos poll.

Republikanischen Führungsfiguren schwant Schlimmes:

Denn Trump & Co. verzetteln sich in bizarren Attacken und Lügengeschichten, jüngstes Beispiel:

Doch das Harris-Walz-Team lässt sich nicht ins Bockshorn jagen, sondern schlägt zurück:

Die Zeit ist so angetan, dass sie gleich mal die Nachahmung bestimmter Wahlkampfstrategien empfiehlt.

Momentan sieht es gut aus, aber vor einem Monat sah es noch schrecklich aus - und es ist schwer zu sagen, wie es in 2,5 Monaten aussehen wird. Ab Mitte Oktober wird es wichtig, denn dann beginnt in den ersten Staaten das „early voting“. Bis dahin kann sich noch alles ändern, zum Positiven oder Negativen.

Aber es ist generell großartig, dass wir jetzt wieder an dem Punkt sind, an dem alle Experten sagen, dass das Rennen mindestens wieder offen ist, während vor einem Monat noch fast jeder Experte sagte, dass die Demokraten unter Biden kaum eine Chance haben werden. Dennoch: Das müssen Harris, Walz und co. jetzt noch über die Ziellinie tragen und es kann noch viel passieren… gerade die wirtschaftliche Entwicklung in den USA ist für viele Wähler entscheidend.

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Auszuschließen ist Letzteres nicht gänzlich. Aber Harris wird sich keine Lapsus wie Clinton erlauben. Und Walz ist ein echter Joker.

Meiner Einschätzung nach wird Harris den Abstand zu Trump noch vergrößern und die meisten Swing States drehen.

Ich wünsche mir auch ein Revival der Johnson-vs-Goldwater-Wahl 1964.

Also eine Wahl, die so eindeutig ausgeht, dass selbst dem letzten Hardcore-Trumpisten klar wird, dass das kein „Wahlbetrug“ sein kann. Aber Goldwater war ein historisch schlechter Kandidat der Republikaner (ernsthaft, der Typ hat den Einsatz von Atomwaffen im Vietnamkrieg vorgeschlagen… und war gegen den Civil Rights Act…) und selbst Trump wirkt dagegen fast noch vernünftig…

Dennoch gibt es hier auch Parallelen: Mit Lyndon B. Johnson trat auch damals der Demokrat in der Präsidentschaftswahl an, der in der Legislaturperiode zuvor nur als Vizepräsident gewählt wurde (aber durch das Attentat auf Kennedy dann noch für ein Jahr Präsident wurde).

Also ja, ich hoffe, dass die Karte der Wahl im November ähnlich aussehen wird, wie damals bei Goldwater, aber das ist natürlich sehr optimistisch. Ich fürchte, es wird ein knappes Rennen aber denke auch, dass Harris gewinnen wird, wenn sie sich keinen totalen Fail leistet.

Die Sache mit Kamala Harris ist, dass sie sich bis jetzt noch keinem richtigen Interview gestellt hat, seit sie Kandidatin ist. Und für die Primaries vor den Wahlen 2020 galt sie eigentlich auch als die Top Favoritin des Establishments, dann ist ihre Kampagne aber in den Debatten komplett zusammengebrochen. Ein Grund ist wohl, dass sie sich nicht richtig auf Debatten vorbereitet. Von daher kann sich da noch einiges ändern. Und gerade mit dem absurden Wahlsystem der Amerikaner kann man eh nichts vorhersagen. Man kann aber definitiv optimistischer sein als mit Biden…

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Verschwörungsphantasmen sind leider völlig realitätsunabhängig. Und zumindest in den USA gibt es eine Asymmetrie nach politischer Ausrichtung.

Trotzdem pflichte ich dir bei, dass ein möglichst deutlicher Wahlsieg anzustreben ist.

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Harris wird sich ihrer Verantwortung für die USA und die Welt wohl bewusst sein.

Das Harris-Walz-Ticket gilt jedenfalls mittlerweile als besonders linksliberal. Das MAGA-Framing als angeblich „linksextrem“ ist allerdings jetzt schon gescheitert.

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Die letzten 3 Wochen waren für Trump katastrophal.

