Das Thema kam bereits schon öfter, wir erleben es gerade live:
In unserem Stadtteil in Berlin hat die Deutsche Glasfaser mit viel Aufwand Öffentlichkeitsarbeit betrieben, hat die Türklinken aller Haushalte geputzt um die wirtschaftliche Machbarkeit über eine Nachfragebündelung zu prüfen. Sie haben letztes Jahr offenbar weitgehend das Quorum erreicht. Jedoch war etwas seltsam, dass es nur mündlich eine Bestätigung gab, aber schriftlich es sich bis in den Januar/Februar diesen Jahres ziehen sollte, bis es entgültig bestätigt ist.
Vor wenigen Tagen haben nun alle Telekom-Kund*innen in unserem Stadtteil die Email bekommen, dass der Glasfaserausbau beginnt. Ich habe dort angerufen und gefragt, inwiefern das mit dem geplanten Glasfaserausbau der Deutsche Glasfaser zusammenhängt und ob es dasselbe Netz sei, weil ich mich dort für die Nachfragebündelung bereits angemeldet habe. Da sagten die, dass sie in derselben Region komplett unabhängig von der Deutschen Glasfaser jetzt ein Glasfasernetz bauen. Ich fragte, ob es dann sein könnte, dass die Straße zweimal aufgerissen wird? Ja, das kann sein.
Was für ein volkswirtschaftlicher Irrsinn! Auf der anderen Seite braucht man nicht viel Phantasie, dass es sicherlich am Ende nur ein Netz geben wird. Da die Nachfragebündelung der Deutsche Glasfaser nicht abgeschlossen ist, springen jetzt die Kund*innen schnell zur Telekom über. Und das passiert: In der lokalen Ortsgruppen berichten die Leute, dass sie bei der Deutsche Glasfaser eine Stornierung ihres Auftrags eingereicht haben und offenbar sofort eine Bestätigung erhalten haben. Damit dürfte die Nachfragebündelung scheitern - und Telekom am Ende gewinnen.
Das finde ich politisch einen absurden Vorgang. Warum werden die Regionen nicht priorisiert, ausgeschrieben und dann baut eine Firma das Netz in einem bestimmten Zeitraum. Basisinfrastruktur. Und andere können sich da reinklemmen. Oder noch besser: Der Staat übernimmt es: Das klappt doch bei Wasser, Strom, Kupfer, Gas etc. auch wunderbar, oder?!
@Ulf&Philip @vieuxrenard : Das vielleicht noch einmal als Impuls, falls ihr die Glasfaser-Problematik als Case druckfrisch sucht.
Das hat wenig mit dem offenen Wettbewerb zu tun. Fairer wäre zu sagen, first come, first serve. Meiner bescheidenen Meinung nach wäre es gut, wenn das politisch unterbunden werden würde. Dann würde Telekom ihre Strategie nochmal überdenken.
@JGM Aber, um beim Thema zu bleiben, es gibt Hoffnung, dass es anders geht und möglicherweise passieren wird. In unserem Stadteil in Hamburg wurden letztes Jahr in relativ kurzer Zeit großflächig Glasfaser verlegt im Auftrag der Telekom, nachdem ein anderer kleiner Anbieter (so wie in ihrem Fall geschildert) überall Werbung gemacht hat. Sie hatten sogar so kleine Schilder bei den Häusern aufgestellt für mehr Präsenz. Hatte aber leider (fürs Unternehmen) nicht funktioniert.
Um die Kabel zu verlegen wurden keine Straßen aufgerissen, sondern es wurden die Gehwege benutzt. Teilweise wurden diese parallel zu Wasserrohren verlegt, wo schon Schächte existieren und dadurch nicht der komplette Gehweg, sondern nur an bestimmten Stellen, gebuddelt werden musste. Zudem hat es das berliner Unternehmen Quick City gemacht und da ist der Name Programm. Jetzt ragen überall Glasfaseranschlüsse aus der Erde raus und ich habe schon gesehen, dass manche Häuser (wahrscheinlich Telekomkunden) das direkt angeschlossen bekommen haben.
Vor und nach den Bauarbeiten sind natürlich Telekommitarbeiter überall rum gelaufen und haben versucht neue Verträge abzuschließen und so getan, dass es mit anderen Anbietern nicht möglich wäre. Meine Nachbarin haben sie sogar über eine halbe Stunde damit „gefoltert“. Es geht aber doch in meinem Fall mit vodafone, dauert nur ein wenig länger und ist ab Juni 2026 wohl möglich.
Sei doch froh. Bei uns hat die deutsche Glasfaser eine Nachfrage bündelung im Sommer 2025 gemacht, die knapp über dem Ziel war.. erstmal gut, oder? Nö, denn in den nächsten Jahren wird da eh nicht gebaut, Still ruht der See.. gestiegene Kosten, Blabla…überall liest man dass die DG massiv zurückfährt.. ich würde mich freuen, dass die Telekom bei euch nun anfängt… vom reinen „wir planen“ wird dein Internet ja nicht besser…
Ich hab ehrlich gesagt immer gedacht, dass es genau so läuft naja…
Bei meinen Eltern gibt es grade eine dubiose Situation mit der Telekom. Sie wohnen in einem 400 Einwohner Dorf in Ostwestfalen im Außengebiet, also außerhalb der geschlossenen Ortschaft. Der Ortsvorstand hat sich massiv für den Glasfaserausbau im ganzen Ort inkl. der zahlreichen Außengebiete eingesetzt und konnte mit der EON eine Einigung erzielen. Es wurden ALLE Häuser kostenlos angeschlossen mit der üblichen Zusicherung, dass auch ein Vertrag mit dem Anbieter abgeschlossen wird. Die Leitungen sind nun alle verlegt und die Anschlüsse werden voraussichtlich im nächsten Jahr (2027) aktiviert. Die EON hat die Kündigung der laufenden Internetverträge übernommen. Soweit so gut.
Kurz darauf gibt es einen Anruf der Telekom, die versucht hat meine Eltern massiv zu verunsichern und sie regelrecht unter Druck gesetzt hat: das ganze Verfahren sei illegal, sie würden dann anschließend doppelt bezahlen (worauf meine Mutter schlagfertig sagte: Wieso? Ich habe euren Vertrag ja fristgerecht gekündigt…also euch bezahle ich dann nicht mehr.).
Ich denke, die Telekom sieht ihre Felle schwimmen. Die Art und Weise finde ich absolut unseriös. Meine Eltern haben schon jetzt entschieden, dass sie selbst nach Freigabe der Leitungen nach zwei Jahren nicht wieder zur Telekom zurückgehen werden.