Angefangen bei der Wahl von JD Vance als Running Mate, was sich als komplettes Eigentor herausgestellt hat:

  1. Er zielt auf die selben Wählergruppen ab wie Trump
  2. Er hat den Ruf, sehr sehr faul zu sein, Stichwort “if he does get up from his couch”.
  3. Er hat es geschafft, sich es innerhalb von 3 Wochen bei mehreren Wählergruppen zu verscherzen, Stichwort “Cat Lady”.

Trump selbst kommt als Narzisst überhaupt nicht damit klar, aktuell nicht im Mittelpunkt zu stehen, und da diese Woche Parteitag der Demokraten ist, wird dies auch erstmal so bleiben. Und statt auf große Wahlkampftour zu gehen, was jetzt eben doch notwendig wäre, gibt er absolut obskure Pressekonferenzen und Veranstaltungen in Country Clubs, wo er nach kürzester Zeit vom Teleprompter abweicht, und nicht wie von seinen Strategen vorgesehen Sachthemen anspricht, sonder off-script sich in völlig durchgedrehte Rants begibt.
So hat Trump im Prinzip kein Sachthema, welches er ernsthaft und sachlich anspricht. Und dies beginnt außerhalb der Hardcore MAGA Leute immer stärker zu langweilen. Und ich glaube, dies ist aktuell, aus Sicht der Trump Campain, die größte Sorge: Trump wirkt langweilig (man hat inzwischen alles schon hundertfach gehört), alt und zunehmend komisch (Stichwort “weird”).

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Das wäre super.
Aber „popular vote“ sagt ja nicht viel aus, leider.

aber ist ein Segen für Comedians wie Jon Stewart… (über Crowd Sizes, Helicopter und Kamala als existenzielles Risiko)

Ein Rausschmiss von Vance könnte ihm helfen, und dann könnte er mit einer ausgedehnten Suche nach einem neuen VP-Kandidaten Aufmerksamkeit zurück bekommen. Aber im Moment hat Trump den Faden verloren, das Momentum ist ihm entglitten, er wirkt verzweifelt und wirr. Das trifft ihn als Egomanen besonders schwer. Vorstellbar, dass er die Zeit bis zur Wahl gar nicht mehr durchsteht. Das kann sehr schnell gehen.

Umm, das ist so nicht ganz korrekt. Also klar, „laziness“ gehört zu den Vorwürfen, die gerade linke Medien gegenüber JD Vance anbringen, aber das hat weniger mit der Couch-Story zu tun.

Die Couch-Story ist tatsächlich leider - da muss man mal kritisch gegenüber der eigenen Seite sein - ein rhetorischer Tiefschlag auf Trump-Niveau. Hintergrund ist, dass ein Twitter-User behauptete, in JD Vance „Hillbilly Elegy“ hätte Vance geschrieben, dass er Sex mit einer Couch gehabt hätte (genau genommen mit einem Latex-Handschuh zwischen zwei Couch-Kissen). Das ist aber nachgewiesen falsch, derartiges findet sich nicht in dem Buch. Die Story des „Couchfuckers“ hat sich aber gehalten und wurde selbst von Tim Walz während seiner Vorstellung mit Kamala Harris verwendet („If he gets up from his couch. You see what I did there“).

Selbst sehr liberale Sender wie NBC oder npr kritisieren die Demokraten dafür - wohl mit Recht:

Es kommt halt schlecht, wenn man Trump ständig das Verbreiten von Fehlinformationen und unsachliche persönliche Angriffe vorwirft, dann aber selbst diese Strategie fährt. Ich würde den Demokraten daher auch raten, diese Couch-Story nicht weiter zu nutzen.

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Update:

Die Couch-Story ist wohl wirklich keine Glanzleistung. Die ist mir aber auch hauptsächlich über Social-Media aufgefallen und nicht durch direkte Statements der Demokraten. Deren einziger Bezug dazu ist der Satz „if he gets up from his couch“.

Daher finde ich es schon interessant, dass jetzt den Demokraten sofort vorgeworfen wird, sich auf Trump-Niveau herabzulassen und wie schlecht das (bei wem?) ankäme.
Das Gegenteil der Fall: Es ist gut, dass die Demokraten endlich in der Offensive sind und sich nicht mehr hinter „they go low, we go high“ verstecken. Beschreibungen wie „weird“ oder die viel bessere, offensive Kommunikation auf Social-Media (siehe Bilder unten) sind einfach viel erfolgreicher als die staatsmännische Zurückhaltung der Vergangenheit, die nur dazu führte, dass Trump freie Bahn hatte und Themen setzen konnte.

Beispiele für offensive Social-Media-Posts von Team Harris/Walz:



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Die Harris Situation erinnert mich stark an den Schulz-Zug. Hauptsächlich getrieben von Hype und Hoffnung. Das wird nicht ewig anhalten, wenn keine Interviews, programmatische Inhalte und Debatten kommen denke ich.

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Die Debatte ist für den 10. September terminiert.
Das wird auf jeden Fall noch mal ein entscheidender Tag.
Ansonsten ist es aber vor allem Trump, der sich momentan aus allem heraushält.

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Wie kommen sie zu diesen Aussagen?
Die Harris Kampagne ist gerade 3 Wochen alt, ihren Running Mate kennen wir seit 2 Wochen.
In dieser Zeit waren beide bereits auf Wahlkampftour, v.a. In den Swing States, und haben einige Reden gehalten, die alle live im amerikanischen TV zu sehen waren.
Und diese Woche ist Parteitag, auf dem sie am Donnerstag Abend, ebenfalls übertragen von allen großen Netzwerken, eine bestimmt 1,5 Stündige Rede halten wird.
Taktisch ist dies klug. Erst die Rede, dann in die TV Shows.

Und ich glaube generell, dass es in diesem Wahlkampf nicht groß um Inhalte gehen wird. Zu den 3 großen Themen (Migration, Inflation / Wirtschaft und Gesundheit) wird es von Harris und Trump einzelne Aussagen, eventuell Vorschläge geben, wie man die Sache angehen will, und mehr wird da nicht kommen.

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Bezüglich der Rants habe ich auf Youtube einen tollen Film gesehen:
The Bulwark: Even Fox can’t save Trump. Anchors struggle to stop Trump disaster.

Da drin sind viele Szenen die zeigen wie sich diverse Moderatoren der Fox News shows damit abmühen Trump halbwegs brauchbare Aussagen in den Mund zu legen. Und Trump es einfach nicht schafft auch nur einen klaren Gedanken in Worte zu fassen.

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Das Üble in den USA ist:

Die Demokraten müssen nur ihre Wähler mobilisieren.
Die Republikaner müssen nur die Wähler der Demokraten vom Wählen abhalten.

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Wie du in den verlinkten Artikeln oben sehen kannst, wird das Couch-Narrativ schon häufiger eingesetzt. Beim Rest gebe ich dir Recht - natürlich müssen die Demokraten auch offensiv agieren, aber Trump und Vance bieten eben genug „richtige“ Angriffsfläche, sodass man sich nicht dazu herablassen sollte, urbane Mythen (genauer: Falschinformationen) zu nutzen.

Ich würde eher sagen:
Das Üble in den USA ist, dass die Stimmen von 90% der Bevölkerung nahezu irrelevant sind, weil es immer nur auf die Swing States ankommt. Die Republikaner könnten eine Topfpflanze als Kandidat aufstellen und würden immer noch die Staaten im Bible Belt gewinnen, die Demokraten könnten eine Schaufensterpuppe aufstellen und würden immer noch die Staaten an der Ostküste gewinnen…

Den „popular vote“ haben die Demokraten über die letzten 32 Jahre nur ein Mal verloren: 2004 im Zuge der Nachwirkungen des 11. Septembers. Sonst haben immer die Demokraten mehr Stimmen gehabt. Dass Rassisten in den USA schon seit über 150 Jahren versuchen, zu verhindern, dass z.B. die Schwarzen ihr Wahlrecht wahr nehmen können (welches sie offiziell seit 1870 haben), ist natürlich auch ein riesiges Problem.

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